Reiseerinnerungen aus Krain

Iz Wikivira, proste knjižnice besedil v javni lasti
(Preusmerjeno s strani Reiseerrinerungen aus Krain)
Skoči na: navigacija, iskanje

Vstavi glavo.

Vir: dLib 1848

Neiseerinnerungen lPKNt, H e i n r i c h G o st a. Mit Ansichlen Mn, Lnibach, Meusladtl, Velde« und Lueg.

Neiseerinnerungen au« raini von H e i n r i c h Gosta.

Mein Krain

Ist gar ein seltsam rätselhaftes Land; Nicht so wie and'« Länder liegt es da. Ein «ufgeschlag'nes Buch» von dessen Blattern Das Aug' im Flug den klaren Inhalt hascht; Nein, hinter unscheinbaren Zeichen birgt Es hohen Werth und kaum geahnten Sinn: Begreifen muß man «s, um es zu lieben. I . G, Seibl. Druck der Eger'schm Vut>«rni>»l»Duch>ruck»rei. O H Q Q O ^ ^ - ^ Seiner kaiserlichen Hoheit, dem durchlauchtigsten Prinzen und Herrn, IHsmn Maplisti Kais. Prinzen und Erzherzog »<m Weslcrrcich, Klnigl, Prinzen zu Ungarn und Pöhmen:c. :c. lc. d em erhabenen Kenner, Beschützer und Beförderer jedes Guten und Schönen, in tiefster Ehrfurcht geweiht, Verfasser.

V o r w o r t . er oft laut gewordene Wunsch nach einem Werke, welches dem gebildeten Reisenden im wundererfüllten, aber viel zu wenig gekannten und gewürdigten Lande Krain als Wegweiser dienen könnte, hat mich veranlaßt, die Erinnerungen an meine dienstlichen und außerdienstlichen Reisen aus meinem Reisetagebuche und Gedächtnisse hervor zu heben, zeitgemäß zu ordnen und sofort mitzutheilen. Weit entfernt zu glauben, daß hiermit dem Bedürfnisse und den allseitigen Wünschen vollkommen Genüge geleistet sey, nähre ich die Hoffnung, daß hier wohl Niemand naturhistorische oder geschichtliche Abhandlungen und noch weniger ausführliche Monographien einzelner Orte suchen werde; was ich biete, sind lediglich Neiseerinnerungen im einfach erzählenden Gewände mit etwas patriotischer Färbung, und da die Reisen vom Hauptquartier Laibach ausgingen, so gebe ich auch eine Skizze dieser Provinzial-Hauptstadt und der Geschichte des Landes. Es hätten allerdings noch manche schönen und mir gar wohl bekannten Puncte berührt werden können, eine allumfassende Beschreibung des Landes lag jedoch eben so wenig in der Tendenz dieses Büchleins, als die Ausdehnung auf jene Gegenden, welche abseits von der gewöhnlichen D VI Route der Reisenden, für diese nicht ein ganz besonderes Interesse bieten. Um mich vor dem Vorwurfe zu verwahren, daß ich als Oieeio pro äomo auftrete, habe ich allenthalben, wo ich Aussprüche von Fremden über mein Vaterland fand, diese wörtlich wieder gegeben, mit eigenen Worten aber getadelt, was mir tadelswerth schien. Von besonderem Interesse hielt ich die Alpenwanderungen V osio's, v. Rosthorn's, v. Hermannsthal's undNepozitek's, und ganz vorzüglich die denkwürdigen botanischen Reisen S r . M a j . des Königs Friedrich August von Sachsen in Kram, daher ihre Aufnahme hier wohl gerechtfertigt seyn dürfte. Die beigegebenen Ansichten mögen eben nur als eine Beigabe angesehen werden. Laibach, im September 1847. Der Verfasser. Laibach und seine Umgebungen; Umriß der Geschichte Krain's. Nomilnuium «ul, Oelaviunn Hu^n8tc» Oo^nnwm, ter inille prop« aunnluin »elllle vene>an<lam, «eml>er lamen ve- » «»^3er die Hauptstadt Krain's genau in der Nähe übersehen, und zugleich die Aussicht in die anmuthige Gegend genießen will,« — sagt Adalbert Jos. Krikel, S . 283, des 2. Theiles seiner Fußreise durch den größten Theil der österreichischen Staaten, »der erhebe sich, wie ich, auf den rund herum mit schönem Grün umgebenen Schloßberg, um auf allen Seiten die Gegenden der Stadt zu beschauen. Gegen Norden hat man die Aussicht auf die immer mehr sich erhebenden Steineralpen, die von der Scadt Stein ihren Namen tragen, an deren Abhängen sich eine Menge Ortschaften und Schlösser herrlich ausnehmen; mehr gegen Westen erhebt sich der reizende, doppelhügelige Kahlenberg mit einer Wallfahrtskirche. Westlich ist ein stundenlanges Feld, welches Waldhügel einschließen und wo man in weiter Ferne den Triglau, den höchsten Berg Krain's, den ich wie den Loibel heute wegen zunehmenden Nebels nicht ausnehmen konnte, mit seinen drei Gipfeln sehen kann. Unter sich die schöne Stadt Laibach.« Kein Reisender, der sich nur einige Stunden in Laibach aufhält, und dem es daran liegt, die Lage der, Stadt und ihrer Umgebung kennen zu lernen, wird es unterlassen, allein oder besser noch in Begleitung eines Eingebornen den Schloßberg, der bis zur Neisfnim». nlil« Krn!n. Spitze des Uhrthurmes nur 192 W. Klafter über der Meeresfläche hoch, und nur 33 Klafter hoher, als die Stadt selbst ist, zu ersteigen, um sich hier umzusehen. So begleitete ich an einem heitern Frühlingsmorgen des Jahres 1844 den jungen, empfänglichen Maler August Schräm aus Breslau, der sich durch einige Monate hier aufhielt und heimisch fühlte, dahin, und wir machten einander auf Momente der Aussicht aufmerksam, die mir sonst ungeachtet ihrer Schönheit und der oftmaligen Ersteigung dieser Lieblingshöhe minder aufgefallen waren. Vorzüglich war es die Gruppirung der Anhöhen über den Rosenberg hinaus, in immer mehr sich erhebenden Hügeln, Berglein und Bergen bis zum Giganten Triglau hinüber, und jenseits in die Berge von Auersperg, Reifnitz und Gottschee, dann die malerische Fernsicht nach Ost und Nordost in das Savethal gegen Unterkrain und Steiermark hinab, und südlich über die grüne Fläche, welche die Laibach bespült, und über den anmuthigen, aber leider sehr lichten Stadtwald gegen Oberlaibach hinüber, wo sich im Hintergrunde eine grün bewachsene Gebirgskette, vom Krimm aus, dahin zieht. Alles dieß sprach den genialen jungen Maler ungemein an, es interessirte ihn aber auch das ehemalige Schloß und die Festung am Castellberge, welche jetzt den Berg als Ruine ziert, und ich erzählte ihm, dasi das Schloß im 44. Jahrhunderte von den Markgrafen von Kram erbaut, durch Zubauten allmählig vergrößert worden sey, und vom Herzog Ulrich I I I . im Jahre 42«4 dem Patriarchen Gregor von Aquileja abgetreten, vom König Ottokar gewaltsam erobert, demselben aber von Rudolph von Habsburg abgenommen wurde; weiters, daß es 4579 und 4580 mit Wällen befestigt, und daß der runde Thurm auf der hintern Schloßbastion gegen Unterkrain und der Wachtthurm ober der Stadt 4544 erbaut worden; letzterer wurde am 44. August 4813 von den Franzosen niedergerissen; sämmtliche Befestigungswerke sind seit dem letzten Befreiungskriege im Verfall und werden nun allmählich gänzlich demolirt. Im zweiten Preußenkriege wurde das Castell mit gefangenen Preußen angefüllt, unter denen die Sterblichkeit an Petechen einriß; die Verstorbenen wurden im Castellgraben beerdigt, was wohl zu merken ist, denn das dereinstige Auffinden dieser Gräber könnte zu irrigen Forschungsresultaten den — 3 — Anlaß geben, was den Geschichtsforschern wohl nicht selten begegnen mag. Nach der Reoccupirung Krain's durch Oesterreich wurde ein hölzerner Wacht- oder vielmehr Uhrthurin aufgesetzt, welchen demnächst ein gemauerter Thurm ersetzen soll. Hier wird um 7 Uhr des Morgens geläutet; dieses Geläute zum Gebet, um Abwendung der Türkengefahr, wurde im Jahre 1684 eingeführt. Das Schloß« gebäude ist seit dem Jahre 1814 der Verwahrungsort für Sträflinge aus Krain und Kärnten, und zwar bis zu einer Strafzeit von 10 Jahren. Die S t . Georgs-Capelle im Castell, zu welcher am heil. Georgstage und am darauffolgenden Sonntage Jedermann der Zutritt gestattet wird, ist wegen den vielen, auf der Wand gemalten Wappen der Landeshauptleute bis 1740, nicht uninteressant. Der heil. Georg ist der Patron des Castells und der Stadt Laibach; die Heiligen: Hermagoras und Fortunatus, die ersten Verbreiter des Christenthums in der Gegend Krain's, sind dagegen die Patrone des Landes Krain, und der heil. Joseph ist es von ganz Illyrien. Den jungen Mann interessirte weiters die Geschichte des Landes und der Stadt, und ich erzählte ihm zwischen mehr und weniger beiläufig Folgendes: Das heutige Krain war im Alterthum kein Land für sich, sondern es bildete integrirende Theile des alten Illyriens, dann von Pannonien und Norikum und wurde von den Volkern jener großen Reiche bewohnt. Die Erbauung der Stadt Aemona, jetzt Laibach, 1221 Jahre v. Ch. G. durch Jason, gehört der Mythe an, so wie auch die Sage, daß der Dichter l^rnus Vntes «73 v. Ch. G. die sogenannten carnischen Feste zu Ehren Apoll's eingeführt, und daß Carnia davon den Namen erhalten h.ibe; dieses ließe sich auch kaum oder nur auf einen kleinen Theil des heutigen Krain's anwenden, denn der Name: Carniolia, Carniola, kömmt erst bei P a u l Warnefried um 731 nach Ch. G. vor. Gewiß ist es, daß Aemona zu Anfang des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung eine römische Colonie war, unter der Aegide der Römer kräftig emporblühte, und vornehmlich an Constantin dem Großen, dem es Ehrensäulen setzte, einen Freund und Beschützer hatte, dem Sieger Theodosius I. aber bei seinem feierlichen Einzüge aus 8i8eia festliche Kränze wand. Sie wurde 4Z2 von A t t i l a , König der Hunnen, zerstört. Die Slaven 1* — 4 — kamen schon 560 in's Land, setzten sich jedoch erst nach dem Ende der Völkerwanderung, bei welcher das Land durch Vandalen, Heruler, Gothen und Longobarden viel litt, in der zweiten Hälfte des siebenten Jahrhunderts hier fest, und nur in diese Zeit kann die Entstehung der windischen Mark (maren, Viniäolum) und des Ortes Laibach, Indiana, auf den Trümmern der zerstörten Römer-- stadt Aemona zurückgeführt werden. Samo, ein französischer Handelsmann, stellte sich an die Spitze der Slaven oder Wenden, deren König er wurde, und befestigte ihre Herrschaft über das Land. Zur Zeit Kaiser Carl des Großen entstand der Kraingau und die Marken Möttling, Poik, Karst und Istrien; C a r l ernannte 778 auf dem Reichstage zu Regensburg den Erich zum Herzog von Krain und Friaul, und hierauf wurde das Land an so viele Herzoge, Grafen und Prälaten verschenkt und vertheilt, als es Theile, Gaue oder Marken gab; Markgrafen von Krain kommen unter Kaiser Otto l. vor, deren Gebiet sich jedoch nicht einmal über das ganze heutige Oberkrain erstreckt haben mag. Die andern Theile des Landes waren im anderweiten Besitz, als: der Herzoge von Kärnten, der Markgrafen von Istrien und der Grafen von Görz, dann der Patriarchen von Aquileja, der Bischöfe von Briren und Freisingen. Herzog Leopold V I I . von Oesterreich und Steiermark erkaufte 5228 von Gerard, Bischof zu Freisingen, einige Lehengüter in Krain; dessen Sohn, Friedrich der Streitbare, erweiterte aber seine Besitzungen in Krain durch Vermählung mit Agnes, Tochter Otto I . , Herzog's von Meran, und er wurde von den Ständen des Landes, die,sich aus Grafen, Herren, Rittern und Knechten gebildet hatten, zum Herrn von Krain erwählt, welche Wahl Kaiser Friedrich I I . bestätigte, wobei er ihm die Bewilligung ertheilte, Krain in ein Herzogthum zu verwandeln; allein Friedrich der Streitbare nannte sich nur einen Dominus ^llrnioliae. Ulrich I I I . , Herzog von Kärnten, residirte, als Herr von Krain, von der Mark, Istrien und vom Karst, auf dem Schlosse zu Laibach, da aber die Patriarchen von Aquileja ihre, durch die Schenkungen Kaiser Heinrich's I V . und Friedrich I I . erworbenen Ansprüche auf Krain nicht aufgeben wollten, mußte Ulrich Laibach mit Görtschach, Ortenburg, Falkenberg, Igg und Auersperg, als zur Pfalz Laibach gehörig, dahin zurückstellen. — H — ImIahrei270 nahm König O t t o l a r l l . von Böhmen persönlich und durch Waffengewalt von Kram, namentlich von Laibach, Besitz, allein Rudolph von Habsburg entriß ihm diesen Besitz 1273 durch Mein^ hard Grafen von Tirol, und belehnte damit nach Otcokar's förmlicher Abtretung 1276 mit Einwilligung des Reiches seinen Sohn Albrecht I.; nachmals wurde es aber als ein Pfand für 20,00N Mark Silber dem Grafen Meinhard von Tirol und Herzog von Kärnten überlassen; nach dem Tode seines Sohnes Heinrich, Herzog's von Kärnten, (1333) kam der österr. Herzog Otto der Fröhliche nach Krain, ließ sich huldigen und bestätigte die Rechte des Landes. Das Haus Oesterreich vermehrte seinen Besitz in Krain durch Erbschaft, und zwar 1363 nach Absterben Albert's Grafen von Görz und Tirol, durch Istrien, die windische Mark und Möttling; Rudolph IV. nannte sich bereits einen Erzherzog von Krain. Seitdem gehört Krain zu den Hauslanden Oesterreich's, dessen Fürsten unablässig für das Wohl des Landes besorgt waren, insbesondere verdankt aber Laibach dem Kaiser Friedrich I V . , der es zweimal mit seiner Gegenwart beehrte, den Sitz eines Bischofes und Trennung dessen Sprengels von der Aquilejer Diöcese, dann die Befestigung der Stadt, die Erhebung des Landes Krain zu einem Herzogthume, die Erweiterung der Landesgränzen durch die dießseits der Saue gelegenen Cilleischen Herrschaften und die Erthcilung eines eigenen schönen Landeswappens, bestehend in einem blauen, einköpfigen gekrönten Adler im silbernen Felde, dessen Brust ein weiß- und rothgestreifter Halbmond ziert. Oben auf dem Schilde prangt ein Herzogshut. Wissenschaften, Künste und Handel fanden an den Fürsten des Erzhauses Oesterreich stets t»ie eifrigsten Beförderer. Erzherzog Ernst brachte die ersten Schulen nach Krain, Erzherzog Carl legte Straßen an und verbesserte die Urbarien, und die vom Kaiser Carl V I . nach allen Richtungen des Landes geführten Heerstraßen boten zuerst das Mittel zum Handelsverkehre dar, der seit Eröffnung des Freihafens Triest ein immer regeres Leben erhielt, und die Wohlfahrt des Landes und namentlich Laibach's begründete. Mit dem Wiener Frieden vom 14. October 180!) wurde Krain von den Erbstaaten losgerissen, und vom Kaiser Napoleon unter dem— 6 — selben Dato aus dem Schlosse Schönbrunn dem neu creirten Königreiche Illprien und mit demselben dem Kaiserthume Frankreich einverleibt. Ein Staatsrath und General-Gouverneur für alle illyrischen Provinzen von 1023 Quadratmeilen Flächenraum, von Ragusa in Dalmatien bis Sillian und Lienz in Tirol, hatten in Laibach ihren Sitz und verwalteten Illprien im Namen des Kaisers der Franzosen. Der Pariser Frieden gab Kram dem hohen Herrscherhause Oesterreich wieder zurück, unter dessen mächtigem Schutze es sich früher durch mehr als fünf Jahrhunderte so glücklich fühlte, und dessen milde väterliche Negierung es zur Stunde preis't. Mit allerhöchster Verordnung vom 3. August 1816 wurde Krain abermals zu einer Provinz des gleichzeitig wieder enveckten Königreich'» I l l y r i e n , und Laibach zu dessen Hauptstadt erhoben. Mit dieser Erzählung und mit dem Bedauern, dasi nicht einmal ein bequemer Weg auf den schönen Schloßberg führt, gelangten wir zur Stadt herab, welche mein junger Freund Schräm durch mich und mit mir näher kennen zu lernen wünschte, was jedoch nicht sogleich, sondern nur nach und nach geschehen sollte und konnte. Dass Laibach zwischen dem 46. Grad L M. nördlicher Breite und 35 Grad i? M. westlicher Länge liegt, ist bekannt. „An der Laibach, welche durch die Stadt stießt, und in einer geringen Entfernung von der Save, deren beiderseitige Ufer hier meistentheils eben sind, liegt Laibach in einem sehr reizenden und fruchtbaren Thale," sagt ein französischer Offizier in seinen Briefen, Leipzig 1803. „Sie nimmt sich in der Entfernung mit ihrem hohen Schlosse und ihren Thürmen und Kirchen sehr vortheilhaft aus, und erregt die Erwartung einer großen und wohlhabenden Stadt. Und dieses bestätigt sich schon, wenn man die Vorstadt erreicht hat. Eine Reihe schöner und großer Häuser, die mehrentheils ganz neue Anlagen zu seyn scheinen, machen hier einen angenehmen Eindruck, und mit ihnen wechseln ein großes Militärspital, eine Caserne, Gärten mit Pavillons und einige beträchtliche Priuathäuscr, die Schlösser genannt zu werden verdienen, ab. Sie ist weitläufiger, als ich gedacht hätte, und scheint auch ziemlich volkreich zu sein. Da heute gerade Markt^ 7 — tag ist, so mochten freilich die aus der Gegend in Menge hier zusammen gekommenen Landleute viel zu ihrer Lebhaftigkeit beitragen. Allein auch später fand ich die Straßen noch immer nicht leer und bemerkte an den Einwohnern eine große Betriebsamkeit. Dieß ist besonders auf dem Platze der Fall, welcher sich an eine lange und breite, die zugleich die schönste Straße ist, anschließt. An demselben wohnen die vorzüglichsten Kausteute und andere reiche Privatpersonen in Häusern von drei bis vier Stockwerken; hier finden Sie Waarcn aller Art sehr symetrisch und mit vielem Geschmacke ausgelegt, und hier können Sie die Producte Italiens, der Levante und Deutschlands beisammen antreffen. Es hält nicht schwer, sich in Laibach schon zu überzeugen, daß man Welschlands Gränzen nahe ist; man hört häufig italienisch sprechen, sieht italienische Gesichter und bemerkt italienische Gewohnheiten. Die deutsche Sprache und der deutsche Charakter sind indessen noch immer überwiegend, und man muß die Eigenthümlichleiten von beiden Nationen genau kennen, um bestimmt angeben zu können, was davon einer jeden besonders angehört. Man kann es der Stadt auf den ersten Blick ansehen, daß die hiesige Kaufmannschaft gute Geschäfte machen müsse, und allenthalben wird man eine gewisse Wohlhabenheit gewahr, die man nur in großen Handelsorten anzutreffen pflegt. Auch glaube ich, kann man dieß schon für einen Beweis von Wohlstand annehmen, wenn man in einer Stadt wenig Bettler und keine schlecht gekleidete oder in Lumpen gehüllte Menschen bemerkt. Im Ganzen genommen, sind die Einwohner ein schöner Schlag Menschen zu nennen; die Männer zeichnen sich durch eine gewisse Gewandtheit aus, die man sonst in Deutschland nicht häufig antrifft, und die Frauen? — Ich sah nur wenige in Laibach, und diese höchst flüchtig, aber auch dieses, Freund, war hinreichend, um den Wunsch in mir rege zu machen, sie unter andern Verhältnissen näher kennen zu lernen. Ihren Anzug bestimmt die Allgebieterin Mode, ihr Aeußeres erinnert mich in allen Stücken an die Schönen Italiens." — Diese gute Meinung von Laibach hatte der junge geniale Maler aus jenen Briefen eines französischen Offiziers, die dieser schon im Jahre 1800 schrieb, gewonnen, ganz im Gegensatze mancher anderer Fremden, die sich nie die Mühe gegeben haben, Land und Leute kennen zu lernen, aber dennoch darüber absprechen/ 8 — Man gab dem Namen Laibach oder Laubach, wie man einst den Fluß und die Stadt benannte und schrieb (ital. I ^ i d i n n ^ lat. I^bacuui) I^udennll^ im Munde des Volkes Man») zu allen Zeiten keinen andern Ursprung, als von lau, weil der Fluß, der durch die Stadt zieht, und auch im Winter nicht zufriert, lau ist; allein Prof. Metelko etymologisirt in seinem Werke, „Lehrgebäude der slowenischen Sprache," Laibach 1825, S. 490: „I^udi»nll ist unmittelbar aus I^juKlMna, wie elilave aus clavi«, entstanden. Die Endsylbe ach (ah) gibt der weibliche Local im Plural, die erste Sylbe Laub setzt eine Stammsylbe lud, huli voraus; der deutsche Mund verwandelt häufig unser u in au, ebenso häufig erhebt er unser Local zum Nominativ. Laubach setzt I^juKgcn und dieses einen Nominativ I^jude voraus. Der Bewohner von I^june heißt I^'iidhan, wie von v o d v o l i ^ l l n , und daher die Benennung der Stadt I^'udiMil». Vergleiche den alten Namen Aemona mit amai'6-hul)iti oder «wLnus-hud." Wenn dergleichen Etymologisirungen dem Slaven erlaubt sind, so kann man es auch dem Deutschen nicht verwehren, Laibach oder Laubach von lau-Bach oder mit Laub-ach zu entziffern, welch letzteres sich mit der alten Benennung Laub für Wald, der noch jetzt in den Ueberresten des Stadtwaldes an die Stadt gränzt, und mit Ach, die alte Benennung des Wassers, an welchem es an Ort und Stelle und zur Seite des fraglichen Waldes nicht fehlt, rechtfertigen ließe. Ja noch mehr: in Erdmann Uhsen's Ausgabe des alten geographisch-historischen Lericon's von Christoph Cellar i u s , Leipzig 1710, steht S . Z30: „Lubach oder Lobach, I^daeuM) Nmona/ Lo ist aber die alte Bedeutung eines Waldes, oder Lob für Bäume. (SiehAdelung's Wörterbuch, 2. Th. S . 1926.) Wir wollen jedoch an die landesübliche Ableitung von lau-Bach uns halten, die Schreibweise Laybach oder Laibach mochte aber eben so wenig aufzuklären seyn, als jene von Bayern, Mayn, Mainz u. s. dgl. Die Orthographie der Eigennamen bindet sich, wie Adelung sagt -und beweiset, an keine Regel. Laibach, Hauptstadt des Herzogthum's Krain und des Königreiches Illyrien, zählt in der innern Stadt 314 und in den Vorstädten «14, zusammen »28 Häuser und 18.««3 Einwohner. Es gibt in der innern Stadt sogenannte Patidenkhäuser, die wegen der — 9 — tapfern Haltung der Bürger während der Belagerung Laibach's durch Albrecht und den Grafen von Cilli 1440, in Folge allerhöchsten Privilegiums Kaiser Friedrichs I I . von der städtischen Häusersteuer und vom Laudemium befreit sind und nur einen Kreuzer jährlich, als Zeichen der Unterthänigleit, an die Magistratscasse bezahlen; vormals und bis zum Jahre 1580 wurde dieser Tribut immer in der Mitternachtsstunde des 30. September im feierlichen Aufzuge auf das Rathhaus gebracht, und in der Haupthalle entrichtet. Die Plätze und Gassen sind mit Aufschriften versehen, und es wäre nur zu wünschen, daß man die alten Benennungen der Gassen, wie z. B. Capuzincr-Gasse, jetzt Theater-Gasse, Narrnsteig, jetzt Reber u. s. w. beibehalten hätte, denn an solche Namen knüpfen sich nicht selten historische Erinnerungen. Die Stadt wird des Nachts durch 90 Laternen erleuchtet, und in den Vorstädten sind deren 212. Die Stadtbeleuchtung besteht seit dem i . Jänner 1733. Die Plätze sind: der Haupt-Platz, der jedoch mehr einer etwas breiten Gasse, als einem Platze gleicht; der Frosch-Platz ist noch uneigentlich Platz genannt, mag aber seinen Namen des Alters wegen immerhin behalten, indem er auf die Zeiten erinnert, da Laibach durch Mauern eingeengt und an Plätzen so äußerst arm war. Der St. Iakobs-Platz entstand durch das Niederreißen des Jesuiten-Collegiums; dieser Platz gewann sehr viel durch das vonAntouVirand 1840 aufgeführte große Haus, und er konnte durch Regulirung ohne weiters zu einem der schönsten Plätze der Stadt gestaltet werden, zumal, wenn er die schöne Marien-Statue, die im August 1844 abgetragen wurde, wieder erhielte, was durch Legung des Fundamentes bereits verheißen wurde. Der neue Markt, der deutsche Platz, das Kundschafts-Plätzchen, der Burg-Platz, der Dom-Platz und der Schul-Plah mit dem daran stoßenden Jahrmarkt- Platze haben viele schöne Häuser aufzuweisen. I n den Vorstädten ist der Marien-Platz vor der Franziskaner-Kirche und der Congrcß-Platz, der 1821 durch den Monarchen-Congresi seine Celebrität erhielt. An öffentlichen Denkmalen ist Laibach arm. Die schon erwähnte schöne Marien-Statue aus Erz am Jakobs-Platze mit den vier Heiligen: Joseph, Leopold, Ignaz und Franz Xav., aus weißgrauen Marmor und mit der Inschrift: 10 — NX Vota. ließen die Stände Krain's 1682 errichten; sie wurde vom Bildhauer Wolf Weißkirchner aus Salzburg nach dem Plane des Chronisten Valvasor modellirt, und vom Laibacher Glockengießer Christoph Schlags im December 1680 gegossen, 1814 aber wie gesagt abgetragen; ihre Wiedererrichtung steht zu erwarten. I n dem Dreiecke vor dem Vürgerspitale, wo sich die Wege in die Stadt, nach Wien und nach Klagenfurt kreuzen, steht auf einer hohen Säule vom rothen Marmor, aus dem Steinbruche von Hol-, zcnegg, eine Dreifaltigkeits-Statue, die schon im 1.1722 Constantia Gräsin u. Auersperg errichten ließ, die aber abgenommen werden mußte, weil die Colonne schadhaft wurde; ihre Wiederaufstellung auf Kosten der Gemeinde fand im I . 1843 und deren Einweihung am 8. October desselben Jahres Statt. An der gegen die Stadt gewendeten Seite des Piedestals der Säule liest man nachstehende Lapidar- Inschrift: 'I>IaI)l8 8lm0w6 VIi'Klnl8«iVe I'llw. I n IiouoißN OlVe« con8t!'VX.ßrVut. Ein zwar unscheinbares, aber nicht unwichtiges Denkmal bemerkt man an der St. Peters- oder Casernbrücke; es ist ein graues/' mäßig hohes, steinernes Kreuz, welches, nach der insculpirten Jahreszahl, ^nno 1622 errichtet wurde, und zwar, wie die Tradition sagt, zur Erinnerung, daß der BischofThomasChroen, als er mitderFrohnleichnams- Prozession und mit dem Hochwürdigsten von St. Peter aus bis dahin kam, und dort von den Protestanten aus Laibach insultirt wurde, an jener Stelle von den Schmieden Laibach's gegen die, von ihnen in die Flucht gejagten Protestanten kräftigen Schutz erhielt. Seit dieser Zeit haben die Schmiede das Vorrecht, daß die Meister bei der Frohnleichnams-Prozession der Vorstädtpfarre St. Peter den Baldachin, ihre Gesellen aber die Fackeln tragen. Jenes — 11 — Kreuz ist mit dem Crucifixe und auf der Kehrseite mit dem Muttergottesbilde, dann mit den bischöflichen Insignien und mit dem bischöflichen Wappen geschmückt; unter der Mitra ist die Aufschrift: ^.rn, et Via lüoeli, und unter dem Muttergottesbilde: Nou8tl a te 688« mlltlkln, zu lesen. Auf den Stufen steht Chroens bekannter Wahlspruch: 'I'ei'i'et ladoi') ttspice praemium. Dieses Denkmal gerieth 4 828 in Verfall, wurde aber 1843 durch subscribirte Beitrage wieder aufgestellt und am 17. April d. I . , als am Ostermontage, feierlichst eingeweiht. An der Metzgerbrücke trägt ein Denkstein folgende Inschrift: ^u8pjei>8 NxoßIIenti88imi vouiim Oaroli <Ütimiti8 ad lu^llgln 8. l). 15. ^i». Nil>'e8tati ll 8ÄN«tiail (!an8ilil) ^oi>tentlionali8 I l l / r i ae Rozni I'i»68i6i8 ete. ^el'L<1!l6 tÜvitati8 et 8udmliii O. petri ?«N8 Favismus. NVs« NXoptatV8 »ViieXIt Vt mOellt IZn<:8 ^ r v e i e t 8ll^Va ?rnXINV8 V O a l ^ o n. Ein Denkmal der tief gefühlten Dankbarkeit steht an der steinernen Brücke des Gruber'schen Canals, da, wo weiland der unvergeßliche Landesvater Franz I. mit der gütigsten Landesmutter den Segen überblickte, den Allerhöchstderselbe einer Fläche von 4 Quadratmeilen durch die allergnä'digst anbefohlene Entsumpfung des Laibacher Moores angedeihen ließ. Diese Fläche glich noch vor zwanzig Jahren meistens einem See, war sonst ein unwirthbares Land und verbreitete mephitische Dünste umher; jetzt ist sie von vielen Fahrstrasien und Communicationswegen durchschnitten; waldige Hügel, grüne Fruchtfelder und zahlreiche Ansiedlerhäuschen beleben die Landschaft, und ein Joch Ackergrund, der noch 1828 kaum mit Z fl. bewerthet wurde, wird jetzt mit «0 bis 100 auch 130 fl. bezahlt. Und das verdankt Laibach dem unsterblichen Monarchen, dem das genannte Monument, ein Obelisk aus inländischen Marmor, geweiht ist. Es trägt nachstehende Inschriften: — 12 — Auf der Hauptseite: Huo« ^<1 0on8eivau<iÄM tlillti ^nimi OK I^llKaeen8«m ^nni UIK^OXXI OnnZiesBum Oivita» Ve8tinavei«t 8uintu8 Hn8 LeniMi88iwo I'ian^ei I. Imp. ^ l i Ii6ll88UMMßNlIam Imponäel-e ^^1688» N8t ^nnn ^wccOxxiii. Auf der Ostseite: Oj)U8 ?atilll6 ?i'«tiitlU'lim ?ii<1em ^ . 6llb. tliuber Inelioatuiii Interiu^tum. Auf der Rückseite: Dun ^mil Nminentiori l.nco I'»U8tUM 0l)eii8 8uece88U!n I^u8tillvei« I',llnei8e>l8 ^.. I. Vt dmolinll ^ u ^ . XVI. 0lll. 8«i,t. Nvcccxxv. Auf der Westseite: ^s^uae I^^8um N.epiimente8 ?U!Klltu8 I'Iumini8 ^Iveu8 Dum Ne^no III^>ill6 — 13 — Laibach verlor zwar die Annehmlichkeit der, vordem so beliebten, Wasserfahrten am Laibachstusse, es gewann aber ungemein an der Verschönerung seiner Ufer, in deren tiefem Bette die Laibach nunmehr rasch vorüber fließt; die Häuser am Ufer der Laibach gewannen ein freundlicheres Aeußere, und nur wenige derselben sind noch durch Schmutz und Unredlichkeit bezeichnet; fünf Brücken, nämlich: die Naan-, Schuster-, Franzens-, Schul- oder Metzger- und S t . Petersbrücke, verbinden die beiden Theile der Stadt; die Franzensbrücke wurde im Jahre t842 aus Stein gebaut, und zwar so solid, daß 88,000 Centner Quadersteine dazu verwendet wurden. — Laibach erfreut sich gegenwärtig einer gesunden Luft, und ist seltener vom Nebel, wohl aber häufig vom Rauche der unseligen Moorbrände belästigt, wobei der beste Stoff zum fruchtbarsten Humus dort und in den Oefen Laibach's als Torf in Rauch aufgeht. Was Dr. Lippich in seiner Topographie der Hauptstadt Laibach, S . 30 und 31, bezüglich der Schädlichkeit des Moorbrennens und der Zerstörung des Torfes so richtig und wohlmeinend sagt, verhallt leider wie die Stimme in der Wüste. „Gründlicher weiß ich, als du, daß der Moorbranb schädlich und dumm ist. Doch wo zu reden es gilt, halt' ich mein Wissen im Sack; Willst du gedeih'n in der Welt, so verschweig' die bessere Einsicht, Wenn du nicht heulest mit ihm, sicher zerreißt dich der Wolf." (Carniolia, 1842.) Das schönste öffentliche Denkmal der Sculptur ist der Brunnen auf dem Haupt-Platze. Es ist ein 20 Schuh hoher Obelisk aus inländischem, rothgrauen Marmor, den drei Wassermänner aus weißem genuesischen Marmor Und mit eben so viel Delphinen, deren Wasserkünste uns leider schon lange nicht mehr ergehen, umgeben. Das Ganze erhebt sich aus einem großen Wasserkasten von grauem Marmor, zu dem man über fünf Stufen gelangt. Der berühmte Bildhauer Francesco Robba benöthigte fast zehn Jahre zur Vollendung dieses Kunstwerkes, wofür er nur 2400 fl. erhielt, und welches t?33 aufgestellt wurde. Die ganze Höhe des Brunnens beträgt 30 Schuh. Der Meister erwarb sich durch dessen Anfertigung das Bürgerrecht und eine Stelle als Mitglied des äußern Nathes. < — 14 — Laibach hat in der Stadt vier, in den Vorstädten fünf Kirchen; die schönste unter ihnen ist die Cathedrale zu S t . Nicolaus am Dom- Platze. Hier stand vormals ein kleines, von den Fischern Laibach's im Jahre 745 dem heil. Nicolaus von Myra erbautes Kirchlein; eine Abbildung davon wird noch heut zu Tage aufbewahrt. Schon 42-18 wurde dieses nach und nach durch Zubauten erweiterte Kirchlein zur Pfarrkirche, mit der Errichtung des Bisthums Laibach (1461) aber zur Cathedrallirche erhoben, worauf weitere Zubauten und Vergrößerungen dieses Gotteshauses Statt fanden, bis durch die thätigen Bemühungen des Domdechants I o h . Ant. Thalnitscher Edlen v. Thalberg 1«»» zum Baue eines ganz neuen, würdigeren Tempels von Grund aus eine Sammlung eröffnet, diese von Seite des Fürstbischofes Sigmund Grafen v. Herberstein fortgesetzt, und der Bau nach dem Plane des Jesuiten ^u<1i<;a8 «le l?utei8^ vuIZ'o poxn, vom Venezianer FranzBombasius, Steinmetz und Bürger von Laibach, dann vonPetrusIanni ausMailand und von den Baumeistern PaulIugovitzund Gregor Matscheg, ausgeführt wurde; J u l i us Quaglia, ein Schüler des Marcus Ant. Franceschini, übernahm 1703 die Fresco-Malerei, wobei ihm der i«jährige Jüngling, Carlo C a r l i n i , Hülfe leistete. Der Anfang wurde mit dem Chore der Domherren gemacht. Das Gemälde am Plafond stellt die Geschichte des Ursprunges des Bisthums dar, wie nämlich der heil. Nicolaus dem Kaiser Friedrich I V . im Traume erscheint, um ihn vor den Nachstellungen der Witwe des Grafen Ulrich von Cilli und Johann W i t - towitz's bei der Belagerung der Stadt Cilli im Jahre 1458 zu warnen. Auf der einen Seite übergibt Kaiser Friedrich I V . , als Stifter, demSigmundv.Lamberg, erstem Bischöfe, die Gründungs-Urkunde des Bisthums und dessen Privilegien; auf der andern Seite ertheilt demselben-Papst P i u s l l . die Bestätigung. Neben dem Fenster sind zwei auf unsere heilige Religion bezügliche Gemälde, und an den Seitenwänden die Wunder des heil. Nicolaus, wie sie P. Ribadeneira beschreibt, dargestellt, und das Bildniß des J u l i u s Qualeis gemalt. Hierauf schritt der Künstler zur Herstellung der Gemälde an den beiden Seitenaltären und einer scheinbaren Kuppel, worauf er die beiden Allegorien, Carniolia und Aemona, dann die allerheiligste — 16 — Dreifaltigkeit und die heil. Jungfrau, den heil. Nicolaus, Bischof von Myra, als Schutzpatron der ganzen Diöcese, den heil. Bischof Marimus, den heil. Pelagius, Sohn eines Laibacher Kaufmannes, dann die Heiligen: Hermagoras und Fortunatus; ferner den heil. Achatius (nach dem merkwürdigen Siege bei Sisseck wider die Türken in, I . 15 93, als Patron von Krain verehrt), weiters den heil. Georg; endlich den heil. Vitalis und die heil. Varia, deren Reliquien in der Domkirche aufbewahrt werden, malte. Ein Meisterwerk Quaglia's ist das Fresco-Gemälde am Plafond im Schiffe der Kirche, welches aus der Geschichte der ersten Christenverfolgung entnommen, und an kühn und kräftig gezeichneten Figuren überreich, ja fast überladen ist. Die Fresken in den Capellen der Seitenaltäre scheinen von anderer Hand zu seyn. Der Bau der Kuppel wurde im I . 1841 durch die Bemühungen des Dompfarrers CarlZorn und aus milden Beiträgen der hochwürdigen Geistlichkeit und von Privaten, zu Stande gebracht und von Matthäus Medved, einem schlichten Maurermeister aus der Pfarre Zirklach in Oberkrain, dann vom bürgert. Zimmermeister Georg P a i l aus Laibach bewerkstelligt; mit den Fresken in der Kuppel, zum Theil nach der frühern Idee des Quaglia, hat sich aber unserer wackerer Maler, Matthäus Langus, ein preiswürdiges Denkmal gesetzt. I n den Nischen der Rotunde der Kuppel stehen die über lebensgroßen Bildsäulen der vier heiligen Bischöfe von Aemona: M^ximu,^ PloruS) dll8tu8 und 6oilll6i>i8) vom berühmten Bildhauer Angelo de Puteis aus Padua, unter dem Bischöfe Franz Carl Grafen v. Kaunitz 1712 angefertigt und aufgestellt. Die Domkirche ist, wenn auch kein sehr großer, doch unstreitig ein schöner Tempel, der nebst vielen guten Gemälden auch sonst noch manches sehenswerthe Kunstwerk aufzuweisen hat. So z.B. sind die beiden Statuen, Petrus und Paulus, zu beiden Seiten des schönen, von Langus gemalten Hochattarblattes, wegen der herrlichen Draperie bemerkenswerth, und die beiden Engel aus cararischem Marmor am Altare des Allerheiligsten sind ein Meisterwerk des Bildhauers Robba. Auch hat diese Kirche drei Orgeln, wovon die größere in Ton und Umfang der Register bedeutend ist. I n der Wölbung der ersten Capelle rechts vom Haupteingange in das Gotteshaus ist eine heil. Magdalena nl ^reseo nicht zu übersehen: ein schöneres Frauenbild dürfte nicht leicht — 16 — an der Wand einer Kirche zu finden seyn. Vor diesem Altare bei'm Aufgange zur großen Orgel ist ein bemerkenswerter Leichenstein des Bischofes von Pedenna, M a r t i n , der gleichzeitig General-Vicar in Laibach war und am 8. Juli 1458 starb. Die Kirche hatte mehrere Grüfte, die noch mit Grabschriften bezeichnet sind, so auch die Gruft desAngeloZois, und jene des Peter Codelli, zweier Kausieute von.Laibach, die durch ihr erworbenes Vermögen den Wohlstand der jetzt noch blühenden Freiherren- und landständischen Familien Zois und Codelli begründeten. Anton Codelli Freiherr v. Fahnenfeld beschenkte diese Kirche 1706 mit der großen, 64 Centner wiegenden Glocke. Der Archäolog findet an den äußern Wänden der Domkirche einige interessanten Denkmale des Mittelalters und aus der Römerzeit, die besser verwahrt zu »verde« verdienen. Die S t . Iacobs-Pfarrkirche, einst die Spitalskirche, nachmals (i3»7)vomKaiserFerdinandII. den Iesuuen eingeräumt, von diesen in den Jahren 1613 bis 1615 neu aufgebaut, und in Folge ihrer, am 28. September 1773 erfolgten Aufhebung verlassen, zeichnet sich durch zweckmäßige Anlage und Einfachheit des Baustyls dorischer Ordnung aus. Der Hochaltar mit seinen meisterhaften Sculpturen ist von dem venetianischen Bildhauer Francesco Robba von 1732. Die Bilder in den marmornen Seitenaltären, und zwar des heil. Johann Nep., des sterbenden Joseph, der heil. Anna und des Schutzengels, sämmtlich aus venetianischer Schule, so wie auch das Bild der Himmelfahrt Maria, von Lang us, wie wohl vor seiner Reise nach Rom gemalt, sind nicht ohne Werth. I n der Capelle des heil. Kreuzes steht gegenwärtig die schöne Broncestatue Mariens, die vorhin vor der Kirche stand. Die Zierde dieser Kirche ist eigentlich die, 1668 von den Ständen erbaute Naveri-Capelle mit ihren schönen Stucatur-Arbeiten, die leider schlecht überweißt sind-; "der Marmoraltar zeichnet sich durch die beiden großen Engeln und insbesondere durch den Seraph aus. In dieser Kirche ruht der krainische Historiograph, I o h . Ludw. Schönleben, der am 15. October 1681 starb. Es ist zu bedauern, daß dieses schöne Gotteshaus wegen Mangel an Mitteln nicht nach Verdienst herausgeputzt wird. Die S t . Florianskirche am alten Markte ist eine Filiale von St. Jacob, und hat weiters nichts Bemerkenswerthes, als daß sie — 17 — 1660 erbaut wurde; den Thurm erhielt sie aber erst 1672. Im Jahre 1693 begann dortselbst die Verehrung der schmerzhaften Mutter Gottes, das Standbild Nece Ilnwa wurde aber im I . 1844 von der Schusterbrücke dahin übertragen. Die Franziskaner-Kirche, Stadtpfarr Maria-Verkündigung, gewährt von Ausien einen schönen Prospect; sie wurde 4646 von Conrad Freiherrn v. Rueßenstein und seiner Gemahlin auf den Trümmern der im 1.1366 von dem Landeshauptmann« Grafen v. C i l l i erbauten, 1499 aber von den Türken eingeäscherten Augustiner-Kirche, zu EhrenU.L. F. Maria-Verkündigung aufgeführt; obenaufderZinne des Tempels steht die riesengroße Statue U. L. F. zu Loretto. Kirche und Kloster gehörten einst den Augustinern, welche am 12. Juni 1784 aufgehoben wurden; die Kirche wurde gleichzeitig gesperrt, jedoch am i . November desselben Jahres, über Einschreiten der Gemeinde, wieder eröffnet, und nebst dem Kloster den P. P. Franziskanern eingeräumt. Diese hatten bis dahin Kirche und Kloster an der Stelle des heutigen Lyceums-Gebäudes. Die Kirche ist groß und wahrscheinlich eine der schönern Mönchskirchen. Der Hochaltar, aus Marmor, ist ein Meisterstück des Bildhauers Philipp Ritter de Georgio, 1736 angefertigt. Das Bild im Hochaltare, Maria-Verkündigung, und die Fresken in den beiden nächsten Seiten-Capellen sind von Langus, die Loretto - Capelle hinter dem Hochaltare ist von Kurz v. Goldenstein «,1 I'rßzeo gemalt. Bemerkenswerthe Gemälde sind: der heil. Valentin von M^u^inger, die heil. Jungfrauen von Frohmühler, das Rosenkranzbild und die Taufe Christi von Pototschnig, dann die heil. dreiKönigevonHerlLM. I n der Loretto-Capelle ist die Gruft des ersten Fürsten v. Auersperg, I o h . Weikhardt, welcher 1677 auf seiner Herrschaft Seisenberg starb. Die Ursuliner-Kirche ist in Bezug der Architectur unstreitig die schönste und freundlichste Kirche der Stadt, da sie ihr Entstehen der neuern Zeit zuzuschreiben hat. Der Handelsmann und krainische Landstand Jacob v. Schellenburg ließ Kirche und Kloster erbauen, zu welchem Ende er 1706 die Gärten des Fürsten Ferdinand v. Auersperg und des Fürsten v. Eggenberg und 1710 denFabianitsch'schen Garten erkaufte, die Stände Krain's überließen aber hierzu 1709 das Ballhaus (jetzt Schulhaus). Im März 1713 wurde zum Neiseennn. nu« Main. 2 — 18 — Klostergebäude und am 26. Juli 1718 zur Kirche der Grundstein gelegt; am 18.Ottober 172« ward dieKirche benedicirt, und am 28. Juli 1747 vom Fürstbischöfe Ernst Am ad. Graf Attems feierlichstconsecrirt, der Vau der schonen Kirche und des Klosters war aber 4748 mit einem Kostenaufwande von 83.54? fi. vollendet. Die äußere Fayade der Kirche im jonisch-dorischen Style mit gochischen Bögen stellt sich eben nicht vortheilhaft dar, das Innere der sehr nett gehaltenen Kirche mit imposanten römischen Säulen präsentirt sich aber wie ein kleiner Tempel des Alterthums. Seine Beleuchtung ist sehr vortheilhaft, besonders die des Hochaltares, auf welchen das Licht aus der, gerade ober demselben angebrachten Kuppel fällt. Der Hochaltar aus afrikanischem Marmor und eben auch im römischen Style, ist großartig, und die sieben Statuen aus cararischem Marmor, die denselben zieren, sind wahrhaftig Meisterstücke der Sculptur; er kostete bei der ersten Aufstellung 14.13« fl. 3» kr. Das schöne Hauptaltarbild, die Krönung Marien's, verdient volle Anerkennung, da es von der derzeitigen Oberin des Conventes, Mater Aloisia Petritsch, und von der Chorfrau Mater Iosepha S t r u ß gemalt ist. An den Wänden ringsherum hängen in Rahmen Bilder von unbekannter Meisterhand, an denen die Lebhaftigkeit der Farben ungeachtet ihres Alters auffällt; sie sind wahrscheinlich aus venetianischer Schule. Der fromme Stifter r^ Schellenburg und dessen Gemahlin Katharina». Schellenburg, geborne Hofstätter,ruhen in dieser Kirche vor dem Hochaltare, wo ihr Leichenstein zu sehen ist. Die Pfarrkirche in der S t . Peters-Vorstadt ist ein schöner, mit Fresko-Gemälden, deren lebhafte Farben noch frisch erhalten sind, reich ausgestatteter Tempel; es ist wahrscheinlich, daß diese Fresken eine, wenn auch frühere, Arbeit Quaglia's sind. Bei'ni kleinen Eingänge rechts ist folgende Steinschrift zu lesen: „ ^ , n n « 1472 den 8. I u n i u s ist dieses.Gotteshaus S t. P e t r i , Pfarrkirche der S t a d t Laibach, von dem Erbfeinde christlichen Namens, den Türken, abgebrennt und verheert worden, 1848." Die jetzige Kirche wurde 1700, zur Zeit, als Jacob Hrust hier Pfarrvicär war, erbaut. Vormals versah die Pfarre S t . Peter immer nur ein Pfarrvicär, den Titel Pfarrer von S t . Peter führte aber der jeweilige Bischof von Laibach, etwa — 19 — aus dem Grunde, weil diese Pfarre die älteste in Laibach ist, und einst von den Bischöfen von Aemona versehen worden seyn soll (?). Die Kirche von St. Peter hat auch schöne, sehenswerthe Altarblätter von MenMger, wovon einige, wie z. B. die heil. Magdalena, im ersten Altare bei'm Eingange rechts und der Kindermord nach Rubens, vom hohen Werthe sind. Das Altarbild Madonna mit dem Kinde von F. Ielouscheg (1734) ist nicht minder ein gutes Gemälde. Auch die Marmor-Basreliefs der Kanzel verdienen bemerkt zu werden, und es verwahrt die Kirche einen merkwürdigen, bei dritthalbhundert Jahre alten Kelch. Jedenfalls bietet diese Kirche dem Schaulustigen für den Spaziergang dahin, welcher überdieß am Laibachflusse nicht unangenehm ist, reichliche Entschädigung. An der äußern Wand sind noch einige Grabdenkmale zu sehen, da hier, vor Errichtung des Friedhofes zu S t . Christoph, die Tobten begraben wurden. Die Kirche zu St< Christoph, gegenwärtig eine Filiale von St. Peter, wurde schon 143? erbaut, der Friedhof kam aber 1779 dahin, und am 4. Mai desselben Jahres ist die erste Leiche ( M a r ia Brezel) dort begraben worden. Am 40. März 178? wurde der erweiterte Gottesacker daselbst durch den Weihbischof Reigersfeld eingeweiht. Dieser Friedhof hat wohl einige nette Monumente, der Luxus erstreckte sich jedoch noch nicht bis Hieher. „An einem einfachen Grabe fließen oft mehr Thränen, als an den Catafallen in einer Cathedrale." Nerardin de Saint-Pierre. An den beiden Thürstöcken zum Todesacker stehen die inhaltsschweren Worte: Neee «nrtem. — Nächst St. Christoph ist die Türkenschanze, wo die Osmanen 4584 eine Niederlage erlitten, welche alljährlich am Ostermontag durch eine Aepfelkanonade, mit welcher die Knaben in der Schanze von den oben stehenden Städtern beschossen werden, versinnlicht wird. Die Pfarrkirche des heil. Johannes des Täufers in der Vorstadt Tyrnau bietet nichts Merkwürdiges dar; sie wurde am e. Juni 4783, wie S t . Jacob und Maria-Verkündigung, zur Pfarre erhoben, und gleicht einer Dorfkirche zweiten Ranges. Wir kehren in die Stadt zurück, wo wir noch die Civil-Spitals- Kirche und die niedliche Kirche des deutschen Ordens finden. Diese — 80 — steht an der Stelle, auf welcher unter den Römern muthmaßlich der Tempel Neptun's stand, und 4292 der Tempel der Tempelherren erbaut wurde, welchen 1313 der deutsche Orden übernahm. Im Jahre 1714 mußte derselbe wegen Baufälligkeit abgebrochen werden; der Landcomthur, Guidobald Graf v. Stahremberg, ließ aber durch den berühmten venetianischen Baumeister, vomenieo No88i^ die dermalige Kirche erbauen. Sie hat die Form eines Maltheser-Kreuzes, das oben in eine Kuppel ausläuft. Die Altarbilder in den dreien Altären dieser Kirche sind Meisterstücke Menzinger's. Die ehemalige Barmherzigen-Kirche im gegenwärtigen Civil- Spitale ist nichts weiters, als eine Hauskirche; sie war einst die Kirche der unbeschuhten Augustiner, welche der Fürst v. Eggenberg erbauen ließ, und zu der am 22. Juni 165? der Grundstein gelegt wurde. Nach der, am 19. April 178S erfolgten Aufhebung der Augustiner bezogen die barmherzigen Brüder Kirche und Kloster, mußten aber während der französischen Negierung wieder weichen, nachdem sie am 8. Mai 1811 das letztemal das Fest des heil. Johannes von Gott dort gefeiert hatten. Und somit wäre die Kirchenschau beschloffen; wir gehen daher auf die öffentlichen Gebäude über und beginnen mit dem Rathhause am Haupt-Platze. Einst stand das Rathhaus am alten Markte, wo es 1297 erbaut wurde und nachmals die öffentliche Brotlammer war, jetzt aber das Haus Nr. 16? steht; 1484 kam das Rathhaus an seine gegenwärtige Stelle, und wurde 171? von Grund auf neu erbaut. Es ist zwar schmal, jedoch im schönen antiken Baustyle gehalten; schade, daß es mit einer modernen grauen Oelfarbe übertüncht wurde; das ehrwürdige Alter will geschont seyn, und es wäre besser gethan, das dem Magistrate gehörige Nebenhaus Nr. 314 von Außen in einen analogen alten Styl zu setzen. I n der Vorhalle des Rathsaales steht das Brustbild Kaiser Carl V I . aus cararischem Marmor, welches einst das damalige Burgthor zierte. Das Wappen der Stadt besteht in einem altgothischen weißen Thurme, auf dessen Zinne ein grüner Lindwurm querüber liegt. Die Burg in der Herrengasse, bei Anwesenheit des allerhöchsten Monarchen dessen Residenz, war vormals das Vicedomhaus, und wurde 1749 bei Aufhebung der Repräsentation Und Kammer von — 31 — der gleichzeitig errichteten Bancal-Administration, nach deren Übertragung nach Gratz im Jahre 1783 aber vom Bancal-Inspectorate bezogen; mit allerhöchster Entschließung vom 26. Mai 179t wurde solche zur Wohnung des jeweiligen Landeschefs bestimmt und dem k. k. Zoll-Inspector dafür der Sitticherhof angewiesen. Das Landhaus am neuen Markte. Dort ist gegenwärtig das k. k. Landes-Gubernium, die ständisch-verordnete Stelle und das l . k. vereinte Provinzial-Cameral- und Kriegszahlamt untergebracht. Bei dem Erdbeben von 1511, welches in ganz Krain so viel Schaden "machte, stürzte das alte Landhaus ein, und das Feuer vexzehrte 1524 das zu dessen Wiederaufbauung vorgerichtet gewesene Bauholz; endlich fand aber die Wiederherstellung dieses ständischen Gebäudes Statt. Während des französischen Interregnums hielten dort die Tribunale der ersten und zweiten Instanz in ihren schwarzen und blutrothen Tagen öffentlich Gericht, und im Erdgeschosse waren die Inquisitions- Arreste, welche am s. Februar 1813 fünfzig Arrestantendes frühem sogenannten Zuchthauses bezogen. Am 4. Mai 1814, nach Reoccupirung Illyrien's, wurden die Arreste im Landhause wieder aufgelassen. Die Hauscapelle des heil. Achatius ist nicht mehr. Das Landhaus und alle ständischen Gebäude sind mit den Landeswappen bezeichnet. Die vier Stände des Landes, nämlich: der geistliche, der Herren-, der Ritter- und der Bürgerstand werden von einer permanenten verordneten Stelle, an deren Spitze der jeweilige Landes-Gouverneur als Präsident steht, durch vier Verordnete, je einer aus jedem Stande, vertreten. Außerdem besteht ein verstärkter ständischer Ausschuß aus den obern drei Ständen, mit Ausschluß des Bürgerstandes, und alljährlich findet am Postulaten-Landtage die Versammlung sämmtlicher Landstände Statt, zu welcher die Städte Laibach, Neustadtl, Krainburg, Stein, Laas, Möttling und Tschernembl ihre Deputirten senden. Der Fürstbischof, der Dompropst und der Domdechant von Laibach, dann zwei Abgeordnete des Laibacher Domcapitels, die Comthure des deutschen Ritter-Ordens zu Laibach, Möttling und Tschernembl, dann des Maltheser-Ordens zu S t . Peter und der Propst des Collegiatstiftes zu Rudolphswerth (Neustadtl) sitzen auf der geistlichen Bank. Auf der Herren- und Ritterbank ist die Landmannschaft in absteigender Linie erblich. 32 Der Vischofhof am Dom-Platze und nächst der Cathedrale wurde, wie ein Denkstein in der ebenerdigen Vorhalle desselben sagt, vom B i schof Christoph Rauber 1312 erbaut, BischofOtto Grafv. Buchheim setzte 1643 den zweiten Stock auf, Fürstbischof Graf v. Herberstein ließ aber den Bischofhof zu einer würdigen fürstbischöfiichen Residenz herstellen. Jenseits der Domkirche, symetrisch mit dem Bischofhofe, steht der Pfarrhof, im I . 1824 erbaut und vom Dompfarrer und seinen Caplänen bewohnt. Im Rücken der Domkirche, und von dieser so gedeckt, daß nur das Portale sichtbar ist, nimmt das Carolinische Priester-Seminar, auch Alumnat genannt, einen bedeutenden Flächenraum ein. Es wurde im I . i?08 von Grund auf erbaut, und trägt über dem Portale die Inschrift: V i i t u t i etNusi«. Thalberg hat mit seiner Büchersammlung den Grund zur Seminars-Vibliothek gelegt. Se. Ercellenz, der Fürstbischof Anton Alois, gründete 1846 ein zweites Seminar zur unentgeltlichen Aufnahme armer und ausgezeichneter Studenten, welches sich in der Pollana-Vorstadt Nr. 73 befindet. Einen schonen Prospect gewährt das Schlühaus am Schul-Platze, in welchem sämmtliche Schulen, von der Theologie bis zu den Normalschulen herab, untergebracht sind. Auch befindet sich die Lyceal-Bibliothek darin. Vormals waren die Schulen im Jesuiten-Collegium, nachdem aber die Stände dasselbe reclamirten, um es zum Redouten-Gebäude zu verwenden, wurde das ehemalige Minoriten- und nachmalige Franziskaner- Kloster zum Schulgebäude bestimmt, 1786 durch den Ingenieur Schemerl dazu adaptirt und gleichzeitig die Kirche Maria-Himmelfahrt nebst dem Kreuzgange demolirt, wodurch der jetzige Schul-Platz entstand. Der zum Lyceum gehörige botanische Garten befindet sich in der Vorstadt Hühnerdorf, am Gruber'schen Canal. Er wurde während des französischen Interregnums, im August 1810, angelegt, wozu man die cultivirte Erde aus dem Garten des aufgehobenen Capuzinerklosters aufführte. I n neuester Zeit erhielt dieser botanische Garten eine bedeutende Erweiterung. Am Schul-Platze, zwischen dem Lyceal-Gebäude und dem schönen Gasthofe „zum österreichischen Hofe," steht die Hauptwache, vor welcher zwei ständische Kanonen aufgepflanzt sind. 33 — Die Militär-Caserne liegt in der St. Peters-Vorstadt nächst der S t . Peterskirche. Sie wurde aus dem Materiale des rasirten Gefängnisses unter der Trantschen und des Jesuiten-Collegiums, unter Maria Theresia, durch Hauptmann Serboleth erbaut, bietet aber keinen hinreichenden Raum zur Casernirung zweier Bataillone des vaterländischen Regimentes dar, wesihblb immer eine Quasi-Caserne, jetzt in der Tyrnau-Vorstadt, Kirchengasse Nr. 4, Aushülfe leisten muß. Das Transports-Sammelhaus befindet sich nächst dem Frosch-Platze, hinter dem Inquisitionshause Nr. 85, und die Militär-Schwimmschule am Laibachfiusse, ober der Einmündung desselben in den Gruber'schen Canal. Das Militär-Spital und Proviant-Magazin an der Wiener Straße Nr. 60, entstanden unter Kaiser Joseph, in Folge Hofverordnung vom 2?. September 1784, aus dem im I . 1848 durch Friedrich Hiller gestifteten und am 5. Juli 1782 aufgehobenen Kloster und Kirche der Clarisserinen. Das Militär-Knaben-Erzichungsinstitut des vaterländischen Regimentes ist in der Gradischa-Vorstadt, Militär-Erziehungshaus- Gasse Nr. 13. Wir kehren von den Militär-Etablissements zu den öffentlichen Civil-Gebäuden und zunächst zu dem schon früher erwähnten Sitticher- Hofe am alten Markte Nr. 151, zurück. Dieses, dem Religionsfonde gehörige Gebäude soll schon im I.1449 bestanden haben, seine gegenwärtige Form ist jedoch offenbar nach neuerem Geschmacke, und daher einer später« Zeit zuzuschreiben; gegenwärtig ist das k. k. Stadt- und Landrecht und Criminalgericht dort untergebracht. Das Inquisitionshaus ist in der Kren-Gasse Nr. 80 und 82. Indem wir nach den übrigen in Staatsgebäuden befindlichen Behörden und Aemtern fragen, finden wir am Schul-Platze Nr. 287, im sogenannten Tabakamtsgebäude, die k. k. Cameral-Bezirls-Verwaltung, das Stempelamt und das Tabakmagazin untergebracht. Das Amtsgebäude des k. k. Hauptzoll- und Gefällen-Oberamtes am Raan Nr. 196 ist eines der ältesten öffentlichen Gebäude der Stadt, und erhielt im I . 1776 durch Um- und Zubau, durch den renommirten Architecten Pater Grub er seine gegenwärtige Gestalt. Dazu gehören sieben Magazine und ein interimistischer hölzerner, daher — 24 — feuergefährlicher Waarenschoppen von 236 Quadrat-Klafter Flächen, räum, dann ein Amtsplatz von mehr als 1000 Quadrat-Klafter Flächenmaß. Magazine, Waarenschoppen und Amtsplatz entsprechen jedoch dem lebhaften Commerze nicht, da hier jährlich bei 2 Millionen Zentner Waaren ab- und aufgelegt werden, und beiläufig 900 Schiffe mit Waaren landen, und etwa 1000 große Lastwägen und 35,000 kleine Landfuhren oder sogenannte Schlittlerwägen mit Kaufmannsgütern zu- und abfahren. „ Im Hafen an den Ufern der Laibach" (soll heißen am Racm), sagt der früher erwähnte französische Offizier in seinen Briefen, S . 9«, „herrscht eine außerordentliche Betriebsamkeit; große, schwer beladene Frachtwägen kommen an und gehen ab, Packträger und Karrenschieber sind in,beständiger Thätigkeit, und allenthalben wird man eine gewisse Wohlhabenheit gewahr, die man nur in großen Handelsorten anzutreffen pflegt." Der Segen dieses Commerzes verbreitet sich über Handelsleute, Pack- und Lastträger, Wirthe, Hausbesitzer, ja über einen guten Theil der gesammten Bevölkerung Laibach's und gewährt dem Staate eine ansehnliche Revenue. I n Laibach werden wöchentlich zwei Wochenmärkte, am. Mittwoch und Samstag, und fünf Jahrmärkte, vom 25. Jänner durch 3 Tage, vom 1. Mai durch 14 Tage, nach Peter und Pauli durch 3 Tage, vom 14. September durch 3 Tage und vom 19. November durch 44 Tage, abgehalten. Das Privilegium zu diesem letztern oder Elisabethen-Markte erhielt Laibach schon 1479 von ihrem gnädigsten BefördererFriedrich I V . DerMartt wird am Vormarkttage und am letzten Tage zu Mittag am Schloßberge ein- und ausgeläutet, und am Nathhause wird das Marktzeichen, eine bewaffnete Hand, ausgesteckt. Die Iahrmarkthütten und Stände werden am Jahrmarkt- Platze und am Schul-Platze aufgestellt, vorhin standen sie innerhalb einer Mauereinfriedung hinter dem Bischofhofe, welche Mauer am 49. April 4814 abgerissen wurde, während der Jahrmarkt schon 1811 am Elisabethen-Markte seinen heutzutägigen Platz erhielt. Der Trödelmarkt wird am Iacobs-Platze, der Holzwaarenmarkt am Wasser, hinter dem Sitticherhofe, der Zwiebel- und Obstmarkt am Franziskaner- Platze und der Viehmarkt im Kuhthal abgehalten. Das Brennund Bauholz wird zu meist am Laibachflusse, nächst dem Frosch-Platze verkauft. Seit die Laibacher Kausteute ihre Vorräthe unmittelbar aus


