Gaselen

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Gaselen
France Prešeren
Prevod cikla Gazele.
Prevajalec: Klaus Detlef Olof
Izdano: غزل – Ghaselen aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof. Klagenfurt, 1985 (18 izvodov); drugič v 90 izvodih pod naslovom Gazele Dóktorja Francéta Prešérna (1800-1849) / Gaselen des Doktor Francé Prešéren (1800-1849). Celovec: Zasebni natis [Klaus Detlef Olof], 1990. (COBISS)
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Poglavja 1 2 3 4 5 6 7 dno

1[uredi]

Mein Gedicht ist eine hehre Schale deines Namens,
meines Herzens Herrn, das Magistrale deines Namens;
darin trag von West nach Osten unter meine Brüder,
die Slowenen, ich das Madrigale deines Namens;
auf der Schale wird von Volk zu Volk den Ruhm man lesen
einst, den ich mit goldnen Lettern male, deines Namens,
dass von ihr auch dann noch, wenn wir beide lang schon jenseits
Charons Fähre, hell das Licht erstrahle deines Namens.
Mehr als Delias, Corinnas, Cynthias und Lauras
wär es schade um das Ideale deines Namens.

2[uredi]

Die Augen fragt’ ich oftmals, ob ich dich
wohl lieben darf, doch Antwort ward mir nicht.
Von ferne, Liebste, blickt dein Auge freundlich,
doch nah rümpfst du die Nase über mich.
Und wenn auf dich ich meine Blicke richte,
entziehst du meinen Augen dein Gesicht.
Doch schau ich einmal nur nach einer andren,
verbirgt dein Zorn vor keinem Menschen sich.
So weiß, ob du mich liebst, ob du mich hassest,
dir’s recht zu tun, ich Armer wirklich nicht.

3[uredi]

Wer die kummervolle Wahrheit selbst nicht fand, dass ich sie liebe,
dem ward längst in meinen Liedern einbekannt, dass ich sie liebe.
Längst weiß es die Nacht, sie sieht mich schlaflos, hört mein bittres Seufzen,
längst weiß es Aurora, weiß ihr Liebespfand, dass ich sie liebe.
Längst weiß es der Morgen, Mittag, kennt die dunkle Abendkühle
meiner welken Wangen bleichen Feuersbrand, dass ich sie liebe.
Weder ist der stillen Einsamkeit, den Wänden meiner Wohnung,
noch dem städtischen Getriebe unbekannt, dass ich sie liebe.
Längst weiß es der Vogel, der sich aufschwingt, wo die Liebste wandelt,
längst weiß es die Blume dort am Wegesrand, dass ich sie liebe.
Längst weiß ihres Hauses Schwelle, jeder Stein in ihrer Nähe,
weiß auf meinem Pfad der tränenfeuchte Sand, dass ich sie liebe.
Längst weiß jedes Ding, davon zu wissen, glauben, nur zu hören
sich mein liebes Mädchen weigert unverwandt, dass ich sie liebe.

4[uredi]

Liebste, ach, ich weiß, wie über mich die alten Weiblein schwätzen
und sich über meiner Liebe Lauterkeit zum Richter setzen,
wie sie’s an den Fingern ab dir zählen, welche ich geliebt und
welche nicht, wenn am Kaffeetisch sie die scharfen Zungen wetzen.
Aber höre meine Beichte, ohne Schuld wirst du mich, schuldig
selbst dich finden – denn welch groß Vergehen fordert solch Entsetzen:
Ist noch nicht erblüht die Rose, stehn in Ehren bei uns Veilchen,
Märzenbecher, Tausendschönchen, heißt’s auch andere Blumen schätzen.
Wer noch nie den süßen Liedern hat gelauscht der Philomele,
wird an Finken, Ammern, wird an andren Sängern sich ergötzen.
Wie ihr höchste Ehr’ erweisen, auf den ersten Rang sie heben,
wenn sie nicht erscheint, die Kön’gin, hier an ihren Sammelplätzen.
Hatten es zuvor die Mädchen, hat, seit du blühst unter ihnen,
keine Schöne mehr das Recht jetzt, unsre Herzen zu besetzen.
Das bedenke, nicht verargend, dass nun auch von meinen Augen
sich die dunklen Schleier heben, seit sie Sonnenstrahlen letzen.

5[uredi]

Die wir letztes Jahr dich noch beim Spiele sah’n, – die Zeit entflieht,
du fachst heuer schon die Herzen Laibachs an, – die Zeit entflieht.
Wo du gehst, begleiten junge Männer dich mit ihrem Blick,
weist ein Satellitenschwarm die Sternenbahn, – die Zeit entflieht.
Jetzt ist Hannibal bei Cannae, Sieger, dein Gesicht und Rom,
unser Herz, geschreckt, doch nicht im Schreckenswahn, – die Zeit entflieht.
Hochmutsvolles Mädchen, denk’, wie kurz nur jede Blüte währt,
sieh im Heumond schon den Herbst des Jahres nah’n, – die Zeit entflieht.
Ach, erhör den armen Sänger, den dein Blick verwundet hat,
eh’ noch seinem Schmerz das Alter ein Machān, – die Zeit entflieht,
Dass die Schönheit Helenas, vor Troja vieler Männer Tod,
nicht vergessen ist, hat nur das Lied getan, – die Zeit entflieht.

6[uredi]

Ob der Same je wird keimen, der ihn sät, er weiß es nicht,
wer den Baum pflanzt, ob die Frucht am Zweig gerät, er weiß es nicht.
Unterm Himmelszelt müht sich der Wanderhirte Jahr und Tag,
wie’s am Jahresende mit der Aufzucht steht, er weiß es nicht.
Und der Handelsmann durchmisst die ganze Welt, ob sein Gewinn,
wenn er seine Rechnung legt, ins Haben geht, er weiß es nicht.
Der Soldat, den die Trompete in den Schlachtendonner ruft,
ob nur Durst sein Sold, ob ihn der Tod hinmäht, er weiß es nicht.
So geht’s auch dem Sänger der Gaselen, ob du sie je liest,
ob ein warmer Hauch das Herz aus Eis durchweht, er weiß es nicht.
Ob du weißt, dass du sein dichterisches Feuer zündest, schürst,
ob er seine Liebe jemals dir gesteht, er weiß es nicht.

7[uredi]

Wer sie liest, beurteilt jeweils anders meine Lieder,
einer lobt sie, Schäm dich!, ruft empört der andre wieder.
Der da rät mir: Schreib Sonette; jener: Sing Balladen,
und dem dritten schwillt bei Pindars Oden erst das Mieder.
Klingen diesem angenehm womöglich nur Gaselen,
gleich sagt jener: unser Vodnik war ihm wohl zu bieder?
Scheint den Liederlichen all zu unschuldsvoll mein Dichten,
senken Frömmlerinnen wie vor Teufelswerk die Lider.
Doch ich wollte nichts, als dir allein, mein Lieb, gefallen,
andre fragt’ ich nicht, was hallt in ihren Köpfen wider.