— 35 — den Fabriks-Niederlagen beziehen, werden die hiesigen Mcirkre selte» ncr von fremden Kaufleuten besucht. Die k. k. Polizei-Direction hat ihr eigenes Gebäude am neuen Markte Nr. 20?. Das k. t. Kreisamt befindet sich aber in der Spitalsgasse, im sogenannten Spitalgebäude Nr. 274. Das Bürger- Spital wurde 1333 von Elisabeth, zweiten Gemahlin Carl Ruperts V.> König's von Ungarn, gestiftet; die Capelle, in welcher Bischof Chroen den lutherischen Prediger von der Kanzel stieß, hat der Zeitgeist unserer Tage in ein Handlungsgewölbe verwandelt. Die k. k. Kammerprocuratur ist in einem Miethhause, und zwar in dem schonen Levuschitz'schen Hause Nr. 214 in der Herrengasse; die k. k. Provinzial- Staatsbuchhaltung im Fürst Auersperg'sche» Hof Nr. 206, eben auch in der Herrengasse, die k. k. Baudirection im Zois'schen Hause am Raan Nr. 271, und die k. k. Ober-Postverwaltung in der Klosterfrauen- Gasse Nr. Z», neben dem vielbesuchten Gasthofe zur Stadt Wien, untergebracht. Gasthöfe ersten Ranges sind in Laibach: das eben genannte Gasthaus zur Stadt Wien und das Hotel des österr. Hofes, der wilde Mann, das älteste in der Stadt am Haupt-Platze Nr. 313; zum goldenen Löwen an der Wiener Straße Nr. 62, bei'm Elephanteiv auch Nisdllda genannt, in der Elephanten-Gasse Nr. 13, zum goldenen Stern in der Theatergasse Nr. 42, und zur Sternwarte am Jacobs-Platze. An Kaffehhäusern hat Laibach keinen Mangel, denn es zählt deren gegenwärtig zehn, und zwar: am Haupt-Platze Haus-Nr. 5, am alten Markte Nr. 23 und 34, in der Spitalgasse Nr. 266 und 26«, an der Wiener Straße Nr. 7», am Raan Nr. 192, am Congresi- Platze Nr. 30, im Casino-Gebäude und im Coliseum. Das Casino-Gebäude ist eine der schönsten Zierden Laibach's, und verdankt sein Entstehen dem Eifer Sr. Excellenz, des jubil. Gubernial- Vice-Präsidenten CarlGrafen zu Welsperg Raitenau und Primör. Unter mehrern andern schönen Gebäuden Laibach's sind die bemerkenswerthesten: der Fürst Auersperg'sche Hof in der Herrengasse Nr. 206; er wurde 1673 von dem Fürsten Johann Weikhardt v, Auersperg erbaut und würde sich auf einem freien Platze imposant ausnehmen; das Graf Auersperg'sche Haus am deutschen Platze 26 — Nr. 202 datirt sein Entstehen vom I . 1348; das Baron Zois'sche Haus am Raan Nr. 174 wurde vom Michael An gelo Zois im I . t7«8 erbaut; die beiden Virand'schen Häuser am Iacobs-Platze, wovon das ältere von Pater Grub er, ursprünglich als mathematischer Thurm, das neuere aber von Anton Virand 1840 erbaut wurde; das Hohn'sche, vier Stock hohe Haus Nr. 2«2 am Haupt-Platze, das Graf Thurn'sche Haus am neuen Markte Nr. 219, welches der General Job st Freiherr v. Thurn 13«1 aus dem Lösegelde von 20.000 Ducaten, die er für einen, mit eigener Hand gefangenen türkischen Pascha erhielt, erbaut hat. Auch das Wolf'sche Haus in der Iudengasse Nr. 226 ist zu nennen, weil es von 1213 bis 1313 die Juden- Synagoge war. An Bildungsanstalten hat Laibach einLyceum, mit theologischen und medicinisch-chyrurgischen Studien und Bibliothek; ein acaoemisches Gymnasium erster Classe, eine deutsche Muster-Hauptschule nebst der Sonntagsschule und eine Mädchen-Haupt- und Industrial-Schule bei den F. F. Ursulinerinen, mit welcher auch eine schätzenswerthe Erziehungsanstalt verbunden ist. Schon Ernst der Eiserne errichtete 1418 in Laibach eine öffentliche Schule bei S t . Nicolaus; eine öffentliche Bibliothek erhielt aber Laibach i?00, und am 13. Februar 17»3 wurde die Lyceal-Bibliothek eröffnet. Auch besteht in Laibach (am Haupt-Platze Nr. 237) eine vom Handelsstande gegründete und unterhaltene kaufmännische Lehranstalt. Und nun besuchen wir noch die Kleinkinder-Bewahranstalt, welche der eclatanteste Beweis der philantropischen Gesinnungen der Bewohner und namentlich der Frauen Laibach's ist. Sie wurde durch freiwillige Beiträge errichtet, und wird durch dieselben und den Ertrag von Bällen und Abendunterhaltungen erhalten. Die Theilnahme an diesem menschenfreundlichen Institute ist so groß, daß der leitende Ausschuß des Frauen-Vereins bereits in der Lage war, ein eigenes Gebäude nebst Garten neben der S t . Florianskirche Nr. «3 für die Anstalt anzukaufen. Die Statuten des gedachten Frauen-Vereins wurden von der Landesstelle am 14. August 1835 bestätigt, und im 1.1836 trat der Verein in's Leben. Er besteht aus 24 Damen aus allen Ständen, an deren Spitze Ihre Excellenz, die Frau Gemahlin des jeweiligen Landes-Gouverneurs steht, die Direction der Anstalt führt aber mit — 37 — Eifer und Einsicht der hochwürdige Pfarrer von S t . Jacob, Johann Chrysost. Pochlin. Die Anstalt wurde Anfangs von Zo bis so Kindern besucht, jetzt werden deren täglich bei 130 dort vor moralischen und physischen Nebeln verwahrt, und zu einem tugendhaften und nützlichen Lebenswandel vorbereitet; ein Lehrer und eine Wärterin führen die Aufsicht. Zu den Humanitäts-Anstalten zählt Laibach ferner: das Krankenhaus, die Irren-, Gebär- und Findelanstalt, die Versorgungsanstalt, die Hospital-und Bürgerspital-Stiftung, im ehemaligen Barmherzigen- Kloster in der Capuziner-Vorstadt Nr. i ; weiters das Armenhaus in der Carlstädtcr-Vorstadt Nr. 4 und 3, zur Unterbringung der Siechen beiderlei Geschlechtes; dann die Sparcasfe nebst dem Versatzamte, im eigenen Gebäude Nr. ?4. Die Sparcasse wurde schon 1820 errichtet, und am 4. November desselben Jahres, als am Namensfeste Ihrer Maj. der Kaiserin Carolina Augusta eröffnet; sie war damals die zweite in der österreichischen Monarchie. Eine höchst wohlthätige Anstalt wird in diesem Jahre (1847) in's Leben treten, nämlich: das Zwangsarbeitshaus, zu welchem im April 1845 der Grundstein gelegt und ein Kostenaufwand von 66.923 fl. veranschlagt wurde. Hierzu haben Se. Maj. der Kaiser unterm 30. November 1844 einen unverzinslichen und vom Lande in mehreren Jahresraten zurück zu zahlenden Vorschuß von 50.000 fl. zu bewilligen geruht, der Rest wurde durch freiwillige Beiträge und Legate erzielt. Die Stadtgemeinde überließ unentgeltlich den Baugrund und die vormals Gadner'sche Mahlmühle, welche als Neben- oder Wohngebäude für den Verwalter des Zwangsarbeitshauses bestimmt ist. Das neue Hauptgebäude besteht aus einem Erdgeschosse und zwei Stockwerken, ist in seiner Hauptfronte gegen Süden oder die Stadt 135 Fuß, in den Seitenflügeln aber zu 8 0 ^ Fuß lang, hat drei Gärten, im Hofraume einen Ziehbrunnen mit einem steinernen Einfassungskranze, und endlich eine Hauscapelle, welche aber seiner Zeit zu klein und beengt erscheinen dürfte, da das Arbeitshaus auf 60 Zwänglinge beiderlei Geschlechtes projectirt ist, deren es jedoch auch über 100 wird fassen tonnen und müssen. Die wissenschaftlichen und Kunstvereine Laibach's sind: die k. k. Landwirthschaft-Gesellschaft, der Verein zur Beförderung und Unter— 38 — stützung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg; der Museal-Verein, der historische Verein und die philharmonische Gesellschaft. Die Letztere ist der älteste dieser Vereine, denn sie wurde bereits im I . 1702 von Johann Berthold v. Höffern gegründet, und bestand, mit theilweiser Unterbrechung bis zum I . 1810; während des französischen Interregnums war sie als eingegangen zu betrachten, nach der Reoccuvirung Illyrien's aber wurde dieser schöne Verein, auf dessen altern Statuten die nachstehenden Zeilen von Klopstock zu lesen waren: Welche Macht kann sich erfreuen. Die inner'« Stürme zu zerstreuen? Harmonie, diese Zauberkraft ist dein! von einigen Freunden der Tonkunst wieder in's Leben gerufen, und mit einer Serenade, welche die philharmonische Gesellschaft am' 2S. Juli 1814 vor dem beleuchteten Vurggarten Sr. Excellenz dem pro». Civil- und Militär-Gouverneur, Freiherrn v. Lattermann, dem eifrigen und menschenfreundlichen Wiederhersteller der Ordnung in Illyrien, darbrachte, begann die Wirksamkeit dieses, aller Unterstützung würdigen Vereins. I o h . Bapt. Novak, Gubernial-Taxator; Joseph Luzac, Zoll-Administrations-Assessor; CarlDezur, Domänen- Secretär und mein Vater, Ignaz Costa, Zoll-Administrations- Assessor, trugen wesentlich zur Wiederauflebung der philharmonischen Gesellschaft bei; ihre Namen verdienen der Vergessenheit entzogen zu werden. Die ersten Concerte fanden im Saale des'Fürst Auersperg'- schen Hofes Statt, bis der hohe deutsche Orden den Saal im deutschen Ordenshause unentgeltlich einräumte, wo die Concerte noch jetzt, doch leider, zum wahren Gedeihen und Aufblühen der Kunst viel zu selten Statt finden. Die Gesellschaft des Ackerbaues und der nützlichen Künste in Krain, welche schon seit dem 1.178? bestand, ging während des französischen Interregnums ein, mit allerhöchster Entschließung vom 2«. September 1814 aber wurde die Wiederherstellung der Ackerbau- Gesellschaft bewilligt, und sie trat am 13. Februar 1818, unter dem Pro-Directorate des Freiherrn Johann v. Vuset, wieder in's Leben, erhielt indeß erst mit allerhöchster Entschließung vom 8. April 1820 die — 39 — Statuten und den Titel: l . k. Landwirthschafts-Gesellschaft. Seitdem ist diese Gesellschaft fortwährend in Activität, sie hat ihre Kanzlei und ihr Cabinett im sogenannten Pogatschnik'schen Hause in der Salender- Gasse Nr. 185, und hält ihre allgemeinen Versammlungen im landständischen Sitzungssaale des Landhauses. Die l. k. Landwirthschafts- ^,,. Gesellschaft läßt in zwanglosen Heften ihre Annale« erscheinen, und gibt wöchentlich ein Volksblatt in slavischer Sprache, unter dem Titel: I l w e t i M ß iu i-okoäelskk noviek) heraus, welches bei allen Slaven verwandter Mundart Anklang findet. Der Verein zur Beförderung und Unterstützung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich bildete sich in Folge der Aufforderung Sr. lais. Hoheit, des durchlauchtigsten Erzherzogs Johann, und auf den Grund der unterm 19. Februar 1837 allerhöchst genehmigten Statuten; hier zu Lande datirt sich sein Bestehen vom 1. April 183?, als mit welchem Zeitpuncte die Vereins-Delegation allda in's Leben trat; das technische Lesecabinett und die Zeichnungsschule aber wurden am i. September 1838 eröffnet, und befinden sich nebst der Vereins-Kanzlei im oben genannten Pogatschnik'schen Hause Nr. 195 in der Salendergasse. Die Büchersammlung der Vereins-Delegation für Kram zählte zu Ende des Jahres 1844 bereits 300 Werke in 31« Bänden und 2«l) Heften, und es wird sowohl diese sehr häufig benützt, als auch die Zeichnungsschule zahlreich besucht. Der Vorschlag zur Gründung eines vaterländischen Museums wurde bereits in der Ständeversammlung vom 13. October 1821 zum Vortrag gebracht und mit Beifall aufgenommen, worauf unterm i « . Februar 1823 von der ständisch-verordneten Stelle ein Aufruf „an die vaterländischen Freunde der Wissenschaft" zur Errichtung eines Landes- Museums erging, und es wetteiferten die edlen Kramer in der Herbeischaffung der Geldmittel sowohl, als der Museal-Gegenstände; die Verzeichnisse nennen Männer und Frauen, Kinder und Greise aller Stände, die zu diesem Zwecke am Altare des Vaterlandes ihre Opfer niederlegten, und es darf nicht vergessen werden, welchen Antheil die .Mitglieder der k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft und namentlich der k.k. jubilirte Gubernialrath, Johann Freiherr v. Buset, bei'm ersten Beginnen der Sammlung und bis zur Uebergabe derselben in anderweitige Verwaltung nahmen; das größte unsterbliche Verdienst an der — 30 Errichtung dieses Landes-Museums aber hat unstreitig der damalige Landes-Gouverneur, Herr Joseph Camillo Freiherr v. Schmidburg, dankwürdigen Andenkens. Se. Majestät, Franz I . , der vielfältige Wohlthäter Krain's, beschenkte das Museum mit der, für dasselbe angekauften Mineraliensammlung des Freiherrn v. Zois. Die erste Aufstellung und rücksichtlich Eröffnung des Museums, wozu die Stande ein Locale im Gymnasial-Gebäude anwiesen, fand am 4. October 1831 Statt. Hierauf bildete sich 1839, auf der Grundlage allerhöchst genehmigter Statuten, der Museal-Verein. Seit dem zweiten Jahresberichte des Museums, vom I . 1838, ist bis jetzt keiner mehr erschienen. Se. Maj. der Kaiser haben mit allerhöchster Entschließung vom 30. December 1845 zu bewilligen geruht, daß der Custos des Museums dem Stande der ständischen Beamten einverleibt werde, was zur Schonung des Musealfondes von großer Wichtigkeit ist. Das Museum ist mit Rücksicht, daß es bis auf jenes allerhöchste kaiserliche Geschenk rein aus Privatkräften entstand, nicht unbedeutend, und in manchen Abtheilungen, wie z. B. in der Numismatik, die eben leider am wenigsten sichtbar ist, sehr reichhaltig, was erst dann überzeugend hervortreten wird, wenn eine Verbindung aller Letalitäten und eine zweckmäßige Aufstellung sämmtlicher Museal-Gegenstände, mit Inbegriff der Münzen, die Beschauung und Benützung derselben erleichtern wird. Der historische Provinzial-Verein für Krain ist der jüngste der wissenschaftlichen Vereine des Herzogthums, und erinnert an die Academie derF>perosen, die von 16 83 bis 1725 hier bestand und wirkte. Als Gründer dieses, durch Impuls Sr. kais. Hoheit, des Erzherzogs Johann, entstandenen Vereines für Steiermark, Kärnten und Kram dürften diejenigen anzusehen seyn, welche das, im I . 1840 dem durchlauchtigsten Erzherzog überreichte Gesuch um Annahme des Protectorates unterzeichnet haben, und zwar aus Krain: Se. Excellenz, Joseph Freiherr v. Erberg, Präfect Rebitsch, Prof. Heinrich, Franz v. Hermannsthal, Dr. Baumgartner, Custos Freyer, vi'. Ullepitsch und ich. Se. Majestät geruhten die Bildung dieses Vereines und dessen Statuten mit allerhöchster Entschließung vom 29. April 1843 zu ge— 31 — nehmigen, und kaum war die Einladung zum Eintritt in diesen preiswürdigen Verein ergangen, als sich schon die allgemeinste Theilnahme durch Beitritt und Geschenke an Urkunden, Büchern u. dgl. aussprach; die Stände Krain's räumten im Gymnasial-Gebäude bereitwilligst zwei Zimmer zur unentgeltlichen Benützung der Vereins-Direction ein, und somit berechtiget diese vielseitige Theilnahme zu den schönsten Hoffnungen für ein dauerndes Bestehen und ehrenvolles Wirken dieses Vereines, der seit dem <. Jänner 1846 am Ersten eines jeden Monates eine Monatschrift für seine Mitglieder, unter dem Titel: „Mittheilungen des historischen Vereines für Kram," mit artistischen Beilagen unentgeltlich erscheinen läßt, und hierdurch sein Wirken und seine Erwerbungen den Mitgliedern kund gibt. I n Laibach erscheint bei I g . Alois Edlen v. Kleinmayr wöchentlich dreimal eine politische Zeitung mit Amts- und Intelligenzblatt, und zweimal in der Woche das illyrische Blatt, beletristischen und vaterländischen Inhaltes. Laibach hatte erweislich schon im I . 1575 eine Buchdruckerei: Johann Mandel war ihr Besitzer, und Georg Khysel'sv.Kaltenbrunn, lateinische Lobrede auf den Helden Herbart v. Auersverg, das erste allda gedruckte Werk; gegenwärtig hat Laibach vier Buchdruckereien und eine Lithographie, dann zwei Kupferdrucker, drei Buch-, Kunst- und Musikalien-Handlungen, eine Leihbibliothek und zwei Papierhandlungen; nebstbei sind Papier und andere Schreibrequisiten beinahe in allen gemischten Waaren-Handlungen zu haben. Fabriken hat Laibach gegenwärtig, wiewohl es zu deren Errichtung sehr geeignet ist, nur zwei, nämlich: die Baumwoll-Spinnfabrik, des Herrn W i l l i am Moline, in der S t . Peters-Vorstadt, und eine Zucker-Raffinerie; erstere, nämlich die Spinnfabrik, wurde auf der Brandstätte der im I . 1827 erbauten und 183? abgebrannten Zucker- Raffinerie mit Landesfabriks-Befugniß errichtet und im April 1888 eröffnet; dieselbe wird gegenwärtig mit zwei Dampfmaschinen von 12 und 16 Pferdekraft, dann mit sooo Spindeln und 316 Menschen betrieben. Die landesfabriksbefugte Zucker-Raffinerie von Arnstein und Eskeles, in Wien, und Brentano et Comp, in Triest (Pollana- Vorstadt Nr. 92) steht im höchsten Flor da. Sie wurde schon bei — 32 — ihrer Erbauung im I . 1828 in einem großartigen Style angelegt, wiewohl sie anfänglich nur 26.000 Centner Zucker und Syrup in einem Jahre erzeugte, während sie im Bilanz-Jahre 1846—4? auf 72.000 Centner Zucker und Syrup, im Geldwerthe von 2.2Z6.000 fl. stieg, und für eingeführtes «iroa 74.600 Centner Zuckermehl, in die Casse des k. k. Gefällen-Oberamtes bei 560.000 fl. an Zoll eingezahlt hat, folglich beiläufig so viel, als Kram an Grundsteuer dem Staate trägt. Die Zahl der gegenwärtig in dieser Fabrik beschäftigten Arbeiter beläuft sich auf 160 Kopfe, ihre fernere Erweiterung ist eben im Angriffe. Dieses berühmte Etablissement wurde schon bei der ersten.innerosterreichischen Industrie-Ausstellung in Klagenfurt mit dem höchsten Preise, nämlich mit der goldenen Medaille, bei der zweiten und dritten Ausstellung durch stellvertretende Ehrendiplome und bei der allgemeinen österreichischen Gewerbs-Ausstellung in Wien im I . 1845 abermals mit der goldenen Preis-Medaille ausgezeichnet. Wir wenden uns nun nach den Vergnügungsorten Laibach's, und zwar zuerst zu unserem schön ausgestatteten Theater. Laibach hatte, laut Oai'inoliaepr^matiea, schon im I . 1671 deutsche Komödianten, die von den Ständen durch einen jährlichen Beitrag unterstützt wurden, deren Spur sich aber mit dem Jahre I7ö7 verliert, und wir wissen nur, daß von dieser Zeit an und bis zur Erbauung des gegenwärtigen Schauspielhauses wandernde deutsche und italienische Truppen im Rathhause, und im Fürst Auersperg'schen Hofe (siehe Thalberg, S . 91) Vorstellungen mit unbekanntem Erfolge gaben. Das heutige Theater wurde im I . 1765 zur erwarteten, aber nicht erfolgten Ankunft Kaiser Joseph I I . , vom landschaftlichen Baumeister Lorenz Prager, unter der Leitung des ständischen Bau- und Theater-Inspectors, Joseph Leopold Wieser v. Berg, innerhalb 6 Monaten aus vier rohen Wänden der damaligen Reitschule gestaltet, und hatte anfänglich Zo Logen, im I . 1846 wurde es aber mit bedeutendem Kostenaufwande in seine gegenwärtige Form umstaltet. Die ältesten bekannten und nennenswerthen Schauspiel-Unternehmer auf dem Theater zu Laibach waren in den achtzigen Jahren des vorigen Jahrhunderts: Georg Wilhelm, welcher nicht nur ein Schauspiel, sondern auch Opern und Ballet unterhielt, und Friede!, der von hier nach Wien zog, wo er im Stahremberg'schen Hause — 33 — auf der Mieden ein Theater errichtete. Nach diesen sind zu erwähnen: Georg Schantroch 1804, 4803 und 1805, unter dessen Leitung Schikaneder auftrat; dann Frasel und Scholz von 4805 bis 480?. Während des französischen Interregnums wurden zeitweise italienische Opern abwechselnd mit französischen Komödien gegeben. Nach der Reoccupation begann wieder das deutsche Schauspiel unter der Direction des Franz Xaver Deutsch (4844—45) auf würdige Weise; der gefeierte Komiler Scholz und dessen Mutter waren Mitglieder des Personals. Im Theatercurse 484 7—4 8 sank das Theater in Laibach durch Geschmack- und Kunstlosigkeit des Personals, durch Verfall der Decorationen und Garderobe, auf den erbärmlichsten Stand zurück, und das Publikum, wiewohl in seinen Ansprüchen höchst genügsam, fand sich durch Thalien's Tempel durchaus nicht mehr angezogen, und brachte seine Winterabende lieber in gesellschaftlichen Kreisen zu. Unter der Direction des CarlWeidinger (4848—24) hob sich dieses Theater wieder zur Zufriedenheit des, diesem Institute stets geneigten Publikums, und die Logen-Eigenthümer subscribirten, über Aufforderung der Theater-Oberdirection, jährliche Beiträge zur bessern Subsistenz des Theater-Unternehmers, welche noch heut zu Tage eingezahlt werden. Während des Monarchen-Congresses 4 824 hatte Laibach nebst einem deutschen Schauspiele auch eine italienische Oper, so gut sie in der Eile eben aufgebracht werden konnte; von da bis auf Funk, der in den I . 4838 und 4839 ein sehr gutes Ensemble von Schauspiel und Oper zusammen stellte, und manches schätzbare Mitglied und manchen ausgezeichneten Gast auftreten ließ, ist nichts Erhebliches zu erwähnen. Unter Thom6 hatte Laibach in neuester Zeit (484«—4?) ein genügendes Schauspiel, aber die hier so beliebte Oper fehltet I n engster Verbindung mit dem Theater steht, in finanzieller Beziehung, das Redouten^Gebäude, da dessen Ertrag den Theaterfond unterstützt. Es war vormals das Schulgebäude der Jesuiten und wurde von den Ständen 4?84 zur Redoute hergestellt. Dort werden im Fasching die maskirten Redouten-Bälle abgehalten; während der französischen Regierung hielten aber in jenem Saale die damals geduldeten Freimaurer, die sich les ^mi« 6u l i u i 6e Nunw et 6e 5i»- I»0le«n nannten, ihre Versammlungen; im zweiten Stockwerke hatten sie ihre Loge zu den gewöhnlichen Zusammenkünften. Neisttlinn. nu» Kraln. 3 — 34 — Das Casino ist der Hauptvergnügungsort der Elite der Bevölkerung Laibach's. Laibach hatte erweislich schon 1799 ein Casino; sein Locale war im damals geräumlichern ersten Stockwerke des Theaters. Dieser geschlossene Verein für Männer besserer Stände bestand, ohne förmlichen Statuten und mit Unterbrechungen während der Kriegsjahre, bis zur Abtretung Krain's an Frankreich; im I . 1810 bildete sich aber eine förmliche Casino-Gesellschaft mit Statuten, deren Zweck nachZ. 1 der Statuten war: „Beförderung des vaterländischen Handels überhaupt, Beförderung richtiger Einsicht in die Bildung und den Geschmack des Zeitalters, Beförderung einer für die gebildete Classe anständigen gesellschaftlichen Unterhaltung, mit gänzlicher Beseitigung alles dessen, was in irgend eine, der öffentlichen Staatsverwaltung nachtheilige Beziehung gesetzt werden könnte." Das Casino-Locale war damals am Haupt-Platze Nr. 8, und wurde dann nach Nr. 5 verlegt, wo sich die Gesellschaft nach wenigIahren(i833) auflöste. ImI.1834 bildete sich ein neuer Casino-Verein, dessen Direction am 12. Jänner desselben Jahres die Statuten in 43 Paragraphen erscheinen ließ. Anfänglich war dieses neue Casino in einem gemietheten Locale im Hause Nr. 214 in der Herrengasse, im I . 1836 wurde aber der Bau des gegenwärtigen schönen Casino-Gebäudes begonnen und 1838 vollendet;, es kostete 70.000 st., wovon 47.000 durch 470 Actien zu 100 fl. aufgebracht wurden. Jeder gebildete Bewohner dieser Stadt oder Fremde, ohne Unterschied des Standes, kann als Mitglied des Casino aufgenommen werden. Die Direction besteht aus einem Director, einem Directors-Stellvertreter und 12 Ausschüssen, welche nach Z. 9 der Statuten zu gleichen Theilen aus den drei zahlreichsten Ständen der Teilnehmer, nämlich aus jenem des Adels, der Honoratioren und Bürger und der Beamten gewählt werden. — „Am 14. Iully (1562) hielt der Rarh Zu Laybach in der Wenden statt. Am Freischiessen daß gieng woll ab. 50 Thaller war die frei Gab. Man hat geschossen ohne Verdruß Zwccn Dukaten in Riter schuß." So lese ich in einer gedruckten Sammlung alter Urkunden, Klagenfurt, mit Edlen v. Kleinmayr'schen Schriften, 1790, und schwer— 35 — lich mochte ein anderer Schützen-Verein eine ältere Beweis-Urkunde seines Bestehens aufzuweisen haben; die fernere Geschichte des Schützen- Vereines von Laibach erzählt jener Denkstein, welcher im Monate Juni 1843 dem Bürgermeister und Schützen-Vereins-Director, I o h . Nep. Hradeczky, zu Ehren im Schützen-Vereinssaale aufgestellt, oder vielmehr eingemauert wurde; er lautet: „An diesem, vom Kaiser Carl V I . im Jahre 4733 zur Schiesistätte bestimmten, 5 804 unter den Schützen-Repräsentanten Andreas Herlein und Valentin Dreo erbauten, und 1843 vom k. k. Nathe und Bürgermeister, Herrn Johann Nep. Hradeczky, durch Begründung des Schützen-Vereines neu belebten Ort bringt die Schützen-Gesellschaft ihrem viel verdienten Director am 27. Juni 4845, als am Jahrestage seiner LZjährigen Wirksamkeit als Bürgermeister, dieses Denkmal der Dankbarkeit dar." Dem wäre noch beizufügen, daß sich bereits am 4». März 4711 eine Schützen-Gesellschaft mit Statuten in 44 Paragraphen gebildet hatte, dann daß Matthäus P o l l , k. k. Kreis-Ingenieur, der Erbauer der schonen Schießstätte war, und daß sie im I . 4843 ihre Erweiterung und Adaptirung zum BeHufe des gegenwärtigen zahlreichen Vereines erhielt. Der Schützen-Verein besteht aus Schützen und Richtschützen; Erstere nehmen an allen Vergnügungen des Vereines, die Letztern aber nur an den Unterhaltungen, die im Herbste und Winter und sonst allenfalls, mit Ausnahme des Scheibenschießens, Statt finden, dann am Lesecabinette Antheil; und somit bildet die Schießstätte eine Ressource für Bürgerliche; der Verein zählt gleichwohl auch Adelige, Beamte und Offiziere zu Mitgliedern. Ein großartiges, für eine bedeutend zunehmende Bevölkerung berechnetes Gebäude ist das im Sommer 1846 eröffnete Coliseum des Architecten Jos. Benedict With alm, Bürgers und Fabritmhabers aus Gratz. Die Stände Krain's haben im Anbetrachte, daß dieses Gebäude nicht nur zum öffentlichen Vergnügen, sondern auch zur Bequartierung transener Truppen bestimmt ist, den Baugrund im Flächenmaße von S3?6 Quadrat-Klaftern, neben der Kärntner Straße nächst der sogenannten Neuwelt, der Stadtgemeinde um einen geringen Betrag überlassen, diese aber hat denselben dem Architecten W i t - halm unentgeltlich in's Eigenthum übergeben, wogegen sich W i t h a lm verpflichtete, das transene Militär gegen die Assecuranz-Gebühr von — 36 — jährlichen 3 fi. C. M . pr. Kopf dort zu bequartieren und die Reitschule sammt den übrigen Sälen und Localitäten, ausier der Bequartierungszeit, dem öffentlichen Volksvergnügen zu weihen. Die Grundsteinlegung fand am 31. Mai 1843 Statt, und schon am i . Jänner 1846 wurde dort eine Wiener Bäckerei, am 5. Juli desselben Jahres das großartige und geschmackvoll ausgestattete Kaffehhauslocale und kurz darauf die Reitschule eröffnet. I n seiner Vollendung bildet dieses Gebäude unstreitig eine der schönsten Zierden Laibach's; schade, daß ein großer Theil desselben in der Schottergrube steckt, die der Eigenthümer gleichwohl bestmöglich zu verdecken und zu benützen, sucht. Wenn von den Spaziergängen Laibach's die Rede seyn sott, müßte man gar viele nähere oder entfernte Puncte der reizenden Umgebungen der Stadt nennen, die selbst von den Eingebornen zu wenig besucht und gewürdiget werden, bei einem kürzern Aufenthalte eines Fremden kann aber dieser wohl nur mit den interessanter« derselben bekannt gemacht werden, und so führte ich denn meinen jungen Maler am rechten Ufer des Laibachflusses hinab nach Kaltenbrunn und am linken Ufer zurück. Das Baron Codelli'sche Feideikommißgut Thurn an der Laibach mit der schönen Marmor-Capelle, das Dorf Stephansdorf mit dem, 4 «5 3 vom Domdechante v. Stemberg errichteten heiligen Grabe, und die Nachbarschaft des Wäscherdörfchens ^Vi8<nviK (richtiger vielleicht u 8»vilv). gaben hinreichenden Stoff zum Gespräch, und so gelangten wir nach Kaltenbrunn, auf dessen Brücke den Maler der Anblick des Wasserfalles der Laibach überraschte und lange fest hielt. Endlich brachte ich ihn weiter und in das Herrschaftsschlosi Kaltenbrunn. Es liegt hart am romantischen Wasserfalle, so daß die schäumenden Fluthen dasselbe an der Südseite bespülen. Man könnte Stunden lang vom Billardzimmer aus die unter den Fenstern tosend sich verfolgenden und über die Felsen herabwälzenden Wellen betrachten, aber gegen Norden laden die majestätischen Alpen zur Bewunderung ein, und gegen Westen entzückt die, hinter den Zinnen des Schloßberges und den Spitzen der Kirchthürme von Laibach verschwebende Abendsonne, und so möchte der Mensch hier sich verdreifachen, ja vervierfachen, um der schönen Natur und der Freundlichkeit der Schloßbewohner mit einem Male sich erfreuen zu können. Die Herrschaft Kaltenbrunn wurde, wie ein Denkstein ober dem Schloß— 37 — thore sagt, von V e i t K h i se l , Bürgermeister in Laibach und Stammherr eines nachmals berühmten Freiherrn- und Grafen-Geschlechtes, 1328, erbaut. Von den Grafen v. Khisel kam sie durch Kauf an Johann Ulrich Fürsten v. Eggenberg, der sie 1619 den Jesuiten zu Trieft schenkte; bei Aufhebung der Jesuiten aber siel dieselbe dem Religionsfonde zu, und gelangte von diesem 182Z im Versteigerungswege an den gegenwärtigen Besitzer Fidelis Terpinz. Ganz nahe an Kaltenbrunn ist der sogenannte Thiergarten, eine mit einer Mauer umgebene schone Besitzung, die vor etwa 200 Jahren dem Fürsten v. Auersperg gehörte, und während der franzosischen Regierung der Thiergarten des General-Gouverneurs der illyrischen Provinzen, Marschalls Marmont, war. Das Gebäude wurde t8l<l vom gegenwärtigen Besitzer Joseph Bischof vergrößert und erhielt ein zweites Stockwerk. Der liebe Gott hatte seine große Laterne am Himmel bereits angezündet, als wir von Kaltenbrunn den Rückweg nach Laibach am linken Ufer des Flusses nahmen; das großartige Etablissement des k. k. Beschäl- und Remontirungs-Departements zu Sello, an dem wir vorüber gingen, und welches einst eine großartige, wie man sagt, die älteste Tuchfabrik in den österreichischen Staaten war, die 1000 Arbeiter beschäftigte, nahm sich in der magischen Mondbeleuchtung noch großartiger aus, und stiller Friede ruhte über Laibach, als wir dahin zurückkehrten. Eines Nachmittags machten wir einen Spaziergang durch die Brühl ^ p r i i l l l ) an der Unterkrainer Straße bis zum freundlich gelegenen Gütchen Kroisenegg, wo es einst lustig zuging und Sechsspänner auf- und abfuhren, wie das Bild im X I . Buche der „Ehre Krain's," S. 320, weiset. Das mag zur Zeit, als es ein Eigenthum der Fürsten v. Eggenberg oder des Stiftes Landstraß und seiner Prälaten war, der Fall gewesen seyn. Wir kehrten von da auf dem Wege, der um den Schloßberg in die Stadt führt, dahin zurück, und kamen in die Stcrnallee, als eben die vortreffliche Musik des vaterländischen Regimentes die schöne und nicht schöne Welt, die Haute- und niedere Vol^, wie Nestroy sagt, dort versammelt hatte. Diese Stemallee! Sie ist der Augapfel der Laibacher und Alt und Jung an das Herz gewachsen, denn die Kinder finden dort ihren sichern Spielplatz angewiesen, die blühende Jugend findet sich daselbst, na— 38 — mentlich an den Tagen, an welchen die Galanterie des jeweiligen Regiments-Obersten die Regiments-Musil dem öffentlichen Vergnügen gönnt, und selbst das sieche Alter schleicht bis dahin, um im freundlichen Grün der Akazien das Gemüth zu erfrischen und an dem öffentlichen Leben noch einmal Theil zu nehmen. Diese Allee ist in der That eine Zierde der Stadt: so zu sagen, im Mittelpuncte derselben, beinahe im Viereck der Klosterfrauen-Kirche und des Theaters, der Burg und des Casino-Gebäudes, läuft sie entlang des Congresi- Platzes dahin. Es ist merkwürdig, wie gewisse Puncte des Erdball's, gleich den cmserwähltcn Geschlechtern, durch Jahrtausende ihre Celebrität behaupten, und den Zeitverhältnissen gemäß sich formen; so auch die Stelle, auf welcher sich jetzt die Sternallee, das Casino- Gebäude und der Congreß-Platz befinden. Unter den Römern standen da öffentliche Bäder, und jene prachtvolle Bildsäule Constantin des Großen, die jetzt eine Zierde des Landes-Museums ist; im Mittelalter ( i « 0 2— 1608) erbaute hier der fromme Glaube eine Capuziner-Kirche nebst Kloster; in den verhängnißvollen Kriegsjahren wurde aus Kloster und Kirche (1810) eine Caserne und ein Militär- Magazin; in unsern Tagen eines beglückenden Friedens weihte die Anwesenheit der hohen Monarchen (1821.) die Stelle des rasirten Capuziner-Klosters, und eigentlich den früher sogenannten Capuziner- Platz zum Congreß-Platze, und die schöne Sternallee mit dem prachtvollen Casino-Gebäude entstand daselbst. Diese Allee wurde 1822, unter den Auspicien des Gouverneurs Freiherrn v. Schmidburg, Ercellenz, angelegt, und es hieße das öffentliche Leben der Laibacher angreifen, wenn man ihnen dieselbe nehmen wollte. Ich hatte mir für einen ganzen Nachmittag die Freude vorbehalten, meinem jungen Freunde Schräm die schönste Parthie der Umgebungen Laibach's kennen zu lehren, und ich führte ihn durch die Lattermann's Allee hinaus nach Unterthurn, in neuerer Zeit uneigentlich Tivoli genannt. DieLattermann's Allee, deren Anlegung am 1. März 1815 begann, die den Namen eines in der Geschichte des Landes höchst ehrenvoll lebenden Staatsmannes und Kriegers trägt und die von jedem Fremden als die schönste Zierde der nächsten Umgebung Laibach's anerkannt wird, sprach den jungen Mann ungemein — 33 — an, zumal, da eben als an einem Sonntage alle Gänge derselben'von Menschen belebt waren; die überaus entzückende Aussicht vom Plateau vor dem Schlosse versetzte aber den Künstler wahrhaft in Extase. Das Schloß war damals im erbärmlichen Zustande, gegenwärtig wird zu dessen Restaurirung mit einem allerhöchst bewilligten Kostenaufwande von 14.116 fl. eben Hand angelegt. Es trägt den Namen Unterthurn, weil einst oben im Walde ein Thurm, dem Hauptmanne der krainischen Ritterschaft, Georg Apfalterer gehörig, stand, den Graf Friedrich von C i l l i in der Fehde gegen Kaiser Friedrich I V. (V.) 144« zu Staub und Asche verbrannte. Hierauf wurde das untere Schloß durch Bischof Chroen erbaut, und im I . 1703 von den Jesuiten zu einem Lustschlossc hergestellt, wie das nachstehende, bei der gegenwärtigen Renovirung entfernte Chronostichon ober dem Schloßthore besagte: gelle» Den aO ^>o8teil8 iel)le»nl)l8 posIta. Derzeit ist dieses Gut ein Eigenthum der Stände. Wir stiegen hinter dem Schlosse den Berg hinan, um von seiner Höhe die mannigfaltigen schönen Puncte der vielseitigen Aussicht zu genießen. Da sahen wir am Fuße des Bergleins, ganz nahe bei dem Schlosse Unterthurn, das schön gelegene Schloß Heopoldsruh, wo der junge Mann in der Folge im Kreise der gräflichen Familie v. Welsperg unvergeßliche Stunden, wie er sagte, genoß, und welches im I . 1720 der damalige Landeshauptmann in Krain, Leopold Graf v. Lamberg, im großartigen Style erbauen ließ; dann kam es an den Rittmeister v. Zegöni, von diesem an den Triester Gouverneur, Grafen Pompejo Brigido, und 1809 an die Familie v. Pagliarucci, die es noch besitzt. Von der Zinne des Berges, unter welchem sich das Dorf Schischka dahin zieht, gewährt der Wechsel der Aussicht eine unbeschreibliche Lust, und bei der Kirche U. L. F. zu Rosenbach öffnet sich der Blick in eine überaus schöne Landschaft, die in der Aussicht vom Schloßberge aus durch den Roscnbacher Berg selbst verdeckt ist. Wir sahen das nicht ferne Schloß Strobelhof^VnKlllxe)^ so genannt nach Mathias v. Strobelhof, der es in seiner gegenwärtigen Form erbaute; seit beiläufig 25 Jahren ist es ein Eigenthum der Familie Seunig. Die Lage jenes Schlosses, unter welchem sich — 40 — der Bach Gradaschza dahin schlängelt, und hinter welchem der Forst Lutik den Hintergrund bildet, ist ungemein malerisch. Hinter Strobelhof, aus einem anmuthigen kleinen Thale, blickt die häusig besuchte Wallfahrtskirche Maria zu Dobrova hervor. V a l. v asor nennt die Kirche zu Dobrova eine der ältesten im Lande und auf Ablaßbildern, die man dort verkauft, ist zu lesen: „Gnadenort der Mutter Gottes Maria zu Dobrova, eine Meile außer Laibach, von 1231, im ganzen Lande berühmt." Die jetzt bestehende Kirche wurde i ? i 2 vom Grund auf neu erbaut. Wir sahen von da auch die Güter Lulavitz, Mosthal, das Stammschloß der Freiherren v. Kuschland, das sonnig gelegene Schloß Sonnegg, unter dem 3504 Schuh hohen Krimberge, mit seiner schönen Aussicht nach Laibach und unzählige andere schöne Puncte, auf denen so gern das Auge ruht, und von denen sich der junge Künstler mehrere in seine Reisemappe zeichnete. Wir besuchten noch die niedliche Kirche U. L. F. am Rosenbach, über deren Erbauung sich nichts erheben läßt; auf einem Steine im Innern der Kirche ober der Thür zur Sakristei steht die Jahreszahl 1742, und eine lateinische Inschrift sagt, daß die Kirche am 13. August 1747 vom Fürstbischöfe Ernst Amadeus Grafen v. Attems geweiht wurde. Wir schlugen den Rückweg über Rosenbach ein, wo wir alle Plätze der so beliebten ländlichen Caffeterie ringsum von den schönsten Frauen und Fräulein's der Stadt besetzt fanden, und von wo wir spät am Abende in schöner und angenehmer Gesellschaft zur Stadt zurückkehrten; Schräm sprach noch oft von diesem Tage und versicherte mich, daß er überaus liebe Erinnerungen aus Laibach auf seine weitere Reise nach Italien mitnehme. I n einem Schreiben an mich aus Venedig vom 8. Juli 1844 ruft er aus: „Laibacher, Laibacher! I h r wißt nicht, wie glücklich ihr seyd. Betrachtet nur einmal aus der Tiefe Eurer Herzen Eure Umgebungen in der Natur. Auf der einen Seite erblicket ihr eine Schweiz: kahle, eisige Berge; auf der andern lächelt Euch ein liebliches, freundliches Thal entgegen. Kurz mit einem Worte: Ihr seyd glücklich!«

^ "'v NUU ' ^ l ^ > > ^M.^^^- M MD Ausflug »lach Innerkrain. Des flüß'gen Silbers Born zu Idria, Der unterirdische Alhambra«Dom Von Adelsberg; der wunderbare See, Der Angel, Flint' und Sens' in einem Jahr Beschäftiget; der kahle Karst, um dessen Ungastliches Geklipp die Bora heult; Die Höh', von deren Saum des Wandrers Blick Zum erstenmale mit Begeisterung Des Adriatermeeres Spiegel grüßt; Die Felsentlichter, deren schwarzer Mund Des Himmels Wässer unersättlich schlürft; Wer, frag' ich, ahnt bei flücht'gem Ucberblict So große Wunder in so kleinem Rahmen! — I . G. Seidl. u den schönsten Erinnerungen aus meinem frühesten Jugendleben zähle ich einen Ausflug nach Innerkrain während der Anwesenheit Sr. Majestät Ferdinand I . , als Kronprinz von Oesterreich. Nachdem ich am 13., 14., 13. und noch am Morgen des 16. August 1819 ein theilnehmender Zeuge der lebhaften Freude war, die sich in Laibach's Mauern über die Anwesenheit des durchlauchtigsten Erzherzogs aussprach, machte ich mich am i?> desselben Monates mit dem Frühesten in angenehmer Gesellschaft auf, und ein Paar schnellfüßiger Pferde flogen zur Triester Linie mit uns hinaus gegen Innerkrain, dem merkwürdigen Lande der Naturwunder. Heiter war der ätherblaue Bogen ober uns, und goldgelb glänzte das Morgenlicht der im Osten allmählig aufsteigenden Sonne, die uns ihre feurigen Strahlen auf dem Wege gegen Oberlaibach nachsandte. Die freundlichsten Waldparthien und üppige Heidenfelder entzückten mein Auge, und liebliche, aromatische Düfte der Heidenblühten erfüllten die Luft. Die mit dem ersten Z — 42 — Sonnenstrahle wieder auflebende Natur, der milde Luftton des heitersten Morgens und das Pittoreske der freundlichen Gegend lachten mir lieblich entgegen, nach langer Entbehrung im ewigen Einerlei der Stadt, und vor mir in Gottes schöne Schöpfung hinstarrend, saß ich wie im Traume da, bis neue Gegenstände mich mit neuen Reizen aus dieser Entzückung weckten. Wir kamen nach Oberlaibach (M^perladlleum, krainisch V^l-KniKa). Vom schwarzen Meere in den Ister, von diesem in die Save, und von der auf den sanften Wellen des H»uportuz bis zu dem Ursprünge hinauf schiffte Jason mit der Argo, so erzählt die Mythe, als er von Colchis rückkehrte, und Oberlaibach oder vielmehr UmijiM'ws entstand, das erst nach dem Tode des Kaisers Augustus durch die empörten pannonischen Legionen verwüstet wurde. Vormals besaßen Oberlaibach die Herren und Grafen von S t . Peter und die Fürsten v. Eggenberg, nun aber ist der Markt der Herrschaft Freudenthal unterthänig. Oberlaibach ist ein Markt, dem man es nicht ansteht, daß er so häusig durch Feuersbrünste litt, doch Oberlaibach, so wie alle übrigen kleinen Orte von hier bis Triest, haben ihr besseres Seyn dem Handel zu verdanken, und daher ist der Raan zu Oberlaibach ein wichtiger Platz, denn mehrere tausend Centner Waaren werden hier alljährlich geladen und in Schiffen auf der Laibach nach Laibach gebracht. Hier ist der Sitz eines landesfürstlichen Bezirks-Commissariates. Sehr erwünscht wäre es mir gewesen, wenn ich zum Besuche der nicht ferne von hier befindlichen, vom kärntnerischen Herzoge Bernhard (1235) gestifteten Carthause, nachmals Staatsherrschaft Freudenthal (Vallis ^ooosae, krainisch L i 8 t r a ) , hätte Zeit gewinnen können, doch mir war's kaum noch vergönnt, den Ursprung der Laibach zu besuchen, der aber außer seiner Mächtigkeit weiter nichts Merkwürdiges hat. Die Fahrt von Oberlaibach bis Loitsch ist nicht unangenehm. Das heiterste Grün der Vuchwaldungen, hier und da mit schattigen Fichten und Tannen gemischt, gibt der hügelreichen Landschaft einen lieblichen Charakter; im Rückblick gegen Laibach aber schwelgt das, Auge in der herrlichen Aussicht. Der zurückgelegte, unmerklich sich in's Thal verlierende Weg bis Oberlaibach, Oberlaibach selbst und Laibach mit den fruchtbaren Feldern vor sich und dem freundlichen Schloßberge, dann der niederen Bergreihe hinter sich, stehen hier wie ein Panorama, — 43 — und immer weiter und freier breitet sich die liebliche Landschaft vor dem spähenden Blicke aus. Hügel und dichte Waldungen raubten mir plötzlich dieses Vergnügen in der Aussicht nach rückwärts, aber nach kurzer Fahrt stellte sich das anmuthige Loitschcr Thal mir dar. Wie man Loitsch aus der Ferne erblickt, so führt der geradeste Weg bis in das Dorf. Fast das erste Gebäude zur Rechten ist die k. k. Post. Hier ward Halt gemacht. Loitsch ist nach Schönleben dasI^on- AÄtieuw der Alten, woher auch sowohl der deutsche Name, als das krainische I^o^ntex lgemeinhin I^nZ^x,) entlehnt ist. Das Dorf ist, trotz mehreren Feuerschäden, ganz nett, doch der Herrschaft Loitsch, einem zwar nach neuerem Style gebauten Gebäude, kennt man es an, dafi lange kein Eigenthümer darin gewohnt habe. Im sechzehnten Jahrhunderte war Adam v. Moschkon Pfandinhaber dieser Herrschaft; sie kam aber bald durch Verehelichung seiner Witwe, einer gebornen v. Edling, an Ehrenreich v. Lamberg, Freiherrn zu Stein und Gutenberg; dann wieder an das Haus Moschkon, und wechselte mit seinen Besitzern, bis sie Michael Grafv. Coronini, als Universal- Erbe nach Cobenzel, in'sEigenthum erhielt. Seit8.September 184« ist Fürst Veriand zu Windisch-Grätz Eigenthümer von Loitsch. Weiters hat Loitsch nichts Bemerkens- und Schenswerthes, und daher auch nichts, was mich länger darin hätte aufhalten können; wir ließen also anspannen und setzten unsere Lustreise fort. Minder freundlich ist die Landschaft von hier gegen Planina. Zwischen einer Reihe dicht bewachsener Berge führt der Pfad, jedoch auf gutem Wege, dahin; nach etwa ein und einer halben Meile Fahrt aber öffnet sich das freundliche Unzthal. Lieblicher spricht hier das Gemälde der Gegend das Gemüth an, wenn man die neue Strasie gegen den Markt Planina dahin fährt. Tief unten durch lachende, von der Unz durchschlängelte Wiesen führt noch immer die alte Commerzial-Straße, nunmehr nur noch ein Feldweg, und zwischen jenen Bergen entschwinden die Silberwellen des Baches. Die Wohlthat, die dem Innerkrainer sowohl, als überhaupt dem Handel durch Erbauung der neuen Landstraße von Oberlaibach bis Planina, die man durchgehends eine Kunststraße nennen kann, zugeführt wurde, ist unschätzbar. Nicht mehr ist nun der Reisende gezwungen, wenn die Unz durch heftige Regengüsse angeschwellt und ihr Bett — 44 - verderbend und verwüstend übertritt, die Wildnisse und steinigen Pfade des Birnbaumer Waldes (krain.Hluslnxa oder Xi'uslioxa) zu durchziehen. Mag dieser Berg, den die Alten die ^.Ipos ^ulin« nannten, immerhin einem J u l i u s Cäsar oder Kaiser Augustus und den alten Galliern ein erwünschtes Thor nach dem Norden gewesen seyn; uns bleibt der mit Laub- und Nadelholz dicht bewachsene, von Wild häufig durchstreifte unermeßliche Wald nunmehr zur Verbindung mit dem reizenden Italien sehr entbehrlich. Wegen jener periodischen Ueberstuthung des Unzflusses wurde der Markt Planina schon vor mehreren Decennien an die südliche Berglehne, an seine gegenwärtige Stelle übertragen, nichts destoweniger erreicht die Fluth nicht selten die tiefer gelegenen Häuser, und das, eine Stunde lange und eine halbe Stunde breite Thal gleicht dann einem See, der Wochen, ja Monate lang andauert, und in landwirthschaftlicher Beziehung viel Schaden verursacht. Bewunderungswürdig ist der Schöpfer in den Wasserkünsten, die er in diesem Theile Krain's angebracht hat. Das Land zerfällt hier, der Planhöhe von Laibach gegenüber, in drei Abstufungen, von denen die Thäler von Zirtnitz, Schneeberg und Poik zu den Hochebenen, das Unzthal zur mittelhohen Ebene und die Fläche, die bei Oberlaibach beginnt und über Laibach hinaus sich erstreckt, zur dritten Abstufung gehört; jede Abstufung gibt ihre Tagsgewässer unterirdisch an die nächste ab, und so fließt der Unzflusi, der aus den höhern Landesabstufungen von Maunitz, Zirknitz und Poik den Zufluß erhält, und dem Gebirgsfuße bei Kleinhäusel und Mühlthal entspringt, bei Laase und Garzhereuz in unterirdische Sauglöcher, um nach mehrstündigem unterirdischen Laufe fünfzig Klafter tiefer, bei Oberlaibach und Freudenthal als Laibachstuß wieder hervor zu brechen. Auf dem ganzen Wege und in großer Menge begegneten uns Großfuhrleute und Schüttler mit den segenreichen Früchten eines blü-- hendcn Commerzes. Schüttler, mitten im Sommer? „Ueber den Rhein schattete man mit Lasten« (Tschud i bei Frisch), und in dieser Bedeutung ist das hierländige Wort Schlitteln oder Schlitten als Intensivum von gleiten zu nehmen. Ein Vauernwagen der einfachsten Art, kaum zur Noth mit Eisen beschlagen, mit zwei kleinen Landochsen oder elenden Pferden, oder wohl gar mit einem Ochsen und einem Pferde bespannt, — 45 — das ist das eigentliche Schüttler-Fuhrwerk, welches den größten Theil der Commerzgüter von Trieft nach Laibach und von da dahin, je zu 5 3 bis 20 Centner auf einem Wagen transportirt. Dieses Fuhrwerk ist ««bezweifelt das älteste im Lande, denn noch zu Valvasor's Zeiten (sieh dessen „Ehre des Landes Krain," 2. Buch, S . 25», 265 und 265) wurde der Transport auf der ganzen Strecke von Oberlaibach und Senosetsch nur mit Saumpferden, betrieben, „welche großen Theils den Einwohnern das Brot verdienen mußten." Diesen Broterwerb findet nun der mit Ackerland karg bedachte Innerkrainer in der Schlittlerei, welche mit Eröffnung der Freihafen Triest und Fiume unter Carl V I . entstand, und von welcher in dem Patente vom 2?. April <?6» bezüglich der Privilegien und Zollfreiheiten der genannten Freihafen, zuerst eine Erwähnung geschieht. Die Mittagsstunde war noch ferne, als wir im Markte Planina einfuhren; wir beschlossen jedoch hier Halt zu machen, um sowohl die Grotte bei Kleinhäusel, als jene zu St. Kanzian, dann die Ruinen der ehemaligen Ritterburg Kleinhäusel und die Herrschast Haasberg zu besuchen. Unser erster Gang war daher nach der schonen Mahl- und Sägemühle unter Kleinhäusel, und an der vorüber in die Grotte bei Kleinhäusel. Erhaben ist der Charakter des Felsenkessels vor derselben. Hervorhängende trotzende Steinmassen drohen jetzt und jetzt herab in die rauschende Unz sich zu losen, und das hohe, von der Natur gewölbte Thor zur Grotte krönt ein dichter, weit in's Land hinein reichender Wald. Staunen und Bewunderung bemächtigten sich meiner, als ich die weite Höhle betrat. Es war die erste, die ich sah. Ha, welch furchtbares Getose! Ist's der Fels, der berstend kracht? Stöß'st du aus dem Mutterschooße Deine Kinder fort, o Nacht! Wasser, ist es deine Stimme? Soll ich nahen, soll ich fort? v,-. Weißenbach. Ich wagte mich in dem immer enger und niederer werdenden Gange am schäumenden Bache weiter hinein: doch der unbequeme Pfad, die drückende Grabesluft, das wilde Brausen des Unzflusses und — 46 — der an den Stalaltitwänden sich brechende Fackelschein erfüllten mein Innerstes mit heimlichen Grauen, und ich suchte schnell wieder den Rückweg. Es ist noch Niemand, meines Wissens, bis zum Ende des unterirdischen Ganges gekommen. Sonderbar genug, daß man schon zu mehreren Malen römische Münzen in dieser Grotte fand, und zwar gleich bei'm Eingange in dieselbe, wohin sie das Wasser gebracht zu haben scheint. Der Wunsch, die verfallenen Ueberreste der Burg Kleinhäusel zu besichtigen, beflügelte meine Schritte aus der Grotte, und ich erkletterte schnell den pfadlosen Hügel zur trauernden Burgruine. Wehmuth ergriff mich, als ich die kleine Pforte zu dem nur noch zum Theile bestehenden Schloßthurme hineinkroch, und ich sah sie vor mir erscheinen alle die biedern Geschlechter, die einst diese Burg besasien; ich sah ihre Erbauer, die Ritter v. Neu Haus und ihre Nachfolger, die Herren v. Haller, v. Räuber und Fürsten v. Eggenberg, doch schon beinahe zwei Jahrhunderte sind es, daß dieses Schloß verlassen da steht, und mit den verfallenen Wänden sind auch jene Aufschriften (die Landstube, die Landlanzlei) verschwunden, die den Freiherrn v. Valvasor vermuthen ließen, daß hier vormals Landtage abgehalten wurden. Hieristes, woErasmus Luegger den, wider ihn vom Kaiser Friedrich I V . beorderten Caspar Rauber zu seinem Verderben nach Luegg zu sich einlud. — O, des tapfern Helden des fünfzehntenIahrhundertes! — Verirrungen und Verfolgungen sind ein sprechendes Denkmal vom Geiste jener Zeit; wohl uns, daß wir sie im Rücken haben! Mit tief bewegter Seele stieg ich wieder herab von der tobten Vergangenheit in die belebte Fülle der Gegenwart. Wir kehrten nach Planina zurück, dessen eigentlicher NameAlben ist (von den julischen Alpen) und auf krainisch?I»niil» heißt. Nach Schonleben soll Alben von den Römern ^Ip68 Fulioi oder »ä ?n-liM) Humum« ^Ip68) nach Megiserus aber ^ l b i a , genannt worden seyn. Noch im vierzehnten Jahrhunderte hat. es der Herren v.Alben gegeben, nach derselben Erlöschen aber fiel Planina den Grafen v. Görz und nach diesen den Herren v. Haller, dann den Fürsten v. Eggenberg zu. Frei liegend im Garten eines Hauses zu Planina fand ich den Denkstein, der vormals in einer kleinen Capelle zwischen dem Markte — 47 — und der Herrschaft Haasberg eingemauert war, und somit die Stelle bezeichnete, wo Erasmus v. Rauber, der einer Müllerin zu Rosse nachjagte, vom Pferde in das eigene Schwert stürzte und den Geist aufgab. Die Schrift am Steine ist noch gut erhalten und lautet: ^nno N N t I X V I I I . X I . ^ulii lior» zw8t moliäiem I I I . Koc in loco adiit nodilis Vir Di»8mu8 liiluder, cu^'u« lluiml!, reHuiesent in z»llek! Um diesen Stein vor dem ganzlichen Verderben zu retten, und da er von der unbekannten Stelle, wohin er eigentlich gehörte, bereits entrückt war, ließ ich ihn in das Landes-Museum nach Laibach bringen, wo er sich noch befindet. Von Planina machten wir eine kleine Excursion nach der Grotte von St.Kanzian und besuchten im Vorübergehen die Herrschaft Haasberg nächst Planina, die Stammburg der Haasberge. Eines Ludwig v. Haasberg erwähnt man schon bei'm Lösten (148<) und eines Diepold v. Haasberg bei'm 36sten Turniere (148?). Doch bald darauf verschwindet jede Spur dieses Rittergeschlechtes, so wie es auch nicht bekannt ist, wie Haasberg mit seinen Besitzern gewechselt habe, wie lange die alte Veste als Ruine dastehe, und wer die neue Herrschaft erbaut hat. Bemerkenswerth scheint es mir, daß die Laibacher im I . 13«6 durch Eroberung dieser Burg für Erzherzog A l brecht, sich die Gnade dieses Fürsten und manches Privilegium erworben haben. Kaum wenige Fragmente eines alten Gemäuers zeigen das Plätzchen an, wo die alte Haasburg stand; das neue schöne Schloß ist aber gut erhalten, und Alles spricht von dem gebildeten Geschmacke eines einstmaligen Besitzers desselben; vorzüglich interessant ist die bedeutende Menge von schönen Gemälden aus wahrscheinlich italienischer, vielleicht römischer Schule, womit vor Allem der niedliche Saal im Schlosse geziert ist. Schade, daß dieses schöne Schloß von seinem bisherigen Besitzer nicht sorgfältiger conservirt wurde. Seit 8. September 184« ist Haasberg ein Eigenthum des Fürsten Veriand zu Windisch-Grätz. Hier bei Haasberg schrieb Prof. Schön, ein Böhme, im illyr. Blatte Nr. 24 von 1822: »An der so ruhig wie die Mur dahin wogenden, hellen, durchsichtigen Unz, den Altvater der umliegenden Alpen, den Triglav im Angesichte; hier ferner bei Zirknitz, wo man an lustig grünenden Anhöhen bei einer verfallenen Burg vorbeirollt, in dem freundlichen Kessel, an dem weiten, schönen Wasser— 48 — spiegel; hier ist es wohl schön, und mag man aus Italien's Wemwaldern oder aus Steiermark's fröhlich umjodelten Alpen kommen, so wird man doch immer freudig ausrufen: Schon!" Etwas über eine halbe Stunde hatten wir von Haasberg bis zur Grotte von S t . Kanzian. Ein Bauernbursche aus Planina, der seit seinem Knabenalter alle Wege und Stege dieser Gegend unwillkührlich studiert hatte, führte uns einen felsigten Fusipfad über Berg und Thal in eine schauerlich erhabene Bergschlucht zu jener Höhle dahin, aus welcher der Fluß ^ßsern (der See) mit wildem Getose aus seinem unterirdischen Bette hervortritt, um sich nach eine-m kurzen Laufe von einigen hundert Schritten vor der St. Kanzian's Grotte wieder scheu in ungeheure Bergklüfte zu verkriechen. Auch bei kleinem Wasser treibt dieser Fluß an der Höhle, wo er zuerst hervorkömmt, eine Brettermühle, doch wenn er bei'm Ablauf des Zirknitzer Sees steigt, dann reißt seine Heftigkeit Sägemühle und Holzvorrath herab bis in die St. Kanzian's Grotte. Ich ließ mich mit unserem Geleitsmann in eine lrainische Gesprächsübung ein, um ihn zu vermögen, mir einigen Aufschluß über das Wesen dieser Grotte und ihrer Umgebung zu geben; allein meine Bemühung ward nicht ganz belohnt; und so unter häufigen Fragen meinerseits und sparsamen kurzen Antworten seinerseits stiegen wir am steinigen Ufer des zur Zeit ganz kleinen Flusses hinab bis zur Grotte. Einige Schritte vor ihr verlor sich der Fluß unmerklich zwischen Steinfelsen mit Geräusch in eine unbekannte Tiefe, vermuthlich in eine weite Höhle; denn wenn man Innerkrain halb aufmerksam durchwandert hat, so bleibt kein Zweifel übrig, daß dieser äußerst interessante Theil von Illyrien unter der Fläche ebenso höhlenreich sey, als er auf derselben ist. I n einer romantischen, schauerlich erhabenen Wildnis, liegt die Grotte. So schön als wunderbar steht vor ihrem Eingange ein von der Natur gewölbter hoher Felsenbogen, den man die Felsenbrücke bei S t . Kanzian nennt, und durch diesen gelangt man in das Innere der schauerlichen Höhle. Ich betrat sie, und nachdem ich, in Staunen versunken, die innere wunderbare Einrichtung der vordersten Grotte bewundert hatte, bedauerte ich es innig, mich nicht mit Fackeln versehen zu haben, um weiter in diese Mysterien der Natur zu dringen, und daher konnte ich nur die durch eine Spalte an der ober» Decke im vor— 49 — deren Räume halb dunkel erleuchteten Wunder anstaunen. An kolossalen Felsen herabhängende Stalaktitenmassen scheinen allmählig sich herabstürzen, und die emporragenden Stalagmiten zertrümmern zu wollen; jeder leiseste Laut hallt hundertfach von den Tropfsteinwänden wieder; die seltensten Gebilde von Säulen, Pfeilern, Pyramiden, Pflanzen u. dgl. stellen sich dem in Anschauung versunkenen Blicke dar, doch um von den verschiedenen Ansichten, von denen Valvasor spricht, eine nähere oder entfernte Aehnlichleit zu finden, dazu wird eine etwas lebhaftere Einbildungskraft gefordert; auch ist der Tropfstein zu sehr der Veränderung unterworfen, um die vor Jahren benannten Bilder wieder zu erkennen, denn hier trocknet der Tropfen an der ober« Decke, an der dräuend hängenden Pyramide bildend zum Stalaktite ein, oder fällt in Ungeregelter Form auf den emporstrebenden Stalagmiten, und bildet so fort und fort immer neue verschiedene Gestalten, bis endlich die von oben herabhängende Masse zu schwer wird und das unten sich bildende Geschlecht durch einen Fall zertrümmert, welche Trümmer sich wieder zu neuen Formen schaffen, und so im Laufe der Zeit tausendfach bilden und wieder bilden. Die St. Kanzian's Kirche ober der Grotte, die eigentlich dieser Höhle den Namen gab, steht schon seit Jahren verlassen da. Nicht mehr als eine halbe Stunde fern war mir von hier der Wundersee Zirknitz ^ a e u 8 I^u^eu8^ lu^ßg, palus). H, I», paluäe I^li^e»,, nuäe «! vaiu», !<», iwliil Olirnill, IliüZ», «lll veliizl», Xoil !>», «ceinllw llnour 1' uiwr« e '1 Arid«: ynivi «i i>e«<H prima, e pol eil' e tÄUk lüece», eä K«e!uua, i» lei «i z>i'Ä,r^e i i «eine, N «i rlloeo^Iie, e lr», le verill pi^nts ?rende gl' inoklNi ue<:eI1i, N I» l»l ßui«^äivleu, eil' in v^>.j tempi 1/ i«te««H «i^ j,a1il«le, e eami»), e »elvll. Kennst du die Wunder der See im hochumdonnerten Zirknitz, Dort, wo der wechselnde Raum Aehren und Fische dir gibt? Jos. Leonh. Knoll. Neise«wn. nu« Krnm. 4 60 — O ja, ich kenne sie, diese Wunder des Thales der himmelanstrebenden Berge Iavornig von 4006 Schuh und Slivenza von 3523 Schuh Hohe, wo ich an einem Tage dem Fischfange bei'm Ablaufen des Sees beigewohnt, gleichzeitig nach Wild gejagt, und trockenen Fußes das Bett des Sees übersetzt habe, um die, hoch am Berge Iavornig im dichtesten Walde, durch einen kühnen Gedanken erbaute Glashütte zu besuchen. Der Zirknitzer See hat seine eigene Literatur, die viel Schönes, Wahres und Fabelhaftes davon erzählt; Klüver, Kircher, Schönleben, Steinberg, Otto, Haquet, Gruber U.A. betrachteten denselben von verschiedenen Gesichtspunkten aus, die Natur und Beschaffenheit des Sees blieb aber dieselbe, weßhalb dessen kurze Beschreibung des gelehrten P. A. Desing von 1747 noch heut zu Tage Werth hat, und einen Begriff von dieser Natur- und Landesmerkwürdigkeit gibt; sie lautet: „Zur Winterszeit lauft der See weit an und überschwemmt einen guten Theil der an seiner Ebene gelegenen Felder, welche zur Sommerszeit trocken liegen und zum Ackerbau gebraucht werden. Wenn nun diese zum See selbst gerechnet werden, so kann man zwar sagen, daß im See jährlich gesäet und geerntet werde; allein alsdann hat er solches mit viele»! andern an Flüssen liegenden Gegenden gemein. Wenn das Wasser abgelaufen ist, mähet man die häusigen Binsen zum Dünger und zur Streu für das Vieh ab. Bisweilen steht der See von Petri- und Pauli-Tag bis zu Michaeli trocken, sodann wächst auch zum Futter dienendes Gras auf dem festen Boden. Er lauft bei trockenem Wetter, sowohl im Winter als im Sommer, und durch Gruben, 4 8 an der Zahl, die fast als Kessel anzusehen sind, ab. I n 25 Tagen ist er fertig. Die Grube Kamin« wird leer in fünf Tagen; über andere fünf Tage das Loch Voäono^ wieder über fünf Nesnottl»; abermals nach fünf Tagen Kote«, und noch fünf Tage „ Während solcher Zeit versieget das Wasser auch in den übrigen 43 Gruben. Wenn es nur vierzehn Tage im Sommer trocken ist, fängt er an abzulaufen, und zwei oder drei Tage vom starken Regenwetter füllen ihn wieder. Man hat Eremvel, daß er in einem Jahre dreimal ausgetrocknet ist. Die Grube Vnäonos hat drei Durchbrüche oder — 51 — Schlundlöcher, die das Wasser mit großem Brausen verschlingen. Rechter Hand des Sees, wenn man von Planina kommt, bei'm Dorfe Lesern (Seedorf) ist der See am tiefsten, und dennoch läuft er am geschwindesten ab, den Bach ausgenommen, welcher, nachdem er die Länge des Sees durchstrichen, durch zwei Ausgänge, die mit dem See horizontal in die Felsen gehen, stießt. Der letztere, vellcn Ivlu-lonxÄ genannt, kommt bald von demOrte, wo er sich verloren, auf der Seite gegen O. Oantianus wieder zum Vorschein, und nach einer Entfernung von einer halben Viertelmeile verschlüpft er sich abermals in einen Felsen bei H. <üantianu8) und wenn er dann einen Musquettenschuß weit durch Grotten gebrochen, stürzt er sich ferner in Höhlen und enge Felsen fort. Unter dem Berge, woraus dieser Bach stießt, muß ein reiches Behältnis) von Fischen seyn, weil sie häufig und von ansehnlicher Größe mit heraus kommen. Wenn gleich der See oftmals hinter einander vertrocknet, also daß er, so zu sagen, keine Gräte hat, so ist er doch bei seinem folgenden neuen Anlauf eben so fischreich wieder, als zuvor, und man fängt immer wieder große Fische von 30 bis ?0 Pfund. Jedoch, wenn der Abfluß seltener geschieht, so sind die Fische zahlreicher und größer. Der See hat keine gewisse Trockene, sondern es kommt auf ein einfallendes starkes Regenwetter an, ja auch nur auf heftige Donner und Gewitter. Er liegt in Ansehung der Gegend von Planina hoch, und das ganze Land ist durchlöchert und mit vielen Höhlen versehen. Hieraus urtheilt man leicht, wie es kommen könne, daß der See bei anhaltender Trockene, da er keinen Zufluß von Wasser hat, leer und ledig werde. Weil er aber auf seinen übrigen Seiten mit hohen Bergen umgeben ist, so kann es nicht ermangeln, daß in demselben bei anhaltendem Regen vieles Wasser in Höhlen und Behältnissen sich sammle, welches durch seine Last das unter dem sichtbaren Boden des Sees sich befindende Wasser dergestalt drückt, daß es gegen die Superficien und Fläche des Sees in die Höhe steigen muß. Es ist schade, daß noch Niemand in der Hydraulik Erfahrener eine genaue Untersuchung der unterirdischen Canäle dieses Sees angestellt hat. Wenn es anfängt stark zu regnen, so spritzt das Wasser aus den Gruben Koten, ^eusIenL» und l'restex, zwei bis drei Klafter hoch heraus; vermehrt sich der Regen und donnert es stark dabei, so kommt das Wasser aus allen 4 * — 63 — Löchern, wo es eingeflossen, velka und mala liHl-Iuux» ausgenommen, und alsdann ist der See in 24, ja wohl in 10 Stunden wieder mit Wasser angefüllt. Etliche Locher geben nur Wasser und nehmen keines wieder weg, die anderen thun beides. Es kommen auch nicht aus allen Lochern Fische mit heraus, vielleicht, weil die Enge der Canäle oder Syphonum solches verhindert. Bisweilen werden lebendige Enten mit herausgeworfen, welche grünes Kraut und kleine Fische im Magen haben, zum deutlichen Beweis, daß unten ein weitläufiger See verborgen seyn müsse. Der obere sichtbare See überschreitet bisweilen seine gewöhnliche Höhe des Wassers mit vier bis sechs Schuhen. Auf den Seiten des Sees aber, einen guten Theil höher, als er selbst ist, sind am Berge zwei weit von einander entlegene Löcher, I_Ir»MN, M u » und 8«KalIiiIx6) zu sehen, aus welchen bei entstandenem Donnerwetter das Wasser mit großer Gewalt und vielem Ungestüm herausstürzt.« „ Wenn solches im Herbste geschieht, so kommen viele schwarze, fette und blinde Enten mit heraus, welche Anfangs fast ganz nackt sind, nach vierzehn Tagen aber oder im October Federn bekommen, sehend werden und davon fliegen. I n diese zwei Oeffnungen kann man weit hinein gehen, es will dieß aber Niemand gern wagen, weil man keinen Augenblick sicher ist, daß nicht das klafterdicke Wasser, wie aus einer gewaltigen Feuerspritze^ dem Wagehalse entgegen schieße.« Der gelehrte Philosoph und Dichter des sechzehnten Iahrhundertes, Nicodemus Frischlin, besang den Zirknitzer See in einer schönen lateinischen Ode, von welcher eine deutsche Übersetzung von F. H. Legat hier Platz finden mag. A u den Zirknitzer Gaspar Godesch! Nicht den Inovus mehr und des Nils überschwemmende Fluthm, Nein, den Zirknitzer See will ich bewundern, o Freund! Ihn, den weites Gebirg' umschließt auf jeglicher Seite, Der, wie doch andere See'n, Mündung und Quelle nicht hat; Der ans der Erd' aufsteigt und wieder zur Erde zurücksinkt. Und nach eig'nem Gesetz schwindet und wieder erscheint. Sieh', es verschlingt die Wellen des Sees die gehöhlete Erde, Wenn sich der purpurne Lenz wiedererstanden erhebt. — ö3 — Da grünt, wellenentstiegen, ein üppiges Wiesengelänbe, Und mit erneu'tem Gewand schmückt sich das grüne Gesild. Da durchfurcht die gedüngete Scholle die ländliche Pflugschar, Und im Bette des Sees ist's, wo der Saame sich birgt. Und aus dem Bette des Sees füllt Heu die Scheunen und Feldfrucht, Wick' und Hirse zumal, Erbse nnd Bohne gedeiht. Goldig erglänzen den Grund sah ich vom Halme des Weizens, Den — wie lange war's her? — lauter Gewässer bedeckt; Sah den Pflüger allda mit gekrümmetem Karste beschäftigt. Wo er, — wie lange war's her? — sich/mit dem Ruder gemüht. Doch ist herbstlicher Frost nach der Zeit der Ernte gekommen, Schickt die versunkene Fluth wieder die Erde zurück. Wie aus Rühren entsandt, mit Gewalt dringt ein das Gewässer, Wieder das Thal ringsum füllend, so weit es sich dehnt. Mit der verborgenen Fluth taucht auf der Fische Gewimmel, Bunt am Scheitel geschmückt, kehrt auch die Ente zurück. Wo du im Sommer erblickt schlankleibiger Ziegen Gedränge, Streicht im Winter der Fisch über das nasse Gesild. Wo dem Nogel das Netz, dem wandernden, stellte der Fintler, Treibt bedächtig den Kahn jetzo der Schiffer dahin. Weigerst du Glauben dem Wort? Ich sah's mit eigenem Auge, Und doch Glauben fürwahr schenk' ich dem eigenen Aug', Sah'n wir doch selbst in gehärtetem Grund geklemmete Fische, Welche der eiserne Karst todt an die Sonne gebracht. Preise nun Der den N i l , und preise nun Der den Inopus, Welcher des Zirknitzer See's einziges Wunder nicht kennt! Von S t . Kanzian nach Planina zurückgekehrt, fuhren wir nach kurzer Mahlzeit dem Markte Adelsberg zu. Je näher dem Karste, desto unfreundlicher wird die Gegend, als ob der Reisende durch lange Entbehrung sich auf den majestätischen Anblick von Optschina herab auf das thätige Triest und die belebte See vorbereiten sollte; doch mir stand dießmal diese Entschädigung nicht bevor, und nur der Anblick der romantischen Ruine der ehemaligen Ritterburg Adelsberg und die damit verbundene Hoffnung, daß ich da an neuen, mir noch fremden Gegenständen neues Interesse finden werde, machten mir die Gegend mit neuen Reizen lieb. Etwa um halb fünf Uhr Nachmittags langten wir in Adelsberg an. An Unterkunft im einzigen annehmbaren großen Wirthshause war nicht zu denken, denn in den sparsamen Gastzimmern wimmelte es — 54 — von Fremden; ich nahm daher die Gastfreiheit eines guten Freundes in Anspruch, und wir waren besser daran, als ob wir in einem fran zösischen Hotel abgestiegen wären. Bald nach unserer Ankunft in Adelsberg schlug die Stunde, welche Se. kaiserl. Hoheit zum Besuch derAdelsberger Grotte bestimmt hatten. I n einem kleinen Thale, eine Viertelstunde von Adelsberg, erhebt sich ein kahler Kalksteinhügel, und. schon aus kleiner Ferne sieht man an diesem Hügel den Eingang zur Grotte. An demselben waren zwei altgediente Männer des k. k. Infanterie-Regimentes Großherzog T o s c a n a als Schild- oder Ehrenwache aufgestellt. Als nun Se. kaiserl. Hoheit daher gefahren kamen, begleiteten sechs junge Wachsfackelträger Hochstdieselben in die Grotte; alle Anwesenden folgten nach. Ein langer, schmaler, durch Lampen erleuchteter Gang von etwa hundert Schritten führte uns hinein, und plötzlich öffnet sich ein ungeheurer Dom vor unserem Blicke und noch wenige Schritte, und wir sind an der Felsenbrücke. Welch ein erhabener Anblick von hier herab in die mehrere Klafter hohe, durch hundert und hundert große und kleine Lichter geschmackvoll beleuchtete Tiefe, wo die Poik über ragende Steinmassen tosend und schäumend hinein in ein undurchdringliches Dunkel sich wälzt. Von Holz zu beiden Seiten der Felsenbrücke erbaute Geländer wendeten jede Gefahr ab, und unbesorgt konnten wir uns daher staunend an diesem großen Schauspiele weiden. Ueber der Brücke, auf der sogenannten Altane, war zu Ehren Sr. kaiserl. Hoheit ein passendes Transparent zweckmäßig angebracht, und als Hochstdieselben sich diesem Orte näherten, stimmte Harmonie- Musik die beliebte Weise: Gott erhalte Franz den Kaiser «., an, und junge Mädchen- und Knabenstimmen sangen — zu meiner freudigen Ueberraschung — mein, auf die hohe Anwesenheit des allgeliebten Fürstensohnes versuchtes und im „ I l l y r . Blatte" Nr. 33 aufgenommenes Lied. Einhundertstimmiges, inniges Vivat-Rufen, aus voller Seele, hallte dem durchlauchtigsten Kronprinzen zu. Alle Anwesenden waren von Freude beseelt und beglückt, der Beglückteste unter Allen aber war ich, der unbemerkte Jüngling, dessen erster Versuch in gebundener Rede eine solche Auszeichnung erfuhr, und Sr. kaiserl. Hoheit, dem geliebten Kronprinzen, von einem kleinen Mädchen im Manuskripte überreicht wurde. — 65 — Mit der dem erlauchten Hcrrscherhause Habsburg angebornen Herablassung geruhten Se. kaiserl. Hoheit sich eigenhändig in das, zum ewigen Angedenken an diesen feierlichen Tag eröffnete Denlbuch einzuschreiben. Fast jeder Anwesende verewigte sich gleichfalls in diesem Grotten-Album, in das sich künftig jeder Fremde, der die Grotte besucht, einschreiben soll. Lobenswerth fand ich diese, vom k. k. Kreisamte Adelsberg, das auch jenes Denkbuch in Verwahrung nahm, getroffene Verfügung; denn wenn gleich einige an den Stalaktitwänden eingeätzte Namen aus dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderte sich erhalten haben, so werden doch unzählig viele andere solche Andenken mit den Jahren erloschen seyn, und so wird die alles verheerende Zeit an jenen Wänden auch die Namen S r . Majestät, Kaiser F r a n z i . , dann Ihrer Majestät, Marie Louise, Erzherzogin von Oesterreich, Herzogin von Parma und Piacenza, und Sr. laiserl. Hoheit, Erzherzogs Rainer, Vice-König's von Italien, verwischen, indeß die Namen in diesem Denkbuche den spätesten Enkeln als ein liebes Denkmal aufbewahrt werden können. Die Stelle, wo jener Bewillkommungsact in der Grotte Statt fand, 100 Wiener Klafter vom Eingange, bezeichnet gegenwärtig ein, Sr. kaiserl. Hoheit geweihtes Monument. Von der Brücke leiteten uns 3 8 Stufen zur Linken herab, und wir waren im Labyrinthe, da, wohin Fürst Johann Weikhard v. Auersperg (iß?3) einen Bauer um alle Welt nicht wieder hinab gebracht hätte, obschon er hier zuvor in der Poik, an Säulen herabgelassen, gefischt hatte. Ein überaus erhabenes Gefühl erfüllte mein Gemüth im Blicke von dieser schauerlichen Tiefe gegen das unermeßliche Gewölbe empor, aus welchem das Schmettern der Trompeten tausendfach in die weite Tiefe herab widerhallte. ^ Eine hölzerne, neuerbaute Brücke setzte uns über die Poik, und 8« Stufen führten zur neuen Grotte, zur Prinz F er bin and's Grotte, hinauf. Hier gebricht es mir an Worten, und es würde selbst dem unerschöpflichen Geiste Matthisson's an Bildern zu einem würdigen Gemälde dieser Grotte gefehlt haben. Welch mannigfaltiger Wechsel von Größe und Pracht, welch erhabenes Theater der Natur! Kühn geformte Gestalten aller Art bilden die, an Weiße und Reinheit dem Alabaster gleichenden Stalaktiten und Stalagmiten, und durch die — 66 — im Diamantenschimmer erleuchteten Tropfsteingänge drangen wir wohl eine halbe Stunde weit von Wunder zu Wunder hinein. Jetzt bemächtigte sich Staunen, jetzt Bewunderung, immer aber das lebhafteste Interesse meiner. Als wir wegen den immer kleiner und enger werdenden Gängen nicht weiter konnten, schlugen wir durch diesen Reichthum an herrlichen Prospecten den Rückweg ein, und wieder drangen durch die gekrümmten Felsengänge einzelne Musik-Accorde und das Vivat- Rufen zu uns, und immer näher waren wir dem Aufgange und immer deutlicher und melodischer war die Harmonie. — Ein Wagehals, Namens Lucas Tschetsch, der die über 12< Klafter hohe Tropfsteinwand mitGefahr des Lebens erkletterte, entdeckte diese unvergleichliche, schönste und merkwürdigste Grotte in Krain. Die ganze Länge der bis jetzt besucht werdenden Grotte beträgt in horizontaler Fläche 2500 Wiener Klafter. Die merkwürdigsten Puncte, welche der k. k. Kreis-Ingenieur, Alois Schaffenrath, gezeichnet, und Franz Grafv. Hohenwart mit erklärendem Texte in Kupfer herausgegeben hat, aber sind: das Monument Sr. Majestät Kaiser Franz 1.^ die Ansicht des großen Dom's (83 W. Klft. vom Eingange), das Monument Erzherzogs Ferdinand's, der Thron in der Prinz Feroinand's Grotte, der Turniersaal, die Gegend bei'm sogenannten Bilde (460 W. Klft. vom Eingange), die Mumien (Zoo W. Klft.), das Grab (32Z W. Klft.), die Iabot's (550 W. Klft.), der Vorhang und die Kanonen-Säule (623 W. Klft.), der Säulensturz bei'm sogenannten beschwerlichen Durchgange (723 W. Klft.), das Thor zum sogenannten Calvarienberg (923 W. Klft.), der Calvarienberg (i'ioo W. Klft.), allwo Ihre Majestät Marie Louise am 4. Juni 1830 die höchste Kuppe erstiegen haben, endlich der Tropfbrunnen (1200 W. Klft. vom Eingange). An mehreren Stellen dieser höchst interessanten Grotte wurden Fossile, urweltliche Thierknochen des Höhlenbären ^'Hl8U8 szielaeu«) und der Hyäne entdeckt, welche die ausgezeichneten Naturforscher V o l p i, Cuvier und Bernard Geslin einer ausführlichen Beschreibung würdigten, und wovon sich sowohl im Landes-Museum zu Laibach, als im Museum zu Paris ^im „^aräin de« plant«»") Exemplare aufgestellt finden. Ein ungenannter Freund der Natur gab im »Illyr. Blatte« Nr. 42 und 43 vom I . 4823 folgende kurze,, aber interessante Beschrei— 67 — bung der Adelsberger Grotte: „Von allen bisher in Europa bekannt gewordenen Stalaktiten-Höhlen übertrifft wohl keine diese hier; weder die kleine Rosenmühler Höhle mit ihrer ärmlichen Wachslammer, noch das hohe, von seiner Zierde durch Gewinnsucht bald ausgeplünderte Kalkgewölbe zu Slam, noch die Maestricher, noch andere europäische, können mit ihr in einen Vergleich treten. Die einzige von Tournefort, und seither von einigen Andern beschriebene und gezeichnete Grotte von ^uti'Mro«, kann mit allem Rechte in Anregung gebracht werden, allein auch jene hat den bekannten Zeichnungen nach mehr Aehnlichteit mit jener von Om'Anal«) als mit der, wovon hier die Rede ist. Die Ausdehnung der Grotte selbst, in welcher ich drei Stunden Weges zurückgelegt habe, ohne jedoch das Ende erreicht zu haben, da ein, wenigstens für jenen Augenblick unübersteiglicher Abgrund das Vordringen unmöglich machte; das prachtvolle Farbenspiel der Stalaktiten und Stalagmiten, welche in tausendfachen Formen bald von der Decke herabhängen, bald vom Boden aufsteigen; der blendende Glanz ihrer Krystalle, ihre ununterbrochene, unendliche Anzahl, ihre zahllosen Gebildungen; Größe der Höhlen, welche das Ganze bilden; ihre Menge; endlich die Mannigfaltigkeit der Parthien, setzen diese Grotte weit über alle bisher entdeckten, und verdienen mit einer Ausführlichkeit dargestellt zu werden, welche über den Gränzen dieser Abhandlung liegt. Es ist ein Grottensystem, wovon in früheren Zeiten ein Theil bekannt gewesen ist, wie uns die darin aufgefundenen Inschriften aus dem dreizehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderte, die zahlreichen Menschenknochen und ein mit Stalaktit übergossener, darin befindlicher Leichnam beweisen. Es mag jener Theil als Begräbnis;- ort oder als Versammlungsort der Vehmgerichte, oder als Zufluchtsort in Zeiten der feindlichen Einfälle gedient haben. Ein gehauener Stein von ganz anderer Art, als die übrigen, und in mancher Hinsicht einer steinernen Thürschwelle ähnlich, könnte wohl ein Ueberbleibsel des nun übergossenen Ausganges seyn. Wo nördlich vom Marktflecken Adelsberg der lieblichen Poik krystallhelle Wellen im anmuthigen Thale durch vielfache Krümmungen sich winden und der, unter Flora's Priestern so oft gefeierte Nanos den Gesichtskreis schließt, am Fuße einer Gebirgsreihe, deren äußerstes Ende die Ruinen der alten Burgveste Adelsberg bilden, liegt roman— 58 — tisch eine Säge- und Mahlmühle beinahe auf dem Puncte hingepflanzt, wo in majestätischer Pracht der heitere Strom sein sprudelndes Gewässer in unterirdische Schlünde stürzt. Gerade ober dem Abgrunde ist der bequeme Eingang in diese Höhle, welche sich nach einem Laufe von 24 Klaftern ostwärts wendet, und in solcher Richtung andere 30Klaftern durchstreicht. Ein geräumiger Platz, 60 Klafter lang, vom Fluße durchschnitten, der daselbst einen kleinen See bildet, führt den Namen des Dom's, den ihm seine Hohe von 19 Klaftern mit Recht erworben. Eine 13 Klafter lange Brücke führt über den Flusi nach der Gallerie. Wo sich der ungeheure Dom zu öffnen beginnt, streicht eine Seitenverästung nach Norden zu, neben dem Abgrunde führt ein schmaler Pfad an einer schroffen Klippenwand hin, und zieht, als enger Gang, beinahe eine gute Viertelstunde fort. Sechsmal schließt er sich gleichsam, bis er auf einen etwas offenen Platz führt, wo Herr v. Löwengreif viele Inschriften, Zeichen und Monogramme, zum Theil aus dem Anfange des dreizehnten Iahrhundertes fand, in dem Tropfsteine mit dem Griffel eingeritzt, oder mit Rothstein und Kohle geschrieben. Es ist auffallend, daß diese Inschriften unter sich-so entfernte Epochen angeben, daß manchmal 100 Jahre dazwischen liegen. Die letzten sind vom Jahre 16?«, also von 1816, wo Herr v. Löwengreif (begleitet von drei muthigenBeleuchtern, deren Namen: Franz Schebenig, V a l e n t i n Verne und Lucas Tschetsch, des hierbei erforderlichen hohen Muthes wegen aufbewahrt zu werden verdienen), die Höhle entdeckte, 140 Jahre zurück. I n jener Gegend befindet sich der Stein, der in mir den Argwohn erregte, als sey er ein Ueberbleibsel eines einst nach jener Seite gerichteten Ausganges. Auf diesem Flecke findet sich eine Menge von zum Theile inkrustirten Menschenknochen am Boden, und ein vielleicht in der Welt einziges, mit Tropfstein übergossenes ganzes menschliches Gerippe, mit um eine Säule geschlungenem Arme. — Traurige Ueberbleibsel der Verheerungen, welche die Einfälle feindlicher Völker nach sich zogen. Nur mit vieler Anstrengung ward es Herrn v. Löwengreifmöglich, an jenen Ort zu gelangen, da die Eingänge, schon größtentheils vergossen, durch Künstlerhand der ewigen Vergessenheit abgetrotzt werden mußten. — 59 — Wenn gleich dieser Theil der Grotte, des gefährlichen Zuganges wegen, nur von wenigen Fremden besucht wird, so verdient er doch um so mehr Aufmerksamkeit bei seiner Erhaltung, da gerade er der einzige, in frühern Zeiten bekannt gewesene Theil und zugleich derjenige ist, welchem,,der vielen durchsickernden Gewässer wegen, am meisten die Gefahr des Verschwinden« droht. Doch wir wollen diesen schauerlichen Mahner an die Vergänglichkeit verlassen, und unter den Dom an die Poik zurückkehren, über die Brücke nach dem rechten Ufer gehen, und sie ihrer ferner« Reise nach Planina überlassen, wo sie unter dem Namen Unz bei ihrem Austritte bei Kleinhäusel eine große Mühle treibt. Hier steigt man 86 Stufen die steile Felsenwand hinan und wandelt gegen Süden in einem Gange, der in einer Entfernung von 130 Klaftern vom Eingange der Grotte sich theilt, um rechts in die schone Ferdinandsgrotte zu führen, welche nach einem Laufe von 43 Klaftern nordlich zieht und die Hohle schließt, welche also auf jener Seite eine Länge von 203 Klaftern hat. Der zweite Arm des Ganges geht in nordwestlicher Richtung durch eine Länge von 175 Klaftern nach dem vom Eingange 311 Klafter entfernten Turnier-Platze. Noch nördlicher, in der Capelle, brüllt 521 Klafter von allem Menschlichen entfernt, der dumpfe Ton der Todesglocke, vom klingenden Tropfsteine so ähnlich nachgeahmt, daß unwillkührlich die Phantasie in jene schauerliche Zeit der Vehmgerichte hingerissen wird. Die sogenannte Reitschule ist 689 Klaftern weit vom Eingange, und wahrhaft schön; in ihrer Nähe ist das Naturspiel einer Masse von Drapirungen aus weißem halbdurchsichtigen Tropfsteine mit doppelter orangengelber Einfassung von Eisenthon, der Vorhang genannt. I n dieser Richtung, vom Eingange 800 Klafter ab, theilt sich die Grotte nochmals: der eine Gang wendet sich östlich durch 38, dann nordöstlich durch 154, und endlich allmählig gegen Süden durch 63 Klafter, wo er nach einem Wege von 1051 Klaftern vom Eingange endet. Der andere Gang zieht sich nordwestlich, führt in der Entfernung von 902 Klaftern vom Eingange an den ungeheuren Sturz einer Stalaktitenformation, und nimmt, nach einem Umwege von 234 Klaftern vom Eingange einen abgegangenen Seitengang auf. — 60 — Hier steht ein statueähnlicher Stalaktit auf einer Tropfsteinsäule, St. Stephan genannt. Bei i i s o Klaftern vom Eingange in südlicher Richtung von St. Stephan steht das reizende Schauspiel des Tropfbades. Ein abgestutzter Kegel mit breiter Fläche, von rosenroth gefärbtem hellfiimmernden Stalaktite, trägt ein natürliches Becken von einigen Schuhen im Durchmesser. Von der hohen Decke stürzt mit sanftem Gemurmel ein dünner Wasserfaden in das Becken, und die über selben spritzenden Wassertropfen stießen an der Oberfläche des dadurch stets wachsenden Kegels herab, dessen Fuß sie mit einem silberhellen Bache umgeben. Schoner konnte wohl die Natur die allmählige Bildung eines mächtigen Tropfsteinpfeilers nicht darstellen. I n einer Entfernung von 1310 Klaftern vom Eingange ist der entfernteste Punct, an den es mit aller möglichen Anstrengung zu kommen gelungen hat. Ein See, der hier unter das Gebirge zu gehen Deint und an die diesseitige steile Felsenwand anschlägt, hat alle Versuche des Herrn v. Low engreif, die Kluft zu übersteigen, vereitelt. I n dieser Grotte war es, wo mich der Zufall den Kopf eines Thieres finden ließ, dessen Art unter die bereits erloschenen Arten gerechnet werden muß. Der Zustand, in dem derselbe mit den vermuthlich dazu gehörigen, in seiner Nähe befindlichen Knochen gefunden wurde, läßt beinahe keinen Zweifel über die Art übrig, wie dieselben in jene Hohle gekommen seyn können, nämlich durch Einsturz des ehemals die Decke der Grotte bildenden Gesteines; denn wäre das Thier im Loche zu Grunde gegangen, so müßten die Gebeine alle beisammen, und das Skelett beinahe unbeschädigt aufbehalten seyn, während sie auf einer Fläche von mehreren Quadratklaftern auseinander gestreut, und mit andern Knochen derselben, und einer, vielleicht auch mehrerer andern Thierarten vermischt, unter großen Stalaktitenklumpen verborgen lagen, die das Wasser nicht hingeschwemmt haben konnte, daher an ein Hineinschwemmen durch das Meer nicht zu denken ist. Der allgemeinen Beobachtung zu Folge, daß die in der Erde vergrabenen Skelette mit dem Vorrücken der Zeit tiefer sinken, befanden sich jene Skelette von Thieren der Oberwelt in geringer Höhe über jener Höhle, als die Decke einstürzte und selbe mit sich riß; denn es — 61 — scheint nur zu wahr, daß bei Stalaktitenhöhlen die erste Formation einstürzt und die folgenden erst das Ausfüllen der Höhle bewirken. Die Abweichung zwischen den verschiedenen gleichnamigen Knochen, welche daselbst vorgefunden wurden und dem Anscheine nach dennoch derselben Thierart angehören, nöthigt mich, dieselben einzeln zu beschreiben. Das wichtigste Stück besteht in einem Schädel von 1? Wiener Zoll Länge, vom Hinterhaupte bis an die Vorderzähne gerechnet, und 13 Zoll Breite am breitesten Theile des Hinterhauptbeines, wo zwei Ansätze wie zwei breite Flügel bilden. Hiezu gehört noch der linke Theil eines untern Kinnbackens, 12 Zoll lang. Das Ganze ist zwar in einem sehr hinfälligen Stande, und besonders scheint das Licht auf die Festigkeit des Gewebes sehr einzuwirken; demungeachtet können alle Theile noch sehr gut untersucht werden. Die Form des Kopfes weicht von den Formen der andern Säugethiere durch eine ungemein langgestreckte, beinahe cylindrische Hirnschale ab, auf welcher die Naht sich in einen, am Hinterhaupte sogar bis auf 3 Zoll hohen Kamm erhebt; craneologischen Gesetzen nach, verbunden mit dem geringen Volumen des Gehirnes, ein Zeichen besonderer dummer Grausamkeit und Kampfgier. ' Die Anlage der Augenhöhle beweist, daß das Thier den Kopf in horizontaler Lage zu tragen pflegte. Die ungemein breiten und längs dem Hinterhaupte aufsteigenden Ansätze desselben, boten den Käumuskeln eine ungeheure Befestigungsstäche dar. Der felsige Theil des Gehörganges ist durch selbe tief herabgeführt, so daß die Ohren des Thieres sehr tief am Halse stehen mußten. Auch die Naht am Hinterhauptknochen ist dermaßen aufgestülpt, daß die Hirnschale dadurch ganz die sonst gewöhnliche nach hintenzu abgebaute gewölbte Gestalt verliert, und vielmehr als ganz flach abgeschnitten, aber durch obige Naht umschnitten erscheint. I n der ober« Kinnlade befinden sich auf der rechten Seite: ») die Ueberreste von zwei Mahlzähnen; I)) die Stelle eines andern von ungeheurer Größe; o) ein großer krummgebogener, oben und unten spitzig zulaufender, im Ganzen 3 Zoll langer Hauer, an der dicksten Stelle 1 Zoll dick von dichtem Gewebe, und ohne Kanten noch Riffen. — 6s — ä) die Stelle eines sehr kleinen Vorderzahnes, nach Art der von Cuvier-als Charakter des Bärengeschlechtes festgesetzten Vorderzähne

e) die gut kennbaren Stellen von drei Vorderzähnen, deren also das Thier sechs gehabt haben mußte; An der linken Seite des Oberkiefers sind jene Theile weniger kennbar. I n dem linken Theile der untern Kinnlade sind: l l ) ein sehr gut erhaltener Mahlzahn mit wellenförmigen Erhöhungen, wie bei allen fleischfressenden Thieren; d) die Reste eines solchen Zahnes zwar abgebrochen, aber durch einen so frischen Bruch, daß er bei'm Ausgraben diese Beschädigung erhalten zu haben scheint, doch war es nicht möglich, ihn aufzufinden; e) die Stelle des dritten Mahlzahnes; l l ) der vierte Mahlzahn, aber beinahe gänzlich abgenützt; ein Beweis des hohen Alters jenes Thieres; e) ebenfalls ein Hauer von derselben Form und Größe, wie jener in der obern Kinnlade; stark abgenützt, allein die Abnützung quer über den Zahn rinnenformig, welches wohl auf die Gewohnheit des Thieres, in der Erde zu wühlen, deuten mag; f ) vor dem Fangzahne befindet sich auch in dieser Kinnlade ein kleiner Vorderzahn. Ungeachtet dieses Geschlechtskennzeichens hat, doch der Schädel, nach Aeußerung aller, die ihn gesehen haben (namentlich unsers allbekannten Professors Hoppe) nicht die geringste Ähnlichkeit weder mit dem gemeinen Bären, noch mit dem in Deutschlands Höhlen vorkommenden Höhlenbären. Außer diesem Schädel besitze ich noch eine andere Kinnlade ganz von derselben Form, ebenfalls mit einem im Verhältnisse mit der Backe selbst sehr großen Fänger, allein das Ganze ist nicht halb so lang, als jene andern, und obgleich sie der Form nach keinen Zweifel läßt, daß sie von einem nur im Alter verschiedenen Thiere derselben Art sei, so biethet sie doch.den bemerkenswerthen Unterschied dar, daß der Fänger, welcher bei'm großen Thiere in seiner ganzen Masse dicht und an beiden Enden zugespitzt ist, in dem kleinern Thiere außer dem — 63 — Kiefer zugespitzt ist, hingegen inner dem Kiefer sich erweitert, also einen einfachen, aber ausgehöhlten Kegel, ganz nach Art der jungen Elephantenzähne, bildet. Hiezu gehört noch ein dritter unterer Kinnbacken ähnlicher Art, aber von einem so jungen Thiere, daß die Zahnbildung erst anfing, und daher nur einige ganz kleine Rudimente von Zahnen im Kiefer stecken. Es ist eine bemerkenswerthe Sonderbarkeit, daß alle diese Kinnladen ven der linken Seite, und alle an derselben Stelle abgebrochen sind, ihr Bruch jedoch ziemlich deutlich zu erkennen gibt, daß der Fangzahn mit seinem Vorderzahne die äußersten Zähne in jener Kinnlade ausmachen mußten, und daher wohl keine Vorderzähne vorhanden seyn mochten. Mehrere andere Fragmente von Kopfknochen ähnlicher Art beweisen, daß dieser Schädel nicht einmal einem der größten Thiere dieser Art angehörte, besonders zeigt sich dieses aus einem sehr großen Jochbeine. Die an jener Stelle gefundenen Wirbelbeine stehen mit jener Größe des Kopfes nicht ganz im Verhältnisse und sind um nichts größer, als die Wirbelbeine eines mäßigen Ochsen; einige haben die aufwärts stehende Apophyse bis 4 Zoll lang,' und nach rückwärts in einen sehr spitzigen Winkel gebogen. An Röhrenknochen finden sich zwei Arten, wovon die eine den Röhrenknochen eines großen Auerstiers an Gestalt und Größe ähnlich sieht, eine andere aber auf ein niederes Gestell von ungemeiner Stärke deutet. Das Gelenk ist bei dieser Art 4'/^ Zoll breit, äußerst stark gebaut, sogar im Verhältnisse zum Rohre, das, so viel sich aus den zwei vorhandenen Exemplaren schließen läßt, auf Art der gleichnamigen Knochen der Dachshunde, ausgedreht und gekrümmt war. Nebst diesen finden sich noch in nicht geringer Anzahl Knochen vor, welche zu einem sehr langen Vorfuße gehört haben mögen, und darunter ein einziges Stück von Karp." Hier folgt das Verzeichnis der in der Grotte vorgefundenen I n schriften: t2. 13. l). I». O. Hl. 1383. 13. 23. 1412. Kircheimer. Michael Hauser. 64 — 1508. ISIS. PhilippWenger. Gnad dir Gott. 1523. Stumpberg. 1584. Kirchheimer. 1575. (wenig kenntliche Zeichen). 1575. M. ^ . I . Suffrerer. 1575. (Zeichen.) 1575. (Zeichen.) M. Weingarter. Ca. Agourer. 1575. 1576. Langkiener. 1578. Der mit Herrn IosephHolla Gnad dir Gott. 1580. X. Erngreifer. X. 1580. Görger Tauffer. FranzAnton Herzog zu Cromau 1580 und Fürst zu Eggenperg. 1581. (Zeichen.) 1585. Herrn Iankowitz. 1585. Wolfsberg. 1587. (Zeichen.) Ld.Vilzarborg. 1587. (Zeichen,)' (Name unkenntlich.) 1592. Walent. Tunicaar. v. ?. 160«. 1«. Z 84. 1834. F.v. Stainach. 1«34. Hans Hueber. Stephanus Kanzianer. Maximilianus Frauenholz 163« Kaspar Moll. 1638. Martinus Hueber. 1841. 1641. Hirsch. Herr Jakob. Rauwer 1641. 16 I N 0 42 1« i r 8. 42 — 65 — 1642. (Eine Hand.) Agourer. Franz Himer Tischlergesell aus Bayern. (Fürst C. Eggenberg: Wapen) Johann MelchiorOtt. Johann PaulSarcher 1642 den 6.IUNY. Marco Zernich Pildhauer 1648. Der 12.6en»ro. Joannes Crassanz 1648. Hans Korn 1649 deng. Iuny. Johann Paul Hueber 1675. 1676. (Zeichen.) G. Nostitz. Michl Strigel. „Dem müßte doch V i r g i l ' s ^fn'^iäu8 eire» praeeoräill »lMKuini»" in hohem Maße zu Theil geworden seyn, der nach dem Besuche der Adelsberger Grotte eine Nacht ruhig schlummern konnte, ohne in tausend und tausend Bildern die geschauten Wunder dieses Gnomen- Palastes wieder und wiederzufinden," ruft D l . Rudolph P u f f, Professor aus Marburg, i n d e r „ C a r n i o l i a " Nr. 104 von 1839, aus. Mit tief erregtem Gefühle verließ auch ich mit dem übrigen Zuge nach drei Stunden dieses erhabene Pantheon der Naturwunder, welches ich am 7. October 1822 abermals besuchte, und zwar in Gesellschaft eines Nordslaven und eines Deutschen, nämlich: des Fürsten Trubetzkoi, russisch-kaiserlichen General-Lieutenants und General-Adjutanten des Kaisers, welcher im I . 1821 zu den hohen Gästen des Laibacher Congrefses gehörte, und des königl. würtembergischen Oberthierarztes, D r . Hoerdt, der einige arabische Pferde, dann ein Paar spanische Zuchtschafe und zwei Gazellen aus Triest an seinen Hof begleitete, besuchte. Diese beiden gebildeten Reisenden konnten sich in der Bewunderung und Lobpreisung der Grotte nicht erschöpfen; der Fürst fand einige Aehnlichkeit der Grotte mit den polnischen Salinen. Die fürstliche Familie, welche eine sehr schöne Fürstin-Mutter und ein« noch schönere Prinzessin-Tochter schmückte, nahm mehrere Stalaktiten und Stalagmiten von wunderbarer Form mit auf die Reise zum Congresse nach Verona, D l . Hoerdt aber außerdem noch einige lebende Olme Uns»«!«». ««»Kr»!n. 5 — 66 ^- ^Protei ttn^uinei) aus der S t . Magdalenen-Grotte, die er in sein Vaterland bringen wollte. Seit dem Jahre 1828 findet alljährlich am Pfingstmontage ein sogenanntes Grottenfest zu Adelsberg Statt, wobei sich viele, in öffentlichen Blättern eingeladene Fremde einfinden, die gegen den Eintrittspreis von je 1 fi. für die Person die erleuchtete Grotte besuchen. Das Fest beginnt um 3 Uhr Nachmittags mit Eröffnung der Grotte und endet meistens mit einem Balle, der im Gasthofe zur Krone abgehalten wird und bis spät in die Nacht dauert. Die St. Petersburger Zeitung: „der Sohn des Vater, landes" ^8iu oteikestva), 8. Heft 1820, Nr. 8, gibt nachfolgende Beschreibung der Gegend von Adelsberg, aus den Briefen eines Marine-Offiziers 6äo. Laibach den 28. März 1810: „Adelsberg, von den Slaven?08tHua genannt, liegt am Fuße eines Berges, dessen Stirne mit schonen Ruinen eines alten Schlosses gekrönt ist. Dieser Ort erhielt seinen Namen (Adelsberg oder Adlersberg bedeutet im Deutschen: Berg der Adler, oi-Iinaja Zora) von der Menge Adler, die dort nisten. Die Gebäude darin sind alle aus Stein und sehen nicht alt aus. Das Thal, in welchem das Dorf liegt, ist rund umher mit reizenden Prospecten umgeben. Ein kleiner Fluß, welcher mit Säge- und Mahlmühlen besetzt, still und majestätisch zwischen hohen Ufern, Hutweiden, Gärten und Wiesen stießt, theilt sich und bildet durch seine vielen Krümmungen Inseln, welche von jungem Geholze beschattet werden. Ich wandelte neben denselben abwärts; das Tosen des Wassers, der Schaum und das Geklapper der Mühlräder erinnerten mich an die Stürme, welche ich auf dem Meere bestanden, und ich kam, ohne Ziel und Absicht, weiter als ich wollte, da stürzte der Fluß am Fuße des Berges plötzlich mit erstaunlicher Heftigkeit in den Abgrund und verschwand vor mir. — Ich kann Dir mein Staunen nicht beschreiben; ich kann nicht erklären, was ich bei einer so unerwarteten Erscheinung empfand. Stehend am Rande des Abgrundes, horchend dem Donner seines Gewässers, welches schnell in den Schooß der Erde stürzte, gewahrte ich es nicht, daß ich vom Wassernebel, welcher einer Wolke ähnlich über mir schwebte, ganz naß geworden. Fünfzehn Werste von Adelsberg, auf der andern Seite des Berges, erscheint der Fluß wieder auf der Oberfläche der Erde. — 67 — Freunde malerischer Prospecte würden es theuer bezahlen, wenn sie auf meiner Stelle wären, und dieses entsetzliche und majestätische Schauspiel der Natur sähen. Der Fluß, ähnlich einem Wasserfalle, entwindet sich einem engen Felsenschlunde und stürzt in ein weites Becken, welches die Gewalt und Schwere des Wassers ausgehöhlt. Der Rand des Beckens ist mit platten, scharfgespitzten Steinen eingefaßt, und obschon der Fall des Flusses nicht sehr hoch ist, so eilt das Wasser doch mit unglaublicher Schnelligkeit über die Steine weg, wird gleich wieder ruhig, in der Strömung schwächer, und gleitet wieder als ein sanfter und gefahrloser Fluß über eine weite Wiese dem Dorfe Planina zu." Der Markt Adelsberg hat mehrere niedliche Häuschen, von denen manche wohl ein hohes Alter andeuten, welchem man es jedoch nicht ankennt, daß der Ort durch feindliche Einfälle und Feuersbrünste zu mehreren Malen gelitten habe; die verheerendste Feuersbrunst erlitt Adelsberg am 3. Juli 1802. Die Pfarrkirche kann sich einer einfachen Zierlichkeit rühmen; sie hat einige schätzenswerthe Gemälde, worunter im Seitenaltare zur Linken ein 8.1'r»nei80U8 Ooraplucu« von dem glücklichen Pinsel unseres verblichenen Kunst- und Porträtmalers Herlein mir das vorzüglichste schien. Lieblichkeit und eine gewisse Zartheit, dabei aber auch Kraft legte Hertein in seine Gemälde, was ihnen einen bleibenden Werth sichert. Im Schloßgebäude der Herrschaft Adelsberg, welches wohl das schönste im Markte ist, und eine hübsche Aussicht hat, ist das k. k. Kreisamt untergebracht. Die Ruinen des alten Schlosses Adlersberg, welches nach einer Urbarial-Vormerkung am 10, November 1889, früh zwischen 2 und 8 Uhr, durch einen Blitzstrahl in Flammen und Asche gesetzt wurde, zieren die Stirne des Berges Sovitsch (2128 Schuh über der Meeresfläche) und geben der Gegend ein malerisches Aussehen. Wohl blühte einst ein edles Geschlecht, das sich die Herren von Adelsberg nannte, doch Ihr Gedächtmß sanl wie ihre Grüfte, Vor dem Thatenglanz der Heldenzeit Schwebt die Wolke der Vergessenheit. Matthisson. L* — 68 — Wie lange die alte Burg als ein kahler Steinhaufen da liegt, konnte ich nicht erheben. Die Geschichte nennt als Besitzer der Herrschaft Adelsberg die Grafen v. C i l l i , die Fürsten v. Eggenberg, die Herren v. Tschern embl und Freiherren v. Mannesis; die Mannesis und Tschernembl mögen aber nur Hauptleute der damaligen Grafschaft Adelsberg gewesen seyn, da diese nach Aussterben der Grafen v. C i l l i an den Landesfürsten fiel, worauf sie an die Fürsten v. Eggenberg, und von diesen an Johann Weikhard Fürsten v.Auersperg kam; dessenSohn FürstFerdinand v. Auersperg verkaufte sie im I . 170? an Franz v. Oblack, von dem sie Kaiser Carl V I . am 2?. August 1722 um 80.000 fl. zum BeHufe des k. k. Karster-Hofgestütes erkaufte. Die Karster-Pferde waren von jeher berühmt, und schon zu Valvasor's Zeiten gab es zu Adelsberg selbst »eine trefflichgute, von Karst-Pferden aufgerichtete Stuterei." Dieses Gestüt kam 1738 als Filiale .des Hofgestütes zu Lippiza nach Prästraneg, welches eine Meile weit von Adelsberg am Karste liegt, und vormals eine Besitzung der Freiherren v. Edling, dann des Grafen Bernardin Barbo, der Freiherren v. Oberburg und des Freiherrn V a l e r i v. Leo war. ^ > Im I . 1749 wurde die Herrschaft Adelsberg vom Hofgestüte wieder getrennt und zum Bancalfonde geschlagen, doch blieb sie stets mit dem l . k. Karster-Hofgestüte in einer gewissen Verbindung, die sich auf verschiedene Natural-Lieferungen, auf den Genuß ihrer Alpen, Wiesen, Holzrecht u. dgl. erstreckt. Während des französischen Interregnums wurden sämmtliche, zum k. k. Karster-Hofgestüte gehörigen Realitäten dem Marschall Marmont (1810) als Dotation zugewiesen, sie fielen aber nach dem Abzüge der Franzosen, als im I . I8l5 das Hofgestüt dort wieder eingeführt wurde, diesem abermals zu. Mit dem Besuche der Kirche zu Adelsberg schloß ich den Tag, und des andern Morgens, als der Sonne allbelebend Feuer kaum die Gipfel des Nanos begrüßte, verließen wir den Markt Adelsberg, dessen Bewohner ihren Erwerb zum größten Theile dem Commerz« und Speditionsgeschäfte verdanken, und fuhren dem Karste, eigentlich der Veste Lueg zu. Von den Gasthäusern auf dieser Noute sage ich kein Wort, weil nicht viel Gutes davon zu sagen ist, aber wer im Frühjahre in die 69 — Nähe des Karstes kömmt, der versäume nicht, sich das schmackhafte Fleisch der Karster-Lämmer auftischen zu lassen; der Genuß der unzähligen Alpenpflanzen würzt das Fleisch dieser, bis nach Venedig versendet werdenden Hausthiere. Auch das Steinhuhn, welches am Karste nistet, wird dem Reisenden bisweilen hier aufgetischt. Der Karst (in der Landessprache 6g,driK) ist jener steinige Strich Landes, der in der Delegation Mine beginnt, und durch das Thal von Pontafel und Canal bis gegen Tibein ^ v i i i n o ) und Adelsberg, und gegen Triest und Fiume, dann durch ganz Dalmatien bis Ragusa, Albanien und einen Theil von- Bosnien gegen Cephalonien sich hinzieht, und das entfleischte Kalksteingerippe einer ausgebrannten oder vielmehr ausgeschwemmten Landschaft bildet. Im Grunde ist es aber die Bora, der Nord-Ostwind, der hier alles Erdreich, weil man es in früheren Zeiten der Bäume beraubt hat, aussperrt und davon trägt, die Felsenmassen entblößt und ein ödes Steinfeld bildet, auf welchem der arme Landmann in den Vertiefungen svoline oder t l ^ r a ä i ) der kargen Mutter Natur durch rastlose Mühe sein weniges Getreide abzwingt. Nur dort, wo der Zudrang der furchtbaren Bora durch vorstehende Berge abgehalten wird, dort besteht eine etwas fruchtbarere Vegetation; so hie und da auf dem Wege von Adelsberg nach Lueg. I n der Hoffnung, daß Se. kaiserl. Hoheit diese merkwürdige alte Ritterburg besuchen werden, wurde der Weg dahin nach Möglichkeit hergestellt, und somit war die sonst holprige Seitenstraße ungewöhnlich gut, aber die Fahrt hatte dennoch nichts Freundliches. Hügel an Hügel ab führt der Weg durch die Dörfer Landol und Hrenovitz einem ungeheuer« Bergkolosse, dem Nanos zu, und schon ist man der Veste Lueg nahe, und noch immer sieht man nichts, als kahle und nackte Steinmassen kühn auf und an einander gereiht, auf einmal aber öffnet sich ein tiefer, grauser Abgrund am Fuße des Nanos, und Lueg steht vor uns. Schauerlich wild ist dies; Gemälde. Durch die unwirthbare Tiefe wälzt sich tobend und brausend die nicht fern davon dem Fuße des Nanos entspringende Loqua in einen sinstem Rachen hinein, um nach mehrstündigem unterirdischen Laufe jenseits unter der Benennung des Flusses Wipbach wieder hervor zu brechen; ringsum nichts als Felsen auf Felsen geladen, und ungeheure, über die Veste hängende Steinmassen drohen jetzt und jetzt das Felsennest — 70 — im eigenen Schutte zu begraben. Ein in Felsen gehauener Weg führte uns zur Burg, und vor dem Eingange empfing uns die erste Aufzugsbrücke, gleich darauf zwischen dem Eingangsthurme und dem übrigen Gebäude eine zweite; Schießscharten bewachen beide, gleich Falkenaugen. Ueberhaupt ist diese Burg mehr ein Denkmal der Befestigungsals der Baukunst des fünfzehnten Iahrhundertes, und ich fand im Widerspruche mit' andern Reisenden, die vor mir Lueg besuchten, nichts weniger als viel Wohnung darin, es sey denn, daß man die Burgverliese und derlei Gemächer, die kaum von Hunden bewohnt werden, zu Zimmern zählen wollte. Ueber dem jetzigen Schlöffe trauern die sparsamen Ueberreste der eigentlichen Stammburg Lueg, ganz im Geiste des barbarischen Faustrechtes hingeworfen. Ein zur Noch über einem wilden Felsenabhange von Holz gezimmerter Gang führt dahin, und man schleicht an einem kleinen Thorchen, an dem sich noch die Räder der einstmaligen Zugbrücke befinden, zur schauerlichen Hohle, zur kaum mehr kenntlichen Burgruine hinein. Ein seltsamer Schauer überlief mich, als ich diese kleine Pforte betrat, wo aus dem öden Felsgemäuer der leiseste Tritt mir wiederhallte. Aus den wenigen Fragmenten der einst vom unglücklichen Erasmus Lueg er, vom letzten Lueg er bewohnten Gemächer, sprach wehmüthig das Andenken verblichener Jahrhunderte zu mir. Natur und Zeit haben diesen Sitz des unversöhnlichsten Menschenhaffes zur gräßlichen Wildniß gebildet. Hier wandelte nimmer der Odem des Mai's, Hier wiegt sich kein Vogel auf duftendem Reis; Nur Moos und Flechten entgrünen Den wilden Ruinen. Matthisson. Es muß eine fürchterliche Zeit gewesen seyn, aus der das mächtige Faustrecht solche Denkmale hinterließ, und der Mensch vor Menschen in solchen unwirthbaren Wildnissen scheu zwischen unersteigbaren Klippen und unter reißenden Thieren Schutz suchte, und — nicht fand. Erasmus Lueger's Geschichte ist oft und vielfältig erzählt. Angenehm ist es, mit der Geschichte berühmter Männer bekannt zu seyn, und dann auf Dinge zu kommen, die ihnen nahe waren, — ?I — oder gar Stellen zu betreten, wo sie lebten, wo sie wirkten. So schien es mir gleichsam, als ob ich allenthalben Lueger's blutigen Schatten vor mir sehe, wie er so im sichern Schooße seiner Ahnenburg der Uebermacht seiner Feinde hohnlächelt, bis schändlicher Verrath eines seiner zwölf Knechte ihn dem jämmerlichsten Tode überlieferte. Und nur so konnte dieser unglückliche Zeit-, Ruhmes- und Schicksalsgenosse Baumkircher's fallen, denn aus seiner Hohle hatte er eine halbe Stunde im Walde einen Ausgang, der ihn mit Lebensmitteln versah, und bei geahnter Gefahr auch in's Freie geführt hätte. Nun ist dieser Ausgang vermacht, damit sich nicht etwa ungeladene Gäste durch ihn in das Schloß schleichen. Der Brunnen, der schon zuErasmus Zeiten bestand, ist noch da, so einfach als dazumal, und versieht die Herrschaft mit gutem frischen Wasser. Nach Erasmus Fall war Lueg landesfürstlich, im I . 148? verschenkte es Kaiser Maximilian I. an Friedrich v. Gallen, berg, und dann erst sing die bisher nur. von reißenden Thieren be. lebte unheimliche Wildniß an etwas freundlicher zu werden. Im 1.1566 kam Lueg an das adelige Geschlecht Cobenzel, von welchem das neue Schloß (1580) erbaut wurde, und durch Erbschaft an Michael Grafen v. Coronini gelangte, der Lueg, Haasberg, Stegber und Loitsch am 8. September 1846 um 650.000 fi. an den Fürsten Veriand zu Windisch-Grätz verkaufte. Ich hatte gewünscht, jedes kleinste Plätzchen dieser äußerst merkwürdigen Ritterveste mir aufzuzeichnen, doch die Zeit war mir zu kostbar und ich mußte daher in die Grotte eilen. Ein schmaler felsiger Fußsteig ist der Zugang herab, und vor der Oeffnung führt über einen schauerlichen Abgrund eine hölzerne kleine Brücke. Die für Se. kaiserl. Hoheit bestimmten Männer mit hölzernen Fackeln gingen uns voran, und so drangen wir wohl mehrere hundert Schritte sehr bequem in sie hinein, doch nicht konnten mich die engen schmutzigbraunen Tropfsteingänge reizen, da ich erst Tags zuvor die Wunder der neuen Grotte zu Adelsberg angestaunt hatte, und noch zu neu war mir das Bild all jener Schönheit und Größe, als daß ich diese sonst sehenswerthe Höhle vollkommen hätte würdigen können. Die dritte, unterste und wohl auch längste Grotte, in die sich brausend die Loqua, auch Poik genannt, ergießt, ist nicht leicht zu besuchen, 72 — denn schroffe Steinwände verwehren den Eingang; ich wandte mich daher nach der kleinen Maria-Kirche bei Lueg, an der nichts merkwürdig ist, als höchstens daß sie von Aeneas S y l v i u s , Bischöfe zuTriest und nachmaligem Papst P i u s II.) eingeweiht wurde. Die Stirn des Nanos, 4098 Schuh hoch, umzogen sturmgepeitschte Wolken, als wir den Rückweg antraten, und es stammte und brummte dort oben, als ob der Steingigante herabfragen wollte, wer sich noch hier unten zu rühren wage, wenn düstere Wolken seine Stirn umhüllen. Es gab einVild, welches nie wieder aus meinem Gedächtnisse weicht, als eine gewitterschwere Wolke gegen die Spitze des Nanos dahin eilte, und mit Blitz und Donner an der Felsenstirn des Bergriesen brach. Rings herum am Fuße des Nanos gelangt man zur Poststation Präwald, und von hier über den sogenannten Reberniza-Berg herab in das schöne Wipbacher Thal, in den gepriesenen Garten von Krain, welcher die Hauptstädte von Illyrien reichlich mit Frühobst versieht. Pfarrer Mathias Vertouz zu S t . Veit bei Wipbach gab im „ I l l y r . Blatte" Nr. 8, 9, 10 und n von 5821 eine lesenswerthe Schilderung der ursprünglichen Bildung der Wipbacher Gegend, aus der ich nachstehende Stellen heraus zu heben mir erlaube. , »Ganz Illyrien, sammt dem größern Theile von Croatien und Dalmatien scheint in der zweiten Epoche durch einen unermeßlichen Kalkniederschlag entstanden zu seyn. Nach dieser Annahme ließe sich die Entstehung der in diesen Ländern in so großer Menge vorhandenen Grotten, deren wahrscheinliche, größte Zahl ewig unbekannt bleiben wird, erklären. Im oberwähnten Kalklager wurde nun ursprünglich durch einen Riß, Senkung, oder auf eine was immer andere Art, von Präwald aus gegen Westen, über Görz hinab, ein tiefer Abgrund mit allmählig sich erweiternden schroffen Wänden gebildet, der, bei einer Länge von sechs bis sieben Meilen nirgends über eine Meile breit ist. Die südliche Wand dieses Abgrundes von Präwald in gerader Linie gegen Abend fortlaufend, und sich unter Gradischka verlierend, bildet die nördliche Gränze des berühmten Karstgebirges; die entgegengesetzte, vom nämlichen Ausgangspunkte entspringend, zieht sich etwas nordwärts, macht bei Oberfeld einen stumpfen Winkel, gehet dann fast parallel mit dem .Karstgebirge, verliert sich nach gleicher Länge von diesem, und bildet unter verschiedenen Namen das höchste südliche Gebirge der julischen Alpen. — 73 "- Von den höchsten Spitzen dieser Alpen hat man unvergleichliche Aussichten, die wohl zu den vorzüglichsten in der Welt gehören; denn die rhätischen Alpen im Westen, die norischen und carnischen im Norden, das dalmatinische Gebirge, die Königreiche Illyrien und Venedig mit ihren Haupt- und andern Städten, und das adriatische Meer, mit seinen in verschiedenen Richtungen segelnden Schiffen, die man mit freiem Auge recht gut sehen kann, biethen dem entzückten Beobachter zum Staunen und Nachdenken reichlichen Stoff dar. Wir haben bei unserm mehr als fünf und vierzigmaligen Besteigen derselben noch nicht das Glück gehabt, den Horizont ganz wolkenlos, noch weniger rein von Ausdünstungen zu finden. Ein hinlänglicher Beweis von der Weite desselben. Der von den bemeldeten Gebirgen begränzte Abgrund mag sich Anfangs, zum Theile durch das Abrunden dessen steiler und schroffen Wände, verschüttet haben, zum Theile aber, doch nicht ganz, wurde er vom Meere angeschwemmt. Auf solche Art entstand in diesem Abgrunde das Land, wovon die östliche Hälfte die Wipbacher Gegend benannt wird, und von dieser gehört wieder nur die östliche Hälfte eigentlich zu Krain; das Uebrige gehört Alles zu der gefürstetcn Grafschaft Görz. Das in diesem Abgrunde angeschwemmte Ländchen ist eine der bevölkertsten, cultivirtesten und gesegnetsten Gegenden; das Clima derselben ist milde und angenehm, mit der alleinigen Ausnahme, das; der Ostnordwind, doch nur selten, und nur im östlichen Theile wüthet. Fast Alles, was Europa Gutes hervorbringt, gedeihet da vortrefflich, und wird oft über Erwartung im vorzüglichen Grade aromatisch und köstlich. Die vom Libanon nach Görz überpflanzte Cypresse wächst schön pyramidenförmig auf; der Feigenbaum lohnt dankbarlich mit seiner Frucht zweimal im Jahre die auf ihn verwendete Mühe des Setzens; auch der Olivenbaum, hinlänglich vor dem kalten Norden beschützt, versagt nicht seine Frucht; daß der edle Weinstock oben an zu nennen sey, verstehet sich von selbst, und daß da, wo sich dieser schon nach der Mitte Juli und Anfangs August mit goldfarbigen und köstlichen Trauben behängt, das Paradies sey, — wird wohl Niemand in Abrede stellen wollen. Zu den besondern Merkwürdigkeiten dieser Gegend in naturhistorischer Hinsicht, und als unwidersprcchliche Beweise, daß dieselbe durch das Wasser gebildet worden sey, gehören die in erstaunungswürdi— 74 — ger Menge vorhandenen Helmintholithen. Doch die Menge derselben, womit alle Naturalien-Cabinette der Welt hinlängst versehen werden könnten, bilden eigentlich die sogenannten Linsensteine, die, von der Große wirklicher Linsen bis zur Größe der kupfernen Kreuzer, entweder einzeln oder durch Bildungsmittel zu ganzen Steinmassen verwachsen, gefunden werden. Man sieht oft in der Gegend ganze Mauern von Steinen aufgeführt, die meistens nur aus Linsensteinen bestehen. Man findet diese Wurmgehäuse-Versteinerungen allezeit in einer und der nämlichen Schichte, die Hierlands Kremen heißen." Eine nicht minder bemerkenswerthe Naturmerkwürdigkeit des Wipbacher Thales sind die Kakerlaken oder Albinos, die hier zu wiederholten Malen so ausgebildet vorkamen, wie sie Cook auf den Südseeinseln, wie wohl selten, vorfand. Das „ I l l y r . Blatt" Nr. 5 vom I.Februar 1821 bespricht ein derlei Naturphönomen, ein Mädchen, das am Li.December 180? zu St. Veit bei Wipbach geboren wurde, aber bereits 1822 starb. Ich war am ß.October 1822 in S t . Veit, und sah ebenfalls einen dort gebornen Albinos oder Kakerlaken, den ich mir mit den Eltern vorstellen ließ. Es war ein, am 13. Juni 1820 geborner Knabe, von starken, in derSonne gebräunten Eltern des Bauernstandes, wovon der Vater schwarze, die Mutter blaue Augen hatte. Der kleine Nachtmensch (nach Linne) war wohl gebildet, und mit einer sehr weißen, fast durchsichtigen, und auf den Wangen sanft rechlich gefärbten Haut begabt. Das Haupthaar und die Augenwimpern waren ausnehmend weiß, zwischen blond und altersgrau, die Form der Augen groß, der Augapfel weiß, die I r is aber blaß rosenroth, der Augenstern,, den ich purpurschwarz nennen möchte, verkleinerte sich aber im Tageslichte innerhalb fünf Minuten über die Hälfte. Das Knäblein sah alles nach der Seite an, und man versicherte mich, daß es kein gutes Gesicht habe. Die schwächliche Natur des Kleinen erheischte aber eine bessere Kost und sorgfältigere Pflege, was ihm jedoch seine mittellosen Eltern nicht gewähren konnten, weßhalb er damals um so schwächlicher aussah; allein er wuchs nichts desto weniger zu einem rüstigen Manne heran und widerlegt somit die Lehre, daß die Albinos auch im reiferen Alter Schwächlinge seyen. Markt, Schloß und Burg Wipbach, welche von dem dort entspringenden Fluße Wipbach ^Äuvm8 fnZI6u8 der Römer) ihren Namen — 75 — haben, sind freundlich gelegen, und es scheint die Herrschaft Wipbach vormals ein Kleinod zur Belohnung ausgezeichneter Verdienste gewesen zu seyn; soerhielten dieselbe 1330 die Sohne des Reiner Schenk von Osterwitz vom Patriarchen von Aquileja, und 1487 der tapfere Leonhard Herberstein vom Kaiser Friedrich, der ihn 1469 auf der Tiberbrücke zum Ritterschlug, zu Lehen, und Nicolaus Grafv. Thurn, Präsident zu Gradisca und Maran (155? f ) wurde vom Kaiser wegen treu geleisteten Diensten wider die Türken in Ungarn und Croatien und als Gesandter in Italien, Spanien und Niederlanden, mit dem Schlosse Wipbach beschenkt. Es mag auch seyn, daß die Stammherrschaft Wipbach auf gleiche Weise in das Eigenthum derLanthieri gelangt sey. Lorenz Freiherr v. Lanthieri erwarb sich durch Ausrottung der Evangelischen, die er am 21. März 1384 auf erzherzoglichen Befehl innerhalb 14 Tagen den Markt Wipbach und sein Landgericht verlassen hieß, die Gunst des Landesfürsten

hierdurch wurde Wipbach, bis auf einige Katholiken, entvölkert,

nachmals siedelte sich aber daselbst viel Adel an, von dem jedoch gegenwärtig keine Spur mehr da ist. Hier zu Wipbach auf dem Schlosse wurde i486 der berühmte Gelehrte und Reisende in allerhöchsten Angelegenheiten, Sigmund v. Herberstein « der Ruhm aller gelehrten Leute," I^ttergrum 6!Iol'i ») wie ihn Pater Marc. Bautscher und Valvasor nennen, der seinen Ruhm zunächst der windischen Sprache verdankte, geboren. Es bestand übrigens auch ein Geschlecht der Herren von Wipbach, deren Stammburg Wipbach war. Das Völkchen des gesegneten Thales ist sehr emsig und bewerbsam, weßhalb es in den Jahren 1824 und 1828 zur Herstellung der vortrefflichen Bezirks- und Communications-Strasien gegen den Freihafen von Triest, dann gegen Idria und Lack, über die alte Römerstraße, willig und energisch die Hand bot; die Straßenstrecke im Bezirke Wipbach selbst beträgt 20.300 Klafter, welche aus den eigenen Mitteln des Bezirkes ausgeführt wurde, was der Ehre und Anerkennung werth ist. Hierdurch wurde gewissermaßen die alte Handelsstraße der Römer, welche sich auf den Mischen Alpen von der Heerstraße nach Aemona trennte, und durch das Thal von Idria und Lack nach 8antieum (muthmaßlich Krainburg) dann in das Kanlerthal und nach Viruuum führte, wieder eröffnet. — 76 — Auf dem Friedhofe zu Wipbach liegt ein, wenigstens 30UU Jahre alter Sarkophag aus syenitischen oder Rosa-Granit (gleich den beiden Säulen auf dem Marcus-Platze in Venedig), der die Pietät eines dankbaren Sohnes verkündet. Der k. k. Gubernialrath und Generalconsul in Alexandrien, Anton Ritter v. Laurin, ein geborner Wipbacher, ließ jenen, in den Steinbrüchen von Syene in Oberägypten vorgefundenen Sarkophag adaptiren und nach Wipbach bringen, und dort in demselben am 20. Juni 4843 die irdischen Ueberreste seiner lang verstorbenen Eltern feierlichst beisetzen. Ritter v. Laurin, den ich mit Stolz meinen Hauslehrer in meiner frühesten Jugend nenne, ist der Sohn ehrenwerther Eltern aus dem Nährstande, und schwang sich durch Talent und eigene Kraft zum k. k. Gubernialrathe, General-Consul, Ritter des österr. kaiserl. Ordens der eisernen Krone, zum Inhaber des ottomanischen Verdienstordens und zum Erb-Ritter empor. Geister gibt's, begünstigt vom Himmel, Die durch sich selbst sind, alles sind, und nichts Dem Ahnherrn schuldig, nichts der Welt. Göthe. Bei der schönen Kirche Unserer lieben Frau in der Aue, unter Wipbach, steht eine, am iß. October 1843 feierlichst geweihte, 5'/^ Schuh hohe Husaren-Statue aus Karster-Marmor, auf einem runden, bei 4 Schuh hohem Piedestal mit gehörigem Unterbaue und einer angemessenen Umfassung, und bezeichnet die Ruhestätte eines gemeinen Husaren, Namens Paul Rostas, des k. k. fünften vormals FrimontHusaren- Regiments, der am 3. October 4813 dortselbst den Heldentod fand. Dieses Monument ließ die Mannschaft des genannten Regimentes ihrem tapfern Landsmanne und Cameraden setzen, und Carl Seppenhoffer, Lieutenant des k. k. Prinz Leopold beider SicilienInfanterie- Regimentes, verfertigte dasselbe als Dilettant. Noch eine Merkwürdigkeit hat Wipbach, nämlich: den Baumkir> cher Thurm, merkwürdig als ehemalige Besitzung des österr. Uorlltiu» Ooele«) Andreas Baum kircher, der zu Wiener Neustadt durch seinen persönlichen Muth den Kaiser Friedrich I V. und das Reich rettete, zu Gratz aber unter Henkers Beil sein unruhiges Haupt einbüßen mußte. — 77 — So reizend übrigens das Thal von Wipbach gepriesen wird und wirklich ist, so leidet es zu gewissen Zeiten doch recht sehr an einer äußerst lästigen Landplage, nämlich an der Bora, jenem furchtbaren Winde, der zwischen Nord-Nordost und Ost-Nordost daher stürmet, und gräßlich heulend, den Nanos umsaust und umbraust, und Menschen, Pferde, schwer beladene Wägen und Bäume wie Halme niederreißt, und in den hoher» Regionen zur Winterszeit durch Schneeverwehungen die Passage tagelang hemmt. Mir verschaffte einst die Bora zu S t . Veit, wo ich wegen ihr Contumaz halten mußte, das ergetzliche Schauspiel, daß sie einen schweren Schafpelz, wie sie in Kram verfertigt und getragen werden, aus einem Dachfenster heraus, und wie eine Hexe federleicht davon trug. Wer die Stürme der Bora nie wüthen gehört und nie empfunden hat, der kann sich davon keine Vorstellung machen. Ich bleibe dabei, daß man dereinst im Bereiche dieser Gegend die Ruinen eines Tempels der Winde, wie dort zu Melos, finden müsse: würdiger zur Erbauung eines solchen Windtempels dürfte kaum ein Erdstrich in Europa seyn. Der Nanos, der sich bei Präwald in seiner höchsten Majestät erhebt, und auf seinem Rücken eine bedeutende Fläche trägt, ist die äußerste Spitze der julischen Alpen, nach Schmiedl 3888 Pariser Fuß, nach Welden 408«, nach der Catastral-Vermessung 4088 Wiener Fuß hoch; er ist wegen seinen botanischen Schätzen, dann wegen den, in außerordentlicher Größe dort vorfindigen HiMuriten, und wegen seiner schönen Aussicht über einen großen Theil von Krain, Istrien, Friaul und das adriatische Meer, berühmt. Die Schiffer am adriatischen Meere haben ihn bei ihrer Fahrt zum Freihafen von Triest 400 Seemeilen oder 23 deutsche Meilen weit im Auge, während er 3 Postmeilen inner Landes von Triest entfernt ist. Die julischen Alpen, Nont«8 ^ u l i i , zu deren äußerster Spitze der Nanos, wie gesagt, gehört, sind eines der merkwürdigsten Gebirge der Monarchie, jedoch uneigentlich „Alpen" genannt, da nur ein einziger Punkt, der Schneeberg 5332 Schuh erreicht, und sie keine zusammenhängende Folge von Gipfeln oder Rücken, leine Gräte nachzuweisen haben. Dieses Gebirge steigt schroff aus dem Ifonzothale empor und bildet bis zum Schneeberge an Croatien's Gränze eine ununterbrochene Hochterrasse von mehr als 23 Stunden Länge, deren größte — 78 — Breite von Dornegg über den Schneeberg hin 40, von Wipbach gegen Oberlaibach aber 8 Stunden beträgt. Der nördlich gelegene Hauptzug hängt mit den Ielouza-Plateau und Terglou zusammen. Der Schneeberg bei Laas, von dessen Gipfel man fast ganz Kram, einen Theil von Croatien und die Inseln übersieht, ist gleichwohl weniger besucht, als der Nanos. Bei der Rückkehr von Lueg nach Adelsberg stieg ich am Friedhofe ab, um am Grabe des Kriegers und Dichters Fellinger einige Augenblicke der frommen Erinnerung zu weihen. Lange mußte ich den Kirchhof mit meinem Blicke durchstreifen, bis ich.endlich ein schwarzes Kreuz an einem Grabeshügel, halb vermodert, am Boden liegen sah. Ich hob es auf und las an fast verloschenen Worten, daß hier die theure Asche ruht. Eine unnennbare wehmüthige Empfindung ergriff mein Innerstes, und voll der innigsten Rührung schrieb ich diese Zeilen in mein Portefeuille. Am Grabe Fellinger's. Deine schöne Seele schwand, Deiner Lieder Melodie — sie schweigt, Ach! und kaum, daß noch dieß Kreuz mir zeigt, Wo das Grab der Sänger fand. — Heil dir, daß du es vertauscht Dieses Leben mit der Seligkeit, Wo der Engel Chor dir Lieder weiht, Die dein Geist entzückt belauscht. O, des Sängers Heimathland Ist fürwahr der schwanke Erdball nicht, Nicht, wo Kreuze man an Gräbern blicht, Manches Herz auch bricht verkannt! Nachmittags um 3 Uhr wurde, in die Magdalenen-Grotte aufgebrochen, welche Se. kaiserl. Hoheit ebenfalls Ihres Besuches würdigten. Etwas über eine halbe Stunde geht der Weg über Stein und Felsen, Disteln und Dornen durch ein finsteres Walddickicht, und schon waren wir eine Weile thalab gestiegen, und noch immer war die Grotte nicht sichtbar; doch Auf einmal gähnt im tiefsten Felsengrunde Uns eine Höhle an, aus deren finster'm Schlünde Ein prasselnd Feuer flammt. - Wieland. — 79 — I n der That überraschend war dieses Schauspiel. Eine hohe waldbekränzte Felsenwand stand plötzlich vor uns, und tief unten flammte in einem weiten Erdenschlunde knisternder Fackelschein gegen uns herauf; ich stand für einen Augenblick still; doch als ich mehrere zarte weibliche Wesen vor mir die 94 Stufen in jene unheimliche Tiefe hinabsteigen sah, da eilte ich mit herab, um einen der mit Kerzen zur Begleitung der Fremden bestimmten Knaben benützen zu können, und ein unnennbares Gefühl überkam mich, als ich das wundererfüllte Schattenreich betrat. Und ich wollte fragen: Wer kündet mir, wohin durch diesen Rachen Des Steingeklüft's der Schamrweg wohl geht? ' Sind keine Geister hier, die ihn bewachen? — Kr. Weißenbach. Erhaben, wie in der Grotte bei Adelsberg, ist hier die Natur, doch im größeren, majestätischen Style. Kolossale architectonische Säulen scheinen das unermeßliche Gewölbe zu tragen; hier äfft das gräßliche Bild eines Waldgottes den Blick, und dort stehen Fragmente eines zertrümmerten Altars; hier droht eine ungeheure Stalaktitmasse von der ober« Decke auf dich herab zu stürzen, indessen der zur Stufe sich bildende Stalagmit am Boden von Wunder zu Wunder dich geleitet. Mit besonderer Gewandtheit erkletterten die mit Kerzen versehenen Knaben die entferntesten und kühnsten Tropfsteinabhänge, mdeß die Fackelträger in die tiefsten Abgründe sich hinabwagten, und diese wohlausgesonnene zweckmäßige Beleuchtung gab dem Ganzen einen imposanten Charakter. Der Boden der Grotte ist meistentheils eine lehmige Erde, die man versuchsweise schon zu Geschirr brannte, das zwar stark und feuerfest ist, übrigens aber keine Glasur annimmt. Je weiter wir uns herab in die tiefeste Tiefe der Grotte begaben, desto nasser war der Boden und desto wasser- und tropfreicher die dunkelbraunen, hier und da aschgrauen Kalksteinwände, und am äußersten Ende der Höhle erreichten wir endlich den sogenannten See, bei welchem sich sämmtliche Licht- und Fackelträger vereinigten. Es erhellet, o der Wonne! Sich das schaurige Gestein, Kehrt der Himmelsbot', die Sonne, I n den finster« Gasthof ein? — 80 — Sprang mir Grubenlicht ein Gnome Bor aus tiefem Felsengrund? Ha! es wölbet sich zum Dome Ueber mir der schwarze Schlund! Und es netzen Wassertropfen, Taufend mich, die Pulse klopfen. Wie in neu geborner Brust! Und zum Tempel wird die Grotte, Und der Schrecken wird zur Lust. Ol». Weißenbach. Aus dem fernsten, nachtumfangenen Winkel des bewässerten Ganges schiffte ein, mit wenig Lichtern erleuchteter Kahn gegen unser Gestade herüber, und vor S r . kaiserl. Hoheit wurde das Netz gezogen. Vier Olme ^Protei »nSumi^ war der Fang, das Netz wurde nochmals geworfen und wieder sechs dieser seltenen amphibienartigen Thierchen hervorgezogen. Dieses, mit Hand- und fußförmigen Gliedern versehene fleischfärbe Fischchen ward vielfältig von gelehrten Reisenden und Naturforschern untersucht, und ich weise diesfalls auf Funke's ausführlichen Text zu Bertuch's Bilderbuche, 16. Bd., S . so. Wien, bei C. PH. Bauer; dann auf Dr. Franz S a r t o r i ' s Naturwunder im 3. Theile, S . 60, weiters auf den Bericht des berühmten preußischen Naturforschers, Rudolph!, im »Laibacher Wochenblatte" Nr. 6 äo ^,nrio 1818, auf das »Illyr. Blatt« vom I . 1819, Nr. 19, endlich ganz besonders auf Graf Höhenwart's »Beiträge," Laibach 1838, hin, und setze aus eigener Erfahrung nur das Wenige bei: Ich hatte das Glück, sechs Stück dieser, nun etwas seltener und kostbarer gewordenen Thiere aus diesem See zu beziehen, und legte eines davon gleich in Spiritus, um es so in ein Privat-Cabinett nach Wien zu ver. senden, die übrigen fünf Stück aber behielt ich lebend im frischen Wasser in einem großen Zuckerglase, wo sie sich frisch und gesund über ein halbes Jahr erhielten, ohne daß ich ihnen die mindeste Nahrung gegeben hätte; weil ich nicht wußte, womit sie zu nähren; Wasser aber wechselte ich oft. Das Tageslicht konnten sie nicht gut ertragen, und die Sonne gar nicht, am liebsten und muntersten waren sie an einem kühlen, schattigen Orte. Ich bemerkte, daß sie vor einer Wetterveränderung etwas unruhig wurden, und je zuweilen einen kaum hörbaren — 81 — dumpfen Laut von sich gaben. Mit der Zeit verloren sie die schöne gesunde Fleischfarbe; die Purpurröthe ihrer Ohrkiefern welkte allma'hlig ganz ab, und nicht lange vor ihrem Tode, gleichsam als Zeichen desselben, setzte sich ihnen an das Ende des Schweifes und der fingerartigen Glieder ein schwammiges Gewächse an, worauf sie immer schwächer und schwächer wurden, und endlich eines nach dem andern ablebte. An einem versuchte ich das schwammige Gewächse abzulösen, doch es fiel ihm das Glied, so weit der Schwamm reichte, mit ab. Als mir das letzte Fischchen abstand, legte ich es in Geist, worin es sich ohne mindeste Veränderung der Farbe ganz gut erhielt. Es näherte sich der Abend, als wir die Magdalenen-Grotte, diese vielfältigen Gemächer der Gnomen und Berggeister, verließen, und freier athmete die Brust. Welch ein seliges Entzücken, Aus dem unterird'schen Haus Zu den Sonnen aufzublicken. I n die Gotteswelt hinaus. Und aus den erstarrten Räumen, Wo der Puls des Lebens schweigt, Gruß zu senden zu den Bäumen, D'ran sich Laub und Blüthe zeigt! So muß sich der Mensch erheben, Dessen Herz zu neuem Leben Hat ein Wunder aufgethaut, Wenn, erweckt von der Genesung, Aus dem Schlafe der Verwesung Er die Sonnen wieder schaut. Dr. Weißenbach. Der Bergstadt I d r ia war bei dieser Gelegenheit auch ein flüchtiger Besuch zugedacht. Nach wenigen Stunden Schlaf wurde dahin aufgebrochen, und ehe noch Aurora von ihrem erquickenden Schlummer erwachte, fuhren wir gegen Loitsch zurück, und von hier seitwärts nach Idria. Etwa nach einer Stunde Fahrt vereinigt sich dieser Weg mit der von Oberlaibach nach I d r i a führenden, kühngebauten Straße. Wir schwelgten im entzückenden Anblicke der sich allmählig mit dem Anbrechen des schönsten Tages vor unseren Blicken entwickelnden, N»is«i,'nn. nu» Krnm. L — 83 — ungemein malerischen Landschaftsparthien, und so wonneberauscht befanden wir uns plötzlich vor Jona. Aeußerst überraschend ist auch diese Scene: das niedliche, tiefliegende kleine Thal (1488 Schuh ober der Meeresfläche), durchschlängelt vom Silberbache Iderza, und das reine Städtchen mit seinen dreihundert und etlichen Häusern, und Häuschen, von denen fast jedes ein kleiner Garten umschließt, dann die Wasserleitungen und Bergwerksgebäude übersieht man mit einem Blicke, wie ein schönes Gemälde, vom Magdalenen-Berge, über den die Fahrstraße führt; es läßt sich das harmonische Wesen dieses schönen, eng eingeschlossenen Thales nur sehen und fühlen, nicht sagen, nicht beschreiben. Kaum waren wir zu Idria (Hydria) angelangt, und im einzigen, sogenannten großen Wirthshause abgestiegen, als schon der Polizei-Wachtmeister daher kam, uns freundlich nach Namen und Stand befragte und bald Einlaß in die Grube verschaffte, den wir auch augenblicklich benützten. Unser erster Gang war daher in die Gesellstube am Einfahrtsstollen, kleideten uns hier in Bergknappen-Kleider um, und vier Wächter der Grube geleiteten uns mit ihren Berglampen an der Hand zur heil. Dreifaltigkeits-Cavelle. Hier verrichteten wir vor der Einfahrt, nach altem Gebrauche, unser Gebet, und dann ging es bei'm S t . Antoni-Stollen hinein. Durch der Stollen weite Länge, Durch das Labyrinth der Gänge Wandern wir den sichern Weg, Th. Körner. an die tausend Stufen bis zum S t . Iosephi-Schachte herab. Es war mir lieb, daß zur Bequemlichkeit für Schachtbefahrer an mehreren Stellen der Grube zweckmäßige Ruhebänke angebracht sind, denn von vielem Stufensteigen fingen meine Knie zu zittern an. Unsere Geleitsmänner waren beflissen, mit besonderer Kenntnis; und Umsicht uns mit allen Merkwürdigkeiten der Grube bekannt zu machen, doch da wir schon vorhin mit dem Geschichtlichen durch die vielfältigen Schriften über Idria zur Genüge bekannt waren, so benützten wir ihre Bereitwilligkeit nur bei localen Gegenständen. So war uns die Andeutung sehr willkommen, wo zuerst Silber gewonnen wurde, dann der sogenannten Todtentrüffe, wo (1332) bei so Weiber auf einmal ihre Männer verloren, die ein Qualm erstickte; dann des Ortes, wo der zwi— 33 — schen 14. und 15. März 1803 ausgebrochene schreckliche Grubenbrand zuerst wahrgenommen wurde, wie nicht minder des Schlages, wo Se. Maj. Kaiser Franz I . mit höchsteigener Hand Erz brach, und Kronprinz Ferdinand's Haupt-Hoffnungs-Schlag, den Se. kaiserl. Hoheit drei Tage vor uns besuchten. Sehr merkwürdig schien mir auch unter andern die ungeheuere Wassermaschine, die aus dem tiefesten Grunde der Grube fort und fort in großen Zügen das darin sich sammelnde Wasser zu Tage schöpft. Sonderbar war es mir in diesen engen Gängen; die gesperrte Luft beschwerte ungemein meinen Odem; still, wie im Todtenhause, war es um uns, und ich glaubte, daß wir die einzigen lebenden Wesen im tiefen Schooße der Erde seyen, plötzlich aber sah ich vom äußersten Ende eines langen Ganges zwei Lichter gegen uns herüber wanken, und zwei Feuerwächter, die seit jenem fürchterlichen Grubenbrande eingeführt sind, zogen mit einem: „Gott sey gelobt!" an uns vorüber. Nachdem wir zum größten Theile das Sehenswerthe der Grube besichtiget hatten, und als uns unsere, durch das viele An- und Abklettern ermüdeten Füße ihren Dienst versagen wollten, da ließen wir uns, um nicht noch matter zu werden und um Zeit zu gewinnen, in der großen Tonne zu vier und vier am Seile aus der Grube ziehen. Als, wir das Tageslicht wieder begrüßten, und die in jener drückenden Grubenluft sehr entbehrte reine Luft wieder frei einathmen konnten, da war es uns wohl und besser, als in Pluto's Reiche, und wir eilten zur Besichtigung aller Wasserleitungen, der Poch-und Waschwerke, der Kunst- und Scheidehütten, Bergschmieden, Oefen, der Zinnober- Fabrik, des Schlosses, die Gewerkenburg genannt, in der alle Bergämter von Idria untergebracht sind, und sonst noch aller zur Manipulation des Quecksilbers und Zinnobers gehörigen Werkstätte und Gebäude. Das kleine niedliche Theater, welches die Kaiserin M a r i a Theresia aus menschenfreundlicher Sorgfalt für das Vergnügen der Idrianer erbauen ließ, und auf welchem zur Winterszeit eine Dilettanten- Gesellschaft für wohlthätige Zwecke spielt, durfte nicht vergessen werden. Wir besichtigten denn noch dieses, mit zwei Etagen Logen versehene, wohl über 300 Menschen fassende Theaterchen, und sagten sodann um 4 Uhr des Nachmittags der Vergstadt unser Lebewohl. 6^ — 64 — Ich war in der Folge 1825 nochmals, und zwar zur Osterzeit, in Jona, und wurde zufällig in dem Zimmer bequartiert, welches einst der Dichter Fellinger bewohnt hatte, und in welchem ich an einem Fensterglase mehrere Denksprüche, von seiner eigenen Hand und in verschiedenen Sprachen, mit dem Diamanten geschrieben, vorfand, wie z. B. Ime^er v!t»e, «eelerizyue purn« Bio» e^et manri ^»euli8. Wer das kann, was er will, ist groß, Wer das will, was er kann, ist weise. I!>« proper «tnä^ ul inankinä i«ll>e man. 1 / liome äoic «ulvre 1' esprll Dll lamme !e »emimem. l?!ii n^rla «emln»,, LIn laoe r^ecu^lle. Gustav Fellinger m. n. t816, Oberlieutenant. Ich wohnte hier zu Idria am Charsamstage dem erbaulichen Feste der Auferstehung bei, welche hier immer spät nach Sonnenuntergang Stattfindet. Da sind sämmtliche Häuser der Bergstadt so festlich, als es die Umstände nur immer gestatten, erleuchtet, was insbesonders, von einer Anhohe betrachtet, einen imposanten Anblick gewährt. Sämmtliche Bergknappen ziehen mit klingendem Spiele, mit Ober- und Seitengewehr und in ihrer Vergmannstracht auf, und das Geläute der Glocken und der Donner des Geschützes wiederhallen vervielfältigt von den Bergen, welche die Vergstadt umschließen. Auf dieselbe herzergreifende Weise wird der Vorabend des Armenseelen- Tages und der 22. Juni, nämlich der Gedächtnißtag der Entdeckung des Quecksilber-Bergwerkes, gefeiert. Die Geschichte dieses Bergwerkes gab uns der gelehrte Doctor und Professor Hlubek im „ I l l y r . Blatte" Nr. 45 von 183? in einem gedrängten, aber klaren Bilde, welches ich hier wieder zu geben mir erlaube: ?Nach Valvasor, dem vaterländischen Herobot, verdankt dieses Bergwerk, so wie die meisten Bergwerke der Vorzeit, dem Zufalle seine Entstehung. — 85 — I n dem Jahre 44g? erhielt *) ein Armloser Landmann aus einer Quelle, am Fuße des r<Mui l i r i b , gegenwärtig Antoniberg genannt, einige Tropfen gediegenes Quecksilber in ein Schaff, dessen Wasserhaltungsfähigkeit er untersuchen wollte.' Der Glanz dieses Metalles machte die Habsucht rege, und der Finder begab sich zu einem Sachverständigen, um über den Fund Aufschluß zu erhalten, ohne jedoch den Fundort anzugeben. Die Nachricht von diesem Funde verbreitete sich bald in der Umgebung, und einem Landsknechte, Namens Kanzian Anderlein, soll es durch List gelungen seyn, das Geheimniß, wo das Quecksilber vorkomme, dem Finder zu entlocken. Bald gelang es dem Landsknechte, eine Gewerkschaft zusammen zu bringen und Hand an's Werk zu legen.. Da jedoch diese erste Gewerkschaft aus Leuten bestand, die keine besonderen Mittel und Kenntnisse hatten, und das häufige Wasser dem Bergbau an dem Fundorte — an welchem die Bergleute in der Folge eine Kirche, der heil. Dreifaltigkeit geweiht, erbaut haben — viele Hindernisse in den Weg legte, so mußte sie, nachdem sie auch den neu angelegten Bau gegen Mittag nicht fortsetzen konnte, einer neuen Gewerkschaft diese Bergwerksentität in dem I . 1504 überlassen. Diese neue Gewerkschaft, welche sich mit ihrem Baue ganz in der Ebene des Thales befand, konnte mit keinem Stollen etwas ausrichten und sah sich genöthiget, in die Teufe zu fahren. Allein auch in dieser Richtung wollte es mit dem „Glück auf! « nicht vorwärts. Mehrere Unternehmer zogen sich zurück, und den zurückgebliebenen gingen die Mittel aus, die Knappen auszubezahlen. Die Bergknappen, die ihren Spruch allein zu,würdigen verstehen, ließen sich auf bessere Zeiten vertrösten und befuhren, wenn auch entmuthigt, doch noch den neu angelegten Schacht. Lange Zeit wollte das Glück nicht auf; der Credit des letzten Unternehmers sank von Tag zu Tag, und er mußte einen Aufstand unter den ganz muthlosen Bergknappen besorgen. Doch der schöne bergmännische Spruch hatte es anders beschlossen.

  • ) Nach auswärtigen Schriften soll das Idrianer Bergwerk schon in

dem Jahre 1407 nach Holland 500 Centner Quecksilber versendet haben. — 86 — Am Achatiustage 1508 (?) verließen die Bergleute den neuen Schacht und erfüllten die Luft mit einem Iubelgeschrei. Der Zug nahm die Richtung gegen das Wohnhaus des Unternehmers und das Geschrei, verstärkt durch den Restex der 12 Berge, von welchen Idria eingeschlossen ist, kündigte ihm die herannahende Erfüllung seiner düstern Ahnungen. Die Frau des Unternehmers sprang in der Todesangst an's Fenster und warf den Bergleuten ihr letztes werthvolles Geschmeide, das in einer Leibkette bestand, mit dem Vedeuten.herab: sie möchten sich mit derselben zahlhaft machen und sie mit den Angehörigen schonen. Der tobende Lärm begann von Neuem, und die sich durchkreuzenden Stimmen verhinderten der ängstlichen Frau, den Sinn .dieses Iubelgeschreies zu entnehmen. Nachdem sich der Freudenrausch etwas gelegt hatte, ward der Inhaber sammt seinen Angehörigen von der Todesangst durch die Worte: „Das Glück war auf!" befreit. Ein neuer Freundschaftsbund zwischen den muntern Knappen und dem Inhaber wurde geschlossen, und sein Andenken durch das Achatiusfeld bis auf den heutigen Tag erhalten. Doch nicht lange war es dieser zweiten Gewerkschaft vergönnt, die Früchte ihrer überstandenen Angst ungetrübt zu genießen. — Venedig war noch zu jener Zeit fast in dem ausschließlichen Besitze des Welthandels, Reichthümer auf Neichthümcr häuften sich auf und eröffneten wahrscheinlich der zweiten Gewerkschaft anfänglich einen Credit. — Die Nachricht von dem glücklichen Ereignisse in Idria drang in ihre Mauern und steigerte den kaufmännischen Geist ihrer Bewohner. Dieser erblickte in dem jetzt glücklichen Bergbau von Idria eine reichhaltige Erwerbsquelle. Auf dem Wege der Selbsthilfe sollte wahrscheinlich die Schuld abgetragen werden, da im I . ig in die zweite Gewerkschaft, von Venetianern verdrängt wurde. Als dieser Vorfall zu Ohren des Kaisers Maximilian I . gelangte, schickte dieser große Monarch zwei Hauptleute sammt einiger Mannschaft nach Idria mit dem Auftrage, die Venetianer zu verdrängen und die frühere Gewerkschaft in den Besitz wieder einzusetzen. Ein weit traurigeres Ereignis) für diese Gewerkschaft ergab sich in dem I . 152g: ein Bergsturz, durch ein Erdbeben veranlaßt, verschüttete, eine Viertelstunde von Idria, das Flußbett des Iderzaflusses und das angeschwollene Wasser erreichte und ertränkte den Vau. Wahrscheinlich — 67 — hätte dieser Sturz die Vergstadt Idria in seinen Schutt auf immer aufgenommen, hätte nicht der damalige Zeitgeist die Hand an's Werk gelegt. Zu dieser Zeit lenkte Europa die Aufmerksamkeit auf die Religions- Streitigkeiten. Das Streben, die Wahrheit in dem Gebiete des Unendlichen zu finden, war allgemein verbreitet. Das jugendliche Gemüts) des damaligen Geschlechtes war für Bilder der Phantasie sehr empfänglich, und suchte in dem Laufe der Gestirne und in der Mischung der Atome Aufschluß über Gott, Mensch und Erde zu erhalten, und warf sich daher in die Hände der Astrologie und Alchymie. Die chemische Verwandtschaft des Quecksilbers zu einigen Körpern war schon damals bekannt, und die vielfältig angestellten Versuche sollten sie erweitern, um, wenn auch nicht mehr die ursprüngliche Absicht zu erreichen, wenigstens materielle Interessen zu befriedigen, da die Goldmacherkunst von Tag zu Tag an Ansehen zunahm. So schwierig es auch gegenwärtig erscheinen würde, neue Assoyies zu einem so gefahrvollen Baue, wie damals Idria war, zu finden, so haben sich doch in jener Zeit mehrere aus dem blühenden Salzburger Gebiete gemeldet. Die unüberwindlich scheinenden Hindernisse wurden durch die vereinten Kräfte bald weggeschafft, und der alte Bau von dieser Compagnie bis 1378 (nach einigen Documenten nur bis 4573) ohne einen Unfall zu erleiden, fortgeführt. Mit diesem Jahre begann für Idria eine ganz neue Epoche, da der Bergbau an Carl I I . , Erzherzog von Oesterreich, Herzog von Steiermark, Krain und Kärnten, gelangte, und dieser Prinz Ferd in an d's I . durch seinen Abgeordneten, Franz Kißling, nicht nur de» Bergbau nach den damaligen montanistischen Grundsätzen ordnete und eine eigene Bergordnung einführte, sondern auch dieses Bergwerk von der Grafschaft Tolmein trennte, was zur Erhaltung der Mannszucht viel beigetragen hat. Mit diesen neuen Anordnungen begann für Idria ein neues, regsames Leben, welches, ohne getrübt zu werden, bis zu den Jahren 1730 fortdauerte ^ ) . I n diesem Jahre kam die Administration dieses

  • ) I n diese Periode 1726 fallen auch die ersten Versuche, Zinnober-Sublimate

und Prü'cipitate aus dem Quecksilber im Orte selbst zu erzeugen. (Ferb er über das Bergwerk zu Idria. B e r l i n 1774.) — 88 — Bergbaues in große Verlegenheit, da sie den Stock durch den einsitzenden tauben Keil für verloren glaubte. Dieser Glaube brachte Verwirrung und Verfall in dem hiesigen Baue, welche jedoch nur bis zu dem Jahre 1738 währten. Da die natürliche Folge von solchen Verlegenheiten keine andere ist, als die Anlegung von Hoffnungsbauten, so wurde auch in dem Jahre 1763 Hand an's Werk gelegt, und es entstand der Hoffnungsschacht des Unbefleckten, in der Vergstadt selbst, in mitternächtlicher Richtung * ) . Kaum fuhr der Bergmann einige Lachter in diesen Hoffnungsbau, als die Wetter zu stocken anfingen. Sie zündeten sich an (i?6ß) und die hiebei Statt gefundene Erplosion kostete 25 Arbeitern das Leben. Da sich in den folgenden Jahren die Entzündungen wiederholten und ein Brand eintrat, so wurde dieser neue Hoffnungsbau, wahrscheinlich auf ewige Zeiten, in dem I . 1772 ertränkt. Dieser traurige Vorfall hatte zur Folge, daß 1773 (?) der gegenwärtige Hoffnungsbau in dem früher angemerkten Flvtze des Magdalenen-Berges zwei Lachter über der Sohle der Iderza angelegt, und das Bergwerk mit einer ordentlichen Tagfahrt und Triebschaft (gegenwärtig Barbara-Schacht) versehen wurde (1786). So viele Erwartungen sich auch an alle diese Einrichtungen knüpften, so war es Idria doch nicht vergönnt, die Früchte derselben lange ohne Angst zu genießen. Der in dem I . 1786 mit Spanien abgeschlossene Vertrag, in Folge dessen jährlich 12.000 Centner Quecksilber nach Spanien geliefert werden mußten, brachte allerdings eine Thätigkeit in ihre Mauern, deren sie sich in der Vorzeit nie erfreuen konnte. Allein die düstern Wolken, welche sich in der Folge aus ihrem Schooße entfalteten und dieselbe in einen Schutt zu begraben drohten, waren natürliche Folgen jener außerordentlichen Thätigkeit. Um einso bedeutendes Quantum von Quecksilber jährlich liefern zu können, war es nothwendig, bloß' auf die reichhaltigsten Erze den Bau zu

  • ) I n den Jahren 1736—1763 wurden auch Versuche angestellt, dort Hoffnungsbauten

anzulegen, wo sich der gegenwärtige Hoffnungsbau in dem Magdalenen-Berge befindet. Allein du bei diesen Versuchen der Bau in dem dortigen kleinen Flöhe zu hoch angelegt wurde, so ward das Tagswasser, zu mächtig und sie mußten eingestellt werben. — 89 — betreiben, und die minderhältigen, um die Arbeit zu fordern, in den Schachten als taubes Gestein liegen zu lassen. Dieser unbergmännische Bau wurde, als es weiland Sr. k. k. Majestät, unserem verewigten Monarchen Kaiser Franz I., vergönnt war, den Blick von dem Kriegsschauplatze auf Idria zu lenken, in dem I . t800 eingestellt und durch den Abgeordneten, Herrn v. Sybold, ein rationeller Bergbau eingeleitet, welcher bis 1803 ohne ein besonderes Ereigniß fortgeführt wurde. I n diesem Jahre entstand ein bedeutender Brand und die brennenden Schachte mußten ertränkt werden. So wichtig dieses Ereigniß auch in der Geschichte des Idrianer Bergwerkes erscheint, so kann doch nichts Zuverlässiges über die Art der Entstehung dieses Brandes aufgefunden werden, da selbst der ausgezeichnete Montanistiker, Baron <ie Vi1Iefo880) welcher sich längere, Zeit zu Idria aufhielt, diesen Brand in seinem Werke über Mineral- Reichthum von Europa mit dem Wunsche übergeht, daß v. Sybold dieses Ereigniß veröffentlichen möchte. Ungefähr acht Jahre nach dem letzten Brande wurde zu Idria ein Mineral entdeckt, welches von den Bergleuten Branderz genannt wird, und in der neuesten Zeit den Idria verewigenden Namen F o r i at in erhalten hat. Dieses, dem Brandschiefer ^Hebistß Mummeux) ähnliches Mineral kommt in den tieferen Lagerungen nesterweise, in Begleitung mit dem Quecksilber - Lebererze ^?ßiitome^ Nudin- LIenäe) vor. Es ist sehr leicht, an der Flamme einer Kerze brennt es mit einer unten bläulichen und oben weißen Flamme,, ohne einen unangenehmen Geruch zu verbreiten. I n der Brennbarkeit dieses M i nerals dürfte auch der Grund der vier Bergwerksbrände von Idria zu suchen seyn." '. Kaum waren zwölfIahre seit'der Entdeckung desIdriatin's verstrichen, als ein neuerliches Ungewitter aufstieg, welches der Bergstadt Idria Gefähr drohte; —> es ist nämlich die Besorgniß angeregt und hie und da die Ansicht geäußert worden, daß das Bergwerk wegen Mangel an Erzreichthum nicht mehr mit Vortheil im Betriebe erhalten werden könnte. Durch die väterliche Sorge der Regierung wurde jedoch auch dieses Ungewitter abgeleitet. Der rühmlichst bekannte Montanistiker, Herr Grafv. Breüner, Und der rastlose Geognoff, Herr Professor Nippel, wurden zur Untersuchung des Sachverhaltes von Seite der allgemeinen — 90 — Hofkammer abgesendet. Sie fanden die Besorgnisse nicht gegründet und ertheilten Hoffnung auf mehr als hundert Jahre, selbst wenn das Glück nicht günstig seyn sollte. Munter förderten wieder die Knappen die Erze zu Tage, bis plötzlich eine neue Gefahr ihre Munterkeit verscheuchte und ihre Brust mit Besorgniß über ihre fernere Existenz erfüllte, indem nämlich am 30. September 183? in dem Quecksilberbau Wasser einbrach, und nach und nach zu einer immer bedenklichem Höhe empor stieg; die am 10. Mai 1838 zur Gewältigung und Herausschaffung des Wassers von dem ausgezeichneten Mechaniker, FranzXav. Wurm, aufgestellte Dampfmaschine, im Verein mit den schon früher da bestandenen Stangenkünsten, entfernten jedoch alle Gefahr und Schrecken, und das Bergwerk blieb die gesegnete Nahrungsquelle einer Bevölkerung von mehr als 4000 Menschen. I n der Nacht vom 2. zum 3. November 1846 wurde von den Gruben-Feuerwächtern in der Quecksilber-Grube abermals ein Brand wahrgenommen. Der substituirte Vergschaffer Georg v. Sztrazsay, der Schachtmeister Joseph Winkler, der Kunst-Steiger Franz Winkler und der Hutmann Johann Restressen wollten nach erhaltener Anzeige sogleich an Ort und Stelle dringen, um die Gefahr in's Auge zu fassen und hiernach die weitern Maßregeln zu treffen, allein sie kamen nicht wieder zurück. Ungeachtet der augenscheinlichen Todesgefahr begaben sich in kurzen Zwischenräumen dreizehn Bergleute mit der größten Vereitwilligkeit in die Grube, um wo möglich die Vermißten zu retten, sie kamen aber Alle in dem Versuche dieser edlen Pflichterfüllung um, und bis gegen Mittag des 3. November förderte man zehn Leichen der zuletzt hinein gefahrenen Bergleute zu Tage, die übrigen mußten Alle ihrem Schicksale überlassen werden, und'es wurde noch an demselben Nachmittag die Grube zur Erstickung des Brandes an allen Schächten, Zubaustollen und sonstigen Mündungen geschlossen und verdämmt. Hierauf wurde die Grube, wie bei dem Brande im I . 1803, unter Wasser gesetzt, und erst nach vier Wochen mit Vorsicht geöffnet, worauf an den wasserfreien Stellen, wie zuvor, wieder die Arbeit begann. Zwei Tage nach der Verunglückung des substituirten Bergschaffers v. Szträzsay langte für diesen, kaum 26 Jahre zählenden jungen Mann das Decret, mit welchem — 91 — ihm jene Stelle definitiv verliehen wurde, in Idria an; er hatte die Erfüllung dieses sehnlichsten Wunsches nicht erlebt. Witwen und Waisen weinten den Verunglückten nach, zu deren Tröste ihnen Se. Maj. der Kaiser die doppelte, normalmäßige Provision bewilligten. Sämmtlichsn Bergbeamten von Idria, die sich bei dieser Gefahr ausgezeichnet hatten, wurde die allerhöchste Zufriedenheit, und den Arbeitern eine angemessene Remuneration zu Theil. Lord John Rüssel gibt in seiner lesenswerthen Reise durch Deutschland (Leipzig, 1825, I I . Thl., S . 408) folgende ergetzliche Anekdote: „Zwei Damen stiegen, während des Congresses in Laibach, mit einer vornehmen Gesellschaft in die Quecksilber-Gruben von Idria hinab. Als sie zurück kamen, fand die eine ihre goldene Uhr in eine zinnerne Kinderei verwandelt, wie sie meinte, eigentlich aber mit Quecksilber überzogen; die andere aber ihre schonen Wangen und den Hals mit der Schwärze der betrügerischen Schminke besteckt." Das Quecksilber hat nämlich eine eben so große Verwandtschaft zu andern Metallen als Flüchtigkeit. Es hat sich daher in seiner Dunstgestalt um das Uhrgold gesammelt, und vermuthlich war die weiße Schminke aus Wißmuth bereitet und daher vom Quecksilber, vielleicht in Vereinigung mit andern Gasarten, angegriffen. Reise durch Unterkrain. Gin Land, wo Rebenhügel I n Pracht und Fülle steh'n. Und linde Zephyrsflügel Um reiche Halme weh'«; Das Land am Savestrome, Das manchen Borzug zahlt, Ist unter Gottes Dome Das letzte nicht der Welt. «Vas Zusammentreffen einer Annehmlichkeit mit der Dienstpflicht geho'rt zu den seltenen Ereignissen, und ein solches glückliches Ereigniß nenne ich den Auftrag zu einer Nxailo-Bereisung des Savestromes, den ich im I . i 83 8 erhielt. Ich fuhr demnach zur Vollziehung meiner Sendung am 29. August des genannten Jahres zu Wagen den anderthalb Stund langen Weg von Laibach nach Salloch, diesen belebten Hafen für die Schiffe eines bedeutenden Commerzes, den Kram mittelst der Save mit Croatien, Ungarn und der Türkei erhält. Salloch liegt noch am Laibachflusse und ist von der Ferne durch einen nahe daran befindlichen Bergriß markirt. Die Handelsschiffe, I'omlill« genannt, welche den Savestrom bis Sisseck hinab befahren, sind von der einfachsten Construction: 2? Klafter 3 Schuh lang, 14 Schuh « Zoll breit und 3 Schuh s bis io Zoll tief, nach vorn und hinten in einen aufstrebenden Spitz oder Schnabel auslaufend; sie sind gewöhnlich mit iL Schiffleuten bemannt, und tragen aufwärts iooo bis 1200 Centner Last. So zweckmäßig diese Schiffe für den Transport der Waaren seyn mögen, so wenig Bequemlichkeit bieten sie den Reisenden dar, die überhaupt nicht als solche, sondern schlechtweg als Frachtladung aufgenommen werden. Ein solches Schiff, welches etwas Kaufmannsgüter für Ungarn und leere Getreidefässer für Sisseck zur Ladung chatte, be— 93 — lud ich denn zu Salloch mit meiner Wenigkeit und mit meiner gesummten Familie, bestehend aus Frau und zwei Kindern, denen ich gleichzeitig eine Erholung verschaffen wollte. Es bedarf einer guten Portion Geduld, um den Zeitpunct abzuwarten, bis es den Schiffleuten gefallig ist, das Wirthshaus zu Salloch zu verlassen und abzufahren. Dafür bietet aber die Fahrt durch die schöne Landschaft reichliche Entschädigung. Zunächst an Osterberg vorüber, welches auf einem Hügel am rechten Ufer des Laibachfiusses liegt. Es ist ein, aus der alten Burgruine Österberg, der Stammburg der Osterberge, eines Nebenzweiges der Schärfenberge (scharf heißt slavisch nstrn oder oMr«) hergestelltes Schlößchen des Freiherr« v. Erberg, und hat eine alterthümliche Ausstattung, vor Allem aber eine entzückende Aussicht, daher es, da der Zutritt Jedermann frei steht, von den Städtern häufig besucht wird. Unter Osterberg vereinen sich die Laibach, die Feistritz, die Veßniz und die Save, was ein überaus malerisches Bild gibt. Am linken Ufer der Save, bald unter Osterberg, liegt das dem Freiherrn v. Erberg gehörige liebliche Gut Lustthal mit seinen schönen Gärten und Anlagen, sehenswerthen Alterthümern, Kunstschätzen, dem Archive, der Bibliothek und mit dem Denkmale der Anwesenheit Kaiser Franz I. Unter Lustthal ließen wir am linken Ufer das Dorf Klezhe, wo die Schiffe landen, welche Wein und Getreide für Oberkrain bringen. Von da weg wird die Landschaft minder freundlich und' mehr einförmig, bis das Schlößlein Poganik derselben auf einer Strecke von mehr als einer Meile einen neuen Reiz gewährt. Poganik liegt überaus malerisch an einem Hügel, auf einer Art Erdzunge oder einem Ecke, den die am Schlosse und anseinen Feldern imBogen (daher vielleicht einst Bogen eck) vorüberfiießende Save bildet. Die Aussicht vom Schlößlein über eine weite Strecke des majestätischen Savestromes, dann nach dem Dorf« und Kirchlein Hötitsch und in eine pittoreske Thalschlucht des linken Ufers, in deren Hintergrunde der große Markt Watsch wie in einem Diorama da steht, ist reizend. Poganik wurde von dem Freiherrn v. Wernegkh, wahrscheinlich aus den Ueberresten der alten Stammburg Wernegkh,'erbaut. I n beiläufig vier einhalb Stunden hatten wir den Munizipalmarkt Littai erreicht; er liegt am rechten Ufer des Stromes und am Fuße des Berges Sitariuz. Hier — 94 — ist eben auch ein Landungsplatz, und so zu sagen die Pflanzstätte der krainischen Savestrom-Schiffleute; hier werden die meisten Saveschiffe erbaut, und hier sind drei bedeutende Seilerwerlstätten, auf welchen die 20 bis 30 Klafter langen und i ' /^ Zoll dicken Seile zum Schisszuge, ausschließlich aus italienischem Hanfe, verfertigt werden. I n Littai mußte ich in Folge meiner Sendung eine kurze Zeit verweilen, wobei ich Gelegenheit fand, den Markt mit seinem alten Schlosse gleichen Namens zu besehen und an der Rührigkeit des Volkes mich zu erbauen. Die Bewohner dieses Marktes verdanken ihren Erwerb zunächst der Schiff-Fahrt; wenn diese offen, d. i. weder der Strom gefroren, noch das Wasser zu klein oder zu groß ist, fahren täglich 10 bis 13 Schiffe an Littai vorüber, von denen die meisten hier zu Hause sind oder hier einsprechen. Etwas von Littai, am linken Saveufer, liegt das zur Herrschaft Ponovitsch gehörige Gut Fischern. Von Littai fuhren wir am Gute Gerbin, welches am rechten Ufer, und der Herrschaft Ponovitsch, die am linken Ufer des Stromes steht, vorüber und der Localis Sava zu, um dort bei einem alten Jugendfreunde, bei'm Pfarrer, zu übernachten. Wir hatten einander lange und seit dem Tage nicht gesehen, als ich zu Oberglirjach, am reizenden Veldeser See, seinem ersten Meßopfer beiwohnte. Ich wollte ihn in seiner Seligkeit sehen und ihn mit meinem Glücke, nämlich mit meiner Familie, bekannt machen, allein er war nicht bei Hause und sollte erst am andern Morgen wieder kommen. Man nahm uns gleichwohl im Pfarrhause gastfreundlich auf, und nach einem schmackhaften Abendmahle wurde uns ein reinliches Fremdenzimmer angewiesen. Als wir uns da bequem machten und eben mit den beiden Kindern das Abendgebet verrichteten, kam der Freund nach Hause, dem so fort die ungenannte und ««gekannte Einquartierung gemeldet wurde. Seine Hochwürden erwiederten: „Es scheint damit eben keine Gefahr zu haben, denn ich höre die Leutchen beten." Mich trieb es, den Freund zu sehen, und nun wurden noch an demselben Abende ein Paar Stündchen den Erlebnissen in den entwichenen Jahren und der seligen Erinnerung an unsere Studienzeit geweiht. Tags darauf, nach gehörter heil. Messe, die mein frommer Freund mit erhebender Andacht und einem Noweutn an uns las, setzten wir bei'm Frühstück dort fort, wo wir einige Stun— 95 — den vorher geendet hatten, und wir bedauerten gegenseitig, daß mich die Dienstpflicht sobald wieder aus den Armen des Freundes riß. Von Sava aus wird die Gegend immer düsterer; hohe, felsige Berge engen den Strom ein, so daß an manchen Stellen kaum ein schmaler, in Felsen gehauener, sogenannter Treppelweg (Hufschlag), der zum Schiffszuge benützt wird, neben dem Strome dahin zieht. Und in dieser engen Schlucht, von Steinbrücken bis Sava hinauf, hat der ernstliche Wille des Menschen die Eisenbahn, bald dem Strome, bald den felsigen Bergen, oft thurmhoch über den schäumenden Wellen der Save, abgerungen. Die Bahn nimmt ihren Zug vom Eisenbahnhofe und Ablagerungsplatze zu Steinbrücken am linken Ufer stromaufwärts bis zum ersten Stationsplatze bei'm Peklar, Distanzzeichen V I I Meilen von Salloch, dann gegen Sagor zum Stationsplatze im Distanzzeichen V/4, und zum dritten Stationsorte im Distanzzeichen m/4 bei Fischern, gegenüber von Litt«. Im Distanzzeichen 11/?, ober Gratzdorf bei Poganik, übersetzt die Bahn den Savestrom mit einer amerikanischen Brücke in einer Länge von 90 Current-Klaftern, welche unmittelbar zum Poganiker Tunnel führt, der im Bogen von 130 Klafter Radius und in einer Länge von 66 Klafter die Verbindung vom rechten mit dem linken Saveufer fortsetzt. Der vierte Stationsplatz ist bei Kreißnitz-Polane im Distanzzeichen I I / 2 , und der fünfte bei Salloch im Distanzzeichen 0 , wo die Bahn mittelst einer gewöhnlichen Brücke die Laibach übersetzt, und dann in beinahe gerader Linie zum Bahnhofe in Laibach fortläuft. Von Steinbrücken bis Hieher sind 59 Wächterhäuser zur Bahnaufsicht bestimmt. Das Düstere der Gebirgsschlucht währt von Sava bis nach Steinbrücken fort. Die Brücke, von welcher diese Stelle den Namen erhielt, ist lange nicht mehr; Herzog Leopold der Glorreiche ließ sie 1224 zur Verbindung seiner Besitzungen in Steiermark mit jenen in Krain über den Savestrom erbauen, Friedrich I V . aber niederwerfen, um die Grafen v. C i l l i von ihren Landen und Leuten in Krain zu trennen. Ganz dem Charakter der Landschaft gemäß hatte sich der Himmel in düstere Wolken gehüllt, und dichter aufsteigender Nebel lag auf den Gipfeln der Berge. Die besorgten Schiffleute zimmerten, so gut sie konnten, ein Verdeck zusammen, um uns vor dem drohenden — 96 — Regen zu schützen, was mir um so erwünschter war, als dadurch die gefährlichen Klippen bei Renk««, am Prußniker Canal und weißen Schwall, die ungeachtet der vielen Kosten, die seit 1736 darauf verwendet werden, noch immer gefahrvoll sind, furchtsamen Gemüthern verhüllt wurden. Andererseits war mir das üble Wetter sehr ungelegen, denn ich fand die grotteske Landschaft auf einer frühern Reise nicht uninteressant, und hätte sie daher wieder bewundern mögen. Heinrich Kronberg gab in der „ C a r n i o l i a " Nr. 9ö, 91 und 92 von 183» ein interessantes Bild einer Reise, die er von Prußnik aus in Gesellschaft von vier vornehmen Reisenden zu Schiff stromaufwärts machte. Die schauerliche Wildniß von Prußnik, wo ein einsames Häuschen für den k. k. Navigations-Bauwerkführer und den Schiffzugs-Pächter steht, malt derselbe getreulich mit folgenden Worten: » Nichts als Berge und Felsen, schwindelnde Hohen und spärliche Wälder sieht das Auge, selbst der Anblick des offenen Firmaments ist durch die schroff aufsteigenden Berge auf einen kleinen Fleck beschränkt. Der Sonne liebe Strahlen, sie erreichen die im Thale liegenden Wohnungen nicht; kein freundlicher Platz, kein herzerfreuender Raum ist hier zu sehen, die Natur hat dieser Gegend selbst die wilde Romantik versagt, und die Bewohner derselben können nur durch Pflicht und Eigennutz an sie gefesselt werden. — Die Reisenden waren: Ein langer, ältlicher Franzose mit seiner Nichte, einer blendend weißen Blondine, und ihrem Bruder, und ein hagerer, backenbärtiger Engländer, noch sehr gut conservirt, die aber Alle, bis auf den Engländer, ziemlich deutsch sprachen. — Wir setzten also fröhlich unsere Reise fort und langten in wenigen Minuten in Mitalle an." „ Ein schäumender, über drei Kaskaden stürzender Wasserfall hatte des alten braven Herrn Aufmerksamkeit erregt. Den Schiffsleuten wurde Trinkgeld versprochen, und sie mußten abermals das Schiff am rechten Ufer anlegen, was bei dem eben nicht hohen Wasserstande leicht geschah. Ehe noch die Bretter in Gestalt einer Brücke vom Schiffe auf's Ufer gelegt wurden, sprang der Engländer und der lebensfrohe Ludwig an's Land. Ich zog die Dame, bei der es ohne einen kleinen Schrei nicht abkam, über die Bretter an's Ufer und der alte Herr folgte. Wir wollten den Wasserfall ganz in der Nähe besehen. Ludwig, der Bruder Evelinen's, hatte gleich seinen Crayon hervorgezogen und zeichnete emsig an der wunderherrlich gruppirten Landschaft; wir Andern — 97 — standen aber lange schweigend und betrachtend, bis der alte Herr mit vieler Rührung bemerkte: die Mühle da oben steht ruhig und von Felsen umgeben, wie ein vom Schicksal Verstoßener da. Die Zeit rauscht, wie der Strom da unten an ihr vorüber, und ob es auch öde und menschenleer um sie ist, sie steht unerschütterlich und fest. Mein Lieber, sprach er, indem er mir die Hand schüttelte, Sie sind jung und haben noch einen langen Weg zu durchwandern, ehe Sie die Welt und ihre Tücke kennen lernen werden ^ - wenn die Prüfung zu stark wird, so nehmen Sie die Lehre, daß auch ein kleines, unbedeutendes Gebäude bei allem Sausen und Brausen eines heftigen Sturmes fest steht. Ich stand noch da, als er mit seiner gewöhnlichen Lebhaftigkeit seitwärts um den Wasserfall über die Felsentrümmer stieg; er winkte mir und ich folgte. Sehen Sie nur, wie die Menschen die Natur verpfuschen, sprach er, und zeigte von der Anhohe die gewölbte Brücke, mittelst welcher der Wasserfall unter dem Treppelweg in die Save geleitet wird. Um wie vieles romantischer wären über diesen schäumenden Abgrund einige schwankenden Baumstämme angebracht, wie würde ein leicht zusammengebundenes, morsches Geländer mit diesen unbestimmt sich aufthürmenden Felsen, diesem ewig triefenden Tufsteine, weit besser Harmoniren, als diese luftige, moderne Brücke! — Ich lächelte und bemerkte ihm, daß eine solche Brücke zu gefahrvoll wäre.« „Er mochte wohl mein Lächeln bemerkt haben; er errö'thete, lachte laut auf, und wir traten mitEveline und ihrem Begleiter in die Mühle. Die Bäuerin brachte uns Milch, und als wir uns mit derselben labten, war auch Ludwig mit seinerSkizze fertig geworden. Ein Schiffsknecht kam, um uns in der Landessprache höflichst zu erinnern, ob es nicht gefällig wäre, wieder abzufahren; ich verdolmetschte den Fremden seinen Wunsch und wir verließen nach Beschenkung der guten Bauersfrau die friedliche Mühle, die lange vielleicht kein so schönes Stück Geld gesehen hatte. Wir fuhren ab, Alle zurückgewendet nach dem pittoresken Wasserfalle; der Schiffsherr zeigte uns eine tiefe Schlucht, die sich am linken Ufer weit in das Land hineinzog, und bemerkte hiebei, daß es die Grenze Krain's und Steiermark's sey. Wie vom Blitz berührt, drehte sich der Alte um und blickte düster in die Schlucht, endlich sprach er: Kram hat herrliche Berge und Felsen, und jene, die ich in dem unbeschreiblich Neise«rinn. nu» Kr»ln. 7 — 98 — schönen Veldes und in der hohen Wochein gesehen habe, übertreffen Alles, was Tirol aufzuweisen hat." »Das Schiff rudert weiter, und der Engländer zog aus seinem Reisesacke eine Zeichnung hervor. Es war das gute Kupferstück des Mitalle-Wasserfalles vom k. k. Hofrath Schemerl Ritter v. Leitenbach." „ Bald kamen wir im weißen Schwalle an, und durchfuhren den dortigen Cqnal eben so schnell, als jenen zu Prußnik. Es ist dieß eine in lebendige Felsen eingesprengte Rinne, und liegt in einer äußerst einsamen, von Fels und Berg umgebenen Gegend. Ueberhaupt ist von Sava angefangen, bis Ratschach eine ziemlich gleich bleibende, wild schone Gegend — rechts und links himmelanstrebende Felsen und hohe Berge, in der Tiefe der Strom. Nur dann und wann begrüßt ein einsames Häuschen oder die, an einem Wildbache gebaute Mühle den Wanderer. Der Landschaftsmaler findet sowohl große als kleine Parteien, die seiner Kunst Ehre machen würden. Auch Ludwig wollte die schöne Brücke über die steirische Sann, die von Cilli herunterrauscht und bei Steinbrücken in die Save mündet, zeichnen, allein die einbrechende, Nacht hieß die Schifsteute eilen, und wir langten bei der Abenddämmerung im Markte Ratschach an." — „Nachdem wir ein einfaches Nachtessen eingenommen hatten, vor melchem der Franzose in Erinnerung einiger Vorfälle in Prußnik unser ganzes Service rücksichtlich der Reinlichkeit prüfte, der Engländer ober der halb schlummernden Evelin e den Hamlet recitirte, begab ich mich in mein Schlafcabinett. Eine herrliche Nacht senkte ihren blauen Schleier über das Gebirge herab. Ich konnte nicht schlafen. Vergangene Zeiten tauchten in meiner Seele auf, und ich beschloß einen einsamen Gang an den Ufern der Save zu machen. I n Erinnerungen verloren kam ich wie ein Träumender auf eine hinter dem Schlosse Weixelstein gelegene Erhöhung, und legte mich auf das weiche Moos nieder. Ich war bewegt, ein Wind streifte durch die Gipfel der Fichten, die mich umgaben, und bald schienen sich mir Thurm und Häuser und die Felsen der Landschaft zu bewegen und zu regen. Mir schien es, als zögen die blauen Nebelgestalten der hingeschiedenen Freiherren v. Mordax aus ihrer verfallenen Ruine dem Monde entgegen, und verschwamme « in seinem silbernen Lichte. Werk der Phantasie, rief ich, — 99 — Täuschung, nicht Natur, und doch, du blauer Strahl, der du dich, wie ein Konig des Elfen durch die schimmernde Fluth hinziehst — du bist nicht Täuschung." „Eine bekannte rufende Stimme weckte mich aus meinen Träumereien. Es war wieder der alte Herr, der mich überall verfolgte. Hören Sie, junger Mann, Sie sind wie eine Gemse; ich sah Sie unser Gasthaus verlassen und folgte Ihnen, um den Mondeffect dieser Gegend mit Ihnen zu bewundern, verlor Sie jedoch aus dem Gesichte, und fand Sie erst, als Sie sich durch ihr Selbstgespräch verrathen haben. Ei, ei, junger Held, lassen Sie diese Phantastereien eines erhitzten Geblütes, und widmen Sie Ihre Talente dem wirklichen Leben. — Ich wäre gerne allein geblieben, und recht zur ungelegenen Zeit kam mir dieser Sittenprediger. O lassen Sie mir die goldenen Träume, die —" „ Ei, was goldeneTräume! rief erbegeistert, das kommt alles von eurem heillosen Lesen — jeder will ein Jean Paul seyn, ohne dessen Talent zu besitzen. — Sagen Sie mir, ist diese Gegend nicht wunderherrlich? — Sehen Sie nur, während wir bisher wie in einen Sarg eingezwängt, zwischen Bergen und Felsen hinfuhren, und fast nirgends sicher waren, von den sich ablösenden Felsstücken erschlagen zu werden, öffnet sich nun die Landschaft, wie ein Frühlingsmorgen. Jene schwindelnd hohe, senkrechte Felsenmauer ist gleichsam das Thor, womit alle die wilden Schönheiten abgeschlossen werden, und auf jener, durch diese trotzende Höhe kunstvoll durchsprengten Straße verläßt der Wanderer die gebirgige Gegend, um eine lachende Flur zu begrüßen. Der Strom ändert sein trauriges, schwarzes Kleid, und küßt wie ein Bräutigam die von Reben begrenzten Höhen — er macht sich's aber auch bequem und dehnt das höher oben von Felsen eingeengte Bett bedeutend breiter. Betrachten Sie jene auf der Höhe der besagten Naturmauer hervorblickenden Nudera der alten Burg; wir sehen es zwar nicht, aber gewiß ist sie mit Moos und Epheu bewachsen — eine Wohnung für Eulen und Fledermäuse. Es ist die verfallene Burg der Stammherren v. Mordar, fügte ich bei. Ein berühmtes Geschlecht, auch in der neuern französischen Geschichte bekannt, sagte er, und wies mit dem Finger auf die hin und wieder beleuchteten Puncte des Berges. Ich sah ihn verwundert an, und staunte über seine Kenntnisse, er aber fuhr fort: Wie doch der Herbst diese Berge belebt; der Winzer jubelt über — 100 — die süße Gabe des Schöpfers. Wir schwiegen eine Zeit lang, und ich bemerkte, daß das eigentliche Ratschach mit dieser schönm Gegend in Disharmonie stehe. Erstaunt sah er mich an. So sehen Sie doch, und Sie müssen I h r Wort zurücknehmen. Dieser schöne Thurm der Kirche mit der romantischen Gruppe der ihn umgebenden Häuser, dieses Hindehnen zerstreuter, niedlicher Häuschen am Fuße von Weinbergen, links ein herrliches Thal — rechts ein Strom wie ein See, und im Hintergrunde ein mit einer Ruine gekrönter schwarzer Fels — was wollen Sie mehr?—Es ist würdig vonSchindler's Kreide gezeichnet zu werden. — Aber kommen Sie, kommen Sie, wir brauchen für die weitere Reise Ruhe. Gute Nacht, ihr Sterne da droben, gute Nacht, du fahler Mondesschein!" „ Des andern Morgens verkündete uns die heiter aufsteigende Sonne eine schöne Fahrt; unsere Pässe waren bereits visirt — Schiff und Ladung aber von der Militär- und Gefällenwach-Mannschaft untersucht worden, und wir stachen, wie mal» sagt, frohen Muthes in die See. Als wir Weixelstein vorübergefahren waren, sahen wir bald auf einem Hügel die steirischerseits liegende Herrschaft Lack mit ihrem freundlichen Garten. Ruhig fließt die Save dahin, und die meistens niedrigen Ufer werden nur dann und wann von auslaufenden Hügelrücken unterbrochen. Auch die krainischen Ortschaften: VerKnu^ Vuorl,Iie und das steirische S t . Martin flogen vorüber; links erhob sich der spitzige, bedeutend hohe, steirische Laisberg mit seinem kahlen Gipfel und dem Kirchlein des heil. Iodocus, und tiefer unten auf einem Rebenhügel in gerader Linie lachte uns das freundliche Schloß Rudt, dem Herrn Anton Ferdinand Trenz, dessen Gastfreundlichkeit weit herum bekannt ist, aus seinen Kaminen rauchend, entgegen. Als wir bei Gimpel, einem kleinen Dorfe, wo sich früher ein k. k. Navigationsamt befand, umgebogen hatten, erblickten wir in der Ferne auf einem sanften Hügel des linken Ufers die Herrschaft Oberlichtenwald. Früher jedoch, als wir diesen Ort erreichten, hielt das Schiff an, und meine lustige Gesellschaft stieg bei der im altfranzösischen Style gebauten und carminroth bemalten Herrschaft Savenstein aus, um von hier dem Grahouzabache entlang die fernere Reise am Lande fortzusetzen." — — 101 — Mich hielten meine Missionsgeschäfte einen langen Tag in Ratschach fest, und ich hatte Muße, mir aus der vaterländischen Geschichte in's Gedächtnis; zurück zu rufen, das; hier das praetorium I^ato- Iiicoium, die X X X I V . römische Nansin auf der Heerstraße von Aquileja nach Siscia gestanden seyn soll, daß die Burg Ratschach, deren Ruine dort am Berge über dem Markte trauert, von einem Nebenzweige der Herren v. Schärfenberg erbaut wurde, welcher sich „von Ratschach" nannte, und daß der viel gekannte evangelische Prediger, Primus Trüber, einst hier Pfarrer war. Das ist auch Alles, was sich von diesem Markte sagen läßt. Von Ratschach aus wird die Fahrt wieder angenehmer, die Gegend freundlicher, lichter mochte ich sagen, und wie hier zur Rechten in Krain die schon genannten Güter Weichselstein und Sauenstein, so geben dort am steiermärkischen Ufer der Save Dorf und Herrschaft Lack, Dorf und Herrschaft Lichtenwald, und manche andere freundliche Ruhepuncte zu beiden Seiten des Stromes der Gegend Leben und Heiterkeit, und in der weitern Fahrt stellen in Steiermark der Markt und das alte Bergschloß Reichenburg, in Krain mehrere Ortschaften und die Güter Taritschendorf oder Ruckenstein, dann Neustein, und gegenüber dem steirischen Uferdörfchen Videm, das krainische Städtchen Gurlfeld mit seiner Burgruine freundlich dem Auge sich dar, während die schon vor Ratschach beginnenden, hellgrün belaubten Weinberge, in denen Anacreon's Cicade schwirrt, den wechselnden Landschaftsvarthien zur lieblichsten Staffage dienen. Etwas vor Gurlfeld weiset man auf einen in den Strom hinein reichenden Felsen hin, der Iungfrauensprung genannt, von welchem sich, wie die Sage geht, ein keusches Bürgersmädchen mit einem von Wollust entbrannten Türken, zur Rettung der Tugend, in den Strom gestürzt haben soll. Schade, daß die Ueberzahl solcher Iungfrauensprünge denselben an Werth und Glaubwürdigkeit Abbruch thut. Gurkfeld war wieder ein Punct, wo ich ex «Molo verweilen mußte. Schiff-Fahrt, Wein, und Getreidehandel und einige Lederwerkstätte beleben das Städtchen, das 1798 municipalisirt wurde, gleichwohl aber seine Bürgermiliz von etliche und zwanzig, sage: zwanzig Mann hat. —Schiffe, Flöße und Säumer gleiten hier am reißenden Strom vorüber, die Säumer binden ihre leeren Weinfässer, mit denen — 102 — sie um Wein gehen, an einander, setzen sich darauf und fahren so aus Oberkrain stromabwärts. Von der Veste Gurkfeld, einst ein schätzbares Bollwerk gegen die Osmanen, stehen nur noch wenige trauernde Ruinen da. Hier mehr als auf irgend einer Burgruine fühlte ich die Schwere der vom unsterblichen Matthisson in den Ruinen eines alten Bergschlosses geschriebenen Worte: So vergehen des Lebens Herrlichkeiten, So entfleucht das Traumbild eitler Macht, So versinkt in schnellem Lauf der Zeiten, Was die Erde trägt, in öde Nacht! — Hier haben die mächtigen Grafen v. C i l l i gehaus't, hier hielt Friedrich v. C i l l i durch längere Zeit Hof, hier hatte ihn seine schöne Veronica v. Dessenitz, die sein Vater in der Folge in einer Badewanne ertränken ließ, begluckt. Die Grafen v. C i l l i erhielten O i 2 i ) nach dem Erlöschen des uralten und reich begüterten Hauses der Grafen und Herren v. Ortenbürg die Stadt und das Schloß Gurkfeld, die Burg Maichau,, Rudolphswerth, die Stadt Laas mit ihrem Gebiete, Stadt und Herrschaft Gottschöe, die Herrschaft Neifnitz, die Burg Weinegg, Landstrasi, Orteriegg, die Burg,Stein, den Markt Treffen mit seinem ganzen Gebiete und das Lehen Grafenwerth. Alle diese Schlösser gab Graf Hermann v. C i l l i seinem Sohne Friedrich als Mitgift bei seiner ersten Vermählung mit einer Gräfin v. Modrusch. Nach dem Tode Ulrich's v. C i l l i , des letzten seines Stammes, verkaufte seine Witwe Katharina alle in Krain gelegenen Besitzungen an Johann N i t ro witz, und behielt nur Gurkfeld für sich. M i t ihrem Absterben erlosch jede SpUr dieses gefürsteten Grafengcschlechtes in Krain. — Gleich den Blättern des Waldes vergehen die Geschlechter der Menschen, erinnert Homer. Mit noch größerer Wehnmth erfüllte mich der Gedanke, daß hier im Städtchen Gurkfeld der große Chronist Valvasor, der für die „Ehre des Landes K r a i n , " wie. er sein großes, historisch^statistisch- topographisches Wert benannte, sein ganzes Vermögen opferte, am 1». September 1633 in Armuth starb. — Kein Wunder, daß mancher begabte Geist materielle Interessen den schönen Wissenschaften — 103 und philantropischen Gesinnungen vorzieht. — Gürkfeld war eine jener Städte in Krain, wo die lutherische Lehre (hier durch Johann Weichster 15«7), unter der Aegide der Stände von Krain eifrig gepredigt, angenommen und befolgt wurde, bis die strengsten Befehle von Seite der Regierung iö72 die lutherischen Lehrer von Radmannsdorf, Rudolphswerth, Möttling und Gurlfeld abschafften; 1639 wurde daselbst den Kapuzinern das Kloster erbaut. — Ueberraschend hier in Gurkfeld und sehenswerth war eines Herrn v. Hohenwart Cabinett von Schaugegenständen, deren mehrere der Landesgeschichte von Krain angehören, und daher im Landes-Museum zu suchen und zu finden seyn sollten. Herr v. Hohenwart starb im vorigen Jahre, sein Cabinett wurde zersplittert und ging für's Land verloren. Ein Viertel Stündchen von Gurkfeld, landeinwärts, liegt die Herrschaft Thurnamhart; des Grafen Auersperg (Anastasius Grün) liebliche Muse erzeugt dort die vielgeliebten Kinder, die fern vom Vaterlande, in Deutschland, die Taufe erhalten und in die Welt treten. Außer Gurkfeld öffnet sich eine schone, weite Ebene in's Land und gegen Steiermark und Croatien; die Save stießt von da auf sandigem Boden, in einem seichten, breiten Bette, bald da, bald dort das Erdreich aufwühlend, oder Inseln und Sandbänke aufschwemmend. So riß sie vor mehreren Jahren gleich außer Gurlfeld nach und nach einen ganzen Meierhof mit Aeckern und-Gebä'uden hinweg, und setzte dafür jenseits in Steiermark eine unwirthbare Sandinsel an. Die Fahrt zu Schiffe von Gurkfeld bis an die Grenze von Krain, bis Iessenitz, welche Strecke man beiläufig in zwei Stunden zurücklegen kann, ist höchst stach und einförmig, angenehmer dagegen, wenn auch weiter, ist der Weg zu Land, wobei man das historisch merkwürdige Dorf Viher berührt, wo einst das römische Hluniei^iium I'Iavium Nevinäiinum stand, wie die vielen hier gefundenen und noch zu findenden Alterthümer erweisen. Frommen Seelen dürfte auch die Erinnerung an den heil. Pelagius, der zu Aemona geboren wurde, und zu Nuvin6unum als 25jähriger Jüngling den Martertod fand, wie auch an die heiligen Blutzeugen Heradius, Paulus und Aquil i nu s, welche daselbst für den Glauben starben, heilig seyn. Doch die Geschichtsforscher und Geographen nennen mehrere namenverwandte Orte, Nevioälinum oder ^«vinclummm^ die in anderen Ländern zu suchen — 104 — sind, und deren Begebenheiten hier und da verwechselt werden mögen. Die Gegend von Iessenitz, wo die Völker dreier Schwester-Provinzen: Steiermark, Croatien und Kram, in Handel und Wandel und bürgerlichem Verkehre einander brüderlich die Hand reichen, ist überaus schön und doch ganz verschieden vom schönen Alpenlande Oberlrain; Oberkrain möchte ich mit einem eisengewappneten, thatkräftigen Manne, Unterkrain dagegen mit einer ähren- und rebenbekränzten, zum Genüsse einladenden Nymphe vergleichen. Ganz nahe an Iessenitz, an der croatischen Grenze, liegt das schöne Schloß Mokritz, wegen seiner reizenden Aussicht und den schönen Gartenanlagen sehenswerth. Hier herrscht splendide croatische Gastfreiheit, wenn es gilt, wie man zu sagen pflegt, sich sehen zulassen. Den Rückweg schlugen wir zu Land über die Gurkbrücke bei Münkendorf, von welchem Dorfe sich weiter nichts sagen läßt, als dasi dieser Punct der niedrigste in ganz Krain und nur 80 Klafter über dem Spiegel des adriatischen Meeres erhaben ist. Unter Münkendorf fällt der Gurlfluß, der bei Obergurk entspringt, nach einem Laufe von mehreren Meilen in den Savestrom. Der Gurkfluß, dessen Namensbedeutung Adolph Ritter v. Tschabuschnigg (»Carinthia« Nr. 28 von 1833) aus dem Wendischen mit Flußrauschen erklärt, Prof. I . Suppan aber von Xerll, (Froschlaich) herleitet, und ein sumpfiges, stagnirendes Wassert» Carinthia" von 1831 Nr. 16) nennt, hat hier unten um Landstraß, durch Wehren und Mühlen zurückgehalten, allerdings einen stagnirenden Charakter, während er oben bei Seisenberg vom Ursprünge aus über Stein und Felsen herabrauscht. Von Münkendorf an erstreckt sich in einer Länge von acht Stunden das Uskoken-Gebirge gegen Neustadt! und bildet die Grenze zwischen Krain und Croatien. Dort hauset jenes merkwürdige Volk der Uskoken, die bei der alten Veste Sichelburg ihren Wohnsitz haben. Unter diesem Uskokenberge läuft die Commerzial-Straße gegen Neustadt! fort, fruchtbare Felder durchschneidend, in derem Hintergrunde zur Rechten eine Kette von Weinbergen malerisch da steht. Ortschaften, Kirchen und das alte Schloß Arch erhöhen die Schönheit jener, bis zu Neustadtl's Stadtberge sich ausdehnenden Strecke Landes. Den Archäologen laden mehrere Stellen im Gurkfelder und S t . Bartholomäer Boden, namentlich dort zu Viher oder Vihre, dann zu — 1N5 — Dernovo, bei dem Warmbade zu Buschendorf, wo man ein Römerbad vermuthet, dann bei Dobrova oder Gutenwerth, bei dem Dorfe Grüble, nicht fern von S t . Bartholomä, wo man die Ruinen eines Bades der Römer wirklich entdeckte u. s. w., zu Nachforschungen ein/ zu denen ich aber eben weder Zeit, noch Beruf fühlte. Wir kamen zur Mittagszeit nach Landstraß; um ein Mittagmahl wird man hier nicht verlegen seyn, so dachten wir, denn es ist ja eine Stadt, aber siehe da: die Wirthsleute des einen Wirthshauses waren auf dem Felde, im andern Wirthshause wies man uns ab, weil die schöne Wirthin jüngst eben Mutterfreuden erlebt hatte; ein drittes Wirthshaus für Reisende hat es aber daselbst nicht, und so blieb denn nichts übrig, als noch ein Stündchen weiter, bis nach St. Bartholomä, zum gastfreundlichen Pfarrer zu fahren, von dessen wiederholter Einladung ich nun Gebrauch zu machen in dem Falle war. Das Städtchen Landstraß war einst als Veste, vermöge seiner Lage als Insel des Gurkflufses gegen die Einfälle der Osmanen, wichtig, und gleichsam die Schutzwehr und der Trost des Landes, daher Landestrojt genannt, und nur so läßt es sich erklären, wie dieser kleine, beinahe aller bürgerlichen Gewerbe entblößte Ort, zu dem Range und den Vorrechten einer landesfürstlichen Stadt kam. Sie hatte vormals sogar Sitz und Stimme auf dem Landtage, wurde jedoch 1785 muni» cipalisirt; ihre Bürger verdanken ihre Existenz dem Landbaue. Die Umgebung von Landstraß ist freundlich. Ganz besonders vortheilhaft gelegen ist aber die schöne Kirche außer Landstraß, Maria zum guten Rath. Einige hundert Schritte von der Stadt steht die Religionsfondsherrschaft Landstraß, einst eine Cistercienser-Abtei, Mariabrunn, auch Frauenbrunn genannt, vom Herzog Bernhard von Kärnten «nno 1234, nach errungenem Siege über den Bischof Eckbert v. Bamberg und dessen Gefangennehmung durch Heinrich v. Dietrich stein, ox vot,« gestiftet, allwo sich der Herzog in der schönen Kirche des Klosters mit seiner Gattin J u t t a die Ruhestätte erwählte; das Kloster wurde 178<> aufgehoben. — Kloster und Kirche stehen nun, bis auf wenige Zimmer, verlassen da, und man fragt vergebens, unter welchem Schutthaufen des allmählig einstürzenden Tempels die erlauchten Ueberreste ruhen. Die Sache hat ein National-Inter— 106 — esse; denn „ heiliger kann kein Tempel dir, als jener, der Gräber deiner Fürsten, seyn," sagt Klopstock. Herzog Bernhard ließ die sogenannten Landstraßer Pfenninge münzen, auf deren einen Seite die Bildnisse des Herzogs und seines Sohnes und Mitregenten Ulrich I I I . , auf der Kehrseite aber das herzogliche Wappen, ein einem Panther ähnliches Thier, das in seinen Pranken ein Kreuz hält, geprägt ist. Mit dem Stifte Landstraß wurde 1687 die Pfandschillings-Herrschaft Landstraß vereiniget, indem das Stift diese Herrschaft von einer GräfinKatharina v. S z r i n y , gebornen Markgräfin Frangipany, erkaufte, bei der Familie Frangipany aber war die Pfandschillings- Herrschaft Landstraß schon seit dem Jahre 13?0, wie wohl sie nachmals an die Scharfenberge, an die Grafen v. C i l l i und Andere kam. Das Schloßgebäude der Pfandschillings-Herrschaft, welches in der Stadt steht, dient seit 1793 zum Pfarrhofe, nachdem die Stadtgemeinde am ?. Juni 1793 reversirt hat, daß sie dasselbe erhalten wolle, wodurch die Uebersetzung der Pfarr aus dem Stifte in die Stadt erzielt wurde. Nicht ferne von S t . Bartholomä liegt die ehemalige Karthause Pletterjach, einst eine sichere Veste gegen die Grenznachbarn, daher Sicherstein genannt, jetzt eine beträchtliche Herrschaft. Sicherstein, Sichelburg und Landestrost führten ursprünglich ein und dasselbe Wappen, und müssen daher einem und demselben Stamme angehört haben. Wenn man sich die bäum- und blätterreiche Gegend von Pletterjach früherer Jahrhunderte denkt, so wird es begreiflich, daß hier der Platz zur Erbauung eines Gotteshauses des ernsten Schweigens, der melancholischen Betrachtung, und der frommen Selbstverläugnung, erwählt wurde. Noch eine kurze Strecke von S t . Bartholomä weg, währt der ebene Weg, dann aber beginnt das bergige Land, welches die Fahrt nichts weniger als angenehm macht. Nach zweistündiger Fahrt von St. Bartholomä aus, hatten wir die Vorstadt von Neustadt! mit ihrem hochfahrenden Namen Oauäi» erreicht. Nun ja, es ist eine Vorstadt und Neustadtl eine, auf einer Halbinsel recht malerisch gelegene Stadt, allein der Anblick der Häuschen auf dem sogenannten Raan, wenn man über die Brücke der Stadt zufährt, verräch die äußerste Armuth ihrer Bewohner; so ein Häuschen, welches aus einem einzi10? — gen Gemache, wo die guten Menschen und das liebe Vieh, wie einst in der Arche, friedlich bei einander wohnen, hat kaum den Werth einiger Thaler. Dagegen hat Neustadtl auch mehrere recht nette Häuser, ein Collegiat- Capitel, dessen Vorsteher den Titel Propst führt, so wie die vier Curaten Canonici Heisien, dann ein Franziskaner-Convent, nebst einem Gymnasium, ein k. k. Kreisamt, eine Cameral-Bezirks-Verwaltung, seit i??8 eine Caserne, weiters ein Deutschordens-Haus und einige Kaufleute von mittlerem Wohlstände. Auf dem Thurme des Stadthauses ist zu lesen: 17 ^nn« v l n l c!nruptl aßvINOat» l »M 20; und am Kreisamtsgebäude: ^ e ä i . 1??», l i e u . 1806, man konnte noch dazu setzen: kt 1830, weil in diesem Jahre eine Renovirung und bedeutende Vergrößerung dieses Gebäudes Statt fand. Neustadtl konnte vormals der Gunst der österreichischen Landesfürsten sich rühmen, die es durch mehrmals erwiesene Bürgertreue errang; Rudolph IV. erbaute das Städtchen 1365, und gab ihm den Namen Rudolphswerth, ansehnliche Privilegien und sogar sein Bildniß in das Stadtwappen; Kaiser Friedrich I V . stiftete 1493 das Collegiat - Capitel von Neustadtl, Kaiser Maximilian erwirkte bei'm Papste Alexander V I . die Einwilligung zur Errichtung dieser Collegiatkirche, die Kaiserin M a r i a Theresia verlieh i?74 dem Collegiat-Capitel die kaiserlichen Insignien, und dem Propste die Infel, Kaiser Joseph I I . verwandelte aber,laut Gubernial-Verordnung vom 1. September 1783, den Namen Rudolphswerth in Neustadtl. Unter den Vorrechten, welche Neustadtl vordem genoß, ist bemerkenswerth, daß die Stadt in Folge Hofentscheidung vom 1. Mai 174? von jedem Bürger, der in den Adel- oder Ritterstand übertrat, ein Abfahrtgeld von 4 Procent zu fordern berechtiget war. Vor Erbauung der Festung Carlstadt durch Erzherzog Carl von Oesterreich (1578 —1382) war zunächst Rudolphswerth bestimmt, den feindlichen Einfällen der Türken Widerstand zu leisten. Wissenschaften, sagt H 0 ff in seinem Gemälde von Krain (Laibach 1808) sind in diesem Städtchen wenig bekannt, außer dem kleinen Privatbüchersaal der Franziskaner findet man hier leine Bücher vorräthig. Unter manch' bitterm Ausspruche, den sich Hoff weiters über Neustadtl erlaubte, sagt er auch: ^ Der Bürger, zu besorgt, sich Brot — 106 — und Wein selbst zu erzeugen, anstatt es sich mit seinem Gewerbe zu verdienen, gibt sich neben seiner Profession zu viel mit dem Baufelde, und der Weingartenpflege ab, und so findet man an ihm weder den nützlichen Professionisten, noch den guten Bauer; ein Ding liegt dem andern im Wege. Dieser Vorwurf möchte zwar noch jetzt zum Theil am Platze seyn, andererseits aber mit der Lage Neustadtl's, die zur Betreibung ausgedehnter bürgerlicher Gewerbe nicht sehr einladend ist, abgewiesen werden können. Uebrigens schreitet auch diese Kreisstadt in der Cultur nach Kräften voran, und hat sogar ein Casino und eine öffentliche Promenade, welcher aber, da sie an den Friedhof grenzt, der sogenannte Corso auf dem Platze vorgezogen wird. Zur Zeit der feindlichen Einfälle der Franzosen in Neustadt! in den Jahren 1797, l805 und 1809 bewiesen die Bürger von Neustadtl ihre treue Anhänglichkeit an das österreichische Kaiserhaus, und die blutigen Ereignisse zu Neustadtl im Monate October 1809 bleiben in der Geschichte des Landes ewig denkwürdig. Ein früherer vierjähriger Aufenthalt zu Neustadtl ließ manche Erinnerungen in mir zurück, die beim Wiedersehen dieses Städtchens mitihren Freuden und Leiden wieder erwachten; den schmerzlichen Erinnerungen obenansteht der Tod eines geliebten, ersten und damals einzigen Kindes, zu den angenehmsten Stunden zähle ich aber diejenigen, die ich im Kreise der überaus schätzenswerthen freiherrlichen Familie Schweiger, auf dem Gute Wördl verlebte. Ein Kreis blühender und geistreicher Damen gab dem Gute, daß man damals par excellenee die Fraueninsel nannte, ein entzückendes Leben; die Krone bildete die BaroninAntoniette Schweiger, noch frisch und jugendlich, und gleichsam die vierte Schwester ihrer drei reizenden jungfräulichen Töchter; diesen würdig zur Seite standen eine ledige und eine verehelichte Schwester der Baronin, mit einer bereits erwachsenen Tochter der Letztern, zusammen also sieben lebenslustige, weibliche Wesen, recht so nach dem Willen Gottes geschaffen, das Leben zu verschönern und zu versüßen. Das Weib ist ohne weiters die personificirte Poesie des Lebens, und ich stimme mit dem alten Meistersänger HeinrichFrauenlob ein: — 109 — Ich lob die Frauen früh und spat, I h r Lob, das will ich immer mehren, Ein Mann der Frauenhuld nit hat. Den wollt' ich fürbas mit Gesang hin letzen, Sie können uns wohl alle Leids ergötzen. Die Etymologie des Wortes Wördl möchte wohl nirgends anders zu suchen seyn, als in Adelung's grammatischMtischen.Wörterbuche, Wien 1808 u. zwar S . 1«12. Word oder Wörth, oder vielmehr S. 1489, der Werder, eine Insel in einem Flusse — um Bremen Werel, in vielen Gegenden aber ohne Ableitungssilbe nur Werd, Wörth. In Donauwerth, Kaiserwerth und andern eigenen Namen ist die letzte Hälfte auch kein anderes, als dieses Wort. Daher also auch vielleicht Rudolphswerth, ohne eben dieser Stadt ihren Werth benehmen zu wollen, gewiß aber Wördl von Word. Wördl selbst ist mehr von Natur, als durch Kunst, zu einem mehr angenehmen, als gesunden Aufenthalsorte geschaffen. Es liegt auf einer Insel des Gurkflusses, eine halbe Stunde unter Neustadtl, und so tief, daß der Garten vor dem Schlosse, bei hohen Wasserfluthen überschwemmt wird. Das Schloßgebäude trägt Spuren der Befestigung, als Denkmal der einstigen Unsicherheit vor räuberischen Türkeneinfällen, an sich; es hat eine schöne Hauskapelle mit einem Altarbilde von Menzinger. Die Fahrt von Neustadtl nach Wördl durch ein Paar Dörfer ist, einige unbequeme Hügel abgerechnet, nicht unangenehm: links lachen die üppigen Weingärten, und die Winzerhäuser des Neustädtler Stadtberges mit dem Kirchlein am Gipfel des Berges entgegen, unter welchem in malerischer Lage das einst zum Stift Sittich gehörige Gut Weinhof steht, und zur Rechten windet sich der Gurkstuß durch Haine und Felder dem Schlosse zu, und an diesem in zwei Armen vorüber. Die freundlichen Umgebungen von Neustadtl gewinnen viel an Reiz und Mannigfaltigkeit durch die Schlösser der nächsten Nachbarschaft, als: am rechten Ufer des Gurkstusses, Neuhof, Steinbrückel und Stauden, gleich vor der Stadt, und so zu sagen an die Vorstadt Candia angebaut, dann Poganitz und Rupertshof; letzteres entstand aus dem Verfalle der Veste und Herrschaft Maichau, die noch als schöne Ruine zu sehen ist. Kaiser Ferdinand I I . verkaufte diese Herrschaft und das Schloß Maichau, laut Kaufverschreibung 6äo.2.Iän— 110 — ner 1623, an Ernst Paradeyser zu Neuhaus und Gradisch, Erbland- Jägermeister in Kärnten und Hauptmann zu Sichelburg. Graf Joseph Ernst Paradeyser begann 1641 und dessen Bruder Graf Georg Sigmund Paradeyser vollendete 165? den Bau von Rupertshof, wodurch zur Cultivirung der vorhin wild- und waldreichen Wildniß der Grund gelegt wurde. Maichau gehorte vormals einem gleichnamigen Geschlechte, dann aber mit Sichclburg, Koprainitz und andern Orten unter dem Namen des Maichower Banates zu Ungarn, indem Alb recht v. Maichau wegen seiner Raubzüge in Croatien, um das Jahr 1189 vom Könige Bela IV. mit Einziehung seines Schlosses Maichau, bestraft wurde. So kam Maichau mit einem, weit nach Croatien hinein sich erstreckenden Gebiete unter einen Banus, und erhielt sich bei Ungarn bis in's fünfzehnte Jahrhundert; Kaiser Sigmund verlieh es an die Grafen v. C i l l i , nach deren Absterben mit Ulrich v. C i l l i im I . 1456, Maichau mit sämmtlichen Cillischen Besitzungen vom Kaiser Friedrich eingezogen wurde. Nachmals gelangte Maichau als Pfand an verschiedene Besitzer, bis es 1726 mit Nupertshof (muthmaßlich Ruwertshof) an das Cistercienser-Stift Mariabrunn bei Landstraß, und 1?86 bei dessen Aufhebung an den Religionsfond, somit an den Staat kam. I n Folge der allerhöchsten ausgesprochenen Versteigerung der Staatsgüter wurde Maichau mit Rupertshof wieder ein Privateigenthum. Maichau war zu seiner Zeit eine starke Burg gegen die ostwärts eindringenden Feinde, jetzt nisten Eule und Uhu dort, und Füchse und Wölfe umHeulen die wildbewachsene Ruine auf dem steilen Berge. Aus den Kräften von Maichau entstand auch das Gut Poganitz am Eck, wo die Wege nach Rupertshof und gegen Möttling einen Bogen bilden. Ob es nicht einst Bogeneck hieß? Sigmund v. Mündorf war (1547) der Erbauer von Poganitz, dieses freundlich gelegenen, mit schönen Gärten umgebenen, drei Viertelstund von Neustadtl entfernten Gutes, wo die Neustädtler und Fremden im Kreise der gebildeten Familie seines jetzigen Besitzers, des k. k. Kreiscommissärs Langer, die herzlichste und gastfreundlichste Aufnahme finden, und auch ich manche heitere Stunde verlebte. Graben, Forst und Stauden waren einst die getheilten Besitzungen dreier Herren v. Mordar; Graben aber war die Stammburg. Von Graben steht nur noch eine Ruine, von Forst ist keine — l l l — Spur mehr da, die Kräfte aller dreier Güter sind nunmehr wieder in Stauden vereinigt, welches, wiewohl als das jüngste der drei Güter, seiner freundlichen Lage und der Nähe der Stadt das Ueberleben seiner Schwestern zu verdanken hat. Bei dem Wäldchen nächst der S t . Annalirche, welches einst zu Forst gehorte, ist eine liebliche Quelle,, Hessenbrunn genannt, die ein-, zige Quelle in der quellenarmen Gegend. Franz August v. Zoi^>, ehemaliger Besitzer der vereinten Güter zu Stauden, errichtete, dort ein Denkmal mit folgender Lapidar-Inschrift: Nymphe des Brunnens, Die du hier im l?9?sten Jahre die blondlockigen Krieger aus Darmstadt-Hessen in England'« Solde Liebreich umschlangst und erquicktest, Labe am Krystcille deiner Quelle Den nach Ruhe und Erquickung lechzenden Landmann und Städter. Manche schöne Stunde hatte auch mir in frühern Tagen an jener romantischen Quelle, an der Seite geliebter Menschen, gelächelt; während der drei Tage der Erholung, die mir in Neustadt! zu verleben vergönnt waren, wurden dieser Quelle einige Augenblicke zu einem Morgenbesuche geweiht. Ein unnennbares Gefühl durchglühte meine Seele bei'm Wiederbetreten dieser Stellen, die einst mein stilles Glück belauschten, und eine wchmüthige Erinnerung mahnte mich an die Vergänglichkeit alles irdischen Glückes. — Ein verwandtes Herz errieth die Gefühle meines Herzens und flüsterte mir zu: Nichts, was vergangen, Sehne zurück; Vergeblich Verlangen Störet dein Glück. König Ludwig von Bai ern. Wer sich in Neustadt! befindet und nur einen halben Tag sein nennen kann, der versäume nicht das Schloß Lueg, die Zwillingsschwester der viel besprochenen und besuchten gleichnamigen Veste in Innerkrain, zu besuchen, denn sie ist nicht minder interessant, als jene. — 112 — Auch hier hatte der Raubritter Erasmus Lueger, dessen Leben und Ende die Romantik verschönert und entstellt, seinen schlau versteckten Schlupfwinkel, den man noch jetzt weiset; es steht das 1580 erbaute Schloßgebäude in Bezug seiner alterthümlichen Bauart jenem in der Poik nicht nach, und es ist die Natur hier schauerlich und wildromantisch, wie dort. Hohe, unzugängliche Felsen, in denen der unheimlich krächzende Rabe horstet, überragen das Schloß so, daß die Sonne dasselbe^, mit ihren wohlthätigen Strahlen des Sommers nur auf Augenblicke, im Winter gar nicht erreicht. Am 19. August 182? gegen 9 Uhr des Abends empfing Lueg von 16 bosnischen Räubern, die über das Gotscheer Gebirge herüber kamen, einen Besuch. Sie fingen in der Gotscheer Waldung einen Pottaschenbrenner auf, den sie in Bosniaken-Kleidung steckten und zwangen, ihnen den Weg nach Lueg zu weisen'. Zur Mittagsstunde bei der, ober Einod am Bergrücken einsam stehenden S t . Peters-Kirche angelangt, verrichteten sie daselbst — ihr Mittagsgebet. Hierauf traf ihr Anführer die Anordnungen zum bevorstehenden Angriffe auf Lueg, und sie marschirten in Reihe und Glied über Einöd, Oberfeld und Strascha auf Lueg zu, wo sie, wie gesagt, um die neunte Abendstunde anlangten. Der Anführer besetzte die Ein- und Ausgangsthüren mit einigen Leuten seiner Bande, mit dem Reste aber drang er in das Schloß. Der Inhaber des Gutes war mit seiner Gattin und dem Söhnlein eben in Laibach abwesend, im Schlosse warett daher nur zwei Beamte, das Stubenmädchen, der Jäger, der Förster nebst zweien Knechten und Mägden anwesend; an Widerstand war daher nicht zu denken und nun ging die Wirthschaft an. Der Anführer, ein Mann von beiläufig 29 Jahren, und österreichischer Ueberläufer, daher der deutschen Sprache kündig, betrat mit gezogenem Hanjar (türkisches Messer) das Speisezimmer, wo die beiden Schloßbeamten eben bei'm Abendmahle saßen, und verlangte von ihnen mit Androhung des Todes die Auslieferung alles Geldes, worauf er sich's an der Tafel bequem machte und das Vorhandene verzehrte. Seine Gesellen plünderten mittlerweile die Casse, wo sie bei 800 fl. Conv.-Münze fanden, dann den Silberkasten und die Chatouille der Burgfrau; was auf dem Speisetische an Silberzeug vorhanden war, steckte der Nai'ÄNbasIia (Anführer) zu sich, hierauf setzte er sich an das Fortepiano, und machte — 113 — einige Läufe; er bewunderte das Porträt der jungen, schönen Hausfrau, und untersagte seiner Bande, in der Schloßcapelle etwas zu berühren, dann hieß er sie, dieselbe sogleich zu verlassen. Nach beendigtem Raube ließen sich die Räuber, in den Schloßhof zwei Schaff Wein bringen, um den sie sich am Boden niederkauerten und dann unter Gesang zechten. Endlich zögen sie gegen ll t Uhr in der Nacht in Reihe und Glied von Lueg ab, und über die Waltendorfer Brücke gegen Iurkendorf, wo sie auf dem Wege mit dem Fähnrich Fügner und sieben Cordonisten zusammenstießen, die sie angriffen, wobei im Kampfe vier Cordonisten, ein Räuber und ein zufällig, dazu gekommener Bauernbursche fielen; die übrigen Räuber entkamen nach Croatien. Tief unten5 so tief, als oben die Burgveste Lueg von Bergen überragt wird, rauscht der mächtige Ursprung des Flusses Pretschna über ein bedeutendes Mühlwerk und seine Wehren herab; die ganze, wenn auch bereits etwas cultivirte Gegend, trägt noch den Charakter des ehemaligen Besitzers, dessen unlauteres Thun und Treiben eine unzugängliche Wildniß verbergen sollte. Eine Grotte, nahe am Ursprünge der Pretschna, harret noch einer geognostischen Untersuchung. Angenehm und erquickend ist es, in heißen Sommertagen in die schattige Kühle von Lueg zu flüchten, wo ich manchen schönen Sommertag im Kreise geliebter Menschen verlebte, aber des Winters ist es öde und traurig allda, und glücklich, wer, so wie der dermalige Besitzer, noch eine andere Besitzung in wonnlicher Gegend sein nennt, um dort den Winter zu verleben. Diese Besitzung des Herrn v. Fichten au ist Breiten««, ein Schloß in einer schönen breiten Au, nicht fern von Lueg auf dem Wege von hier nach Töulitz und Hof. Auch den BadeortTöplitz, von nicht mehr als «3 Häusern, mit einer Pfarrkirche und 408 Einwohnern, besuchten wir. Liebe Erinnerungen knüpfen sich an denselben, von denen mir wohl diese die liebste ist, daß seine Heilquelle meiner geliebten Mutter das Leben rettete, und für viele Jahre die Gesundheit wieder gab., llr. Graf analysirte das Wasser des Warmbades von Töplih, und fand dasselbe mit 29 Grad Reaumur und aus folgenden Vestandtheilen: schwefelsaures Natron, schwefelsaure Bittererde, salzsaure Kalkerde, salzsaure Bit- Neiseerinn. nu» Krnin. 3 — 114 — tererde, kohlensaure Kalkerde, kohlensaure Bittererde, Thonerde, Kieselerde und EUractivstoff. Dl'. Schneditz, k. k. Gubernialrath und Landes-Protomedicus in Krain, und Dr. Laschan, k. k. Kreisphysicus zu Neustadt!, empfehlen nachdrücklichst aus vieljähriger Erfahrung das Wasser der Bäder von Töplitz zum innerlichen und äußerlichen Gebrauche im Winter und im Sommer. Letzterer verdankte den Bädern von Töplitz seine Heilung von der Wassersucht, und gab darüber im »Illyr. Blatte" Nr. 4», vom 12. Mai 1822, einen ausführlichen Bericht. Und dennoch ist der Besuch dieses heilbringenden Bades so außerordentlich gering. Der k. k. Oberfeldarzt Hochmayer, durch mehrere Jahre Militär-Badearzt zu Töplitz, fand, daß die Wirksamkeit der Termen von Töplitz auf der vulkanischen Wärme und auf einem mit dieser aus der Tiefe unseres Erdkörpers ausströmenden electro-magnetischen Principe beruhe, und er beklagt in der „ C a r n i o l i a " Nr. 23 vom 48. Juli 1842: „Wenn man dieses, in einet der anmuthigsten Gegenden Unterkrain's liegende schöne, wunderbar heilsame Mineralbad besucht, und ^»ie unangenehme Entdeckung macht, daß von Jahr zu Jahr weniger Badegäste daselbst ihre Wiedergenesung suchen, so kann man sich der schmerzlichen Ueberzeugung nicht erwehren, daß die Modesucht unserer Zeit ihren verderblichen Einfluß auch auf die, vom gütigen Schöpfer in seiner unendlichen Sorgfalt für uns aus dem Schooße der Erde hervorgerufenen warmen Heilquellen ^ aller Erfahrung, der ewigen Wahrheit zum Hohne, und zum Nachtheile der leidenden Menschheit ausübe." Die Badeanstalt selbst ladet zum Besuche ein, denn sie ist eine der reinsten, und in Bezug auf die Lage äußerst romantisch. Das schöne, im toscanischen Style erbaute geräumige Badehaus liegt am Fuße des kleinen Berges Gradische, und hat im Erdgeschosse drei Badebassins, als: das Fürsten- oder Heinrich's-, dann das Carl's- und Iosephsbad; ersteres vorzugsweise durch Eleganz, edle Bauart Und Bequemlichkeit zum Gebrauche der Honoratioren bestimmt, ist ganz aus schwarzem und grauem Muschelmarmor mit terrassenförmigen Abtheilungen oder Stufen, und faßt 200 Badende. Im Iosephsbade baden die Armen unentgeltlich. Zwei Stockwerke des Badehauses enthalten 40 rein meublirte Wohnzimmer, einen Speisesaal, einen Salon. Außerdem ist — 115 — aber auch in andern Häusern des Bade- und Pfarrortes Unterkunft zu finden. Im Badehause ist mit einem sehr guten Fortepiano und Billard für Erheiterung gesorgt; ein schöner Park und romantische Spaziergänge, z. V. nach Rosseck, zur großen Linde, am S t . Antonsberge, und selbst bis Einöd laden zu interessanten Ausflügen ein, und tragen zur Annehmlichkeit des hiesigen Aufenthaltes und zur Erholung bei. Bei'm Anblicke des Schlosses Einod muß man den erschaffenden Geist, der dieses Prachtgebäude in dieser Gegend, abgeschieden vom geselligen Verkehre mit einer großen Stadt, werden hieß, bewundern, anderseits aber auch den Verfall dieser Fideicommißherrschaft bedauern. Die Extreme der Grundzerstückelung und der Fideicommisse berühren sich — im Verfall. — Einod liegt keineswegs in einer Einode, sondern vielmehr in recht anmuthiger Lage am Gurkfiufse, von Weinbergen und Wiesen und Feldern umgeben, und ist von To'plitz eine halbe Stünde, von der Kreisstadt Neustadt! anderthalb Stund entfernt; es wurde im siebenzehnten Jahrhunderte von Georg Sigmund Grafen und Herrn v. Gallenberg, Landes - Verweser und Verwalterin Krain, erbaut, und war, wie der Zeitgenosse Valvasor in seiner Chronik versichert, zu seiner Zeit durch Bau und Ausstattung, das schönste Schloß im Lande. Seit 1743 gehört Einöd zu den Fürst Auersverg'- schen Fideicommiß-Besitzungen in Krain, wurde aber schon seit lange von den Eigenthümern nicht bewohnt, daher ihr Verfall. Den Namen erhielt diese Herrschaft von der jenseits der Gurk, in einer Einöde als Ruine dastehenden alten Burg Einöd. Wie eine Wunbennarbe Tief in die Zeit geprägt, Die ihre Todtenfarbe Mit Morgenroth belegt: S« ödet, dunkel trauernd, Die alte Burg herab, Und predigt: Nichts ist dauernd, Und ruhig, nur das Grab. T i e d g e. Die feste Burg Einöd war von den Osmanen gekannt und gefürchtet, denn sie leistete durch Jahrhunderte Widerstand gegen ihre raubsüchtigen Einfälle, und mancher gefangene Türke schmachtete in 8* — 116 — den schauerlichen Verließen dieser Burg, bis sie vom Grafen Hermann v. C i l l i gebrochen wurde; seitdem ist die Burg verfallen, und ihre Ruine verschwindet allmählig. Die Burgen vergehen, Fabriken entstehen in unserer, allen industriellen Unternehmungen so günstigen Zeit. Fürst Wilhelm Auersperg griff dieser Zeit vor, indem er bereits t?9« nicht fern von Eino'd am Gurkflusse zu Hof, zwei Stund von Neustadt! entfernt, ein Eisenhammerwerk gründete, welches der waldreichen Gegend Leben und Erwerb gibt. Anfänglich wurde da nur geschmiedetes Eisen erzeugt, 1803 aber der Blauofen in einen Hochofen mit offener Brust verwandelt, und eine Gießerei damit verbunden, die insbesondere Oefen/ Gewichte und Maschinenbestandtheile und dergleichen gangbare Artikel liefert, und da sich sämmtliche Fabricate durch ihre Solidität in Arbeit und Material auszeichneten,, so erwarb sich die Fabrik im I n - und Auslande einen höchst vortheilhaften Ruf, und der Begehr nach Erzeugnissen dieser Fabrik war schon 1834 so groß, daß sie zu einer k.k^privilegirtenGuß- und Schmiedeisen-Waarenfabrik erhoben wurde, um den zunehmenden Verkehr mit Italien und andern Ländern noch mehr ausdehnen zu können. Diesen vortheilhaften Stand verdankte die Fabrik ihrem damaligen Direcror V i t u s I g n a z Ritter v. Panz, welcher 183« plötzlich starb. Nun ging die Fabrik den Krebsgang, bis sie sich 1840 durch große Opfer der Inhabung, zu welcher namentlich die Anlegung einer Holz- und Kohlenabfuhr- Kunststraße von 5380 Klafter Länge aus dem Hornwalde bis zur Töplitzer Bezirksstraße gehört, wieder erhob. Gegenwärtig nimmt diese Fabrik unter den Eisengußwerken der österreichischen Monarchie einen höchst ehrenvollen Platz ein. Durch eine enge Thalschlucht führt der Weg von Einöd nach Hof, hier öffnet sich aber eine liebliche ausgedehnte Landschaft. Für diejenigen, welche zu naturhistorischen Untersuchungen geneigt, und davon nicht etwa durch Gebrechlichkeit abgehalten sind, dürfte eine Wanderung von Tövlitz zur Eisgrotte im Hornwalde anziehend seyn. Das ^Illyr. Blatt« Nr. 28 vom t i . Juli 182S gibt den nachfolgenden Bericht über eine Wanderung dahin. „ Bei meiner Anwesenheit in Töplitz ward dieser Grotte erwähnt, und sogleich Ver— 117 — abredung getroffen, sie zu besuchen. Dem zu Folge brach ich in Begleitung des Herrn Badepächters und eines Führers, der das im Sommer benöthigte Eis regelmäßig aus dieser Grotte nach Töplitz bringt, den 4. Juni früh um 4 Uhr auf. Wir gingen nach der Straße gegen Einö'd eine kurze Strecke, bis wir bei einigen Bauernhöfen den Weg, der in's Gebirge führt, betraten; dieses Gebirge, welches derHornwald genannt wird, und auf dem die Einöder und Gottscheer Waldungen an einander grenzen, zieht sich vom Gurkstusse tief ins Gottscheer Gebiet. Wir wanderten immer aufwärts auf einem für etwas geübte Bergsteiger nicht beschwerlichen Wege, den man wohl durch Pferde zurücklegen kann, bis zu einer kleinen Ebene, die wegen einer, einst abgehaltenen Iagdtafel, der Fürstentisch genannt wird. Von da ging es wieder aufwärts, wir kamen zu einigen.Köhlerhütten, wo wir unser Packpferd zurückließen, und das Erforderliche selbst trugen. Nach einem etwas beschwerlicheren, sich immer gleichbleibenden Wege über querliegende vermoderte Baumstämme kamen wir nach 3 ^ Stunden auf eine üppige Bergwiese, von wo wir die Ebene gegen Neustadt! übersahen, und einige Büchsenschüsse weit endlich vor die Grotte. Nach kurzer Erholung traten wir den beschwerlichen Weg unmittelbar zur Grotte hinab an; wir stiegen auf Absätzen einer Felsenwand von beiläufig 70 bis 75 Graden abwärts, während sich uns gegenüber der Berg oberhalb des Schlundes der Höhle senkrecht aufthürmte. Nachdem wir hinabgekommen waren, durchwanderten wir ein schiefliegendes Schneelager, welches, da der Schnee weich war,- eine der beschwerlichsten Passagen bildete. Gegen das Ende dieses Lagers befindet sich der Eingang der Höhle, und wir gingen nun, den Führer mit einer Fackel an der Spitze, bis in die Tiefe derselben. Nach ungefährer Schätzung schien uns dieselbe bei 60 Klafter hoch und bei 100 Klafter breit zu seyn; bedeutend größer und leichter zugänglich, als mehrere bis nun bekannte. , Man muß in dieser Grotte selbst gewesen seyn, um sich von ihrer Pracht zu überzeugen. Was man in der Adelsberger Grotte von Kalk gestaltet sieht, sieht man hier, nur nicht so häufig von Eis. Viele klafterlange Eiszapfen, von den wunderherrlichsten Gestaltungen hängen von der Wölbung herab, und das immerwährend abtropfende — 118 — Wasser bildet von unten auf einen Kegel des wasserklarsten Eises. Zuweilen schließen sich die herabhängenden Eismassen an den untern Block, und bilden dadurch die klarsten, alle Vorstellung übertreffenden Eissaulen. Viele derselben fallenwegen ihrer eigenen Schwere zu Boden und zertrümmern, neue Massen bildend; das abtropfende Wasser umzieht die Trümmer, und der aufstrebende Kegel wird immer unregelmäßiger. Von der ganzen Tiefe der Grotte nach aufwärts gesehen, bilden diese Gebilde förmliche Eishügel, und das über die Kalktrümmer abfließende, tropfenweise frierende Wasser gleicht einem erstarrten Wasserfalle. Während meine Gesellschafter eine kleine Seitengrotte besichtigten, beobachtete ich mein Thermometer, welches in der Mitte der Grotte f 3 Grad Reaumur zeigte, während es außer der Grotte bei starkem Südostwinde auf -i- <3 Grad 5 ^ Reaumur stand. Verschiedenartig gruppirte Kalksteingebilde sahen wir in dieser Grotte leine, ausgenommen eine Figur links in einer Ecke, die einer männlichen Statue auf's täuschendste ähnlich sieht. Wir traten den Rückweg an, und langten um 1 Uhr Mittags in Toplitz an. — Nicht weit von der Grotte ist das Gottscheer Dorf Kuntschen, so wie der durch seine imposante Fernsicht reichlich lohnende Petersberg.« Von Toplitz kehrten wir nochmals nach Neustadtl zurück, um noch einen heitern Abend mit geliebten Seelen dort M verleben. Zu dem in manchen Städten und Städtchen so beliebten, sogenannten auswärtigen Iäuseln bietet sich den Neustädtlern in Irtschdorf, Kürbisdorf, Gothendorf und zu Lozhna die Gelegenheit dar; den Namen des Gothendorfes schreibt man den Gothen zu, Lozhna findet wegen den schmackhaften Krebsen häufigen Zuspruch, und es hieße gegen Gastfreundschaft, Vonssout und Lnutnn sich versündigen, wenn man eine Einladung zu einer Krebsade in Lozhna zurückweisen wollte; wer einmal diesen Leckerbissen dort verkostet hat, läßt sich auch zum zweiten und dritten Male willig dazu finden. Lozhna liegt hart am Gurkstusse, ein kleines halbes Stündchen unter Neustadtl. Der Weg dahin ist nicht absonderlich angenehm; man wandelt an der Fahrstraße gegen Nassenfuß im Staube fort, und ist jeden Augenblick in Gefahr, mit kräftigen Mitgliedern eines Hierlands sehr — 119 — ansehnlichen Standes, des Viehstandes, in unsanfte Berührung zu gerachen. Das Wirthshaus zu Lozhna ist eine elende Bauernkneipe, die man nicht selten verschlossen findet, weil die Wirthsleute, eben am Acker mit der Haue oder Schaufel, oder geradezu mit den Händen den Feldbau betreiben. Man bekömmt hier nichts, als Mahr- oder Landwein und Brot, und etwa Hähndel und Krebsen; aber was für Krebsen und wie zubereitet!? wie man sie, nach der unwidersprochenen Behauptung der Neustädtler, in der ganzen Welt nicht wieder findet. Die Krebsen aus Krain sind bekannt, so wie auch die Thätsache, daß ihrer fünf die Länge eines Grenadiers geben, es müssen aber allerdings auch Grenadiere von Krebsen seyn. Der Ruhm dieser guten Schalenthiere, welche in ihren rothen Uniformen an mancher großen Tafel varadiren, wurde vor Jahren gegen den berühmten Literaten, Oligrle»! Noäier aus Paris, der sich durch längere Zeit als Redacteur des »Telegraphen« in Laibach aufhielt, und diese Thierchen und sonst noch Manches in einer Schilderung der Hauptstadt von Illyrien zu loben fand, von Laibach aus eifrig bestritten. Aber es ist nun einmal so: nur kein Lob und keine Auszeichnung der Einheimischen, und wenn es auch nur Krebse sind. — Bei einem Gläschen Hopfenbacher Ausbruch, den ein Freund mit Hieher gebracht hatte, ließen wir unser schönes Vaterland und seine biedern Bewohner leben, und der nächste Morgen traf uns auf dem Wege über Werschlin und den Schlangenwald, krainisch ^»»Iv» venin,) kÄ2ui» rst genannt, gegen Honigstein und Treffen. Von der Anhöhe des Capitel-Berges bei Neustadt! bis nahe an Treffen hatten wir fortwährend das Schloß Hopfenbach im Auge, so weit und noch weiter hinaus über Berge und Thäler erstreckt sich die Aussicht dieses, einem der artigsten und gebildetsten Cavaliere von Krain, dem Grafen M i chael Coronin i, gehörigen Schlosses. Dort auf jenen steilen Höhen, W« die Rebe üppig steht. Und der Pfirsich Wipfel wehen, Prangt die Neste stolz erhöht; Hopftnranken sie umgrünen, Und ein Bach im Thalgrund fließt, D'rum die Burg mit grauen Zinnen, Hopftnbach benamset ist. — 120 — Vor Treffen liegt das freundliche Schlößchen Weinbüchel. Treffen, Dorf und Schloß, letzteres die Stammburg der Grafen v. Treffen, die in Kärnten die gleichnamige Veste besaßen, aber schon 1182 mit Ulrich Grafen v. Treffen, Patriarchen von Aquileja, apostolischen Legaten in Krain, Istrien und Friaul, ,endlich kaiserlichen General-Vicär in Italien, ausstarben. Ich fand an dieser geschichtlichen Erinnerung, ja selbst in dem Umstände, daß man hier wiederholt römische Denkmale entdeckte, zu wenig Anlaß, um durch historische Nachforschungen der kurzbemessenen Zeit Abbruch zu thun. Wir streiften durch diese Landstrecke gewissermoffen im Fluge vorüber, in so fern die vielen Hügel und Berge hier einen Flug auf der Landstraße zulassen. „Vgsxoin teremww! Ist das ein buckeliges Land, das Unterkrain!" donnerte ein Husaren-Lieutenant im Witthshause zu Weirelburg, der mit eigenen Pferden aus den Ebenen Ungarn's, nach den Ebenen Italien's zu seinem Negimente fuhr. Und er hatte Recht, denn mit Ausnahme des Thales bei Treffen, dann jenes bei Rodockendorf, wo die beiden Gütchen Grundelhof und Sello in recht freundlicher Lage, rechts von der Commerzial-Straße liegen, und bei S t . Veit und Sittich, in dessen Hintergrunde das majestätische Klostergebäude Sittich mit seiner herrlichen Kirche prangt, hat es der Berge und Hügel bis zu der Ebene von Laibach, die sich bei'm geweihten Brunnen öffnet, wahrlich kein Ende, weil die Straße von einer Zeit herstammt, wo man den kürzesten Weg suchte, und andererseits auch einen Berg nicht scheute, um z. B. einem schönen Baume auszuweichen, oder ein anderes Interesse zu verfolgen. Heut zu Tage sucht man eben auch den kürzesten Weg, aber nicht über, sondern durch die Berge, weil man zur Erkenntniß gelangt ist, daß für Reisende, für Handel und Wandel, für den Menschen überhaupt das kostbarste Gut die Zeit ist. (üii^a tompo^ä Vit») sagt ein italienisches Sprichwort. Zur Cistercienser-Abtei Sittich wurde 1136 vom Patriarchen Peregrin von Aquileja der erste Grund gelegt; am 25. October i?84 bei Aufhebung der Klöster aber wurde sie mit den dahin gehörigen Gütern: Weinhof, Reitenburg, der Karster-Gült und dem Sitticher Hofe zu Laibach, dem Religionsfonde in Krain, dessen beträchtlichste Herrschaft sie zur Stunde noch Hierlands bildet, einverleibt. — 121 — Wir fuhren am Gütchen Smrek vorüber und kamen vor Weixelburg, wo wir mühsam einen kleinen Berg hinan fahren mußten, um in die Stadt zu gelangen; warum also Weixelburg und nicht Weixelberg, und warum die Burg, die als malerische Ruine über dem Städtchen da steht, Weixelberg und nicht Weixelburg? Diese Verwechselung schlich sich sicherlich unwillkürlich ein, es wird aber die Stadt schon in dem Patente ään. „ Grätz am Pfingsttag nach S t . Ulrichstag. Nach Christi Geburt Vierzehnhundert und im acht U)id Siebenzigste'n," mit welcher ihre Erbauung ausgesprochen wurde, Weixelburg genannt. Ihr Entstehen verdankt die Stadt Weixelburg Kaiser Friedrich dem Friedfertigen, demselben frommen Landesfürsten, der die alten Privilegien des Landes mit der goldenen Bulle bekräftigte (siehe Landeshandfeste), die Stadt Laibach befestigen ließ, und dem Lande, welches vorhin von den Patriarchen von Aquileja geistliche Befehle erhielt und höchst stiefmütterlich behandelt wurde, einen eigenen Bischof gab. Weixelburg war vordem ein Markt, der unten am Fuße des Berges lag, wo noch gegenwärtig einige Häuser stehen, die der alte Markt genannt werden. Die Bewohner des Marktes sahen sich und ihre Habe dort vor den häufigen feindlichen Einfällen der Türken nicht gesichert, und beschlossen deßhalb, den Markt zu übertragen, ihn zu befestigen und den Kaiser um Genehmigung und Unterstützung ihres Vorhabens zu bitten. Kaiser Friedrich, der schon t44S, am Tage des heil. Servatii, den Landeshauptmann, den Vicedom, die Prälaten, Priester, Ritter, Knechte, Städte und Märkte in Krain aufforderte, sich in wehrhaften Stand zu setzen, und der 44?l die Tabor anzulegen befahl, billigte nicht nur die Bitte der Weixelburger, sondern erhob unter Einem den Markt zur Stadt, und bewilligte dieser bis zum Widerruf eine Mauth von einem Pfenning von jedem Saumrosse, das auf den Wochenmarkt dahin kommt oder auch nur durch oder vorüber zieht, welches Mauthgeld zur Erhebung der Stadt angelegt und verbaut werden solle. Gleichzeitig verlegte der Kaiser drei Jahrmärkte, die vorhin zu S t . Veit bei Sittich abgehalten wurden, nach Weixelburg, und befahl dem jeweiligen kaiserlichen Pfleger daselbst, welcher zu jener Zeit Hans Lengheimer war, alle diejenigen, welche sich in der neuen Stadt häuslich niederlassen wollen, — 122 — zu schützen, und alle Lebensmittel, die der Stadt zugetragen werden, weder auf der Straße, noch sonst wo nehmen zu lassen. Daß in der Gegend von Weirelburg die Stadt NaZn»nill der Römer gestanden habe, wie Schönleben und Valva so r erzählen, ist unerweislich. Das Städtchen Weirelburg ist armselig und verdient kaum den Namen Stadt; sie hat nur ein kleines Beneficiat-Kirchlein, während die Pfarrkirche unten in Altenmarkt steht. Bedeutender aber ist die zum Fürst Auersperg'schen Fideicommisse gehörige Herrschaft Weirelberg, deren neues, im I . i?8? erbautes Schloßgebäude mit dem, seit 1643 der freiherrlichen Familie Taufferer gehörigen freundlichen Gute Weirelbach die Gegend sehr verschönert. Seit Erbauung des neuen Schlosses, wozu man das Baumaterial« der alten Burg benützte, steht die Ruine jener Burg, die einst ihren Inhabern und dem Lande zum Schutze diente, verlassen da, und predigt: Undank ist der Welt Lohn! Auf der Burg zu Weirelburg oder Weixelberg saß seit dem zwölften Jahrhunderte ein tapferes gleichnamiges Ritter- und Grafengeschlecht, welches den feindlichen Einfällen der Osmanen manchen tapfern Degen entgegenstellte, aber schon 1581 ausstarb; im denkwürdigen Befreiungskriege von 1813 erkämpften sich bei Weixelberg der österreichische Oberst Theodor v. Milutinovich und der Hauptmann C a r l Rodiczky v.Sipp denTheresien-Orden, und es erstanden durch allerhöchste Huld mit ihnen Beiden 1816 Und 1818 zwei freiherrliche Geschlechter von Weichselb/Urg und Weixelburg. Außer Weixelburg geht ein steiler Berg hinan, dann aber wird die Fahrt thalabwärts gegen Laibach immer freundlicher, die Güter Weißenstein, Seitenhof, Gaierau und Prapretschhof, auf welches Graf Siegfried v. Lichtenberg am,8. Februar i?89 den Namen der im Schutte liegenden Burg Lichtenberg übertrug, geben der Gegend einen lieblichen Wechsel, und heiter erblickt das Auge schon eine Stunde vor Laibach die Billichgratzer Berge, dann den Rosenbacher Berg und einen Theil der Stadt Laibach. Lustreise nach Anersperg, dann nach Reifnitz und Gotisches. Stolze Burgen, Burgruinen Künden Größe und — Verfall; Wo des Fleißes Lorbeern grünen. Währt der Segen allzumal. Also fand ich es dort drüben. Wo ein emsig Völkchen wohnt, Das, vom Handelsgeist getrieben, Handelssegen treulich lohnt. <^Kn den schonen Tagen, in denen der Mensch ganz Herz ist, und noch ein zweites, bisweilen sogar ein drittes und viertes Herz außer sich sucht und findet, rief ein derlei Interesse meinen Freund K. nach Auersperg, und er nahm mich auf dieser seiner Liebesfahrt gleichsam als sogenannten Elephanten mit, wozu ich mich willig hergab, weil ich die alte Veste Auersperg zu sehen wünschte. Wir benützten zu diesem Ausfluge die Osterfeiertage, die in diesem Jahre ungewöhnlich spät fielen und daher auch von einem bessern Wetter begleitet waren, als es sonst eben der Fall ist. Das festliche Geläute rief am Charsamstage Nachmittags in Laibach's Mauern die Gläubigen zum großen Auferstehungsfeste; die Geschäfte wurden bei Seite gelegt, Aemter und Boutiquen geschlossen, und Freund K. und ich stiegen in den Wagen; er voll Liebe und Sehnsucht, ich voll Sehnsucht und Begierde, die Stämmburg eines Geschlechtes kennen zu lernen, dessen Name, wie Prof. Richter im » I l l y r . Blatte" Nr. 5t von t82S sagt, in der goldenen Zeit der Auersperge nicht bloß in Krain, sondern in allen österreichischen Landen gefeiert wurde. Und so fuhren wir denn auf dem langen, einförmigen Wege über den Laibacher Moorgrund stumm und wachträumend dahin; er träumte von den — 124 — süßen Freuden der nächsten Zukunft, ich spann mir aus der vaterländischen Geschichte einen Faden, der bei der ersten Ortschaft außer Laibach: I g g , Na^nus Vieus der Römer, begann, aber noch kein Ende hatte, als wir zwischen steilen Bergen am 8KeIimel2a-Bache die Thalschlucht dahin und den Auersperger Berg hinauf fuhren. Der im I . 1842 als Bezirksstraße neu angelegte Weg gibt der sonst wilden Gegend ein freundliches Aussehen,, von dem wir aber wenig sahen, denn es war dunkle Nacht, als wir nach Auersperg kamen. Wegen der Dunkelheit konnte man uns von der Ferne nicht gesehen haben, und dennoch wurden wir am Schloßthore von der Göttin meines Freundes erwartet; wie sie wohl unsere Ankunft gewahrt haben mag? — Nicht mit den Augen, mit der Seele sieht Die Liebe — Sommer. Das schelmische Mädchen hatte einen alten pensionirten Lieutenant als «ÄUve-ßÄräe zur Seith dem es in dem zu beginnenden kleinen Drama dieselbe Rolle zuwies, die ich aus oben angegebenem Grunde meinem Freunde gegenüber übernommen hatte. Der Herr Lieutenant nahm sofort gleich an der Schloßpforte meine Wenigkeit in Empfang, indem er sich mir als Schloßcommandanten präsentirte; mein Freund und sein reizendes Blondinchen flogen indeß hinter unserem Rücken wie Stshl und Magnet an einander. Der alte Held ließ ein Kartätschenfeuer von Artigkeiten und Fragen auf mich los, ohne mir nur Zeit zu lassen, etwas darauf zu erwiedern, und so kamen wir die Treppen hinauf in's Schloß, wo wir die gastfreundlichste Aufnahme fanden und einen heitern Abend verlebten, wiewohl mich mein Herr Schlosicommandant mit seiner Redseligkeit übersattigte; mein Freund sah -und hörte nichts, als seinen blondlockigen Engel. Es war spät in der Nacht, als wir zur Ruhe gingen. Des andern Morgens mit dem Frühesten stand ich auf, um Schloß und Gegend zu besehen, aber sieh da! mein Unstern führte mich, als ich vor die Thüre trat, dem beredten Herrn Schloßcommandanten in die Hände, der darüber eine Freude hatte, die ich nicht zu würdigen verstand. Er ließ mich nun nicht mehr aus, und meine Bemerkung, daß ich das Schloß und die Gegend kennen zu lernen wünsche, machte ihn nur noch eifriger, mir zu dienen. Er sagte mir zuvörderst, daß Auersperg in der Landes— 126 — spräche 1'eriaK*) heiße, und'daß deßhalb ein Landmädchen in der Stadt aus der Apotheke eine Dosis Auersperg statt Theriak verlangt habe, um zu zeigen, daß es deutsch reden könne. Ich ließ diese, mir nicht mehr neue Anekdote neu und gut seyn, und stärkte an der herrlichen Fernsicht Herz und Gemüth und Geduld. Dann besah ich das Schloß von Außen. Vor Allem nahm der Denkstein an der äußern Wand eines der drei Thürme dieser-Burg meine Aufmerksamkeit in Anspruch, denn er gibt vom Alter und den Schicksalen dieser Veste Zeugniß, da er sagt, daß sie 106? von Conrad v. Auersperg erbaut, 4511 durch Erdbeben zerstört, und 13?« von T r a j anv. Auersperg wieder vom Grund aus aufgeführt wurde; oben über der Schrift trägt der Denkstein den Auersperg'schen Auerochsen, jedoch ohne des sonst im Wappen dieses Edelgrschlechtes vorkommenden Schlächterbänkchens, welches oft schon di» Behauptung der Abkunft der Auersperge vom blutigen Fleischergewerbe hervorriefe Die Veste trägt Spuren der Baukunst aus verschiedenen Jahrhunderten; der östliche, einer Bastei ähnliche Theil verräth das höchste Alter; zwei starke Rundthürme, durch eine feste Mauer verbunden, beschützen den westlichen Theil der Burg, und mögen einst als Warte und Vurgverließ gedient haben. Der südliche Theil de5 Schloßgebäudes ist am regelmäßigsten gebaut, und scheint daher einer neueren Zeit anzugehören. Außerdem hat dasAeußere des Schlosses nichts Bemerkens- oder Sehenswerthes, aber auch das Innere entsprach meinen Erwartungen nicht. Der Schloßhof ist so uneben, bergig und holperig, daß hier das romantische Bild vom Tummeln der Rosse im' Hofraume vor den Augen der Burgfräuleins und Frauen durchaus nicht denkbar ist; selbst das Innerste des Schlosses ist, mit Ausnahme der Gemächer, in welchen sich die Familien-Porträts befinden, ganz unansehnlich. Von der alten Veste Auersperg sind nichts als kaum bemerkbare Trümmer noch vorhanden; sie lag tiefer, als das heutige Schloß, und zwar da, wo einst ^rupium gestanden haben soll. Ich fragte meinen Mentor Schloßcommandanten, wo der Markt Auersperg sey, und ' ) 35 olvasorund seine Nachbeter schreiben lel^ak und Ir^llc-Kli, während es richtiger luriak, von Tur, der Auerochs, heißt und geschrieben wird. — 136 — er wies mir einige, rings um das Schloß zerstreut liegende Häuser als den sogenannten Markt. Gut, sagte ich: wo aber ist die Pfarrkirche und des Pfarrers Wohnung? Alles im Schlosse recht gut untergebracht, war die Antwort. Auch gut! Der Pfarrer bewohnt den einen der vorgenannten Thürme, der andere Thurm dient aber zur sogenannten Rüstkammer, welche, außer, einigen gebrochenen Rüstungen, nichts Sehenswerthes enthält. Im nordlichen Theile des Schlosses befinden sich die herrschaftliche« Wohnzimmer, welche mit Familien- Porträts vom Urahn bis in die neueste Zeit ausgeschmückt sind. Mancher stattliche Ritter und manche reizende Burgfrau und Maid ist hier zu sehen, mich aber, den damals noch die romantische Ritterzeit erfüllte, fesselte zunächst das Vildniß des tapfern Herbart v. Auerspetg. Ich bat, mir auch das dort verwahrte Haupt des krainischen Helden zu zeigen; man zeigte mir dasselbe sowohl, als das seines Waffen- und Schicksalsgenossen, Friedrich v. Weixelburg; allein ich sah nichts, als zwei mit Sägespänen angefüllte und mit wenig Haaren versehene Bälge zweier unkenntlicher Menschenkopfe. Auch zeigt man zu Auersperg die Erblandkämmerer. Schlüssel und das Erblandmarschalls-Schwert, als Insignien zweier Erbämter, womit die Fürsten und Gra^n v. Auersperg aus allerhöchsten Huld bekleidet sind. Die im Schlosse befindliche Pfarrkirche ist sehr klein, doch groß genug für eine Pfarrgemeinde von 2Z0 Seelen. Die ehemalige, mit Fresco- Gemälden versehene lutherische Capelle, in welcher der lutherische Prediger, ^ur Lndül») geprediget haben soll, wird als Keller benützt. , Und das ist Alles, was ich zu sehen bekam, und womit ich mich am Morgen des Ostersonntages beschäftigte, während mein Freund in der Anschauung des blonden Köpfchens seiner Huldin schwelgte. Mir war der Freund ganz entrissen, und ich fand kaum einen Augenblick, um ihm leise zuzuflüstern: „Freund! an dem Kopfe ist eigentlich nichts daran." Aber, o Himmel! wie fuhr der Mensch über diese Worte auf, und es wäre um unsere Freundschaft geschehen gewesen, wenn es sich nicht aufgeklärt hätte, daß ich den Kopf Herbart's v< Auersperg gemeint habe, während er nur den seines Blondchens im Sinne hatte. Vei'm fröhlichen Mittagsmahle freute es mich, nicht nur den in Kram üblichen Ostersegen, nämlich Schinken und anderes geweihtes — 127 — Fleisch, dann die so beliebte Honigpotize, sondern auch das Gericht: NallßlujÄ) zu finden. U»I1eIu^ll ist nichts mehr und nichts weniger, als eine Zuspeise aus getrockneten Rübenschalen, die das Jahr hindurch gesammelt, zu Ostern mit Schweinsbrühe zur Zuspeise bereitet und zur Erinnerung an die Hungersnoth von 1529, in der man Hierlands ein Leib Brot mit einer Wiese und das Getreide maßweise erkaufte, am Osterfeste aber Rübenschalen, als einzige sparsame Nahrung, genoß, aufgetischt werden. Nach Tisch fuhren wir in zweien Wägen nach Großlaschitz. Der Zufall, der bei Verliebten immer eine so große Rolle spielt, führte meinen Freund in den Wagen, in welchem sein Engel saß, in meinen Wagen aber de» alten Kriegssohn, der eben nicht mein Geliebter, war. Der Achaziberg, welcher in einer Hohe von 420 Wiener Klafter über der Meeresfläche die Gegend beherrscht, gab meinem Helden zureichende Gelegenheit, mir mit seiner bewährten Redseligkeit den Ursprung des, alljährlich am ersten Sonntage nach dem 22. Juni dort Statt findenden Kirchenfestes auseinander zu setzen, und zwar, daß Andreas v. Auersperg, General-Oberst zu Carlstadt, am 22. Juni 1593, am Feste des heil. Achatius, bei Sisseck mit 4000 Mann Christen 20.000 Türken in offenem Felde angegriffen, und davon 18.000 Mann nebst dem Hassan-Pascha von Bosnien auf's Haupt geschlagen und erlegt, und nur 50 Mann der Seinigen verloren habe. So abentheuerlich das klingt, so muß der Sieg, den Andreas v. Auersperg bei Sisseck errang, nichtsdestoweniger sehr entscheidend und der Held überhaupt ein ganzer Mann gewesen seyn, da ihn selbst der heil. Vater in einem eigenhändigen Schreiben an denselben mit folgenden Worten pries: Oni et in puZnanäi äeliberatinne, et m ip80 eertawine, eon8,'Iin etwimu praeoipu» plnestitisti. Andreas v. Auersperg erbeutete unter Andern, auch das, reiche Gewand des Hassan-Pascha, und ließ daraus ein Meßkleid verfertigen, mit welchem noch alljährlich am 22. Juni zu Laibach in der Kathedralkirche die, von demselben Andreas v. Auersperg gestiftete Gedächtnißmesse gelesen wird. Mein Cicerone versicherte mich,, daß die im gothischen Style erbaute Kirche und eine herrliche Aussicht die Mühe der Besteigung des ziemlich hohen Achaziberges lohnen, auch fügte er bei, daß am Achazitage dort eine Unzahl Krämer und Croaten von nah und ferne — 136 — sich einfinden, die unter Zelten oder im Freien liegen und ihr Mittagmahl abkochen. Wir hatten von Großloschitsch nicht weit nach Ortenegg, allein es war mir dießmal nicht vergönnt, dahin zu kommen, sondern wir kehrten von dort wieder nach Auersperg zurück, wo mein Freund in den Armen der Liebe noch einige sellgen Stunden genoß, bis wir Tags darauf so spät als möglich nach Laibach zu Amt und Pflicht zurückkehrten. Ortenegg, Neifnitz und Gottschee hatte ich ein andersmal, von Neustadtl aus, und in Gesellschaft des k. k. Oberfeldarztes H., besucht. Wir fuhren damals über Hof, Seisenberg, Laschitsch, Langenton, Altlack, Klezh und Malgern zuerst nach Gottschee. Die Bergstraße von Seisenberg nach Laschitsch bietet im Rückblicke eine erfreuliche Aussicht auf den Gurkfluß, auf das gruppirte Gurkthal mit seinen freundlich gelegenen Ortschaften, unter denen der Markt Seisenberg und das Eisenwerk und Dorf Hof vor Allem sich auszeichnen, dann auf die, an der gegenüber gelegenen Berglehne, befindlichen, und bis über Einöd gegen Neustadtl hinaus sich erstreckenden Weingärten. Zwischen Laschitsch und Langenton zieht sich über den St. Petersberg der düstere Hornwald, der sich seitwärts bis zur Gurt erstreckt; die Gegend wird immer unfreundlicher und wasserarmer, daher auch unwirthbarer, der Boden ist nur in der unmittelbaren Nähe der Ortschaften bebaut, weiterhin aber mit magern Bergwiesen, Weiden, mit Gestrüpp und mit Waldungen bedeckt, mit einem Worte: es ist durchaus nicht eine Landschaft, die man der Annehmlichkeit und Erheiterung wegen bereisen soll, um in das Land Gottschee zu gelangen. Freundlicher, und ich möchte sagen, im österreichischen Charakter ist das Thal von Gottschee. Man glaubt um so mehr, hier auf deutschem Boden zu seyn, wenn man das Jargon der hier üblichen Sprache hört, die zwar dem Deutschen nicht leicht verständlich ist, aber dennoch deutsch klingt. Es ist gewiß, daß die Gottscheer von deutscher Abkunft sind, sie selbst halten sich für Franken, und es soll Thomas Chroen, nachmaliger Fürstbischof von Laibach, in dem Archive zu Bischoflack eine Urkunde vorgefunden und eigenhändig copirt haben, wornach Kaiser Carl IV. dem Grafen v. Ortenburg, der Gottschee t34? vom — 129 — Patriarchen von Aquileja zu Lehen erhielt, 300 Mann, mit Weib und Kindern, theils Franken, theils Thüringer, die eines Aufstandes wegen des Landes verwiesen wurden, als dienstbare Knechte erlassen habe,' welche die waldigen Gegenden von Gottschee urbar machten. Slavisten leiten die Abstammung des Wortes Gottschee vom slavischen 6nx,Kß) ein dichtes GeHolz, her, während Historiker, denen die Geschichte nie alt genug ist, die Entstehung von Gottschee denOstgothen zuschreiben, und 6ntlii-8»vi^Gethen an derSave,G°th-Savier, Gottscheer, Nntlillisviu^i, endlich Gotschen, U o t l l i e v j ^ etymologisiren. Man hat keine Spur, daß hier vor Alters eine Stadt oder ein Wohnsitz der Alten, bestanden habe, wohl aber sind einige Stunden von da, wo die Grenzen von Gottschee, Zobelsberg und Reifnitz sich berühren, Neste einer weit reichenden Ringmauer, die man die heidnische Mauer nennt, bemerkbar; vielleicht sind es die Ueberreste von Lm'imni, welches man in die Gegend von Gottschee versetzt. Schloß und Stadt Gottschee deuten auf das Mittelalter hin, welchem sie, als ein fester Platz gegen die Einfälle der Osmanen unbezweifelt ihr Entstehen zu verdanken haben. Das Schloß sowohl, als die Dekanatskirche sind ansehnliche Gebäude, und mehrere, in neuerer Zeit erbaute Häuser zeugen von dem Wohlstande der Gottscheer, die als Hausirer, namentlich mit Südfrüchten, man kann sagen, die Welt durchwandern, denn es ist beinahe kein Land und kein Welttheil, wo man den bewerbsamen Gottscheer nicht schon gefunden hätte. Daheim bestellt mittlerweile das Weib in Einfalt und Demuth Haus und Feld, bis der Gatte mit dem Segen seines mühevollen und gleichwohl lieb gewordenen Berufes zurückkehrt, um nach kurzem Aufenthalte wieder in die weite Welt hinaus zu wandern, und so fortan von Jahr zu Jahr. Es dürfte überhaupt schwerlich eine zweite Provinz der österreichischen Monarchie verhältnißmäßig so viele Hausirer zählen, als Kram, da deren alljährlich über 2500 (aus dem Neustadtler Kreise allein über 2100) von Haus zu Hau5, ja selbst in die entferntesten Welttheile, wandern, weßhalb eben der Krämer überall zu finden ist. Geht hin in alle Welt, und ruft wo immer Ein krainisch Wort, e6 wird ein Echo finden. Und rieft Ihr's fern auch am Huronensee! — I . G. Seid«. Neiseesinn. nu» Krnin. 9 — 130 — Die Stadt Gottschee will ihre Privilegien von Carl I V . datiren, ich meine jedoch, daß es vielmehr C a r l , Erzherzog zu Oesterreich, Herzogs« Steier, Kärnten, Kram «., heißen soll, denn von diesem Landesfürsten finde ich ein Patent ään. Wien 6. September 15 «4, mit welchem der Stadt Gottschee eine »Pruckhmauth, von jedem Saum ein schwarzer P f e n i g " bewilliget wurde, „ angesehen, daßelb S t ä d t l e i n ein Art Flecken, daderTürkmehrmalls f ü r s t r a i f f t , und derohalben wohl ein Nothdurfft, das es befestiget, und sovill möglich erbaut wurde." Einst gehörte das Gebiet von Gottschee dem Patriarchen von Aquileja, Patriarch Berthold aber verlieh es, wie schon gesagt, 124? dem Grafen Friedrich v. Ortenburg zu Ortenegg als Lehen; nach Aussterben derOrtenburger gelangte dasselbe 1420 an die Grafen v. Ci l l i. Bei Ernennung des nachmaligen Besitzers, Hans Jacob Freiherrn v. Khysel, zum Grafen von Gottschee 1623, wurde Gottschee mit den damals einverleibt gewesenen Gütern Reifnitz und Pölland zur Grafschaft erhoben. Von Bartholomäus Grafen v. Khysel kam Gottschee durch Kauf an W o l f Engelbert». Auersperg, dessen Bruder Johann Weikhardt v. Auersperg am <?. September l«53 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde, und Gottschee mit allen übrigen Besitzungen in Krain zu einem Fideicommisse machte. I n Folge Diploms vom l t . November 1791 führt der Fürst v. Auersperg den Titel eines Herzogs von Gottschee. Das Gebiet dieses Herzogthums umfaßt 1 4 ^ / ,^ Quadrat-Meilen und hat keine andere Stadt, als Gottschee, welche Leopol d l . dem Grafen W o l f E n gelb recht ».Auersperg schenkte, seit welcher Zeit sie eine Municipalstadt ist; auch gibt es in diesem Herzogthume keinen andern adeligen Landsitz und lein anderes Gut; alle Insassen sind ihrem Herzoge unmittelbar urbarhuldig und unterthänig. Die Veste Friedrichstein, welche Friedrich Graf v. C i l l i in Folge eines Zerwürfnisses mit seinem Vater, Hermann Grafen v. C i l l i , zu seiner Residenz erbauen ließ, mahnt schon lange als trauernde Ruine an Vergänglichkeit und Verfall. Ernst und finster blicken die Ruinen Dieser Felsenburg in's Thal herab, Nie vom Licht der Freude mehr beschienen, Steh'n sie ein hoch aufgerichtet Grab; — 131 — Trauer wohnt und Oede in den Räumen, Wo einst Leben, Kraft und Lust geblüht, Und der Mond spielt mit den goldnen Träumen, Die so heiß in mancher Brust geglüht. Heuser. Drei Viertel Stunde von der Stadt Gottschee entfernt, bei dem Dorfe Seile, an einem, spärlich mit Grün bewachsenen Hügel öffnet sich ein, etwa vier Klafter breiter Eingang in eine Grotte, die wegen ihrer eigenthümlichen Beschaffenheit sehenswerth ist, und bei feindlichen Einfällen der Türken und Franzosen den Gottscheern als Versteck diente. Sie besteht aus mehreren Abtheilungen, die leider ihres Schmuckes, nämlich der Tropfsteingebilde, beraubt sind. I n der dritten Grottenabtheilung, welche durch eine Oeffnung nach oben vom Tageslichte magisch erleuchtet wird, findet der Botaniker mehrere Seltenheiten, die von der unsauber« I'Iora 8udter»ne» der Eingangsgrotte ganz verschieden sind. Auch der Entomolog dürfte sich zu der Grotte bei Selle durch den darin vorkommenden augenlosen Grottenkäfer ^noplltlialmu» 8oKmi6tii) hingezogen fühlen. Wir waren nur einen Nachmittag und über Nacht in Gottschee, hatten aber vollen Grund, mit der Bewirthung im Gasthause zufrieden zu seyn; Tags darauf fuhren wir nach Reifnitz. Der Weg von Gottschee nach Reifnitz über den Schweinberg ist eben nicht unangenehm; das Thal von Reifnitz, welches die Gebirgskette der mal» Kor» im Osten, und die velka zora im Westen einschließt, ist freundlich, und hat mitunter recht bedeutende Ortschaften. Der Hauptort, wohin eben unser Weg gerichtet war, ist Reifnitz, am Bache Feistritz. Bäche und Flüsse in den Reifnitzer und Gottscheer Ebenen haben da5Eigenthümliche, daß sie nach kurzem Laufe in unterirdische Grotten oder Trichter verschwinden; so auch die Reifnitz, die dem Thale und Orte den Namen, gab, und die bei anhaltendem Regen so anschwillt, daß sie im Verein mit andern zustromenden Wässern die Gegend gegen Gottschee hin wie einen See unter Wasser setzt. I n den Wäldern sticht die immer grüne Stechpalme mit ihren schöngeformten Blättern lieblich hervor. Der Markt Reifnitz ist unstreitig einer der schönsten und bedeutendsten in Krain, hat schöne Häuser,' und ein ansehnliches Herrschaftsschloß. Es gab einst ein Edelgeschlecht, 8^ — 132 — das sich v. Reifnitz nannte/als Inhaber dieser Herrschaft nennt aber die Chronik die Herren v. Laas, Auersperg, Ortenburg, Seunig und die Grafen v. C i l l i , dann die Freiherren oder Grafen v. Khysel, Grafen T r i l l e k und Cobenzl, von denen sie käuflich an die Familie Rudesch kam. I n Reifnitz herrscht, wie in Gottschee, ein strenger und langer Winter, weßhalb der Boden nur eine Frucht trägt, und die Reifnitzer wie die Gottscheer im Handel und Wandel ihren Erwerb suchen', und finden, wornach sich auch bei ihnen die Früchte des Gewerbfleißes kund geben. Das Dorf Niederdorf, welches über 12« Häuser zählt,, ist ein sehr nettes Dorf fleißiger Insassen. Als eigene Producte ihres Fleißes bringen die Bewohner des Reifnitzer Thales in den Handel: Siebe, Reuter, Schäffer, Geschirre aus schönem schwarzen Thon und Bilchfelle; Vom Bilchfange gab uns der Pseudonym Michael Heinko in der „ C a r n i o l i a " von 1842 Nr. 94 und 95 die nachfolgende interessante und ausführliche Beschreibung: Bezüglich dieses Thierchens ist Professor Oken's Angabe in seiner „allgemeinen Naturgeschichte für alle Stände» siebenten Bandes, zweite Abtheilung, S. 76«, daß es »mehr im südlichen Deutschland auf mäßigen Gebirgen, jedoch nirgends häufig," zu finden sey, nicht ganz richtig, denn in Jahren, wenn es viel Bucheicheln (krainisch „ s b i r " ) gibt, fangen die Reifnitzer und Gottscheer Bilchfänger eine Unzahl,, und kommen, oft mit einem vom Kopf bis zu den Füßen reichenden Mantel heim, der ganz aus gefangenen Bilchen, welche an durch die Nase gezogenen. Weideruthen hängen, und so nach Hause gebracht werden, besteht. Die Lebensweise dieses Thierchens ist, in dem vom Prof. Oken angeführten vistieliou Nartilll's treffend geschildert. l o lH milii äormitur Iliem«, et plNßuor Mo tempore «um, y uo me n i l , nisi «umnu«, »lit. Dieses Thierchen, welches nach V a r o von den Römern gegessen, in eigenen Rattenställen ( M i - a n a ) mit Eicheln, Wallnüssen und Kastanien gemästet wurde, und auch heut zu Tage noch in Italien, Steiermark, Kärnten und Krain eine Speise abgibt, wird derzeit auf folgende Arten gefangen: Der geübte Fänger erkennt bald. — 133 — die zum wahrscheinlichen Aufenthalt der Bilche geeignete Buche. Ein solcher Baum ist,nämlich inwendig hohl, welche Höhlung oben und unten am Stamme einen Ausgang hat. Um sich zu überzeugen^ ob wirklich Bilche darin sich aufhalten, klopft der Fänger mit feinet Hacke auf den Stamm, oder fährt mit einer langen Ruthe bei'm ober« Loch in die, Höhlung. Sind Bilche in dem Baume, so verräth bald ein Murmeln und Brummen der in der Ruhe gestörten Thiere deren Aufenthalt. Der Fänger steckt nun einen in Laub und Stroh eingewickelten glimmenden Schwamm in das untere Loch; der Rauch verursacht, daß die im hohlen Stamme befindlichen Bilche betäubt herabfallen, und so eine leichte BeMe des Verfolgers werden. Die gewöhnlichste und ausgiebigste Art aber ist die mit dem Fangkästchen, krainisch „pnllwva «KrinAk." Da die Bilche nur bei Nacht, damals aber desto zahlreicher^ ihre Höhlungen zu verlassen und der Nahrung nachzugehen "pflegen, so versieht sich der Fänger mit einer Anzahl dieser länglichen hölzernen Kästchen, welche mittelst eines Bogens zum Zuschnappen vorgerichtet sind und wie kleine Armbrüste aussehen, und setzt dieselben des Abends im Hochwalde auf. Der beste Köder ist ein in Baumöl wohleingetunkter Holzapfel. Das Kästchen wird an einem Zweige so aufgehängt, daß es hart an den Stamm mit der Oeffnung nach abwärts zu hängen kommt. Sobald das Thier, angelockt durch den Geruch des öligen Holzapfels,- den Kopf in die Oeffnung steckt, und den Köder benagen will, schnappt die Falle am Halse zu. Der Fänger, welcher an einem Feuer gelagert sorgsam horcht, wo das Zuschnappen einer Falle zu hören ist, springt behende hinzu, nimmt das gefangene Thier heraus und zieht das Kästchen wieder auf, auf welche Weise ein einziger Fänger in einer Nacht mehrere Hunderte zur Beute macht. Die besten Fänger sind in Laaserbach. Das Fleisch wird, meistens mit Erdäpfeln zusammen geröstet? verzehrt. Die Bälge werden in dem Markt Reifnitz verkauft, wo sie von Kürschnern bearbeitet, in viereckige Stücke, Bilchtafeln genannt, zusammen genähet, und zur Pelzfütterung, oder auch in daraus verfertigten Mützen nach Oberkrain und Croatien verkauft werden. — 134 — Das Herumlaufen der Bilche bei Nacht hat zur Folge, daß sich eine große Anzahl Eulen und Uhu aller Gattungen in den Wäldern einfinden, welche auf diese Thierchen mit dem besten Erfolge Jagd machen. Das Schnalzen mit den Schnäbeln, welches den Eulen eigen ist, dann das Zischen und Pfeifen der von ihnen ergriffenen Bilche, dürfte zu der Sage Anlaß gegeben haben, deren V a l - vasor in seiner »Ehre des Herzogthums Kram," Buch I I I , vollen Ernstes als Thatsache nicht nur erwähnt, sondern selbe auch bildlich darstellt. Am gedachten Orte des Werkes zeigt nämlich ein Kupferstich eine Herde Bilche, welche von einem mit Schwanz, Drachenstügeln und Hörnern auf das Vorschriftmäßigste adjustirten, mit einer Hetzpeitsche versehenen Teufel auf die Weide getrieben werden. I m Gasthause zu Reifnitz, in welchem wir abstiegen, wurden wir minder befriediget, als in Gottschee. Ein schönes artiges Dienstmädchen, nach hiesiger Mode mit einem orangegelben Rocke und ponceaurothem Vusentuche bekleidet, würzte mit ihrer Freundlichkeit das frugale Mittagsmahl, ohne eben die irgendwo gedruckte Behauptung: „daß das weibliche Geschlecht hier sehr coquett und nicht spröde sey," praktisch zu bewähren. Nachmittag machten wir einen Besuch in der Herrschaft bei der schätzbaren Familie des Inhabers, die eben im Begriffe war, zu Wagen, zu Pferd und zu Fuß nach Ortenegg sich zu begeben, wo ein Namensfest gefeiert wurde. Man lud uns ein, die Parthie mit zu machen, was mir sehr willkommen war. Mein Freund Oberfeld, arzt nahm im Wagen zur Seite der freundlichen Hausfrau Platz, mir abergab man ein kleines türkisches Reitrößlein, welches mich den steilen Ortenberger Berg hinauf und herab trug. Die herzliche Bewillkommnung von der einen Seite, und die Glückwünsche von der andern Seite wollten für meine Sehnsucht, mich in der alten Burg Ortenegg etwas umzusehen, lein Ende nehmen; endlich fand ich Gelegenheit, meinen Wunsch anzudeuten, und man führte mich bereitwilligst zu einem ehemaligen Burgverließe, dessen bis dahin noch nicht ergründete Tiefe man mir nicht angeben konnte. Die ehemalige lutherische Capelle im Schlosse war bereits zur Amtsstube umgestaltet, dagegen stand die katholische Schloßcapelle der heil. Dreifaltigkeit recht zierlich da. Von der alten Veste Ottenstein, — 135 — einen Pistolenschuß von. Ortenegg entfernt, sind kaum noch einige kargen,Ueberreste zu sehen. Ortenegg und Ottenstein erbauten die Grafen v. Orten bürg, und zwar zuerst Ortenegg, dann um die Mitte des zwölften Iahrhundertes Ottenstein, welches sein Entstehen einem Bruderzwiste zwischen Hermann und Otto v. Ortenburg zuzuschreiben hatte. Die Sage, daß unter der Ruine Ottenstein eine goldene Henne mit ihren zwölf Jungen begraben liege, verlockte manchen Müßiggänger, der das Gold lieber hätte finden, als verdienen mögen, zu eitlen Nachgrabungen, wodurch die Zerstörung der Ruine befördert wurde. Vor einigen Jahren bestand auf dieser Ruine eine Kegelbahn, auf welcher eines Tages, als sich eben eine Gesellschaft dort erlustigte, ganz unerwartet Nachbar Petz, ein grimmiger Bär, erschien; die Herrleins, die Fräuleins und Frauen flohen mit Hilfegeschrei davon, und seit dem blieb die Kegelbahn verlassen. Vor dem Schlosse Ortenegg steht ein Kirchlein, dem heiligen Georg geweiht. Das nicht werthlose Altarblatt ist ohne Zweifel ein Votivbild, denn es stellt nebst dem Heiligen auch die Veste Ortenegg mit der Ruine Ottenstein, und eine kniend betende Frauensperson dar. Eine schönere Fernsicht als Ortenegg dürfte kaum ein Bergschloß in Krain haben, denn das Strafhaus am Schloßberge zu Laibach gehört leider nicht mehr in die Kathegorie der Bergschlösser. Nicht nur das Reifnitzer Thal und die Thäler gegen Auersperg, sondern auch die Gegend von Laibach mit dem Schloßberge und einem Theile der Stadt, dann der freundliche Rosenberg und das Hochgebirge im Hintergrunde, lagen wie eine freundliche Abendlandschaft bei niedergehender Sonne auf dem Spiegel des vortrefflichen Fernrohres, durch welches mich der Schloßinhaber blicken ließ. Ich konnte mich nicht davon trennen, wiewohl köstliche Leckerbissen und schäumender Champagner, der Wein der Freude und der Liebe, zu Tische luden. Ich träumte von der Wonne, welche eben damals die Bewohner Laibach's erfüllte, da ihr angebeteter Monarch, Franz I . , dem Laibach so viel zu verdanken hat^und der immer so gern dort verweilte, in Laibach's Mauern residirte. — 136 — Alles, was die Erde trägt, kann schwinden, Alles reißt dahin der Strom der Zeit; -Ewig wird es die Geschichte künden, Franz en's Huld hat Laibach sich erfreut. Spät am Abend schlug die Stunde des Aufbruches, und die ganze Karavane zog in derselben Ordnung gegen Reifnitz zurück, wo wir den Rest des Abends im Schlosse recht angenehm zubrachten. Der Inhaber, ein gebildeter Mann, zeigte mir bereitwilligst nicht nur sein weit ausgebreitetes Schloß, sondern verehrte mir auch einen ^lexamler Fevern» s^pe« puliliea), welche Münze in der älteren, 1511 durch Erdbeben zerstörten Veste Auersperg vorgefunden wurde. Er bedauerte dabei, daß bei 400 Stück in der Gegend von Seisenberg vorgefundene und von ihm durch Ankauf vor dem Einschmelzen gerettete, meist silberne römische Münzen, bis auf einige wenigen in den Verlaß des Prof. Vodnik, an den er sie zur Dete» minirung eingesendet hatte, einbezogen und veräußert wurden, und daß er den zurück erhaltenen kleinen Rest nach Wien verschickt habe. Auf ähnliche Weise gingen bereits namhafte Schätze für Krain unwiederbringlich verloren. Eine nachahmungswürdige Sitte fand ich hier, nämlich ein Heimathfest, welches die Schloßinhabung alljährlich beim Abmähen der großen Wiese, H^gr genannt, den Arbeitsleuten gibt; hiedurch werden diese mit Liebe und Eifer an die Arbeit und an ihre Herrschaft, welche immer auch selbst an dem Feste Theil nimmt, gefesselt. Das Archiv der Herrschaft Reifnitz verwahrt den Act eines Hexenprozesses, der mir zu interessant scheint, um ihn mit Stillschweigen zu übergehen. Die Untersuchung und Erecution währte vom 3N. April bis 11. Mai 1711; das Gericht bestand bei der Inquisition aus dem Bannrichter in Krain, als^uäex «rdinariu« und vootor M-i») dann aus vieren Beisitzern, aus dem Landgerichts-Vertreter und aus einem Gerichtsschreiber; bei der Publication und Vollziehung des Urtheils aber waren nebst dem Vannrichter, dem Landgerichts- Vertreter und Notarius, zwölf Assessoren, zugegen. Die Grundlage des Criminal-Prozesses war die von dreien, als Zauberinen verbrannten Weibern gemachte und in ihrer letzten Stunde nicht widerrufene Aussage, daß auch Margaretha Schussarkhin, 4» Jahre — 13? — alt, Mutter von sechs lebenden und eines anzuhoffenden Kindes, dann I^uoi» KlißrssnitselKlukÄ) 60 Jahre alt, Mutter mehrerer Kinder, in der Zauberei mit interessirt seyen, weßhalb diese beiden eingezogen wurden. Die Inquisitinen betheuerten ihre Unschuld, und es erfolgte das Beiurtheil: „Bei genugsam vorhandenen Judicien und nicht geständigen Facto," und „weil die Inquisitin auf fürkhombene inllicm das 6elietlim güetlichen nicht gestehen will, als solle dieselbe auf den oiäinllri Zauberstull gesetzet, und des Mehreren befraget werden.« Dieses Urtheil wurde sogleich vollzogen. Nach dreistündiger Marter, so heißt es im Acte wörtlich, gestand die Ugria 8eli.: »Es sey wahr, daß sie eine Zauberin seye; sie habe die Zauberey von der ^ n n» 8eliib3t8elimliliiu llnd Neselia N,<i88iN) mit welchen sie vor 8 Jahren zur Herbstzeit bei S t . Margarethen in der Kirchweih getrunken, und von denselben die Einladung erhalten habe, erlernet, worauf sie sich an gebräuchigen Orten mit einer Salbe eingeschmirt hätten, und sämtlich davon geflogen seyen, und zwar zuerst auf einem Kreuzweg auf dem Felde, dann aber zum großen Concurs auf dem Khlegkhberg, wo sie allerley zauberische Leute und auch böse Geister angetroffen hätten, welche alle bey einem langen Tische saßen, und allerley Wein, Fleisch und auch andere Speisen, wie auch weißes, schwarzes und , grünes Brod vor, sich hatten; auch waren Geiger und Pfeifer dabey, die Leute seyen ihr aber alle fremd gewesen; sie habe einen Liebsten bekommen, welcher zwar in menschlicher Gestalt, doch nur ein böser Geist war, den sie an Mannsstatt angenommen, und der Hansel geheißen habe. Sie habe mit ihm zuerst getanzt u. s. w. ohne Lust zu empfinden, weil er ganz rauh, und kalter Natur war." „Sie habe Gott und alle lieben Heiligen verläugnet, und ihm (dem bösen Geiste) Treue angelobt, mit Leib und Seele sich ihm ergeben, und als ihren Gott anloben und cmbethen müssen. Der Bund geschah bey der ersten Zusammenkunft und auf ewig. Als Wahrzeichen habe sie der Böse auf der linken Schulter blutig aufgeritzt, und in sein Register aufgeschrieben. Sie habe die Zauberey ausgeübt, indem sie Schauer gemacht, womit sie im verflossenen Jahre im Teritorio von Reifnitz und ringsherum geschadet habe. Auch hätten sie sich in Vögel verwandelt, und den Samen am Felde, welcher vorwärts fällt, in Vortüchern ( Ä e ) aufgefangen, weßhalb nur der rückwärts gefallene — 139 — aufgehe. Die aufgefangenen Körner hätten sie in einem tiefen Graben beym Khlegkhberge verwahrt. Vor 3 Jahren hätten sie die h. Hostie am Altar unwürdig empfangen, und auf den Khlegkhberg getragen, wo sie dieselbe mit Ruthlein geschlagen haben, worauf die Hostie als einKnä'blein erschien, welches die Händlein aufregte, sie aber lästerten es mit Worten, gelobten neuerdings dem Teufel, und betheten ihn ün, nachmals wurde aber das Knäblein unter die Flugsalbe geworfen." „Auf eindringliche Frage gab die arme Gepeinigte die Namen von zwölf Personen, als der Zauberey schuldig, an, und unter diesen auch den damaligen Priester und Benefiziaten bei Maria-Neustift, den sie innerhalb vier Jahren jederzeit, insbesondere aber, als das große Ungewitter in ganz Unterkrain großen Schaden verursachte, auf dem Kreuzwege und am Khlegkhberg getroffen habe, wo er zwischen den Vornehmsten seinen Sitz gehabt, der Großen Einer war, und mit den Uebrigen gemeinschaftliche Sache gemacht habe; den Cooperator G. von Reifnitz habe er wegen eines, zwischen ihnen statt gefundenen Greinhandels ( s i e ) kruhm und lahm gemacht, was weltkundig seye; ^mch habe er, Benefiziat, wo er vorhin war, als zu Oblagkh, Laschitsch, Guetenfeld und zu Neustift denselben Ruf gehabt, und, wie zu Neustift aus dem Staube sich zu machen gesucht, von wo er nach Tschernembl kam.« „I^ueia Klierselmitseli) wiewohl schon im hohen Alter von 60 Jahren, ertrug die Marter der Tortur durch zwei und zwanzig Stund, bis sie endlich das sagte, was man wollte. Ihre Aussagen sind jenen der Hlm'i», 8eku8ellarll, so gleichlautend, daß sie offenbar dieser wie jener vom Inquirenten in den Mund gelegt wurden, nur blieb bey der I^uei» der Benefiziat außer Spiel, dafür gab sie an, auf dem Khlegkhberge ein großes Schloß gesehen zu haben, und daß sie dort den Manns- und Weibspersonen, auch bösen Geistern in menschlicher Gestalt, auf dem Kopfe stehend, und in posteriorikus eine Kerze haltend bey Tische habe leuchten müssen. Der ihr als Olmrm »nt beygegebene böse Geist hieß Urban, und den Schauer bereitete sie aus Quatember-Asche." Das sind die Varianten. UebrigeNs gab auch die I^ueia lilierseluiitsok mehrere, der Zauberei Mitschuldige an, die wahrscheinlich dasselbe Loos erfuhren. Das Protokoll lautet — 133 — weiter: „Nachdem ist die N,ea der Tortur erlaßen, und in ihr Verwahrung zu geh« bevelhet worden, »mwo «ontinuenäi pinee»- «um. Den 3. dits abendszeit um 10 Uhr hat diese äelinyuentiu ein grausame Versuchung erlitten, so gestalten, daß wan man ihre nicht zeitlich zehilffKhomben were, sye ««gebracht were worden, maßen sye sagte, daß sie Iemandt todtschlagen hat wollen, dahero alles veranstaltet worden, vndt man auch guette Obsichten vndt wachten bestellet, damit nicht ein Unheill, widerfahret«, unangesehen deßen, So ist doch nach Mitternacht So »voll in dieser Delinquentin Gefenghnuß, als auch in den Schloß vndt Markht ein großer Thumult gewesen, also, daß man gehört die Wolf hailen, vndt als Khazen vndt Peren in der Gefengnuß Schrayen, darauf ist sie N.e» umb 2 Uhr frühen tags Zeit mit umbgedröten Halß vndt etliche gefundenen meßer Totter gefundten worden.« „ Den 9. Dits ist der Uanana 8enul«ual'linin neben Ermahnung einer wahren Rey vndt Laydt d.'r Todt angekhundet, vndt derselben ein Seelen Sorger zugewendet worden." Am t l . Mai t?Ot wurde so fort Naria Oebusenarll, „andern zu erspieglende Exempel an die gewennliche Richtstatt geführet, vndt alldort mit dem Khays. Schwerdt vom Leben zum Tott hingerichtet, der Körper auf den Scheiterhaufen geworfen, und samt I^uei» Xneiselinitseliou- Kli») welche ausgegraben werden mueß, zu staub vndt Aschen verbrennet. « —Und diese finstere Zeit liegt kaum ein Jahrhundert hinter uns?! Gesegnet sey der helle Geist der Aufklärung, der Licht und Recht in der Welt verbreitet. — Das Zwielicht des nächsten Morgens beleuchtete kaum dieZinnen der Burg Ortenegg, als wir Reifnitz, und bei Slebizh die schöne Reifnitzer Ebene verließen, unter der Veste Ortenegg vorüber fuhren, und den gastfreundlichen Bewohnern des Schlosses im Geiste unsere Grüsse zusandten. Wir nahmen den Weg über Großlaschitsch und Raschitza gegen Obergurk. Der Raschitzabach begleitete uns bis Ponique, hinter welchem Orte er sich in einen Erdtrichter verliert. Eine steile und verwahrloste Bergstraße führte uns durch armselige Dörfer nach Obergurk hinab, wo uns der Ursprung des Gurkflusses, welcher nahe am Pfarrorte mächtig hervor rauscht, und die schöne Pfarrkirche einige Zeit fest hielten. Man hält dafür, daß der, oben — l40 — bei Ponique verschwindende Raschitzabach in der Grotte bei Podpezh, im Thale Gutenfeld unterirdisch vorüber rauscht, und aus der Grotte bei Obergurk als Gurkfiuß hervorbricht, da nicht fern von den, vor Obergurk gelegenen Dörfern HoLkevje und Illova^or» ebenfalls das Rauschen eines unterirdischen Wassers vernehmbar wird. Ober dem Ursprünge der Gurt stehen auf wild bewachsenen Felsen die Ruinen der einstmalig festen Burg Obergurk, die im vierzehnten Jahrhunderte einem gleichnamigen Geschlechte gehörte, jedoch im Kriege der Grafen v. C i l l i wider Friedrich 1438 und 143?, von W i - tovitz, Hauptmann der Cillier, zerstört wurde. Hierauf ward unten am Fluße ein Schloß erbaut, welches dem Fürsten Auersperg gehört, aber auch bereits verlassen da steht. Die Pfarrkirche in Obergurk ist ohne weiters eine der schönsten im Lande; sie hat einen Hauptaltar, und sechs Seitenaltäre; das Hochaltarblatt 8t. 0o8iu»8 und vawianu» ist i?70von X. Lichtenreitt, die Altarbilder der Seitenaltäre aber sind in den Jahren 4 784 und 4808 vom taubstummen Maler Pototschnig aus Laibach gemalt. Das Bild von Lichte n r e i t t ist gut, es leidet aber sehr durch das oftmalige Auf- und Abrollen, um den Gläubigen die, hinter dem Bilde aufgestellten, eben nicht sehenswerthen Standbilder der genannten Heiligen zu zeigen. Die altern Altarbilder des Pototschnig sind besser, als die später«, was den traurigen Beweis liefert, daß die Kunst dieses vaterländischen Malers, vielleicht wegen Mangel der Anerkennung und Unterstützung, den Krebsgang ging. Ueber dem Haupteingange in die Kirche ist zu lesen: (!onleeiat » a romo. et eelmo. »ioki-epo. ^uriti. d»i«Ia MeliasI« clie I V . ^ « 3 . N 0 0 O I . V I I reuovat» N 0 0 c i . X X I . Das Pfarrvicariat Obergurk, welches 23 Filiale zählt, wurde bereits 185? zur Pfarre erhoben. Das Geläute der Glocken zu Obergurk ist überaus imposant und harmonisch, und zwar im reinsten Sexten-Accorde mit den Glockentönen H. v . l3 und H. Auf dem zwei Stunden langen Wege von Obergurk nach Seisenberg, unter welchem sich der Gurlfluß dahin windet, stellten sich mir viele pittoreske Momente dar, und an mehreren Orten, zumal aber auf dem freiherrlich v. Lazarin'schen Eisenwerke zu Sagratz ertönte, lustig der Stahl- und Eisenhammer. Bei Sagratz verbinde^ — 141 — sich mit diesem Wege die, von Wey'elburg nach Seisenberg führende. Bezirksstraße, und zu Seisenberg selbst die Gottscheer mit der Seisenberger Bezirksstraße. Da wir uns in der Hinfahrt in Seisenberg nicht aufhielten, so nahmen wir jetzt in der Rückreise den Markt und das Schloß in Augenschein. Das alte, auf einem steilen Felsen erbaute und mit vielen Thürmen umgebene weite Schloß ist in demselben verlassenen Zustande, wie. jedes andere, vom Eigenthümer nicht bewohnte Schloß. Einst gab es den Herren v. Seisenberg, welche diese Herrschaft noch 4311 besaßen,, dann kam sie 1386 an Albrecht I V . Grafen v. Görz, nach Aussterben dieses Grafengeschlechtes aber an das Haus Oesterreich, und von diesem an die Auersperge; gegenwärtig ist der Fürst V. Auersperg, Herzog von Gottschee, der Fideicommiß-Inhaber derselben. Als die Eigenthümer dieser Herrschaft sich noch hier aufzuhalten pflegten,' wurde die Frau des Schlosses, eine Gräfin v. Auersperg, geborne Freiin v. Eck, im Schloßhofe von einem zahmen Bären, mit dem sie sich in zu große Vertraulichkeiten eingelassen hatte, zerrissen, ehe noch ein Herr v. Pelzhofer, der ihr zu Hilfe eilte und den Bären erschoß, sie retten konnte. Am 11. November 167? starb daselbst Johann Weikhardt Fürst v. Auersperg, welcher vom Kaiser Leopold I. im Jahre 1672 wegen vermeintlicher Theilnahme am Aufstande der ungarischen Malcontenten, dahin verwiesen wurde. Markt und Schloß sind von Bergen umgeben, und unten im Thale sauset die Gurt vorüber. l l l um Aur^a I'Iuen« 1i<lu!äi8 inlerluit IMÄI«, Yu» imer «»XH freinen« urlii äal miirinur» numen. Andere leiten den Namen von den umliegenden Eisenbergen her. Unten am Gurkstusse, der hier sehr fischreich seyn soll, und Hechte, Lachse und Forellen, dann die schonen und schmackhaften Krebsen liefert, stehen mehrere Mühlen, und die große Papierfabrik des Herrn v. Kleinmayer, oben auf dem Berge ober dem Markte aber prangt die schone Pfarrkirche mit dem schloßartigen Pfarrhofe, und die Schule, zu welcher die Schuljugend täglich, und bei jedem Wetter hinauf wandern muß: ein Uebelstand,dem wohl abzuhelfen seyn dürfte. Die Pfarre wurde — 142 — <399 vom Erzherzog W i l h e lm zu Oesterreich für die Pfarre Neumarktl an das Stift Sittich abgetreten, daher sie jetzt unter dem Patronate dieser Religionsfondsherrschaft steht. Und somit hatten wir hier in Seisenberg die Runde geschlossen, und fuhren über Hof nach Neustadt! zurück; vom Wirthshause zu Seisenberg aber, wo wir einen Inbiß und ein Glas Wein zu uns nahmen, konnten wir eben keine sehr angenehme Erinnerung mitnehmen. Ja, die Schankwirthe auf dem Lande sind noch weit, sehr weit zurück; sie grenzen völlig an die Zeiten des alten Testamentes, Und sprechen, wie der Meister sprach: „Bekümmert nicht um Speis' euch und Getränke." Doch weh! kömmt erst die Zeche nach, Als leibige Erinn'rung an die Schenke.


Gine Ferienreise nach Beides und in die Wochein. Des Land's dreiköpfiger Bergwardein Triglav, Die labyrintische Wochein, des Königs Laurin berühmtem Zaubergarten gleich; — Die grünen Wälder und der ernste Strom, Die raschen Gießbäch' und die Meldungen, Worauf mit transatlant'scher Ueppigkcit Des Landmann's Trost, der Mais, in Kolben schießt, Und perlenweißes Heidekorn, noch selbst Im Spätherbst, munt're Bienen lockt und nährt; — Und wie das Land, so birgt auch sein Bewohner I n schlichter Schaale einen edlen Kern. — Und darum lieb' ich dieses Land und Volk. I . G. Seibl. HAm am Geiste und Körper nicht zu erlahmen, ist ein zeitweises Lossagen von Stadt und Amt und Geschäften, und das Ausruhen in den liebreich ausgebreiteten Armen der gütigen Mutter Natur unerläßlich. Hierzu laden den Bewohner Laibach's die reizenden Thäler und erhabenen Berge, die er so zu sagen von seinem Fenster aus sieht, zunächst ein, um an den Düften der mannigfaltigsten Alpenstora, an der belebenden Gebirgsluft, und an den frischen Alpenquellen sich zu erquicken und zu stärken. »Das Thal von Laibach nach Würzen halte ich für das schönste, was ich in Europa gesehen habe," schrieb der berühmte englische Naturforscher und Schriftsteller, S i r Humphry Davy, in sein Reisebuch, wie dessen Bruder John Davy in den Denkwürdigkeiten aus dem Leben jenes viel gereis'ten und gelehrten Britten bezeuget. Prof. Richter, der mit prüfendem Kennerauge manches schöne Land durchzog, sprach sich im »Illpr. Blatte« Nr. 12 vom 33. März — 144 — 1821 wörtlich aus: „Was dem Österreicher das Salzlammergut, dem Kärntner sein kavantthal, das ist dem Krainer die Gegend um Nadmannsdorf und Veldes, sammt der romantischen Wochein. Nie werde ich den Eindruck vergessen, welchen Ober - Oesterreich's malerische Berge, welchen der Hallstädter und Gmundner See auf mich gemacht. Die Natur scheint dort mit eigener Sorgfalt einem jeden Plätzchen was eigenthümlich Schönes eingedrückt zu haben, um den Menschen auf jedem Schritte zu fesseln; nie wird mir der heitere Anblick des glücklichen und gesegneten Lavantthales, dieses kärntnerischen Paradieses, aus dem Gedächtnisse schwinden: es ist die Gegend von St. Paul bis Wolfsberg eine Art heiterer Poesie in der Schöpfung. Aber desiwegen kann man doch mit nicht geringerem Wohlgefallen in der frischen kräftigen Natur des krainischen Oberlandes verweilen. Dem Wanderer in der Ebene, im Thale, behagen gar wohl die reinlichen, vortrefflichen Straßen, die frischgrünen Auen, die sorgfältig bearbeiteten Felder; er verweilt gern an den mannigfaltigen Ufern der vorüber rauschenden Save, gern bei'm Anblicke des ernsten Hochwaldes, gern bei den bunten Riesen der Kalkberge, und kann sich von den wolkenumschwärmten Häuptern des Hochgebirges nicht trennen. Der rüstige Bergsteiger wähle sich was immer für einen Höhepunkt in jenen Gegenden, er wird sich belohnt sehen durch die freundlichen Dörfer mit ihren Kirchtürmen in der Ebene oder auf benachbarten Hügeln, durch die Silberstreifen, welche die Gewässer bilden, durch die wechselnde Schönheit des Ganzen bei wechselnder Beleuchtung.« Wer dieses schöne Land kennen gelernt hat, dem bleibt es unvergeßlich, wer es sein Vaterland nennt, der liebt es für sein Leben lang. So lebt es in mir, und ein ähnliches Gefühl wünscht' ich in denjenigen in zarter Jugend schon zu wecken, die der Herr meinem Vaterherzen anvertraut hat. Daher wurde das herrliche Oberkrain zu einer Ferienreise nach ehrenvoll bestandenem Schuljahre erwählt. Wir verließen die Stadt am 19. August 184Z bei schönstem Wetter, und fuhren zum Schlägbaum der Kärntner Linie hinaus, und durch das Dorf Schischka, welches seinen Namen nicht etwa vom furchtbaren Feldherrn Ai8<M») der Hussiten, sondern von BlülKK» (Gallapfel) hat. I n einer halben Stunde gelangten — 145 — wir an üppigen Heidenfeldern vorüber nach S t . Veit. Das melodische Geläute der vier Glocken der Dorfkirche, welches einen sehr reinen Quartsexten-Accord in N-äur mit verdoppelter Quinte bildet, lud uns schon ferne ein, diesem Gotteshause einige Augenblicke zu widmen. Wir machten Halt, und betraten die im Jahre 179s neu erbaute Kirche, deren Aeußeres einen, bei Dorflirchen in der Regel vermißten, feineren Geschmack zeigt, der sich im Innern noch ausgesprochener kund gibt. Ein Haupt- und fünf Seitenaltäre fordern zur Andacht auf; der zierliche Tabernakel am Hochaltare, Holzschnitzwerk vom M a t t h ä u s Tomz, einem Natur-Bildhauer aus demselben Dorfe, das er nie verließ, dann das Hochaltarblatt des heil. Vitus von Leier, die Fresken an der Wand des Hochaltares und ein Madonenbild von Langus, endlich die Orgel von Kunat in Laibach, welche an Fülle und Schönheit des Tones die größte Orgel im Lande, nämlich jene von Arch in Unterkrain, übertreffen soll, sind die Zierden dieser Dorfkirche, welche nicht in jedem Dorfe ihres Gleichen hat. Auf dem ganzen Wege von Laibach aus bis Hieher und bis hin gegen Zwischenwässern lag der freundliche Großkahlenberg mit seiner lieblichen Marien-Kirche, zur Besprechung auffordernd, vor uns da. Ein ungenannter fremder Reisender schrieb folgende Strophen in seine Schreibtafel, und theilte dieselben im „LaibacherWochenblatte« Nr. 4» vom 6. December 1816 mit: Der Kalenberg ^Kahlenberg) bei Laibach. Dem lusterfüllten Flä'chenraume, Am wald- und hügelreichen Saume, Entsteigt ein finst'rer Bergkoloß Und streckt den Scheitel alt und bloß In's blaue Wolkenmeer Und schauet ringsumher. Vom Scheitel winkt aus hoher Ferne Ein Gotteshaus, gleich jenem Sterne, Der einst geführt die frommen Weisen, Der Welten Heiland Lob zu preisen. Und winkt so sanft, so süß, Als wä'r's in's Paradies. Neisemnn. ou« Lrain. <o — 146 — Und Alle schn's im munt'ren Thale, Doch alle schreckt der Berg, der kahle, Und Niemand wagt die steile Bahn Zum hohen Paradies hinan, So lang noch voll die Brust Bon nied'rer Sinnenlust. — Doch wem der Sinnenrausch verflogen, — Der schaut gern auf zum Himmelsbogen. — Der Glaube stützt, er klimmt und ringet — Die Hoffnung winkt — er siegt — umschlinget Mit Himmels Hochgefühl, Der heil'gen Wand'rung Ziel. r. Dabei ersuchte der Verfasser jener Verse um Aufklärung, wofern Jemanden eine andere Bedeutung des Namens bekannt wäre. Mir scheint der romantische Berg nicht so kahl, um davon seinen Namen abzuleiten, und ich wäre um so geneigter, die Abstammung des Namens Kahlenberg in der altdeutschen Benennung der Rehe und Schmalthiere, die man in der Jägersprache die Kahlthiere nannte, zu suchen, da im Forste auf und um dem Kahlenberge in frühem, minder bevölkerten Tagen allerdings Rehe sich aufhalten konnten, und überdieß Oberkrain, im Münkendorfer Bezirke, noch einen zweiten Wallfahrtsort mit diesem Namen, nämlich den Kleinkahlenberg hat, der durchaus nicht kahl und kaum ein Hügel zu nennen ist, als was ihn auch wirklich der slavische Name Homi» bezeichnet, und der übrigens vormals mit seiner ganzen Umgebung eben auch ein Aufenthaltsort der Rehe seyn mochte. Eine Stammverwandtschaft des Groß- und Kleinkahlenberges mit ihrem Namensvetter bei Wien dürfte, unbeschadet der Autorschaft des Freiherrn v. Valvasor, kaum zu behaupten seyn. Eine'Wallfahrt auf den Großkahlenberg ist ganz geeignet, das Gemüth zu edleren Gefühlen, zur Anbetung des Allerschaffenden zu erheben, und wer dieses hier nicht erfährt, dem sind die heiligen Paradies-Gefühle auf ewig verschlossen. Welche entzückende Aussicht bietet sich von jener mäßigen, in einer Stunde bequem zu ersteigenden Höhe dem Auge dar, nach der schönen, saatreichen Ebene gegen Laibach und darüber hinaus, dann über die Hügel gegen Oberlaibach und längst der, am Fuße des Berges dahin strömenden Save, — 147 — und vollends in die himmelanstrebenden Berge an der steirischen und kärntnerischen Grenze bis zum gigantischen Triglav hinauf! Fluren und Wälder und Wässer; einzelne Häuser und Ortschaften, Schlösser und selbst eine Bergruine, nämlich der alten Veste Flödnig, umzingeln nah oder entfernter den isolirt da stehenden doppelköpfigen Kahlenberg, und auf seinem Haupte thront das Gotteshaus der heiligsten Jungfrau Maria, welches in neuester Zeit einige sehr gelungene Fresco-Gemälde unseres wackern akademischen Malers, M. Langus, erhielt. Schon im I . 1482 wurde auf dem Kahlenberge eine Wallfahrtskirche erbaut, das gegenwärtige Gotteshaus aber steht erst seit 1712. Unter ähnlichen Reminiscenzen an wiederholte Besuche dieses, von den Laibachern zwar häusig und zahlreich, jedoch noch immer zu wenig besuchten Wallfahrtsortes gelangten wir nach Zwischenwässern, so benannt, weil das Dorf zwischen den Wässern Save und Zeier liegt. Der Savestrom bildet hier einen kleinen /malerischen Wasserfall und nimmt am Ende des Dorfes den Zeierfluß ^8ora) auf, der aus den Thälern von Sairach, Polland und Selzqch zusammen und über Lack Hieher fließt. Freunden der schönen Natur ist ein Spaziergang von Zwischenwässern längst dem Ufer des Zeierflusses an dem fürstbischöflichen Schlosse Görtschach, welches von den Bischöfen Otto Friedrich Graf v. Buchheim (1831) und Joseph Graf v. Rabatta nach Zerstörung der alten Burg, auf welcher der erste Markgraf von Krain, Cun'o, »72 seinen Sitz hatte, erbaut, in Neuester Zeit 1830 aber um ein Stockwerk und zwei Flügel verkleinert wurde anzuempfehlen; sie gelangen, auf Hiesem anmuthigen Wege nach Lack (Bischoflack) und können voll d'a^auf der äußerst romantischen Bezirksstraße durch die eilf Ortschaften, welche unter dem Namen des größten Dorfes in Krain bekannt sind, eben auch nach Krainburg gelangen. Das emsige Städtchen Vischoflack mit seinem Bergschlosse, von Otto I I . 374 an das Hochstift Freisingen, namentlich an Bischof Abraham aus dem Hause der Grafen v. Görz, und von Napoleon an den Marschall Marmont verschenkt, möchte zu diesem kleinen Abstecher um so mehr einladen. Von dem Wege von Zwischenwässern nach Krainburg auf der Commerzialstraße, welche wir zurücklegten, läßt sich nichts Treffenderes sagen, als was ein mit I ' unterzeichneter Reisender im „Osser- 10* — 146 — vatare ^riestino" Nr. 310 von l839 aussprach, der sich beiläufig so äußerte: . »Ein schöner Maimorgen, an dem ich, die Straße nach Oberkram einschlagend, Laibach verließ, der prächtige Anblick der Ebenen, ringsum von Bergen begrenzt, und hie und da mit grünen, waldigen Hügeln bestreut, bot mir ein herrliches Bild der Natur. Die stets belaubten Fichten und Tannen von dunkelgrüner Farbe contrastirten mit den kaum von neuen Blättchen hell und lebhaft grün bekleideten Buchen. — Aber, obschon mir diese Bäume recht angenehm sind, suchte mein Auge doch begierig die zum Schiffsbaue so sehr beliebte Eiche. — Es gelang mir auch bald, einige davon, entweder in einem Wäldchen zusammen, oder durch die Auen zerstreut, zu entdecken; schwerlich werden jedoch meine Enkel bereits das Vergnügen haben können, sie zu schlagen. — Die größer« Eichen wurden hier alle ausgehauen, und was ich hiebet zumeist bedaure, ist: zu sehen, daß die Waldungen dieses kostbaren Holzes für einen ganz andern Zweck cultivirt werden, als zu ihrem nützlichsten — dem Gebrauche in der Marine. — Die Gutsbesitzer schätzen die Eiche, vorzüglich des Knovpernsammelns wegen, und um sich der abgefallenen faulen Blätter als eines Gegenstandes zum Erddunge zu bedienen; daher wird auch das überfiüßige Gezweige nicht beschnitten, um den Stämmen einen größern Wachsthum zu geben, und eben so wenig trägt man Sorge, um dem unordentlichen gedrängten Stande der Bäume, der bekanntlich die Vegetation sehr beeinträchtigt, abzuhelfen. Freilich sollte die Cultur der Eichenwälder den Gutsbesitzern von Kram des vortrefflichen Holzes, das sie liefern, und des Gewinnes wegen, den sie abwerfen, sehr wichtig seyn; allein ihr langsamer Wuchs läßt eine Speculation auf den ferner« Feitpunct ihres Absatzes nicht zu, und die Eigenthümer können sonach auf das Bedürfniß des Seewesens und den daraus abzuleitenden öffentlichen Nutzen keine Rücksicht nehmen. Ganz gewiß wird der Mangel an diesem äußerst wichtigen Artikel von Tag zu Tag fühlbarer; es dürfte demnach von Vortheil seyn, die Gutsbesitzer hieven in Kenntniß zu setzen. — 149 -^ Wir haben Friaul geplündert, Istrien leidet daran Noch, Kram hat keine großstämmigen Bäume, und jetzt gehen wir bereits nach Steiermark hinüber, die um so weniger gar lange im Stande seyn wird, das Bedürfniß der Volksmarine zu decken, je länger auch die auswärtigen Bestellungen fortdauern. — Mit diesen Gedanken beschäftigt, gelangte ich nach Krainburg. Diese Stadt liegt auf der Hohe eines Vreschhügels von bemerlenswerther Bildung, indem er ganz aus Kieseln und einem Naturmörtel zusammengefügt ist, der sich so innig vereinigt, daß er zusammen nur einen festen, harten Körper ausmacht. Unter der Stadt fließt rasch die Save, woselbst ich mit wahrem Vergnügen die von einem Jesuiten erfundene Maschine untersuchte, welche zur Leitung des Wassers in den 22 Klafter hoch liegenden Stadtbrunnen dient. Die Einrichtung ist sehr einfach und daher um so schätzbarer. Ein unterschlächtiges Wasserrad, 24 Fuß im Durchmesser, an dessen Welle ein Stirnrad, das in ein Kammrad eingreift, im Innern eines Gebäudes sich befindet, wird von dem Flusse in Bewegung gesetzt; auf der Welle des Kammrades ist eine hölzerne Elipse (Elipsoid) angebracht, deren Peripherie mit einem eisernen Ringe mit hervorstehenden Rändern versehen ist, so daß in dieser Nuth ein Rad (zwei Fuß im Durchmesser) lauft, dessen Zapfenlager in einem ungleicharmigen Hebel sich befinden, wodurch auf denselben eine auf- und absteigende Bewegung übertragen wird. Am andern Ende des Hebels befindet sich die Kolbenstange des Saug- und Druckwerkes, welches bei einer gewissen Hubshöhe («'/^ Zoll) das Wasser (während eines Spieles 2'/, Maß) schöpft, und zur bereits erwähnten Höhe hebt. Zu bemerken ist jedoch, daß das Flußwasser, bevor es in den Recipienten der Pumpe gelangt, durch einen großen Sandkasten läuft. Von Krainburg weg kam ich nicht weit davon auf der Straße nach Bischoflack in das Dorf Strasische. Wenige hölzerne, strohgedeckte Hütten machen diesen Ort aus, was ihn für jeden Reisenden höchst gleichgültig erscheinen läßt. Ich bewunderte jedoch dort mit innigem Wohlgefallen viele Pferdhaargewebe zu feinern und größern Sieben von der größten Schönheit. — 150 — Verschiedenheit der Dessins, der feinsten Farben und Genauigkeit des Gewebes sind unvergleichliche Vorzüge dieser Manufactur. Ein Wohnstübchen enthielt einen Werth von mehr als Zo.ooo fl. (?) an Haaren, die aus Persien, Rußland und Frankreich kommen; diese werden in Strasische zuerst gereinigt, gefärbt, und zu Stoffen verarbeitet, um dann in die entferntesten Gegenden ihrer Herkunft wieder zurückgesendet zu werden. I n der That sah ich auch viele Fässer zur Spedirung bereit, jedes von einem Werthe über 2000 st. — Und jene Hütten, die bci'm ersten Anblicke nur mein Mitleid erregten, dienen zu diesem ausgezeichneten Gewebe, wobei Männer, Weiber und Kinder, jedes seinen Theil, zu thun hat. Eines löst die Haare aus, ein anderes theilt sie nach den Farben in ihre Fächer ein, und ein drittes webt sie mit unglaublicher Behendigkeit und Accuratesse. So ersetzt der menschliche Geist den Mangelan topographischgünstiger Lage, wo die karge Natur nichts, als kümmerliche Mittel zum Unterhalte der Einwohner gibt." Wer nicht bloß an der flüchtigen Gegenwart, sondern auch an der ehrwürdigen Vergangenheit ein Interesse findet, wird an Krainburg, dieser alten Burg und Residenz der Markgrafen von Kram, nicht kalt vorüber ziehen. W a l t i l 0, der zweite Markgraf von Krain, soll schon »8» da residirt haben, aber wo er sein Residenzschloß hatte, darnach fragt man vergebens. Das Schloß Kieselstein, welches auf die Brücke und Save und in die schöne Gegend hinausblickt, wurde l262 von Heinrich I I . aus dem gräflichen Hause Ortenburg erbaut, und ist ein modernisirtes Denkmal des Mittelalters. Der Archäolog findet in Krainburg am Hause Nr. 3 nächst der Pfarrkirche einen Römerstein, welcher allenfalls bezeugen mag, daß der Ort schon unter den Römern bekannt war, ohne jedoch für die Stelle des alten 8auti«um8^ welches man in dieser Gegend sucht, als Beweis zu gelten. Krainburg verdankt seine Privilegien den Landesfürsten Friedrich, M a x i m i l i a n und F e r d i n a n d , seinen heutigen Wohlstand aber der Regsamkeit seiner industriösen Bewohner. Die Wochenmärkte zu Krainburg werden selbst von den Nachbarn au5 Kärnten häufig besucht. — 151 — Der Savestrom und der reißende Bergstrom, die Kanter, bilden hier eine Erdzunge, auf welcher Krainburg liegt; durch die, bis auf 13 Klafter hohen unersteiglichen Ufer (namentlich der Kanker) ist die Stadt von der Natur aus befestigt. An den Sehenswürdigkeiten dieser Stadt hat man sich bald satt gesehen, nicht so an der entzückenden Aussicht vom gothischen, 208 Wiener Klafter, oder 1,230 Schuh über der Meeresfläche hohen Stadtpfarrthurme. Wir konnten uns davon nicht trennen, wie sehr auch die Zeit drängte, obschon Obergörjach, unser Ziel für diesen Tag, noch ferne lag, und überdieß auch dem Städtchen Radmannsdorf einige Augenblicke des Aufenthaltes zugedacht waren. Der Stadtpfarrthurm zu Krainburg hat vier Glocken, alle aus der Gießerei der Familie Samassa in Laibach. Die Umschrift der größten Glocke ist wegen der Beziehung auf die verheerende Feüersbrunst, welche im I . 1811 die Stadt zerstörte, bemerkenswerth; sie lautet: ^ u A u s t i n n 8 I u S a Mrnelw et äeoano, R » t » Ii p a z l i a r u e i MÄilio^ moeuäin elap8i anni e<M8Uui<H urde, »er« eollktn üeri eui»ruut ' l l i a l l ä e u s ^N8e«l^, V l a s i us " l e r p i n L ) antistite» ikäituum temzili, e»eteii^u6 eives »nun 1812. Etwas höher ist zu lesen: Opus V i n e e n t i i 8 » - massa: I^abaoi 1812. Ganz oben: 8anoti8, Oantio^ l^antiauN) l?»ntianillll6 et?rota, pati oni8 eeelesiae^ äio»tum. Bald außer Krainburg, außer dem Dorfe Naklas theilen sich die Wege; der eine führt gegen Veldes und über die Würzen nach Kärnten, der andere nach Neumarttl und über den Loibl, eben auch nach Kärnten. »Der Loibl ist ein zweiter Radstädter Tauern, aber er übertrifft ihn in Betracht der Länge und der Höhe.« So schrieben die Doctoren David Heinrich Hoppe und Friedrich Hornschuh 1816 in ihr „Tagebuch einer Reise nach den Küsten des adriatischen Meeres und den Gebirgen von Kram «." Regensburg 1818, S . 5/. Und dann: „ So erreichten wir die Höhe des Berges, wo sich Kärnten von Krain scheidet, und kamen glücklich nach S t . Anna. Endlich erfolgte nicht ohne lange Besorgnisse der Eintritt in's Krain. Wir hatten von den Bewohnern dieses fernen Landes nicht viel Rühmliches — 158 — gehört; ihre Gastfreundschaft war unbekannt geblieben, ihre Sprache uns fremd geworden. Vedächtlich schritten wir vorwärts. Doch, siehe da! überall zogen die Leute ihre Hüte ab, überall schallte uns in slavischer Sprache ihr christlicher Gruß: Nvaleu d«äi ^esu« <M-i8tu8, entgegen. — Unter diesen frohen Ahnungen erreichten wir Neumarktl. Der ganze Ort ist mit Fuhrwägen besetzt. — Wir sind sehr überrascht, hier in der Traube, die man uns früher schon als das beste Wirthshaus lobte, ein sehr geräumiges Zimmer zu finden, und von der Wirchin in deutscher Sprache als willkommene Gäste angeredet zu werden. — Der hiesige Ort ist von Leuten bewohnt, die wegen den benachbarten Eisenbergwerken mit schwerer Arbeit zu thun haben, dazu kommen die Fuhrleute, welche die Waaren mit vieler Anstrengung auf die Spitze des Loibels schaffen muffen. Deßwegen ist hier für guten Wein gesorgt, der stark ist, und Kräfte gibt, und von den Wirthen eigens für den Ort aufgekauft wird. Auch wir ließen uns diesen V s i - «KanK» schmecken, und als Abends Musik ertönte, und die krainischen Schönen zum Tanze selbst die Hand boten, konnten die Fichtelberger Botaniker leine abschlägige Antwort ertheilen, ungeachtet sie einen sehr beschwerlichen Marsch von acht Stunden über den Loibl gemacht hatten."— E i l seht doch, der gelehrte Herr V r . Hoppe, der im I . 1845 als 85jähriger Greis sein Zojähriges Doctor-Jubiläum feierte, und vom Könige von Baiern den Hofrathsrang zum Angebinde erhielt, tanzt als Gelehrter und Mann von Z5 Jahren!? Griesgrämige Misanthropen werden es Ihnen arg übel nehmen lebensfroher Herr Doctor und Hofrath. Der Loibl, dessen Rücken die Staatsstraße durchschneidet, mißt 426« Fuß, diese Straße ist aber durch ihr Alter, als einstmaliger Römerweg, und durch ihre denkwürdigen Veränderungen bemerkenswerth geworden, und gehört unstreitig zu den merkwürdigsten Heerstraßen der Monarchie. Je höher hinauf in die Berge Oberkrain's, desto entschiedener spricht sich der Charakter des Alpenlandes aus, und zwar schon bei Radmannsdorf, welches wir auf unserem Wege berührten. Auch das Städtchen Radmannsdorf hat seine Denkmale des Alterthums, nämlich ein Paar römische Votivsteine, die aber eben nur auf die betreffenden Fa- Milien Bezug nehmen, und für die Orts- oder Landesgeschichte von min— 253 — derem Gewichte sind. Für den Freund der Geschichte ist es nicht ohne Interesse, daß Radmannsdorf mit der nahen Burg Wallenburg, Waloenburg, einst den Ortenburgern, als Herzogen von Kärnten, dann den Grafen v. C i l l i gehörte, und daß Friedrich Grafv.Cilli 1425 und 1426 hier residirte und Hof hielt. Wenn man das (seit 24. Februar 1618) Graf Thurn'sche Fideicommiß-Schloß mit dem schönen Schloßgarten gesehen hat, kann man dem freundlichen Städtchen immerhin Lebewohl sagen. Veachtenswerth ist der Punct des Zusammenfiießens der Wocheiner und Wurzner Save in einen mächtigen und prächtigen Strom, „der," um mit S i r H. Davy's Worten zu sprechen, „gleichsam im Busen der Schönheit entspringt, aus seinen unterirdischen Behältern in den schneeigen Gebirgen des Triglav und Manhardt hervorstürzt, in donnernde Catarakte, zwischen Klippen und Wäldern, in die reinen und tiefen Seen von Wochein und Würzen hinabfällt, und von da seinen Lauf mitten durch die idyllischen Wiesen verfolgt, die so mit Pflanzen und Bäumen geschmückt sind, daß sie einen Garten darstellen. " Die Abenddämmerung hatte sich bereits über das Land verbreitet, als wir durch Veldes und am See, durch dessen ersten Anblick ich auf die jungen Gemüther meiner Kinder wirken wollte, vorüberfuhren. Auf der Höhe von Schalkendorf öffnet sich zwar bereits die Aussicht über die Gegend von Veldes, aber sie lag für uns verschleiert. „Dieses Veldes!" ruft der sinnige Triglav-Besteiger Nepozitek begeistert aus, „dieses Veldes! wer kennt und liebt es nicht! Kaum hast du die Höhe von Schalkendorf erreicht, so liegt eine Landschaft vor dir, wie sie der sinnigste Maler sich kaum im schwelgerischen Phantasiespiele zu entwerfen vermöchte. Ein spiegelheller See, eine buschige Insel mitten d'rin, gekrönt von einem Kirchlein, die Ufer mit Wald und Wiesen, Weilern und zerstreuten Häuschen umgeben, zur Rechten ober dem Dorfe Veldes auf hoher, steiler Felsenwand das alte Schloß gleichen Namens, ringsherum in gefälligen und wieder kühnen Formen, Hügel und Berge, im Hintergrunde aber das Hochgebirg, über welchem endlich die Triglav-Spitze dräuend und wieder lockend herunter blickt, die man bei dem Vorhaben ihrer -Besteigung mit wechselnden Gefühlen, von Hoffnung und Bangigkeit prüfend, in's Auge faßt. Die Erwar« — 154 — tungen von berühmten Schönheiten sind gewöhnlich zu hoch gespannt, hier werden sie übertroffen." Das Ziel unseres Ausfluges war für heute Obergörjach, das idyllische Dörfchen Obergörjach. Die Erinnerung att meine erste Anwesenheit in dieser schönen Alpengegend erwachte nun lebhaft in mir. »Nahe am reizenden Veldeser See steht meines ergrauten Vaters friedliche Stammhütte, und nicht ferne davon das Kirchlein, in welchem ich ein Christ wurde; dort will ich meines Lebens schönsten Tag feiern, Gott mein erstes Meßopfer darbringen. Komm', sey ein Zeuge meiner Seligkeit!" So sprach mein ältester Freund und Schulgefährte Z., und ich kam und wohnte hier in Obergörjach der heiligen Handlung bei, die ihn zum seligsten, mich zum beseligten Menschen machte. Man muß hier in Krain einem ersten Meßopfer beigewohnt haben, um von der Verehrung einen Begriff zu bekommen, mit welcher die Menge, selbst die nächsten Verwandten, Vater und Mutter, den Primicianten der Gottheit näher treten sehen. — Manches Jahr ist seit dem über diese Berge und ihre friedlichen Hütten hinüber geschritten, aber auch hier ließ der Geist der allenthalben fortschreitenden Cultur seine segenreichen Spuren zurück. Das Dorfkirchlein erhielt durch fromme Spenden der Gemeinden manche Verschönerung und Verbesserung, als: eine durch die ganze Pfarre weithin tönende Glocke und eine zur Andacht, stimmende Orgel, während vormals nur Mädchenstimmen ( ? « v k e) ohne Instrumental-Begleitung bei der heil. Andacht den Schöpfer priesen. Auch jetzt noch stimmen die?evke ihren Lobgesang zur Begleitung der Orgel an, und wir hörten unter ihnen die Stimme einer, p»r exeelleuee so genannten Primadonna, die sich mit mancher gepriesenen, wirklichen Primadonna messen könnte. Die mit buntgefärbten Wachskerzen reich ausgestatteten Candelaber (Luster, auch 8v»32li«, genannt) müßten uns auffallen. Diese Candelaber bestehen aus bemalten, und in Form eines Korbes aufrecht neben einander gestellten Wachskerzen, die mit bunten Wachsstöcken und Goldpapier durchflochten, mit seidenen Tücheln und Schnüren, mit Quasten und mit Fähnchen aus Rauschgold behangen sind, und von einer bunt bemalten Stange getragen werden; das Ganze lauft oben in einen kostbaren Blumenstrauß aus. Diese Candelaber werden von den Gemeinden an irgend einem Festtage im feierlichen Zuge — 155 — als Opfer zur Kirche gebracht, welche die Kerzen nach Bedarf verwendet, worauf der Candelaber wieder mit einem neuen ersetzt wird. Auch eine Schule verdankt das Dorf Obergörjach der Gemeinde und dem hier zu Lande so entscheidenden Einflüsse der Seelsorger auf dieselben. Die Schule zahlte im Schuljahre 1844/3 ?o Schüler beiderlei Geschlechtes, welche im Lesen und Schreiben und in den ersten Elementen der Rechenkunst Unterricht erhielten. Es ist der Mangel an Land- oder Volksschulen in Kram oft beklagt worden; ob dieser Mangel hier wirklich so fühlbar sey, ist eine Frage, deren Erörterung an gehörigem Orte und zu gehöriger Zeit manche irrige Ansicht berichtigen dürfte. Am Kirchhofe, welcher die Kirche umgibt, steht auf einem Grabe, nahe am Eingange, ein eisernes Kreuz, dessen wiewohl einfaches und kunstloses Gemälde tiefe Rührung erweckt.- Es stellt zwei Frauen, Mutter und Tochter, in kniender und betender Stellung vor.. Die Tochter, Gemahlin eines Kupferschmiedes, war lebensgefährlich krank, ein Eilbote setzte ihre, in Kärnten befindlichen Eltern davon in Kenntnis;, und die alte, zärtliche Mutter der Kranken ließ sich von der rauhen Jahreszeit nicht abhalten, mit dem Boten auf dem kürzesten Wege über Berg und Thal zur geliebten Tochter zu eilen. Das vorgerückte Alter und ein eben einbrechendes Schneegestöber erschöpften die Kräfte der liebevollen Mutter. Der menschenfreundliche Bote lud sie auf seinen Rücken und trug dieselbe den Berg hinan, aber auch seine Kräfte schwanden; er setzte daher seine Bürde niederem in's Thal zu eilen und Träger zu holen, die das arme Mütterchen herabtragen sollten; sie brachten sie auch wirklich herab, aber als Leiche, denn sie war, bis Hülfe kam, vor Kälte erstarrt. Mittlerweile hatte auch die Tochter mit einem Seufzer nach der theuern Mutter den Geist ausgehaucht, und sie wurden beide an einem Tage in demselben Grabe vereinigt. I n Begleitung meines Freundes, des Ortsdechantes S t r e l l , eines gebildeten und gefühlvollen Mannes, unternahmen wir eine Ercursion am rechten Ufer des Flusses Rothwein hinauf, bis zum Felsen: dratovA z»eie,b) und am linken Ufer hinab. An der dratuvÄ pexIi erzählte uns mein Freund den Ursprung dieses Namens, Bruderfels. Zwei Brüder weideten daselbst Ziegen und Schafe, da stieß ein Widder den einen der Brüder rücklings vom Felsen hinab, und indem der nahe stehende Bruder ihn aufhalten und retten wollte, stürzte er mit — 156 — in den Abgrund, wo beide, sich fest umschließenden Brüder, in der grauenhaften Tiefe ihr Grab fanden. Seit dem wird der Fels br»tov» zieLii) Bruderfels, genannt. Wir fanden am Wege häufige Erdbeeren, die eben erst zu so später Jahreszeit reif wurden. Dagegen hatte es zur Reife der Aprikosen, deren welche im Pfarrhofsgarten zu Obergörjach zu sehen waren, für damals keinen Anschein; sie sollen auch hier nur bei der ungewöhnlichen Sommerhitze des Jahres 1834 zur Reife gelangt seyn. Auf dem Rückwege besahen wir das alte Kirchlein Meuksch, (seiti465)und dieErdabsitzung, welche dort imDecemberi844 Statt gefunden hatte. Ein gutes Stück eines Berges riß sich mit Stegen und Wegen, Büschen, Bäumen und Hecken los, und glitt bis zur Rothwein so sanft herab, daß das ganze Stück Land wie von je und ehe hier liegt, und die Bäume frisch fort vegetiren und Früchte (Nüsse) tragen. Wie erquickend für Leib und Seele ist das Ergehen in so reizender Alpengegend, wovon man in der Flachheit und Einsamkeit der Stadt keinen Begriff hat. Ja, hier kräftigt sich der Geist. Hier, wo ein reiner Aether Um Götterhaine fließt, Auroren's Licht sich ritther Auf hell'res Grün ergießt; Wo Friede in den Hütten Bei fromwU Einfalt wohnt. Und Kraftgefühl die Sitten Des gold'nen Alters lohnt. Hier, wo die Herde läutend Im Blumengrase geht. Und Wohlgeruch verbreitend Die Nergluft milder weht; Wo von der Enziane Und Anemon umblüht, Auf seid'nem Rasenplane Die Alpenrose glüht. Hier, wo die Seele stärker Des Fittigs Hülle dehnt. Hoch über Erb' und Kerker Empor zu schweben wähnt; 157 — Geläuterter und freier Der Sinnenwelt entflieht, Und schon im Aetherschleier An Lethes Ufer kniet. Mstthisson. Ein mannigfaltiger Wechsel der reizendsten Parthien der anmuthigen Thalschlucht längs der Rothwein ließ uns, wiewohl steifgliedrige Städter, nicht merken, daß wir bei drei Stunden hin und zurück gewandert waren; wir fühlten uns weder ermüdet noch erschöpft, sondern vielmehr neu belebt, so zwar, daß wir nach dem fröhlichen Mahle, mit welchem uns mein gastfreundlicher Jugendfreund bewirthete, wieder hinaus in die überaus freundliche Natur uns sehnten. Wir erstiegen des Nachmittags über die Poglschitzer Hutweide ^ n ^ I e j z l i a 6wiün») hinaus, eine Anhöhe, von der man mit einem Male ^ilvee oder par un eoup ä' «eil, würde der Franzose sagen) den ganzen Veldeser See mit seiner malerischen Umgebung erschaut. Der ersehn« Moment war nun da: ich sah zwei, von Staunen und Entzücken erfüllte, rein kindliche Gemüther vor mir, über deren Wonnegefühl nichts ging, als meine eigene Glückseligkeit, denn sie waren zwar die Beglückten, ich aber der Beglückende und Beglückte zugleich. Nie wieder vergesse ich diesen schönen Nachmittag. Uns begleiteten: mein wackerer Jugendfreund, Dechant S t r e l l , und dessen Cooperator A., welcher den Himmel und die Erde in sich vereinigt, denn er ist aus Beruf Priester und aus Neigung Botaniker; als solcher machte er uns von Zeit zu Zeit auf die lieblichen Kinder der Alpenflora aufmerksam, indeß Freund S t r e l l schöne, angemessene Stellen aus Geßner's Idyllen, die wir in unserer Jugend lasen, recitirte, und so die süße Erinnerung an unsere schöne Jugendzeit zurückrief. Die Gegend von Veldes ist wohl ganz geeignet, die Erinnerung an Geßner's reizende Hirtenwelt zu wecken. Franz v. Hermannsthal gab in der »Wiener Zeitschrift« Nr. 128 vom 25. October 183'< ein schönes Bild seiner Anschauung dieser paradiesischen Gegend: »Der See mit seinen Umgebungen lag da, wie das Werk des geistreichsten Landschaftsmalers, dessen Genius aus seinem Bilde auch die mindeste Störung zu verbannen und die verschiedenartigsten Elemente zu wunderbarer Einheit zu verschmelzen wußte. Die herrlichste Beleuchtung — 158 — ruhte über dem Ganzen, und hob jede Einzelnheit im rechten Masie' hervor. Die blau hinspielenden Wasser, die Insel mit ihrem Kirchlein, die nahen Baumgruppen, der schloßbekränzte schroffe Fels, der sich senkrecht in die Wellen stürzt, der Ort Veldes, anstoßende Wiesen, zerstreute Häuser, ansteigende Hügel und darüber aufgethürmtes Hochgebirge in kühnen Formen, zu all' der grünen Ueppigkeit und den Zeugen menschlichen Verkehrs ringsumher die weißen Felsenwände der Pelschiza, des veIKi stol, der zackige badji sali, — all' dieß zusammengenommen stellte ein vollendetes, besänftigendes Bild von Schönheit dar, in dessen Anblick man sich schweigsam beglückt, erhaben, begeistert fühlen mußte. Der Veldeser See darf die Vergleichung mit feinem der prächtigen Seen in Oberösterreich scheuen; ja er übertrifft sie alle entschieden an Fülle und Mannigfaltigkeit des Reizes. Schon der gelehrte, und für Krain mit aller Aufopferung thätig gewesene Hacqu et läßt im dritten Theile seiner„Oi'^etoZl»z>liia eai-inolle»" dieser herrlichen Natur volle Gerechtigkeit widerfahren, indem er sagt, daß, so viele angenehme Gegenden auch immer Oberkrain habe, doch keine vorkomme, die so malerisch wäre, als diejenige, welche sich um den Veldeser See befinde, der übrigens nach Vermuthungen der l«neus »ui-aeiu8 der Alten ist." Mit Mühe trennten wir uns nach einer glücklichen Stunde von diesem paradiesischen Puncte. Bei einem altehrwürdigen Nußbaume, gleich hinter dem Pfarrhofe von Obergörjach, auf einer kleinen Anhöhe, auf welcher man sich t20 Klafter über der Spitze des Thurmes am Castellberge zu Laibach befindet, öffnet sich ebenfalls eine überaus entzückende Fernsicht über das ganze schöne Land in der Nähe und Ferne, über Hügel und Felder und Wässer, Ortschaften, Schlösser und Kirchen bis zum Kumberge in Unterkrain hinab. Auf diesem unvergleichlichen Belvedere trafen wir bei unserer Rückkehr von den Bergen der Polschitzer Gemeinde, Freunde und Bekannte aus Laibach, Triest uud Görz, ihrer 22 an der Zahl, welche vom Veldeser See, eigentlich von Seebach, Hieher gekommen waren, um uns zu sehen, und der schönen Aussicht von diesem Puncte zu genießen, was Jeder thun sollte, welcher Veldes und die Gegend besucht und jenes unbeschreibliche Gefühl kennt, welches den Freund der schönen Natur bei'm Anblicke lieblicher und großartiger Naturscenen ergreift. — 159 — Die Werke des Allmächtigen sind schön, unendlich schön, das Meisterstück der Schöpfung aber ist und bleibt der Mensch, daher ist die Natur noch einmal so schön und in ihrer ganzen, ehrfurchtgebietenden Majestät, wo sie von Menschen, von lieben guten unverdorbenen Menschen, belebt ist. Selbst das Paradies wäre ohne Menschen ein unvollkommenes Paradies, und desihalb schuf der Allmächtige das erste Menschenpaar zur Vollendung des Meisterwerks der Schöpfung, er schuf Wesen nach seinem Ebenbilde. „Freundlos war der große Wettenmeister, Fühlte Mangel — darum schuf er Geister Sel'ge Spiegel seiner Seligkeit!" — So fand ich denn nun die herrliche Landschaft in ihrer Ausstattung mit den Gästen aus Veldes noch viel reizender und schöner, und es verging ein Stündchen der heitersten Freude, des reinsten Entzückens, bis die herab sinkende Dämmerung die Gesellschaft an den Rückweg mahnte, denn sie hatte ^ Stund bis zum See, und obendrein den See zu überschiffen. I n ybergörjach war nun unsers Bleibens nicht mehr; es zog mich zum See herab, und wir sagten daher unserm Gastfreunde herzlichen Dank und Lebewohl. Als wir nach, Obergörjach kamen, brachte man ein Kind zur Taufe, als wir das Dörfchen verließen, trug man ein Kind zu Grabe; welches von beiden war wohl das beneidenswerlhere? Ich nreinte das letztere, denn ich feierte eben in wehmüthiger Erinnerung das Andenken an einen meiner schmerzlichsten Verluste. — Das neue Gasthaus der Handelsherren aus Laibach, Mallner undMayer, hart am Veldeser See, zwischen dem Dorfe Veldes und dem Warmbade, na Luriov» genannt, nahm uns in demselben Zimmer gastfreundlich auf, welches Tags zuvor die Naturforscher H e l l muth v. Kiesewetter, Jurist aus Dresden, und I . C. Sch iödte, Inspector des königlichen Naturalien-Cabinettes in Copenhagen, verließen, die am 28. Juli 1843 auf drei Tage Hieher gekommen waren, sich aber beinahe vierWochen von der entzückenden, und insbesonders den Naturforscher fesselnden paradiesischen Landschaft nicht trennen konnten, und reiche Beute an Insecten dort machten. Reinlichkeit^ — 160 — Bequemlichkeit und freundliche Begegnung sprachen uns in diesem Gasthause an. Mancher vermißte dort Tagesblätter oder andere Lectüre; mir ging dieser Mangel nicht nahe, denn ich wollte mich für einige Zeit von der Stadt und ihren Attributen ganz los sagen und in die Lage jenes Mannes versetzen, der mich, als er auf seinen Feldern bei N . — der Wirthschaft nach ging, versicherte, daß er seit 24 Jahren kein Buch in der Hand gehabt habe und sich wohl dabei befinde; der Mann war einst ein armer Professor, jetzt Haus- und Grundbesitzer. Der geistreiche Geschichtsforscher und Naturfreund Prof..Richter nennt Veldes (im „ I l l y r . Blatte" Nr. 24 vom 18. Juni 1820) den Augapfel von Kram, und einen Punct, der bei der Hälfte seiner schonen Natur und ohne sein hohes, mit der Landesgeschichte so eng verwandtes Alter hinreichen würde, Naturdichter und Naturmaler auf eine würdige Weise zu beschäftigen. Ja, überaus malerisch und romantisch ist diese reizende Landschaft, lieblich und zugleich großartig die Naturscenerie ringsumher. Der stille friedliche See mit seinen S i l berwellen, mit dem grünen Kranze, der ihn als Ufer umgibt; hie und da von Veldes bis Seebach, welches Ufer ich für das anmuthigere halte, mit weißen Häuschen, wie das Wiesengrün mit weißen Blümchen untermischt, und das friedliche Eiland mit dem Marienkirchlein im See, dann hier der schroffe Felskoloß hart am See, mit Kaiser H e i n richs des Heiligen altergrauer Burg Veldes, die sich im See spiegelt und verzweifacht, und endlich die majestätisch erhabene Bergkette ringsherum, aus deren Hintergrunde das ehrwürdige weiße Dreihaupt des Triglav hervor ragt; alles dieses gestaltet die Landschaft zu einer der schönsten, die das menschliche Auge sehen kann. Man fühlt sich in deren Anschauung über allen Ausdruck wohl, so herausgerissen aus den Kleinlichkeiten des Alltaglebens; Menschen, Blumen, alles was Leben hat, ja selbst die leblosen Berge erfüllen unser Herz mit heiliger Liebe, man wird zum fröhlichen Kinde, schwelgend am Busen der liebreichen Mutter Natur. Und welchen mannigfaltigen Wechsel bieten die entfernteren Parthien dar, die zu den erheiterndsten Ausflügen einladen. Wir unterließen nicht, einige der interessantem mitzumachen. Vorerst schifften wir, gleichsam ex voto, zum Kirchlein Maria am See hinüber, das auf rührende Weise die Andacht erweckt; jeder Gedanke, jeder Athemzug wird hier zum Gebete. Das Kirchlein, das — 161 — Curathaus und eine ehemalige Einsiedelei, welche jetzt zum nochdürftigen Unterstande der Wallfahrter dient, ist das Ganze, was die Insel trägt, mehr Raum gewährt die grünbelaubte Felsengruppe nicht. Steinerne Stiegen führen zu beiden Seiten vom See zum Kirchlein empor. I n der Mitte des Kirchleins hängt das Seil eines Glockleins, an welchem die Wallfahrtes^ ziehen pflegen, weil der fromme Glaube die Wünsche, die gleichzeitig zum Himmel empor gesendet werden, durch Marien's Fürbitte in Erfüllung gehen läßt. Wenn das Glöckleln zu den Sternen Deines Herzens Wünsche trägt. Bringt es Trost aus jenen Fernen, Und das Herz ist froh bewegt. — Heil dem kindlichen Vertrauen, Das sich an den Glauben hält, Eine Brücke sich zu bauen Hin nach jener bessern Welt! Es geht dort die Sage, daß einst eine Dame zur Erfüllung eines Gelübdes eine kostbare Glocke für das Kirchlein am See habe anfertigen lassen, daß aber, als die Glocke schon fertig war und über den See transportirt wurde, die Dame nicht mehr so frommen Herzens gewesen wäre, weßhalb die Glocke in den See versunken seye, wo sie sich zu Quatember-Zeiten und an großen Festtagen vernehmen lasse. — Eine ähnliche Fabel erhält sich unter dem gemeinen Volke auch über die Entstehung des Sees und des Kirchleins auf der Insel. Die ganze Gegend sey eine waldige Ebene gewesen, und in der Mitte des Waldes sey das Bild Marien's gestanden, welches die Hirten von den Schafen freventlich belecken ließen, und deßhalb sey die ganze Gegend zur Strafe in einen See verwandelt worden, aus welchem das Inselchen mit dem Bildnisse Marien's empor ragte; zur Versöhnung der erzürnten Heiligen sey dann an jener Stelle von den Anwohnern die Kirche erbaut worden. Die Inselkirche hat schätzbare Altargemälde und reiche Meßgewänder, ist auch überhaupt gut dotirt; deßhalb wollte man die Probstei Inselwerth schon 1482, wie Prof. Richter aus vorhandenen Briefen erhob, von Veldes trennen und zum Bisthum Laibach ziehen, allein das Capitel von Brixen setzte bei'm päpstlichen Stuhle 1488 durch, Neis»rinn. »«»Krain. tl — 162 — daß die genannte Probstei, deren Ertrag sich damals beiläufig auf 12 Mark Silber des Jahres belief, mit den Capitel- Gütern von Briren vereiniget wurde^Die Probstei der Rede war nichtsdestoweniger auch noch in der Folge der Zankapfel, bis FürstbischofIohann Franzvon Brixen und Sigmund Christoph von Laibach am 40. Juni 1688 ein freundschaftliches ^vertragsmäßiges UHMeinkommen trafen. Ein zweites Mal fuhren wir zur Belustigung und in zahlreicher Gesellschaft am schönen Silbersee umher; es war ein schöner Sommer- Nachmittag, dessen Schwüle durch ein willkommenes Alpenlüftchen gemildert wurde. Das breite Schiff nahm uns auf, und der schmucke Schiffer ^lmes (Johann) ruderte uns mit zwei Rudern auf dem ruhigen Spiegel des Sees dahin. Eine schöne Dame unserer Gesellschaft übernahm jedoch das eine Nuder und lenkte dasselbe behende an der Seite des schönen, kräftigen Schiffers, nach dem wohl manches schöne Auge verstohlen schielt. — Man schrieb und erzählte von einer reizenden Schifferin, welche vor etwa zwanzig Jahren am romantischen Brienzer See des Verner Oberlandes fremde und eidgenössische Herzen entzündete, jedoch allen Lockungen und Versuchungen heldenmüthig Trotz bot und so grausam mit den Männerherzen umging, daß sich ein junger steinreicher Lord, dessen Hand sie ausschlug, vor ihren Augen erschoß, und daß selbst der Meistersänger aller Minstrels, Lord B y r o n , sie vergebens besang. Solche Celebrität hat unser schöner Schiffer am Veldeser See eben noch nicht erlebt, und solche Grausamkeit wird ihm nicht nachgesagt. —, Das Dahinschaukeln auf diesem spiegelglatten See, welcher die lieblichen und großartigen Ufer und den azurlichten Himmel mit den goldbesäumten Wölkchen so naturgetreu nachbildete, und das heitere Leben, welches die zahlreiche Gesellschaft schöner Fr,auen, holder Fräuleins und lebensfroher Männer beseelte, werden lange zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens gehören. Der frohe, aller drückenden Fesseln der Convenienz entbundene Mensch sucht so gern, wie das sorgenlose Vöglein des Waldes, im Gesänge die Stimmung seines Herzens auszudrücken, und so riß denn die Fröhlichkeit auch uns zu Liedern hin. Das Pärchen am Nuder stimmte Volkslieder in krainischer Sprache an, wobei die ganze Gesellschaft mit dem l ' u t t i im Chor einfiel. „ Eines der bezeichnendsten Merkmale für den Geist, die sittliche Entwickelung, °-- 163 -^ die Denkweise und Gefühlsrichtung einer Nation"—schrieb jüngst eine gewandte Feder — »ist das Volkslied; jener unmittelbare Naturlaut, der sich ungekünstelt dem Herzen entwindet, und sicher auch wieder zum Herzen eines Jeden spricht, der demselben Volksstamme angehört." I n den Weisen der krainischen Volkslieder, selbst profanen und heitern Inhaltes, spricht sich eine süß wehmüthige Melancholie aus, die bei der leisesten Berührung des eigenen Herzens zu Thränen rührt. Wir sangen Vodnik's gemüthliches Lied: „^»äovohkn IlrmnX)" und bei der Stelle: Ü2^ nmrain, lo Krulia >'l <ile, trelmlik NKnIi ini null. trat eine helle Thräne in das Auge eines gereiften Mannes unserer Gesellschaft, der Tags darauf nach Dalmatien's Heister Zone wandern mußte, um Brot zu finden, welches ihm das Vaterland versagte, da er einem Stande angehört, dessen festbemessene Zahl sich von Jahr zu Jahr ergänzt. Das herzerfreuende Unterkrainer Lied: „ N o l e n l l l l l ^ " versetzte ihn und uns wieder in heiterere Stimmung, und bei der Strophe: l e r t» roäi, Viiise I»1ill>l, Xr^n2Äin napimo, 81>lvi Z!K Ln^I stießen wir die Gläschen mit goldfarbigem Mahrweine auf die Wohlfahrt unseres Landes und seiner Gönner wacker an. Ländlich, sittlich; und wer in einem Lande froh werden will, muß die Sitten des Landes ehren. Auch das patriotische Lied: „O<i^e8sr»,"kam an die Reihe; es besingt den, während des französischen Interregnums bewiesenen Heldenmuth der Weiber von Veldes, welchem auch Prof. Richter in seinem schönen Gedichte „Veldes" folgende Strophen widmete: „ I n den Bauer-, in den Glaubenskriegen Blieb der Felsen sammt der Neste steh'n, Wirb, wir hoffen's, ferner nicht erliegen. Wirb nur mit dem Felsen untergeh'n. 11* — 164 — Doch Marien's Eiland voller Gnade, Das bedrohten, Frevler vom Gestade, Wollten hin mit trotzigen Befehlen Und Marien's Kirchengabe stehlen. Wie des Feuerlärms erschreckend Zeichen Tönt nach Rettung durch die Berge hin Glocken-Nothruf; siehe, da erbleichen Jung und A l t : der Männer kühner Sinn Wagt es nicht, die Rauber abzuwehren; Doch die Frauen sich daran nicht kehren, Führen alles Fahrzeug von dem Lande, Waffnen sich und drohen von dem Strande. Eher wollen sie das Leben büßen Auf der heil'gen Statt' Maria-Werth, Als des Kirchleins fromme Schätze missen, Die nur toller Uebermuth begehrt. Und der Feind erstaunet ob des Muthes, Schont das Heiligthum des Kirchengutes, Und Maria und die Stifter schauen Wohlgefällig auf die tapf'ren Frauen. Also, wer das Reine will bewahren Vor des Neides stets geschärftem Zahn, Und das Heil'ge retten aus Gefahren Wider Frevel, wider Wuth und Wahn, Muß die Beiden streng, doch weislich scheiden Von der Erde Glück, der Sünde Freuden; Muß sie hinter Fels und Wald und Wellen, I n der Einsamkeit Geheimniß stellen." — Wenn auch bei bester Gesundheit, wird doch kein Fremder es unterlassen, die Badeanstalt von Veldes zu besuchen, aber, o Himmel, wie sieht die aus! S e i t v r . P e t r o v i c h , d a n n I e r r m a n n , Inhaber der Herrschaft Katzenstein, und Homann aus Lees vor 25 Jahren über der Heilquelle eine hölzerne Hütte, und nebenan einen Wasserwärmungs- Apparat nebst einer hölzernen Badehütte mit drei Kammern und Badewannen herstellen ließen, ist weiter nichts geschehen, als daß der Bauer, dem man den Schlüssel zum Bade anvertraute, und der sich seit dem den Eigenthümer dieser Heilquelle nennt, auf allfälliges Verlangen der Badegäste das laue Badewasser mittelst Stahl erhitzen läßt. — 165 — Die ganze Badeanstalt ist aber so wenig einladend, daß sich zu deren Gebrauch schwerlich Jemand entschließen wird, der nicht von der heilsamen Quelle Heilung erwartet. Woher es doch kommen mag, daß die freundliche Nymphe dieser Heilquelle seit Jahrhunderten keines wahren Freundes sich zu erfreuen hat, ja sogar recht feindlich behandelt wurde? Valvasor sagt im I I . Buche, S . 149: „Bei Felden- See ist vorhin auch ein Warm-Bad gewesen, aber durch den Verwalter von Feldes ruinirt und vertilgt; indem er, vor etlichen Jahren, vermittelst eines gemachten Grabens, den See darin leiten laßen, auf daß man nicht mehr darin baden könnte. Denn weil er (der, seines Geschlechts und Namens, Einer v. Weidmannsdorf gewest) denen guten Bekannten bißweilen aus Höflichkeit, etwas ins Bad schicken, oder sie auch wol gar zu sich, Ehrenhalber, auf das Schloß Feldes, laden müßen; ihm aber als einen gar genauen Haushalter, solches sehr hart ab- und gleichsam von der Seelen, gegangen: hat es das Bad entgelten, und, seiner strengen Kargheit zu Gefallen, untergehen müßen. Daß man also wol recht eigentlich sagen kann, er habe solche, ihm beschwerliche, Höflichkeit abgegraben." Die Sage geht, daß sothaner Schloßverwalter, um sich vor unwillkommenen Gästen noch mehr zu verwahren, in den Veldeser See Waller gesetzt habe, welche die darin befindlichen, schmackhaften Forellen vertilgen sollten. Der Kampf zwischen Forellen und Waller um die Oberherrschaft im See dauert, wiewohl mit ungleichen Kräften, noch heutiges Tages fort, dem hierdurch zur Unsterblichkeit gelangten Verwalter ist es aber nicht gelungen, die ^miei) welche er inimiei temM-is et yuieti8 nannte, und die Kranken vom Besuche des Bades ganz abzuschrecken, wie Valvasor an einem andern Orte, Buch I V . ) S. 604, mit folgenden Worten bezeuget: „ Dennoch werden, heutiger Zeit, durch solches obgleich jetzo etwas unsaubres und fast wüstes Bad, annoch viele Kranke und Breßhaffte, meistens aber solche, derer Krankheit kalter Natur und Ursprungs sind, widerum in vorigen Stand ihrer Gesundheit gesetzt. Die Untersuchungen dieser Heilquelle und die Erfahrungen^ aus ihrem Gebrauche gaben, laut ämtlichen Berichtes des k. k. Kreisphysicates im „ I l l y r . Blatte« Nr. 20 vom i ? . Mai 1822, folgendes Resultat: — 166 — „Obwohl das Veldeser Heilwasser, taut vorgenommener Analyse desselben, durch Herrn v i ' . Laschan (controllirt durch Herrn Prof. I a q u i n in Wien) weder an gasartigem Gehalt, noch an fixen Theilen reich ist, auch wegen seiner 18 Grad Wärme nur einen untergeordneten Platz gegen die eigentlichen Warmbäder behauptet, so haben doch die vielfältigen Beweise von günstigem und ersprießlichem Gebrauche des Veldeser Heilwassers die gegründete Vermuthung für sich, daß die Bestandtheile desselben, wenn auch nicht vermög ihrer Qualität, so doch durch ein glückliches quantitatives Verhältniß gegen einander, eine solche Mischung darbieten, welche auf gewisse Uebel recht wohlthätig einwirken kann. Es gibt nämlich in andern Ländern ebenfalls Bäder, welche, wie das Schlangenbad im Nassauischen, das Dobelbad bei Grätz, keine eigentlich warme Quellen, sondern nur Laubäder genannt werden können, aber als solche anerlanntermassen sehr heilsam sind. Vorzüglich wirksam beweisen sich derlei Quellen in Krankheiten von erhöhter Sensibilität, gesteigerter Irritabilität und krampfhafter Reizbarkeit, die eben darum nur einen geringen Grad des Reizes von Außen zu lassen oder benöthigen, endlich bei allen Uebeln, die aus fehlerhaften Lymphsystemen entspringen. Dieses letztere ist nun vorzüglich der Fall bei der Veldeser Heilquelle, welche, wie die Erfahrung zeigt, eine sehr urintreibende Kraft besitzt. I n jenen Krankheiten also, welche nur einen geringern Wärme-Grad zulassen oder erfordern, bei Nervenschwäche, Hypochondrie, Hysterie, unordentlicher Menstruation, Bleichsucht, weißen Fluß, Lähmungen, Gliederreißen aus Atonie, örtlichen Scropheln, dürfte besagte Quelle sicher nicht ohne einigen günstigen Erfolg angewendet werden. Ferner lehrt die Erfahrung, daß dieses Bad eine auffallende, fast spezifische Heilkraft besitzt, gegen Frostbeulen (es hebt sogar die fernere Anlage dazu), gegen alte Geschwüre, chronische Hautausschläge ohne Fieber, gegen aufgelockerte Gelenkgeschwülste, Gliedschwamm, trockene rauhe Haut, welche dadurch sehr geschmeidig wird, gegen Steifheit und Vertrocknung der Glieder, die gewöhnlichen Folgen des Alters." „Da ferner, laut angestellter Analyse, die Veldeser Quelle nur wenig gebunden und gar keine ungebundene Gasarten und flüchtige Bestandtheile besitzt, so dürfte das Wasser durch die Erhitzung auch nichts von seiner Wirksamkeit verlieren, sondern müßte vielmehr daran — 167 — gewinnen, in allen jenen Fällen, wo ein höherer Wärme-Grad erforderlich ist, z. B. bei Verhärtungen der Baucheingeweide, in der Gicht, bei Lähmungen und Steifheit nach zugeheilten Wunden." „ Wenn sich übrigens aus den bisher gemachten Erfahrungen ergibt, daß die Veldeser Quelle meistens nur für die Bewohner der Umgegend und gegen dort endemisch herrschende Krankheiten, Scrophelsucht, chronische Hautausschläge, veraltete Geschwüre, Steifheit der Glieder (wie dieses in allen Orten der Fall ist, wo Bergbau, Hammerwerke, Schmieden», dgl, betrieben werden), heilkräftig gewesen, so unterliegt doch keinem Zweifel, daß dieses auch der Fall seyn würde in vielen andern nicht localen Krankheiten, wie denn wieder Beweise vorhanden, daß Kranke inVeldes genesen sind, die früher in Montefalcone, Töplitz bei Neustadt!, Tüffern und Rohitsch ohne Erfolg gebadet hatten. Rechnet man nun noch hinzu die ausgezeichnet schöne Gegend, darin die Veldeser Heilquelle liegt, ein glücklicher Umstand, den gar viele Bäder vermissen, die gesunde Luft, die herrlichen Umgebungen und Spaziergänge, die angenehme Wasserfahrt auf dem Veldeser See, die Nähe der an Naturschönheiten so reichen Wochein, so dürften Personen, welche durch angestrengte Kopfarbeit, sitzende Lebensart sich Nervenübel, Anschopfungen des Unterleibes, Verdauungsbeschwerden zugezogen, dort gar sehr ihre Rechnung finden." Es sollen bereits wiederholt Versuche gemacht worden seyn, einen Actien-Verein zu bilden, der durch Ankauf und würdige Ausstattung der Badeanstalt den wohlverdienten Glanz geben sollte, allein es war immer, als ob ein scheelsüchtiger, böser Geist die Sache zu hintertreiben gewußt hätte. Es ist des derzeitigen energischen l . k. Bezirks-Commissars von Radmannsdorf, E. Rizzi, ernstlicher Wille, der Anstalt und der Gegend zuvörderst durch Anlegung eines gut fahrbaren Weges zum Bade, bei dem zu empfehlenden Gasthause von Mallner und Mayer vorüber, aufzuhelfen; er nahm während unserer Anwesenheit persönlich die Ausmittelung und Ausmessung des Terrains vor, wobei ihm meine Wenigkeit und mein Sohn (damals Grammatist), behilflich waren; ich erwähne dessen aus dem Grunde, weil es letzterer erleben dürfte, dieses Bad dereinst im Flor zu sehen. Kalktuf-Abdrücke von verschiedenen Gebilden, welche man hart an der frisch perlenden Quelle neben dem genannten Gasthofe noch — 168 — gegenwärtig findet, gaben schon vor zwanzig Jahren die Vermuthung, daß in dortiger Gegend die eigentliche Heil- oder Warmquelle zu suchen sey; warum ist man diesem Winke bis zur Stunde nicht gefolgt? Einen recht heitern Nachmittag verlebten wir in Gesellschaft aller Badegäste von Seebach bei Ersteigung der etwas steilen Anhohe, 8tr»8k» genannt, von der sich wieder eine ganz neue, lohnende Aussicht öffnet. Auf den Bergen und auf den Höhen Ist die Allmacht in der Glorie zu sehen. F. L. Z. Werner. Der Rückweg führte uns an der Rückseite des Berges auf eine anmuthige Trift und dann durch eine freundliche, baumbewachsene. Au, nicht ferne vom Bade, zum See zurück. Der Weg von hier bis Seebach am Rande des Sees ist an und für sich schon überaus angenehm. Beinahe in eben so zahlreicher und eben so angenehmer Gesellschaft machten wir Tags darauf einen Ausflug zum Wasserfalle der Rothwein bei Afp. Der Weg dahin ist nur eine Stunde weit, aber streckenweise für zarte Füßchen etwas beschwerlich; dennoch schritten Kinder und Frauen rüstig vor uns einher, und der Steiererwagen, den wir zur Vorsorge für allfällige Marodeurs bis Asp mitgenommen hatten, fuhr leer hin und zurück, vielleicht weil Niemand durch dessen Gebrauch zum Marodeur sich bekennen wollte. Ein kleiner Marstall gemüthlicher und genügsamer Esel, an denen es an andern Orten keinen Mangel gibt, wäre in Veldes zu ähnlichen Ercursionen willkommen und dürfte sich rentiren. Die Schlucht, in welche der Wasserfall der Rothwein herabstürzt, ist wildromantisch, der Fall selbst aber minder durch seine Höhe, als durch seinen mächtigen, zweifach gebrochenen Strahl, unter welchem man hinweg gehen kann, ausgezeichnet und wahrhaft malerisch. Dir gegenüber steh' ich auf dem Steg', Zu schauen in die wildbeschciumten Wogen; Da kömmst du auf dem aufgewühlten Weg' Im Sturmschritt eine Heersmacht angezogen. Und speiest hunderttausend Wellenschlag' Ingrimmig über den gesprengten Bogen! vr. Weißenbach. — 169 — Nach Veldes zurückgekehrt, trafen wir drei junge Leute von Laibach im Gasthause, die eine Fußreise machten und über Aßling dahin kamen. Sie erzählten, daß sie bei Aßling dem blutigen Schauspiele beigewohnt hätten, wie ein Mäher, der mit dem Stiele seiner Sense einem Wieserl nachlief, um es zu erschlagen, einen unglücklichen Fall that und sich selbst den Hals abschnitt. So fröhlich und heiter wir vordem waren, so ernst und einsilbig machte uns diese Erzählung für den ganzen Abend. Ein viel bequemerer und etwas minder entfernter Spaziergang ist der zur Kirche zu SebeiM welches eine überaus reizende Lage hat, so zwar, daß sich Anna M a r i a Lenk^vMK, Freiin auf Wo'rdl, eine geborne Gräfin Thurn, dort ihr Ruheplätzchen im Leben und im Tode erwählte, dasselbe Brunnenthurn nannte, dort die Capelle erbaute und ein Beneficium mit dem Vorbehalte stiftete, daß sie in jener Capelle nach ihrem Tode beigesetzt werde, wo sie auch wirklich seit 138» im Herrn ruht. Der NameSebenje erinnert an die Schenkung der Herrschaft Veldes vom Kaiser Heinrich dem Heiligen an den heil. Bischof Albin v. Säben. Wem die Gräber erlauchter Vorfahren heilig sind, der besuche die Pfa^rkirHe^MHees^ eine Stunde vor Veldes. Dort liegen unter dem Altare der heil. Katharina die Gebeine einer vermeintlichen Herzogin, wahrscheinlich aber nur Gräfin Katharina, welche nach dem Stiftbriefe jene Kirche gestiftet hat, auch daselbst zu Lees starb und dort zur Ruhe bestattet wurde. Sie soll eine Schwester der heil. Hemma, folglich eine Tochter Engelbert's Grafen v. Peilenstein gewesen seyn, und es fällt somit die Gründung der Kirche zu Lees in das eilfte Jahrhundert. Diese Kirche verwahrt auch eine Urkunde vom I . 1390, mit welcher ein Edler v. Schmied einen Hof zu Goriza, in der Pfarre Moschnach, der Kirche U.L. F. zu Lees, legirte. Die Höhe des Kirchturmes zu Lees beträgt isos Schuh über der Meeresfiäche. Einer der entferntesten, aber auch lohnendsten Ausflüge ist von Veldes nach Stein und Katzenstein. „Schon die bloßen Namen S t e in undKatzenstein" — sagt Prof. Richter im „ I l l y r . Blatte« Nr. 28 vom 2 l . Juli 1820 — „erwecken das Interesse, ich will nicht sagen, des Geschichtforschers, sondern jedes Freundes der vaterländischen und — 170 — der österreichischen Geschichte. Hier hausten nämlich die mächtigen Herren v. S t e i n und ihre Nachfolger dieLamberge, berühmt in den Schranken der Turniere wie im Cabinette, und als Vorsteher der Provinz Kram. Von hier ist auch ausgegangen jener tragisch endende Hans Katzianer!" — Ueber Stein, Katzenstein und ihre Besitzer läßt sich nichts Treffenderes sagen, als was Prof. Richter (a. n. O.) gesagt hat, und wovon ich nachstehende Momente heraus zu heben mir erlaube: „ Die Ruine der alten Burg Stein (zu V a l - vasor's Zeiten, also am Schlüsse des siebenzehnten Iahrhundertes, stand sie noch in ihrer Herrlichkeit da, wie der Kupferstich bei genanntem krainischen Topographen nachweiset), findet man gleich hinter V i - gaun in einem sehr engen Thale. Von der Landstraße her würde sie Niemand dort ahnen. I n früherer Zeit möchte das Thal durch diese Burg wohl gar gesperrt gewesen seyn, denn es erheben sich rechts und links derselben zwei hohe Kalkberge, ^amerski Veili und v o - der^K») gleich Riesensäulen oder Wartthürmen, zwischen welchen die Burg amphitheatralisch mitten inne lag. Darneben rechts fließt die Vnßnullx,» (Vigaun) ein krystallheller Bergbach, der vermuthlich in Nothfällen durch Schleußen gesperrt, den Felsenrücken der Veste ganz unzugänglich machte, weil dadurch der rückwärtige Raum bis an die Schneegebirge ^v,-»ßa) in eine» See umgestaltet wurde., Von vorn war durch siebenfache terassenartig übereinander hervorragende Mauern der Zugang fast unmöglich, oder hätte doch viel Blut gekostet. Ueberdieß trotzte, wenn die Mauern erstiegen waren, die Burg selbst noch durch zwei mächtige Seitenthürme, und durch einen runden Thurm in der Fronte, die jeder Kraftanstrengung zu spotten schienen. Eben diese einsichtsvolle Benützung der von der Natur dargebotenen Vortheile zu militärischen Zwecken scheinen die Kunst gleichsam aufzufordern, diese Ruine durch eine getreue Zeichnung bekannter zu machen, obwohl die Veste in der Art, wie sie zuletzt bestand, nicht gar 200 Jahre alt ist. Dafür ist der Name Stein als Herrschaft desto älter. Es sollen uns die verschiedenen gleichnamigen Orte in der Nachbarschaft von Kram, als in Kärnten, in Friaul u. a. m. nicht irre machen. Die Herren v. S t e i n , welche in Urkunden der nachbarlichen Gotteshäuser Brixen und Freisingen vorkommen, sind sicher Oberkrainer. — Nach dem Aussterben deren von S t e i n (vermuthlich in der — 17l — ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderte«) kam diese Herrschaft, wahrscheinlich als heimfallendes Lehen an die Ortenburger ( C i l - l i e r ) Grafen, denn von Ulrich Grafen v. C i l l i kaufte sie 1442 Hans Seebacher; von diesem wieder Andreas Khreig, Hauptmann zu Veldes, und von der Familie Khreig endlich 1469 Herr Georg v. Lamberg, Hauptmann zu Lack. — Was die Rosenberge in Böhmen, die Zierotine in Mähren, das waren die Lamberg « in den Zeiten des Kaisers Friedrich I V . , Kaisers Maximilian I. und ihrer Nachfolger, besonders durch das sechzehnte Jahrhundert, in Krain. — Von Sauenstein war der, als Stifter 1483 bekannte Fiedrich Lamberger, ein Sohn jenes berühmten Caspar Lamberger, (Spielgenosse des Kaisers Maximilian I.) dessen gewaltiger Arm so manche Lanze gebrochen, wie aus den neun Stück im Schlosse Katzenstein hängender und noch ziemlich gut erhaltener Turnier-Scenen von altdeutscher Malerei ersichtlich ist, darauf Casp ar Lamberger in 23 Schweifrennen theils siegend, theils besiegt, erscheint. Unter seinen Gegnern finden sich: Maximilian, Remischer Khinig, Markgraf Albrecht von Paden, Graf Friedrich von Hohenzollern, Tiebolt Harrah, Albrecht von Klingenberg, Weikhardt von Polham, Jörg von Kastelwagh, V i g i l i u s Waczeistorfer, Anton Amenn, Volkart v. Aursperg, Georg, Hans und Jakob die Lamberger, letzterer Caspar's Bruder, u. A. m. Es verdient bemerkt zu werden, daß dieser seltene Turnierheld vierzehnmal sitzend erscheint, während seine Gegner meistens zu Boden liegen; nur siebenmal scheint er mit seinen Gegnern zugleich aus dem Sattel gehoben, und nur im Ritte mit seinem Bruder, mit Kaiser Maximilian und dem Markgrafen von Baden scheint er überwM. den. — Jener Georg Lamberg, früher freisingischer Pfleger zu Lack, dann 4445 Landesverweser, war wahrscheinlich der Vater des Caspar und Jakob v. Lamberg, die als Brüder mit einander turnirten, und wovon Jakob Lamberger die alte Steinburg zu bauen ansing, wie folgende jetzt in Katzenstein befindliche und aus Stein übertragene Inschriften beweisen." Um den Rand einer steinernen Tischplatte im äußersten Vorhofe zu Katzenstein, unter einer alten Linde, liest man: — 172 — Älicu I.I68 lU^cUNN 1^00« von I.^NNLNl3 ^IIHI 8 l ^ IN R537 60^ 6NL8 6I.VXlI. . Nächst jenem aus der krainischen Reformationsgeschichte bekannten Thurm des Katzensteiner Schlosses, wo einst IuliannaKotzia. nerin denAkatholiken ein Bethaus einrichten ließ und Georg D a l - matin, der berühmte krainische Bibelübersetzer, (l388) den Gottesdienst hielt, liest man auf einer Steinplatte: 8i Neu» pro nobi«, 15 N 37. I N « 0 I " 1 N 8 ? ^ N U ^ XllN l 8 ^ IN l3NN^NN'l. VVN I^^NLNIl«!: NN?NIi^NNI. L » « ^ ^ ' V0N NVIIIM) VHIill V^N6N»VN6 ^^00«NN V0N An der innern Seite der Einfahrt des Schlosses Katzenstein findet sich die von Stein übertragene Inschrift: ^imo V N I NDXI.VIIII I.IN8 Nicu N^0«NN N^Il 1^X0» V0N I^UVNNtt ^U»l 81^IN NII^^NIl »0N. «VN. MI' 1^1' VIL8N» ^NN' I^NDV8 VN^VN8LIt ^ i l l t 8NNI.) I.NIÜ, VN» VNV l3VN^ 60l «L« 6I.V«8^I.Itt NNV. Dennoch mochte die letzte Hand erst 1532 an diese Veste gelegt worden seyn. Denn auf einem alten aufbewahrten Dachziegel von der Veste Stein liest man die Worte: i3 N. Z2. Gott Geb Glugsaleg Endt I . Lamberg zum Stain. — 173 — Der Name des Schlosses Katzenstein ist jünger als jener des dazu gehörenden Ortes Vigaun. Nach Valvasor gehorte dieses Vigaun sammt dem Schlosse einst dem alten Geschlechte derer v. Rain oder Ran, im I . 1338 namentlich einem gewissen Niklas v. Rain. Die Tochter desselben vermählte sich in zweiter Ehe mit Georg Katzianer von dem seither die Burg Vigaun den Namen Katzen stein erhielt. Er wurde zugleich der Stammvater des im Krainerlande nicht allein, sondern überhaupt in der Geschichte Oesterreich's denkwürdigen Geschlechtes derer v. Katze «stein. IohannHörwarthGrafv. Katzenstein, derselbe, der 16L7 — 168t Landesverweserin Krainund Landeshauptmann von Görz gewesen, hat das Katzensteiner Schloß, so wie es gegenwärtig ist, ausgebaut. Denn es war die Burg Katzenstein schon durch den Grafen Hermann». C i l l i gebrochen, seit dem aber wieder hergestellt worden. Dieses, drei Stock hohe Kerngebäude gewährt schon in der Ferne einen Achtung einstoßenden Anblick. Die Einfahrt in das Schloß ist rückwärts. Aus dem inner« Hofe, darin ein vortrefflicher Springbrunnen, in dessen Bassins stets Forellen unterhalten werden, kommt man über eine majestätische, breite, steinerne Stiege in die weiten und hohen Gemächer. Die zierliche Stukatur an den Plafonds sammt den in den Feldern angebrachten Gemälden ist wohl erhalten, die Farben sind noch frisch. Die Kaminöfen im ungeheuren Saal- und Thurmzimmer, ferner Mosaik-Tische, beweisen den italienischen — das Riesenhafte und Massive an Oefen, Thüren, alten Kästen und Sesseln, den deutschen Geschmack jener Zeit. Auch von der Familien-Tugend der Lamberger, Sammlung von Kunstschätzen, findet sich hier noch eine erfreuliche Spur in einer ziemlich beträchtlichen Zahl von Gemälden, die im zweiten und dritten Stocke die Wände schmücken, worunter einige von entschiedenem Kunstwerthe, andere historisch merkwürdig sind. Also finden sich in Lebensgröße Herr Seifried der Gallenberger, Stifter des Klosters Münkendorf, der im1.1300 IUI Jahr alt gestorben. Nebst andern Gallenberg'schen und Lamberg'schen Familien-Porträts zieht in einem Gemache des Thurmes (eine Art Rumpellammer) ein großes Gemälde aus altdeutscher Schule die Aufmerksamkeit auf sich. Es sind, wie die Wappen bezeugen, zwei Katzianer, kniend vor einem Gnadenorte, der eine in ritterlicher Kleidnng, der andere in einem Pelzmantel, beide starkbärtig, hinter — 174 — ihnen ihre Familie, und zwar auf der Seite des Ritters ein Sohn und zwei Fräulein sammt der Erzieherin, auf der andern Seite aber t i Knaben und tv Fräulein, die letzteren mit Rosenkränzen, kniend in Reihe und Glied, rückwärts eine Erzieherin und zwei Erzieher. Im dritten Stocke findet sich noch Wandmalerei geringeren Werthes, meistens Iagdstücke, und dann auch, in einem Zimmer, vorstellend die Schritte der Cultur des Menschen, von der Viehzucht bis zur Baukunst und dem Metallschmelzen. Die ganze Lage des Schlosses ist ungemein angenehm und gesund. Rückwärts findet sich ein artiger Garten im neuern Geschmacke, doch mehr zum Nutzen als Vergnügen. Eine recht hübsche Parthie ist, gleich in der Nähe über die Vlaten»», die durch eine sonnenreiche Aue angelegte Allee, an deren Ende ein Gloriett steht. Ein Fußweg führt von hier durch einen kleinen, sehr reinlichen Eichenwald bergaufwärts. Ist man aus demselben heraus, so liegt St. Peter so einladend vor dem Blicke, daß man die kleine Anstrengung auf dem ohnehin nicht sehr steilen Pfade nicht scheuet, um zu dem lieblichen Kirchlein, und somit zugleich auf einen Punct zu gelangen, von dem man eine der herrlichsten Aussichten genießt. Die ganze Radmannsdorfer Ebene mit ihren zahlreichen Kirchen, rechts und links der Straße bis nach Veldes hin, liegt wie eine Landkarte ausgebreitet da. Bei heiterem Wetter sieht man den Triglav, die kärntnerischen Schneegebirge, den Iudocusberg, Krainburg, den Gallenberg, sogar mit guten oder bewaffneten Augen den Laibacher Schloßberg. Der Veldeser See mit Maria- Werth, die aus der Wochein kommende Save, Schloß und Stadt Radmannsdorf sind eben so viele gefällige Ruhepuncte für das Auge. Das Bergkirchlein S t . Peter ist im gothischen Style, man sagt, von Jägern gestiftet, muthmaßlich aus dem dreizehnten Jahrhunderte. (Eine Iahrszahl wurde nirgends bemerkt.) Die drei Altäre darin sind ganz artig, aber aus neuerer Zeit. Die altdeutsche Malerei auf der linken Seite des Schiffes (die rechte Seite, so wie die Säulen und das gothische Gewölbe sind leider überweißt), stellt dar: die Leidensgeschichte Jesu, dann mehrere evangelische Stücke, als Christus und Zachäus, das Austreiben der Käufer und Verkäufer, die Fußwaschung; im linken Ecke des Schiffes auch die Auferstehung zum jüngsten Gerichte. Hinter dem Kirchlein steht eine kleine Kapelle über einem Felsenloche, — 176 — von dem die Sage geht, daß der Wind daraus von Rom her wehe. Die Wallfahrter stecken gewöhnlich die Füße hinein, in dem Glauben, dieß sey ein Mittel gegen die Fußschmerzen, so wie sie mit den Zähnen an dem Glockenstrange ziehen, und sich dadurch gegen Zahnweh gesichert halten. Zur Herrschaft Katzenstein gehört der Ort Vigaun, wo sich viele Tuchweber aufhalten. Ein entfernterer, für geübte Fußgänger jedoch nicht abschreckender, dagegen wegen den mannigfaltigen Naturscenen jedenfalls sehr einladender Ausflug ist der nach der alten Bergruine Wallenburg (Waldenburg), jenseits der Save ober Nadmannsdorf. Wallenburg, im Mittelalter eine wichtige Veste zur Bewachung der Savelinie gegen die über Tolmein und die Wochein einbrechenden Grenznachbarn, war das Stammhaus des gleichnamigen Geschlechtes, dessen Daseyn bereits mit dem Jahre 1354 verschwindet. Sie liegt seit dem sechzehnten Jahrhunderte, seit sie nämlich unter Am b rosius Grafen v. Thurn eingeäschert wurde, als entvölkerte Bergruine da. Die Besitzer von Wallenburg hatten im nahen Dorfe Oberleibs nitz^ihre mit Schwert und Lanze bewaffneten Knappen, achtzehn an der Zahl, die eine kriegerische Verfassung und Dienstpflicht hatten, und solche noch bis in die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts zu Wallenburg ausübten. Wir sahen auch die Wochein, diese lrainische Schweiz. Die Vorbereitungen zur Einfahrt in die Wochein haben einige Ähnlichkeit mit der Erpedition nach einem entfernten Welttheile: man zieht zunächst Erkundigungen ein, als ob es eine Gerrit ineoSnita wäre, sorgt dann schon hier in Veldes für Unterkunft auf dem Wege dahin Änd zurück, was jedenfalls klug, ja nothwendig ist; man sucht ferner oder erwartet eine gute Gesellschaft, und sieht sich endlich nach Fuhrgelegenheit um, welche, wenn auch bescheidene Einspänner, Landfuhren in optima form», dennoch nicht immer bereit da stehen. Es preßt dem Touristen fürwahr einen Seufzer aus, daß in dieser äußerst sehenswerthen Gegend für die Bequemlichkeit der Reisenden gar so wenig gethan ist. Wie ganz anders wissen andere Länder die Reichthümer der schönen Natur zur Gewinnung materieller Reichthümer, zur Herbeilockung der Fremden zu benützen! — 176 — Wir waren unser Zehn, die wir die <8»vi2» besuchen wollten, und benöchigten daher mindestens vier Einspänner, die wir in Seebach und in Veldes aufzutreiben bemüht waren, was uns nicht gelungen wäre, wenn der würdige Pfarrer von Veldes nicht die besondere Gefälligkeit gehabt hätte, mir seinen sehr netten und bequemen Einspänner zu leihen. Es verdient die dankbarste Anerkennung, daß die katholische Landgeistlichkeit dieser Gegend an den Reisenden auf die Humaneste und gastfreundschaftlichste Weise das gut zu machen versteht, was die Indolenz der Wirthe an ihnen versündigt. Zum Belege für die letztere leidige Wahrheit diene hier ein, auf eben dieser Reise nach Veldes erlebtes Beispiel. Es war eben Mittag, als wir auf dem Wege zwischen Krainburg und Radmannsdorf zum Wirthshause ? o l » v 2 , freilich nur ein Landwirthshaus, gelangten. Da uns die nächste Station für unsere, von Laibach mitgenommenen Pferde zu entfernt schien, so gedachten wir, uns und unsere Pferde hier beim ? n l u v 2 abzuspeisen, und wir machten daher vor dem Wirthshause Halt. I n demselben Augenblicke trat die Wirthin, eine junge, nette und festlich gekleidete Person an die Hausthür, wohin sie, wie es sich nachher unzweideutig herausstellte, nur der Vorwitz getrieben hatte. Ich stieg vom Wagen, nahte mich ihr auf so höfliche Weise, als man sich einer hübschen Wirthin nur immer nähern kann, und fragte in der Landessprache und im beinahe bittenden Tone, ob wir Etwas zu essen bekommen konnten. Sie erwiederte ganz trocken, daß sie kein Fleisch beim Hause, und überhaupt nichts bereitet habe; ich meinte dagegen, daß Etwas von dem vielen Geflügel, welches sich am Hofe befinde, schnell bereitet wäre, sie aber drehte mir den Rücken und sprach: „ Was nicht noch; jetzt soll ich Hähndeln fangen gehen." Und somit waren wir abgespeist, und uns blieb keine Wahl übrig, als bis zur nächsten Station, auf die sogenannte alte Post zu Ottok zu fahren, wo wir mit der Bedienung und Zeche zu> frieden seyn konnten. Ich erzähle dieses Intermezzo zur Richtschnur für Reisende in dieser Gegend. Die Fürstbischöfe von Briren colonisirten einst ihr Gebiet in Krain (namentlich Deutsch-Gereuth) mit deutschen Ansiedlern; eine Colonie zuvorkommender deutscher Wirthe wäre jetzt hier am rechten Orte und an der Zeit, und ganz im Interesse der Reisenden und des Landes. — 177 — Man muß von Veldes zeitlich aufbrechen, um an einem Tage bis zum Ursprünge der Save und zurück über den Wocheiner See bis zu irgend einer Nachtstation in der Wochein selbst zu gelangen; die Rückkehr bis Veldes läßt sich aber an demselben Tage nur mit Mühe erzwingen, und ist wegen einigen gefährlichen Stellen des Weges, den man jedenfalls bei Nacht zurücklegen muß, nicht anzurathen. Wir brachen um n Uhr des Morgens auf, und fuhren in die Gebirgsschlucht, den alten Weiberzahn ^liaHi soll) zur Linken lassend, zunächst dem Dorfe Wocheiner Vellach zu. Der Weg, unter welchem die Save in der Tiefe dahin schäumt, ist an manchen Stellen in der That grauenerregend, bei Tag und mit sichern Pferden jedoch minder gefährlich. Wenn hie und da an den schauerlichsten Puncten ein kräftiges Geländer angebracht würde, was in dieser holzreichen Gegend immerhin zu erzielen seyn dürfte, so wäre hierdurch für die Sicherheit auf menschenfreundliche Weise gesorgt, und es blieben furchtsamen Seelen noch immer die Schrecken übrig, mit welchen andererseits die ober dem Wege herabhängenden Felskolosse dem Wanderer drohen, gegen welche aber nicht füglich eine Abhilfe zu treffen ist. Gleichwohl dient es zur Beruhigung, daß von einem hier irgendwo vorgefallenen Unglücke nichts zu hören ist. Der Charakter der Gegend ist durch und durch Alpenland; hohe Berge schließen zu beiden Seiten den Weg in die Wochein ein, und zahlreiche Cascaden stürzen, zumal nach anhaltendem Regen, wenn der liebe Gott, wie Prof. Richter sagt, seine Wasserkünste hier losläßt, zu beiden Seiten von den Felswänden herab. Der Wasserfall bei Neuming, der nahe an der Straße, wie ein Silberschleier aus weiter Hohe, beinahe lothrecht herab sich windet, ist überraschend schön. Des Himmels Antlitz lächelt aus der Ferne Und malt die Wasser; alle Farben glühen — Vom reinsten Purpur bis zum Glanz der Sterne — Im zauberischen Wechsel vor der Sonne Sprühen. Und wieder ändert sich die Scene: bleich're Schatten Bedecken das Gebirg — > — grau ist das Ganze. Chiloe Horald. Neisetnnn. «u« Orain. 22 — 178 — Wir befanden uns also in der Wochein. Woche, n, einst vielleicht Wo—ein, denn man möchte da in der That fragen: wo ein, wo aus? weil himmelanragende Berge die Weiterfahrt zu verhindern scheinen. Die Schlucht, durch welche die Wocheiner Save gegen Veldes zieht, und an derem Rande der Weg bald rechts, bald links dahin führt, heißt das untere Thal, IiuKova 6l»1in.^ Buchenthal, und ist von dem ober« kleinem Thale, 8»oin» ^olinn, durch, einen, von Osten an dem Wocheiner See hinlaufenden Landrücken, eigentlich durch die drei Vorgebirge: Il,uclni?.3^ Viflmvnix» und Vnlinll Kur», getrennt. Das ganze Wocheiner Thal ist über vier Stunden lang und anderthalb Stunden breit, und dehnt sich von Ost-Südost gegen West-Nordwest aus. Das untere Thal hat Südost, das obere Nordwest. Außer den vielen Wasserfällen, die hier den Wanderer von Wunder zu Wunder bis zur ^»vi'^a hinauf geleiten, sind nachstehende Puncte merkwürdig. Unweit der ersten Brücke auf dem Wege von Veldes in die Wochein, im Orte Oberne, fest am linken Ufer der Save, dehnt sich eine beträchtlich hohe Felsenwand längs des alten Saumweges, welcher einst der einzige Ausweg aus der Wochein war; an einer zugemeißelten Fläche dieser Felsenwand, über zwei Klafter vom Boden erhaben, ist das nachstehende Monogramm in den Felsen eingehauen: M Die Leute derUmgegend meinen, daß bis zu dieser Stelle die Osmanen gedrungen seyen, hier aberumkehren mußten, weßhalb derOrtOde, - ns (er kehrt um) heiße; allein im 1.1554 waren die Türken nicht im Lande, und somit kann das Monogramm darauf keinen Bezug haben. Die zweite Stelle, die man einer Beachtung würdig hält, ist diejenige, wo die Hammerwerke der heil. Hemma gestanden haben sollen; — 179 — sie ist ungefähr 300 Schritte von der zweiten Brücke in der Wochein, in der sogenannten Stiege am rechten Ufer der Wocheiner Save, an dem Wasser UesKnzMX) welches sich nach kurzem Laufe in die Save ergießt. Zu Feistritz im untern Thale, wo das Baron Zois'sche Hammerwerk eine Besichtigung verdient, sprachen wir ein. Das genannte Hammerwerk ist sehr alt, und vielleicht dasselbe, welches um 1635 eine Katharina Freiin v. Lamberg besaß, die sich zum bessern Betriebe ihres Gewerkes bei der Herrschaft Veldes um Holz bewarb. Johann v. Locatelli ist namentlich als der Erste genannt, der zu Feistritz die Eisengewerkschaft betrieb; nach ihm kam Baron P i t t o n i , dann M i chael Angelo Zois, und seit dem ist sie fortwährend ein Eigenthum der Familie Zois. Der Ort Feistritz hat seinen Namen von dem, an der ?<Kk!-n«, pel'lt und am Berge I^ilex entspringenden, und nach kurzem Laufe in die Save einmündenden gleichnamigen Flusse Feistritz, Viste»?.«. I n der alten Karte: l'aliula vueatus darninliae) V i n - llormn NllreKille et Ui8t!'ine ex inente Illust"". yiiun^nw 1^.L. V n l v » 8 « r i i ecmeinuata et exliibitll a ^ . L. Nomanno O.lü.Hl. l i e o i ' . ^Vorimber^ae, kommt der Ort Feistritz nicht vor, wohl aber ein Ort mit Namen Wochein ( Ä e ) . Die xliei'N», perlt) welche von dem sehr dunklen Thonschiefer, der auf ihrer Spitze dünn geschichtet liegt, die Benennung hat, und die herrlichste Aussicht in das Küstenland gewährt, wird vonBota» nikern häufig bestiegen und gepriesen, den Geschichtsforscher zieht, dagegen der Hügel liniöovlki ^r»cIe2^(Heidenberg) nächst dem Dorfe Litnnll an. Prof. Richter hält ihn für einen weiland romischen Wachtposten, der diesen wahrhaft militärischen Punct zu bewachen gehabt habe, und in der Völkerwanderung von den nordischen Barbaren in einen Schutthaufen umgewandelt worden sey. Römische Alterthümer, Schmelztiegel und Münzen, welche man in der d»!inn ZM» fand, führten den Herrn Professor zu jener Vermuthung; er gibt aber gleichwohl zu, daß allenfalls romische Bergleute dort ihr Wesen getrieben haben mögen; es ist jedoch auch möglich, daß die Ruine einer später« Zeit, dem Mittelalter, angehört, und daß, wie die Lueger in Innerkrain, hier irgend ein Raubritter auf die durchziehenden wel'- fchen Kausteute lauerte, denn einer der Hauptzüge, welche noch in 52* — 180 — späterer Zeit die l'ovoimki^ Säumer, mit dem Waarentransporte durch Kram nahmen, ging durch das Canaler Thal an dem Isonzoflufse durch Tolmein, Kirchheim in die Wochein, und so fort an die Kärntner Grenze. Heutigen Tages herrscht hier und in ganz Oberkrain eine musterhafte Sicherheit; die Errichtung der Landsicherheits-Wache und die Ablieferung unverbesserlicher Landstreicher in auswärtige Zwangshäuser tragen dazu wesentlich bei. Das kräftige, im Ganzen noch unverdorbene, Oberkrainer Volk würdigt und unterstützt gerne und dankbar eine kräftige Regierungs-Maßregel. Nach Besichtigung des Hammerwerkes zu Feistritz schloß sich der gefällige dortige Verweser, als willkommener Gefährte, an unsere kleine Karavane an. Seiner Vorsorge hatten wir es zu verdanken, daß uns am Wocheiner See zwei Schiffer mit ihrem Fahrzeuge erwarteten. Ich vermag es nicht, den Eindruck zu beschreiben, welchen der, von einem tiefen, fast melancholischen Ernste umlagerte See auf mich machte; Prof.Richter möge meinem Gefühle Worte leihen. Er sagt: „Wer beschreibt den, in seiner Art einzigen Genuß, sich bei heiterem, stillen Wetter auf dem zwischen den reizendsten Bergen ausgebreiteten See dahin schaukeln zu lassen! Es gleicht eine solche Fahrt der glücklichen Gegenwart. Was rückwärts liegt, das wird vergessen. Eine hohe Gebirgswand schließt neidisch die Aussicht in die Ferne, wie das Schicksal den Blick in die Zukunft, aber man überläßt sich gern der behaglichen Gegenwart, ist auch das Grab unter den Füßen. Wie in der ruhigen, dunkelgrünen Fluth sich die freundlich bekränzten Felsenwände spiegeln, also die heitere Außenwelt in unserer empfänglichen Seele. Dreifaches Erz muß dem um's Herz herum liegen, der fern von dem egoistischen Gewühle der Städte in dieser schönen Einsamkeit nicht edler Gefühle fähig ist." Der Wocheiner See steht an wahrer Naturschönheit dem Hallstädter und Gmundner See nicht nach, wohl aber an Leben und Abwechselung; am besten ließe er sich dem Gründet See nächst Aussee in Obersteiermark vergleichen. Der Wocheiner See ist eine Stunde lang und eine halbe Stunde breit; seine größte Ausdehnung ist von Norden nach Südens und es beträgt sein Flächeninhalt nach geometrischer Messung ZnoIoch 842 Qua181 — drat-Klafter, seine Tiefe aber erreicht an zweien Stellen, wie die Schiffer uns versicherten, sogar 40 — 43 Klafter; der Hauptzufluß geschieht durch die <8»vi»») doch soll er auch aus unterirdischen Quellen das Wasser erhalten, welches bei anhaltendem Regenwetter 5 — s Schuh steigt. Schroffe Berge, zu deren steilen Höhen hier nur die Gemse den Weg zu finden weiß, engen den See ein; sie reichen hart an den See an, so zwar, daß nur hier zur Linken ein schmaler Pfad am Saum des Sees der ^ l l v i x l l zu lauft; ringsum kein Haus, außer den beiden Kirchlein, die sich mit den felsigen Bergen im dunkeln Wasser des Sees wiederspiegcln. Während eines Gewitters, wenn schwarze Wolken die Berge, den See, die ganze Landschaft verfinstern, mag es hier unheimlich aussehen, und ein Sturm während der Fahrt auf dem See nicht eben erwünscht seyn. Mir bleibt die Erinnerung an die Fahrt über diesen, sonst so friedlichen und stillen See immer theuer. Einer der Schiffleute, die uns den See hinüber ruderten, war zugleich Gemsenjäger, und erzählte uns während der Fahrt manches ergetzliche, mit jenen schlauen und schnellfüßigen Thieren, und namentlich mit dem Urahn aller Gemse, der oft gesehen wird, aber immer glücklich entkommt, erlebte Iagdabenteuer, mitHinweisung aufdieStelle oder Gegend, wo es sich zutrug. Unter heitern Anekdoten und Scherzen, mit welchen wir wetteiferten, gelangten wir an das jenseitige Ufer, zur Ausmünduug der <8»vjL» in den See, wo wir einige Gläschen frischen Alpenwassers vom Schiffe aus tranken, und zur Ersteigung der Anhöhe, aus welcher die Save herabstürzt, uns erfrischten. Das fernher rauschende Getöse des <8avixa-Falles zog uns mächtig an und reizte ungemein unsere Begierde nach jenem Heiligthume der geheimnisvollen Natur; doch In's Inn're der Natur Dringt kein erschaff'ner Geist, Zu glücklich, weAsie nur Die ciuß're Hülle weißt. Haller. Unsere Schiffer beluden sich mit unfern Oberröcken und mit etwas Wein und Inbiß, denn Speise, Trank und Oberröcke leisten oben am Ursprünge, wo das Thermometer bedeutend sinkt, der Appetit aber gewaltig steigt, sehr gute Dienste. Der Weg zum Ursprünge durch die Hutweide IIKan2») wo viele Sennerhütten stehen, ist anfangs eben — 182 — nicht beschwerlich, wird es aber, sobald man den schmalen Fußsteig über Felsentrümmer, zwischen thurmhohcn Riescnbuchen, von denen welche auf Aesten und Wurzeln am Boden liegen, und den Weg sperren, empor zu klettern beginnt, und es dringt sich das Bedauern auf, das; zur Bequemlichkeit derer, welche die Naturmerkwürdigkeit des Ursprunges der<8»- vix,» ganz in der Nähe zu besehen Lust haben (ihreZahl belief sich schon in diesem Jahre auf 200), gar nichts geschieht; selbst die seit vielen Jahren bestehende hölzerne Stiege, die zum Monumente hinauf führt, ist bereits so morsch und lebensgefährlich, daß eine Stufe derselben unter dem leichten Fuße einer Dame unserer Gesellschaft einbrach. Wir ließen uns gleichwohl nicht abschrecken, und selbst die Kinder schritten über Felsen und Gehölz und Gestrüpp fröhlich und wohlgemuth und nicht minder erwartungsvoll vor uns einher, zeitweise mit einigen Heidelbeeren, die in großer Menge reif da standen, sich labend. Und so gelangten wir denn zum Monumente, wo man den prächtigen Wasserfall plötzlich erschaut. Eine ungeheuere Felsenwand von über einander gehäuften, zwei bis drei Klafter hohen Kalksteinschichten stand vor uns, und aus einem Loche dieser kahlen Felsenwand stürzt gewaltig der mächtige Wasserfall mit wildem Getose 33 Klafter tief in einen Becken herab, daß das Wasser schäumend über 30 Klafter weit umher zerstiebt, und dann mit wildem Gcbrause von Felsen zu Felsen sich weiter wälzt, um unten im See sich wieder zu sammeln. — Prof. Richter schrieb bei'm Anblicke des Wasserfalles begeistert nachfolgende Zeilen: Tobend unermüdlich Drängt's von Innen, Drangt hinaus den Silberstrom Durch des Berges Rachen, Und der kühne Wasserbogen Stürzt zerstäubet in Atomen Heulend nieder in des Abgrund's Kessel, Wo die Wogen schäumen-, Sich am Felsenblocke bäumen, Dann in Hast Sonder Rast Fort sich wälzen über Bergestrümmer, Fort durch grause Riss' und Spalten, Bis die Wuth, auf weichem Moos beschwichtet, I n des Sees dunklen Schooß sich flüchtet. — 183 — Bei großer Kälte friert das Loch, durch welches die <8avix,» hervorbricht, zu, und das Wasser bleibt aus, bis das Eis im Frühjahre mit großem Gepolter und Krachen wieder aufgeht. Geschieht dieses frühzeitig, und friert der Ursprung der<8aviL3, nicht wieder zu, dann rechnen die Wocheiner auf einen frühen Sommer. Unten am Becken, in welches der Wasserfall herabstürzt, und der Mensch neben dem gewaltigen Elemente so winzig erscheint, ist es auch im höchsten Sommer ungemein kühl, und ein frischgeschöpftes Glas Wasser so kalt wie Eiswasser, daher eben so gefährlich für die Gesundheit, als höchst anlockend und verführerisch. Wenn die schäumende Fluch im Strahle der Morgensonne in zahllosen schimmernden Krystallen sich bricht, ist es kaum möglich, dem schmachtenden Gaumen einen Labetrunk zu versagen. Dort oben in der Alpenkette, hoch über dem Wasserfalle, wohin von hieraus kein Steg und lein Weg führt, und nur die Gemse und der Gemsenjäger einen Pfad finden, liegt ein kahles, sechs Stunden langes Felsenthal, welches, wieHacquet sagt, ganz dazu gemacht ist, die irdische Vergänglichkeit in einem treuen Bilde darzustellen, und einem Dichter als Motiv, um den Umsturz der Welt nach dem jüngsten Tage auf die kläglichste Art zu besingen, dienen könnte. H aq uet gibt von diesem Felsenthale das nachstehende Bild: „Herabgestürzte Felsenstücke, die noch jetzt all den Graus und das Schreckliche ihres Sturzes versinnlichen, mit zerschmetterten Bäumen und abgerissenen Wurzeln, die nun in Moder übergehen, liegen unordentlich und wild umher. Hie und da stehen noch einzelne Bäume, aber kahl und ohne Gipfel, wie trauernde Greise, die einzigen, welche von der Verwüstung, die ihre Generation hinwegraffte, noch einsam und verlassen zurückblieben. Selbst Thieren ist diese Gegend fürchterlich, nur selten betritt ein vierfüßiger Waldbewohner, der sich in jenen öden Gründen verirrte, diese grauenvolle Stätte; einige Meervögel allein lassen sich bei stürmischem Wetter an den dort gelegenen Seen erblicken. Rings um das Thal stehen die nackten hohen Kalkfelsen, welche dem Wanderer jeden Augenblick den Einsturz drohen, und nicht selten sieht und hört man, besonders im Frühlinge, die mächtigsten Steinkolosse mit unsäglichem Krachen und Geschmetter von den senkrechten Höhen stürzen. Wie dort, so ist auch hier der Eingang in's Thal mit einer senkrechten Wand gesperrt, welche einen Spalt hat, um — 184 — auf den eingcrammelten Holzsprossen ein Paar hundert Klafter hinabzusteigen. " „ I n diesem Thale nun liegen acht, jedoch nicht sehr beträchtliche Seen; vier davon gegen Mitternacht, welche die kleinsten sind, die andern vier beträchtlicher» gegen Abend. Einige dieser Seen haben Gemeinschaft über der Erde mit einander, die andern hängen unterirdisch zusammen. Da das Wasser dort seinen Lauf vom Norden gegen Osten hat, so geschieht es, daß aus dem achten oder letzten See, der unter den übrigen der größte ist, dasselbe unter der Erde hinein läuft, seinen Lauf in diesem unterirdischen Gange einige Zeit fortsetzt, und endlich bei dem oben erwähnten Loche ^8»vi»a genannt) heraus kommt, um in den Wocheiner See zu fließen. Wer das Wagestück, einzig in seiner Art, unternähme, auf den Zacken der Kalkfelsen, auf wankenden Steinblocken, mit welchen der wüthende Bach sein Spiel treibt, die schroffen Wände hinan zu klettern und wieder zurück sich zu wagen, auf den glatten Spitzen dieses Gesteines, die hinter dem Schaume des sprudelnden Gießbaches hervorstehen; der sähe das tobende Gewässer hervordonnern aus der nächtlichen Grotte, der wäre an der Quelle des Avernus gewesen." Das Monument am Ursprünge der <8nvix,», ist dem hochherzigen Gönner der Wissenschaften, Künste und Gewerbe geweiht, und wurde nicht ohne große Mühe Hieher geschafft, um an den Kalkfelsen befestigt zu werden. Es trägt nachstehende Lapidarschrift: Collum ^ c l i i - v u e i ^U8tii«o ^ 6 I'unteiu 8»vi vm. lau».» ^uiii Nvcccvii. v v o. T o i « Äletall. Vnclunens. Oulln»-. Dann steht noch dabei der Name und Wohnort des Steinmetzen: I^enarll X e l b e l i» LnliintKe L6ie löksl. Außerdem sind viele Namen von Leuten, die hier waren und nicht waren, am weißmarmornen Monumente aufgeschrieben, und auch recht schonungslos ein— 185 — gekratzt, was eben nicht zur Verschönerung des überhaupt schon sehr beschädigten Denkmals beiträgt. Ein Paar Bänke und ein Tisch laden hier höchst willkommen zur Rast ein. Nachdem wir uns am grottesk-romantischen Ruheplätzchen mit einem, auf das Wohl des geliebten Vaterlandes geleerten Gläschen Mahrwein und mit etwas kalter Küche gelabt, mit Vorsicht auch ein Gläschen der frischperlenden ^ a v i x a dem Andenken an den Meistersänger, dessen vaterländische Muse an diesem Borne einst eine schöne Strophe sang * ) , dargebracht hatten, traten wir den Rückweg an, und zwar mit einem kleinen Umwege, um zur Brücke zu gelangen, von welcher vor einigen Jahren ein vielseitig verehrtes Fräulein aus Laibach, wegen schlechter Beschaffenheit der Brücke, einige Klafter tief zwischen schroffen Felsen in die <8»vi'2«, stürzte, durch die kühne Entschlossenheit des nachspringenden Führers aber glücklich gerettet wurde. Auf dem Wege von dem See bis zur ^Ävi'^H und von der ,8«,vik»bis zum See, und auch auf dem See selbst, bekamen wir, ungeachtet unseres mehrstündigen Aufenthaltes in dieser Gegend, kein lebendes Wesen, weder Menschen noch Thiere, zu sehen oder zu hören, was mich nicht wenig befremdete. I n dem Schiffe fanden wir uns nach mehrstündiger Commotion sehr behaglich, mußten aber dann wieder ein Halbstündchen vom See bis nach Althammer, wo wir als in der nächsten Ortschaft unsere Wägen und Pferde eingestellt hatten und das Mittagmahl einnehmen wollten, zu Fuß wandern. Das Heiligengeist-Kirchlein, welches, wie eine Einsiedelei in stiller Einsamkeit, hart am See da steht, und das gothische Kirchlein S t. Johann, am Ausstusse der <8ÄV>2Ä aus dem See, konnten wir wegen Mängel an Zeit nicht besuchen. Vom letztern Kirchlein schreibt Prof. Richter: „Das gothische Kirchlein S t . Johann ist ein schönes Denkmal der Frömmigkeit Brirner'scher Kirchenhirten. Die hölzerne Bildsäule Johannes des Täufers auf dem Hochaltare scheint von !668 dort zu stehen. Das Presbyterium hat altdeutsche Malerei aus dem sech- I^oplli pelnii Iilaüui vir, Klnillr» yevllnv na «äravi2N >»^ ml te^Iie lK i>o«Ilir. — 186 — zehnten Jahrhunderte, die Evangelisten und den heil. Georg. Die Kanzel ist erst von 1711. Auf dem Seitenaltare links ist der englische Gruß, von guter Hand, rechts aber die Enthauptung Johannes des Täufers von 1633.' „Hinter dem Hochaltare finden sich mehrere, in die Malerei gekritzelte Namen mit Jahreszahlen und,Denksprüchen, als: yui I»lu« !>i!,il, yuam !inr«» I>remoro, (Das Uebrige ist unleserlich.) 1559. Xou in »rou ineo «i>elll>ic>, ue« ^Ill<lili« meu» «erv»bit me 1557. .^büliue ot zMere 1553. Oreän et »pern. 3. u. Aichach 1542." „An der linken Seite des Schiffes, dessen Spitzgewölbe von gothischen Steinsäulen getragen wird, liest man: Nüim8<:li6n Itioiokßu Oal^inlll äß8 8t»el« IIn<l ^6<niliil:i ator 608 8tiM8 xu Vi ü«Il8on/' Wir speis'ten zu Althammer so zu sagen im Angesichte des Triglav und nach französischer Sitte, nämlich um 4 Uhr Nachmittag, aber nach landesüblicher Kochkunst. Eine holde Dame aus unserer Gesellschaft hatte die Gefälligkeit, uns das Essen zu bereiten, was das Haus, nämlich das Dorfwirthshaus, eben darbot: Hähndeln, schmackhafte Gebirgserdäpfel mit der unvergleichlichen würzhaften Alpenbutter und köstliche Lachsforellen ^8lllmn ' l r u t t « , ) , die wir vom Wocheiner See mitgebracht hatten. Gewiß aß an diesem Tage Niemand mit mehr Appetit, als wir. Die Gebirgsluft, das frischeste Quellwasser, die gemachte mehrstündige Bewegung und der Anblick des herrlichen Panorama' « des Triglav trugen das Ihrige dazu bei. „ Das Panorama des Triglav," — sagt Schmiedl in seinem Handbuche für Reisende im Kaiserthum Oesterreich — „ist vielleicht das schönste der Monarchie. « Wem die leckersten Leckerbissen nicht mehr schmecken, der folge uns nach aus der verdorbenen und erschlaffenden Atmosphäre der Stadt in die Berge Oberkrain's, und er wird Behagen finden an der Nahrung, welche die »vohlthätige Natur für Geist und Körper hier — I«? — bietet. Selbst Obstdcsert und der schwarze Kassel) blieben nicht aus, und die Zeche war dennoch nicht, wie sie sonst von den Besuchern dieser Gegend beklagt wird, überhalten, sondern höchst mäßig, denn sie belief sich nur auf s st. 21 kr. Conv.-Münze, und es waren doch < i Gäste, 3 Knechte und 5 Pferde abgespeis't und abgefüttert worden; dieß hatten wir aber nur dem Umstände zuzuschreiben, daß — wie gesagt -^- eine Dame der Gesellschaft die Besorgung der Küche auf sich nahm. Ich wünsche vom Herzen jedem Reisenden, welcher diese sehenswerthe Gegend besucht, daß für die Befriedigung seiner unabwendbaren Lebensbedürfnisse auf dieselbe Weise gesorgt würde, und eben um darauf aufmerksam zu machen, glaubte ich auch unsere dießfäUigen Erlebnisse besprechen zu sollen. Nach flüchtiger Besichtigung der freiherrlich Zois'schen Hammerwerle zu Althammer mußten wir einer gastfreundschaftlichen Aufforderung folgen und nach Mitterdorf fahren, was wegen der Neuheit der Gegend, und da wir zu Mitterdorf eine Dorfkirche sahen, deren es wenige im Lande geben dürfte, eben nicht uninteressant war. Wir fanden hier zu Mitterdorf noch sprechende Merkmale des Wolkenbruches, welcher in der Nacht vom 19. auf den 20. September 1844 Statt fand, wodurch der Wildbach, welcher durch Mitterdorf stießt, plötzlich so sehr anschwoll, daß mehrere Häuser, Mahl- und Sägemühlen sammt Stallungen und Hcuvorräthen hinweggeschwemmt, mehrere Häuser aber stark beschädiget wurden. Allmählig brach der Abend ein, und, es war finstere Nacht, als man uns von einem gastlichen Bankette im Pfarrhofe zur Fortsetzung unserer Rückreise nach vielen Debatten entließ. Wir legten den steilen, selbst bei Tag gefahrvollen Berg dlldus, Knra mit offenbarer Lebensgefahr zurück; die Pferde mußten von den Knechten am Zaum geführt werden, da man, so zu sagen, nicht eine Hand breit vor sich sah, denn der Himmel war zum Ueberstusse von schwarzen Regenwolken ganz verfinstert. Allmählig. fing es auch wirklich an zu regnen. Bis Veldes bei Nacht und Nebel zurück zu kehren, war schon wegen der Pferde keine Möglichkeit; uns blieb daher nichts anders übrig, als wieder den Weg nach dem nähern Orte Feistritz zu suchen, wo wir eben auch spät in der Nacht anlangten, von dem Baron Zois'schen Verweser jedoch gastfreundschaftlichst beherbergt wurden. Wir übernachteten da, und schliefen so gut. — 188 — als es bei dem ungewohnten, monotonen und erderschütternden Gepolter des großen Eisenhammers möglich war. Gleichwohl tönt dem Patrioten diese Musik sehr wohlthuend an's Ohr, denn sie gibt der Gegend Leben und Wohlstand. Denn nach einem zehnjährigen Durchschnitte werden von den freiherrlich v. Zois'schen Berg-, Schmelz- und Hammerwerken in Oberkrain zu Iauerburg, Rothwein, Feistritz und Althammer an Arbeits- und Frachtlohn jährlich ungefähr 113.000 fl. an die Bewohner der Umgegend bezahlt. Am folgenden Morgen brachten wir dem freundlichen Verweser und seiner Dienerschaft den gebührenden Dank dar, und lehrten auf dem bekannten und einzigen Wege in das freundliche Veldeser Thal zurück. Hier brachten wir noch einen halben Tag mit Besichtigung der Kirche und Schule zu Veldes und des Felsenschlosses zu. Zum Schlosse Veldes gehen zwei Wege hinauf, und zwar von der Dorfseite der sogenannte Fahrweg, der nicht zu befahren ist, und von der Seeseite der Fußpfad, wegen seinen vielen Windungen der kleine Loibl genannt. Drei Thore führen in den Vurgzwinger, die von dem sogenannten Rittergange überwacht wurden. Bei dem entsetzlichen Erdbeben von 151t, welches in ganz Krain großen Schaden anrichtete, litt die Burg so sehr, daß sie 1519 neu aufgebaut werden mußte, folglich ist das jetzige Bergschloß etwas über drei Jahrhunderte alt. Dieses Schloß hat nichts Bemerkenswerthes, als eine überaus entzückende Aussicht, namentlich aus dem Zimmer neben der Capelle und vom Belvedere. Wir weideten uns lange an dieser schönen Aussicht, und blickten mit unendlichem Wonnegefühle in die reizende Gegend hinaus, die uns in den wenigen, aber unvergeßlichen Tagen unseres hiesigen Aufenthaltes von Minute zu Minute lieber geworden war. So muß der krainische Sänger D l . Preschern die himmlische Landschaft vor seinem inner» Auge gehabt haben, als er in seinem Liebe: „ I t e i - I i per <8kvi»i)" begeistert schrieb: Xo He « oll6l«Iw^n lä, puänlik r^jll. Auf einer fast unersteiglichen Wand des Schloßgebäudes fand ich den Namen des Fußreisenden Kyselak, der um eine Wette die österreichische Monarchie zu Fuß durchwandert hat, und 182S Skizzen seiner Fußreisen erscheinen ließ. — 289 — Prof. Richter, dieser gründliche und emsige Geschichtsforscher brachte die in Veldes und anderorts vorgefundenen Daten zu einer Geschichte von Veldes zusammen, aus welcher insbesonders nachstehende Momente herausgehoben zu werden verdienen. / Kaiser Heinrich der^Heilige schenkte Veldes auf Fürbitte seiner Gemahlin, der heil. Kun i gunde imH^i004^den 10. April zu Trient, oder zu der Zeit, da V a t i l o Graf im Kraingau war, dem tirolischen Gotteshause Vrixen, namentlich dem heil. Bischöfe Albuin v. Säben ^8a!iinn»). Sieben Jahre darauf, zu Regensburg den 22. Mai l O t l , fügte derselbe Kaiser 30 königliche Hüben zwischen der großen und kleinern sWeißenfelser und Wocheiner) Save hinzu. Kaiser Heinrich der I V . schenkte dem Gotteshause Brixen 4063 den 27. September den Steinberg bei Ratschach und den Berg Hataule (der ist bei Villichgratz zu suchen); »etum aä <luvium I ^ i K , und verlieh demselben den 23. Mai 10?3, in demselben merkwürdigen Jahre, da^sich Kaiser Heinrich vom Papst Gregor V I I . demüthigte, den Wildbann von Gutbach ^Nolii atodaek) oder vom Gipfel des Krainberges bis hin zur Wocheiner Feistritz. Das Besitzthum der Herrschaft Veldes wurde in der Folge durch Geschenke, fromme Vermächtnisse und Zulauf immer mehr und mehr vergrößert und ausgedehnt, bis es sich über den größten Theil des Oberlandes erstreckte. Kaiser Friedrich der,II. setzte 1236 den Herzog von Kärnten zum Vogt des Gotteshauses Brixen, und befahl demselben, über die Herrschaft Veldes zu wachen und Sorge zu tragen, daß der Bischof, der sich Veldes als Tafelgut vorbehalten, im ungestörten Besitze desselben bleibe. M i t Tirol ging auch die gedachte Vogteiherrlichkeit an den Habsburger Herzog Rudolph IV. von Oesterreich über, aber der Schirmbrief dieses Herzogs für Veldes ist ään. Salzburg am Freitag nach unser Frowentag zu Herbst, ^.nno 6ei^ M l l i m « Ot?On 8ex3ssS8i'mo «ext« 5 lioe «st vsruw 5. Die Edel-Familien Kreigh, Herbart v. Auersperg, Landeshauptmann von Krain, dessen tragisches Ende 1575 in einem Gefechte mit den Türken den Vergleich mit dem Heldentode des Leonidas wohl aushält, und Georg Freiherr v. Lenkowitsch, gleichfalls Landeshauptmann von Kram 1593, ein siegreicher Vorfechter 15»« gegen die Türken, waren urkundlich Hauptleute des Brixner Gottes — 190 — Hauses von Veldes. Herbart v. Auersperg wurde diese Hauptmannschaft genommen, weil er Protestant, und Lenkowitsch gegeben, weil er Katholik war. Das Edelgeschlecht derer v. Kreigh ist in Diensten des Gotteshauses Briren zu großer Wohlhabenheit hinangestiegen. Sie hatten auch die Herrschaft Veldes, und zwar bis «. Juli 1Z33, pfandweise im Besitze, worauf die Hauptmannschaft von Veldes als eine ArtVenkKeium «iinplex mit der Landeshauptmannschaft von Krain vereinigt wurde. Die Reformation und Gegenreformation riefen in Veldes und Umgegend große Unruhen und blutige Kämpfe hervor. Als die alte Ordnung der Dinge nach vollendeter Gegenreformation wiederhergestellt war, verwalteten die Brixner die Herrschaft Veldes selbst, bis sie 1631 Wolfgang Engelbrecht Grafv. Auersperg und Gottschee, Herr zu Schon- und Seisenberg, Landeshauptmann von Krain, von dem Brirner Bischöfe Anton als eine Pfandschillings'Herrschaft erhielt, in welcher Eigenschaft dieselbe auch auf An ton Fürsten v. Eggenberg, als er Landeshauptmann inKrain war, überging. Brixen hatte aber is?9 den Johann Andreas v. Gallenfels und 1723 den Anton Ignaz v. Löweneck als Schloßhauptleute zu Veldes, und folglich die Herrschaft in eigener Verwaltung. Der letzte Administrator, und nachmals gegen einen jährlichen Zins von 1000 Ducaten Pachtinhaber der Herrschaft Veldes, war I g n a z Novak, der durch seine Gastfreundschaft die Gegend belebte. Im 2^1803 wurde Veldes inkamerirt, Kaiser Franz I . sprach die Rückstellung dieser Herrschaft an die kürstbischofliche Mensa von Briren unterm 23. April 1833 aus, und es wurde dieser allerhöchste Beschluß von S r . M a j . Kaiser Ferdinand I . unterm 21. October 183? bestätigt und zu Ende 1838 vollzogen. Wir verließen Veldes nicht ohne den Wunsch nach baldiger Rückkehr; ich meines Theils hätte gleich dort feierlichst einen Entsagungsact auf alle Freuden dießseits und jenseits des geheimnißvollen Rasenhügels unterzeichnen mögen, wenn es mir vergönnt wäre, in jenem irdischen Paradiese, im Kreise befreundeter Seelen, den Posaunenruf des jüngsten Tages abzuwarten. — Ersteigung des Triglav. Hinauf! Hinauf! Wo die Luft so leicht, die Sonne so klar. Nur die Gemse springt, nur horstet der Aar, Wo das Menschengewühl zu Füßen dir rollt, Wo das Donnergebrüll tief unten grollt; Hinan! Hinan! Die steile Bahn! H. I . v. Collin. er Triglav, dieser himmelanragende Grenzstein der deutschen, italienischen und slavischen Sprache, der zugleich die Wasserscheide des adriatischen und schwarzen Meeres, der Save und dem Isonzo nach bildet, ist einer der merkwürdigsten Puncte in Kram, schon seiner Aussicht wegen, die vielleicht in der Monarchie nicht ihres Gleichen hat. Wir waren in Althammer und zu Mitterdorf (siehe S . 188 und 18?) und folglich an den beiden Puncten, von welchen aus die Ersteigung des Triglav Statt zu finden pflegt, wo man sich hierzu mit Lebensmitteln, mit geübten und der Gegend kündigen Führern und mit den nöthigen Geräthschaften versieht. Der Weg von Mitterdorf aus nach dem Triglav ist um eine Stunde länger, als jener von Althammer, darum möchten die Ersteiger dieses Berggiganten lieber den letztern, wenn auch steilern, aber nähern und schattenreichern Weg, auf welchem uns v. Hermannsthal's lebenswahre Schilderung (in der »WienerZeitung" Nr. 128, 129, 131 und 132) seiner Ersteigung jenes Berges, stellenweise zum Führer dienen soll. Von H e r m a n n s t h a l brach mit drei Reisegefährten und vier Führern, welche Speise und Trank, Mäntel, Steigeisen und Stricke trugen, am 4. August 1831 des Nachmittags von Althammer wohlgemuth auf, und sagt: „ Man wendet sich alsogleich nördlich, dem D — 192 — Ziele entgegen, und steigt in einem Walde mäßig bergan. Bald eröffnet sich das Gehölze, und man erreicht das Thal Voj6) in welchem man bald eben und bequem, bald Hügel auf und nieder, bald über Wiesen dahin wandelt. Das Thal ist eng, gäh abstürzend die Berge, mäßig bewaldet, hier und dort zieht sich ein Wasserfallfaden hernieder, Felsenwände gegen Norden, südwärts der Rückblick auf das schöne Feistritzer Gebirge. Der Fußpfad bezeichnet die Stelle, an der man sich nordwestlich zu wenden hat. Das.Terrain verengt sich mehr und mehr, die frische Nolinixa sprudelt dem Wanderer entgegen, der Hintergrund ist durch die nahen Felsenwände des 1'ulfi anscheinend völlig geschlossen. Nun geht es steil bergan, abwechselnd über Fels und Gerolle, waldig und im Freien, in unzähligen Wendungen, bis man eine kleine grüne Fläche, na v e r t a n e genannt, erreicht, von welcher der Blick in das Thal, dem man eben entstiegen, gegönnt ist, und über die in nördlicher Richtung die Felsenmassen des ' l u l i^ ? l ev »I und veIKi äl»8 mächtig emporsteigen. Der Weg bis hieher wird in zwei Stunden zurückgelegt.". „Gleichförmig dem bisherigen erhebt sich von hier der Steig zu der in Kürze erreichten, mit Alpenhütten gezierten Wiese tin'ntunv/,^ auf welcher der Alpenfreund wohl zuerst den schwer entbehrten Genuß der ätherischen Lüfte höherer Regionen ganz wieder findet. Bald ist das Ende des Waldes gewonnen — und Bäume und Wiese und jedes Lächeln einer freundlichen Natur ist verschwunden, die lautlost Wildniß nimmt den Wanderer auf. Wahrlich, nicht der Abgang an grünen Teppichen und belaubten Zweigen, nichts der nackte Stein und die himmelanstürmende Felswand, sondern dieses hartnäckige, ewige Schweigen in derOede eigenthümlicher Charakter." »Auf schmalem Steige, links die Felswand, rechts den Abhang, Trümmer und Schutt und erstorbene Stämme in der Tiefe, weißes kaltes Gemäuer vor sich, erhebt man sich in nordwestlicher Richtung bergan, fast angehend an die gegenüber stehenden Wände, an denen man sich sodann nordwärts vorüberzieht. Man gelangt in einen engen wilden Felsenkessel, der eine dürftige Alpenhütte am Fuße einer überhängenden Wand aufzuweisen hat." „An dieser Wand steigt man über Gerolle kurze Zeit bergan, und erreicht die Schlucht na, »a^onu. Felstrümmer bilden den — 193 — Pfad dieser schmalen, nach Norden sich stark in die Tiefe senkenden Stelle, und von dorther schauen dem Steigenden trotzig die Schneefelder und himmelanstürmenden Wände des großen und kleinen Triglav ganz nachbarlich entgegen, von denen man im Augenblicke die Möglichkeit nicht absieht, ihnen beizukommen, und sie zu überwinden. Mehrere Salamander, die sich träge durch das Gestein hin und wieder zogen, waren das einzige Leben, das wir von der Wiese Arintnvx» bis hieher zu sehen bekamen. Die Schlucht zeichnet den in der Krummholz- Region sich stark abwärts senkenden Weg nach der KuinlK» planina vor. Wir fanden hier in einem kleinen Hochthale einige Pferde,,von denen die Gegend den Namen trägt. Eine kleine Anhohe hinan und hinunter, und man steht nach.fünfstündiger Wanderung, die ganz gefahrlos und nur an einigen Stellen etwas beschwerlich ist, auf dein polje, dem Ziele des ersten Tages." „Velo polje ist eines jener stillen, einförmig schrecklichen Hochthäler, wie sie dem Alpenwanderer hinlänglich bekannt sind. Ringsum nacktes Gestein und wolkenbefreundete Höhen; östlich der zackige XiKIiluar, der breitgedehnte Dnlli^ zwischen denen eine tiefe Einsattlung den Weg bezeichnet, den man hinunter kommt, wenn man den Triglav aus dem Xerma-Thale besteigen will; westlich den milkel v e i l i , ?i-ev»1 und die rundgeformte ^lava m»Hk2llova) südlich den Telm- und <8tol; nördlich die alles beherrschenden Häupter des kleinen und großen Triglav; alles kahles Gewände, bestehend aus weißem Alpenkalk von zerrissenen Formen, den Zeugen rastlos nagender Zerstörung. Das Thal beherbergt einige Alpenhütten, niedrig und beschränkt an Raum, wie ich sie nirgends gesehen habe. Sie sind nur für einen sechswochentlichen Aufenthalt bestimmt; später zieht die Karavane aus dieser hochgelegenen Region, welche Kälte und Schnee spät entläßt und frühe wieder aufnimmt, in die tiefern Alpen hinab. Man vermißt in diesem Thale die erfrischende Luft, welche man sonst auf solchen Höhen zu athmen gewöhnt ist. Umschlossen von allen Seiten, durch riesige Felsenmauern und eine lange Herberge des Winters, ist es feucht, und sein Boden häufig mit dem Nässe liebendem Huflattich bedeckt. Seine schönste Zierde ist die ihm heimische Oamplmuw A n i Ä i ." Neiseerinn. »«» Krnin. H3 — 194 — „Wir nahmen alsbald zwei dieser Aspenhotels in Beschlag, das eine alsConversations- und Speisesaal, das andere als Schlafgemach, in welchem uns auf dicht ausgelegten Heu das Lager bereitet ward. Allein kaum eingeschlafen, weckte uns der Aufruf eines pochenden Führers, dem auch alsogleich rüstige Folge geleistet ward. Nach einem schnell bereiteten und verzehrten Frühstücke von Kaffeh und Branntwein setzten wir uns um ein Viertel nach 4 Uhr Morgens ernst und schweigend in feierlichem Zuge und gespannter Erwartung der Dinge, die nun kommen sollten, in Bewegung. Schon hier ließen die Führer und Träger Mäntel und alles Entbehrliche zurück, und zwei Branntweinfiaschen, Brot und Stricke war Alles, womit sie sich beluden." „ Man wendet sich westwärts im Thale und steigt bald einen schmalen Pfad, der ungefähr noch eine Stunde lang einem Fußsteige ähnlich sieht, bergan, abwechselnd zur rechten oder zur linken Seite in mäßiger Neigung niederfallende Absenkungen neben sich. Ein kalter Wind blies von den Schneefeldern her, von denen wir uns ringsumher umgeben sahen. Der Weg wird steiler, geht über Schutt, Gerolle und Steinplatten, das Krummholz ist verschwunden, der Tritt wird unter den lockern, wegrollenden Steintrümmern unsicher, die Natur kleidet sich ganz in das Gewand starrer, einförmiger Wildniß, und das Losbrechen und Fortspringen des Gesteines, dem wir mit aller Vorsicht nicht gänzlich auszuweichen im Stande waren, machte die Wanderung für die Nachtretenden höchst unbequem. Nach zwei Stunden langsamen, beschwerlichen Steigens kamen wir an die großen Schneefelder, an denen man sich in der nördlichen Richtung, welche nunmehr zu verfolgen ist, plötzlich durch die nahen, senkrechten Wände des kleinen und des großen Triglav, wie es scheint, unüberwindlich begrenzt sieht. Hier wurden die Steigeisen angeschnallt; nur der Baron Zois ging zwar mit gut beschlagenen Stiefeln, doch ohne Eisen, worin ich ihn nicht nachahmen möchte, wäre es auch nur, um das Gefühl einer gewissen Sicherheit nicht zu entbehren, das sie verleihen. Denn man weiß, daß man fest steht, wenn sich auch nur ein eiserner Zahn in die Felsen reibt." „Zwischen hier und dem sogenannten Thore des Triglav führt der Weg über ein steiles Schneefeld, dann über Gerolle fort an die Wände hinauf, an denen wir bereits im Regen anlangten. Wir standen am — 195 — Thore, das aber passender als die Stiege des Triglav bezeichnet werden könnte, denn es ist ein enger, mit Gerolle erfüllter Riß in die Felswand, durch den sich ein steiler Pfad in nördlicher Richtung, etwa 40 Klafter lang, aufwärts zieht. Wir fanden diese Felsenspalte ohne Schnee und breit genug, daß, ohne sich durchzwingen zu müssen, einer hinter dem andern emporsteigen konnte. Oberhalb dem Thore oder der Stiege gelangt man auf eine kleine Einsattlung des Gebirgsrückens. Gegen Ost und West senkrechte Wände, zwischen durch der Abgrund; nur gegen Norden ist hier schon Kärnten bei heiterem Wetter dem Auge tief zu Füßen ausgebreitet. Man erklimmt ohne Anstrengung eine kleine westliche Wand. — Vis Hieher ist leine Gefahr; jetzt erst beginnt die Sache bedenklicher zu werden. Man kommt an die östliche Wand des kleinen Triglav, und nun ereignet sich eine Kleinigkeit von gewaltiger Wirkung. Der voraus schreitende Führer legt den Stock ab und geht schweigend weiter. Alles folgt seinem Beispiele. Aber bald ist der bei Seite gestellte Freund vergessen; wer hätte auch Zeit, seiner in einer Lage zu denken, in welcher er kein hilfreicher Begleiter wäre, sondern eine beschwerliche, hemmende Last. Von jetzt nämlich bis auf den Gipfel des kleinen Triglav, ein Weg, den wir in einer Stunde zurücklegten, kommen nur wenige Stellen vor, auf denen man sich in aufrechtem Zustande befindet, und beinahe keine, zu deren Bewältigung man nicht eben so sehr der Verwendung beider Hände, als der Füße bedürftig wäre.« „Alsbald nach abgelegten Stöcken beginnt man, einer hinter dem andern, über eine fast senkrechte Wand, wie in einer engen Rinne, emporzuklettern, wo die losbrechenden, in feindlichem Sprunge abwärts setzenden Steine zur größten Behutsamkeit auffordern," „Die Richtung verwandelt sich in eine nordwestliche, und nun hängt man an dem steilen, verwitterten Gemäuer, über welches man sich emporarbeiten muß, gerade über dem Ungeheuern Abgrund, in den das lose, sorgfältig versuchte Gestein in gähem Sturze hinunter poltert. Kaum ist die Stelle bestanden, als auch schon eine zweite, nicht freundlichere, bezwungen seyn will. Aufrecht mit Händen und Füßen sich an die Felsen klammernd, muß sich in südwestlicher Richtung an einer Wand der Länge nach hingezogen werden, hart am Fuße den Abgrund, über welchem er bereits mit seinem äußersten Rande schwebt. I n ähnlicher Art, bald mehr, bald minder bedenklich, bald hängend über der 42* — 196 --- gähnenden Tiefe voll Schnee und Eis, bald an ihrem Rachen dahin wandelnd, geht es fort und fort, bis die nur mit großer Anstrengung und kaltblütiger Ausdauer zu erreichende Spitze des kleinen Triglav gewonnen ist.« „Die Gefahr auf der eben dargestellten Abtheilung der Expedition ist entschieden, lange dauernd, und im Objecte, nicht in der Einbildung und den Nerven des Steigenden begründet, obgleich Besonnenheit sie, wenn auch nicht aufzuheben, doch um ein Namhaftes zu mindern vermag. Sie beruht auf Schweben über Abgründen auf losem Gestein, und auf der ungeheuer« Steilheit der Wände, die in Winkeln von 60 bis 70 Grad emporsteigen. Jeder Punct, an den man sich halten, jede Spitze, auf welche man treten will, muß ruhig ^und besonnen mit Händen und Füßen versucht werden, ob sie wohl die Last und das Leben zu tragen vermag, das man ihr anvertrauen möchte. Häusig bricht der Stein im Versuche hinweg; doch man gewöhnt sich daran gleich so sehr, daß man ruhig nach einem andern langt, und den Treulosen gleichgültig in die Tiefe rollen hört." „Herr v. Rosthorn sagt: Wer auf dem Wege bis zum Gipfel des kleinen Triglav nur einiges Bedenken trug, der gehe ja nicht weiter; er würde rückkehren nach vergeblicher Bemühung, und ohne das Ziel seiner Bestrebung erreicht zu haben." „Ich will einstimmig mit meiner Reisegesellschaft allen Nachfolgern ermuthigend zurufen: Wer den Gipfel des kleinen Triglav glücklich erreichte, der schreite beherzt vorwärts, und er wird sicher dahin gelangen, wo lang vor ihm seine Wünsche angelangt waren." „Wahr ist es, daß sich von'hier bis auf den Gipfel des großen Triglav nur eine schmale, hier und dort auf eine Länge von 2« Klaftern nur einige Zoll breite, von rechts und links durch senkrechte furchtbare Abgründe gebildete Schneide zieht, die eine rauhe Oberstäche und verwittertes, abbröckelndes Gestein darbietet, und den Blick zeitweise in die ungeheuer« Tiefen, auf die uralten Schneefelder, den matt emporglänzenden Gletscher am nördlichen AbHange verlockt. Aber der Gang über diese Schneide scheint nicht gefährlich zu seyn. Wer aufrecht zu gehen vermag, geht aufrecht; wir haben es an den meisten Stellen gethan; wer aufrecht zu gehen sich nicht getraut, der reite oder ,lrieche hinüber, und er ist lebens— 297 — sicherer, als Achill es, und an keiner Seite des Körpers kann der Tod ihm bei. Ist die Wand schmal, die ihn hinüberträgt, so ist sie doch von Stein, und wenn auch hier und dort unter der Hand, oder hart am Fuße ein Stücklein wegbricht und in den Abgrund hinunter braust, so hat sie doch der Altersschwere von Jahrtausenden widerstanden, und wird jetzt unter dem Quentlein, das über sie hinübersetzt, auch nicht zusammenbrechen. Einige Schritte abwärts vom Gipfel des kleinen Triglav, und man hat diese verrufene Stelle vor sich, die höchstens in Etwas gräßlich ist. Enthusiasmus war unser sicherster Führer. Endlich gelangten wir an die mit Recht als die schlimmste bezeichnete Stelle. Die Schneide nämlich erhebt sich plötzlich als eine schmale, fast senkrechte, ungefähr zwei Klafter hohe Wand, aber nicht geradlinig aufsteigend, sondern hinaushängend über den nördlichen Abgrund, aus dem das Eis des Gletschers bläulich emporschimmert. Von der schmalen Stelle, auf der man steht, muß diese Wand, mit Händen und Füßen gleichzeitig sich festhaltend, erklommen werden, und man hängt auf ihr unmittelbar über der furchtbaren Tiefe. Aber diese Gefahr ist nicht neu, wenn auch von etwas ernsterer Miene, als einige Stellen auf dem kleinen Triglav. Vorsicht und Langsamkeit, genaue Prüfung eines jeden Punctes, auf den man es abgesehen hat, empfiehlt auch hier Besonnenheit oder Instinct, die in solchen Lagen die besten Lehrmeister sind. Bald nachdem auch diese Prüfung bestanden war, wurde triumphirend das Ziel erreicht." , Nicht immer trifft es sich, daß der Horizont rein, und die Aussicht von Triglav ungetrübt ist, alleinHerrv.Hermannsthal sagt: „Man könnte die Expedition bei dem gänzlichen Mangel an Aussicht eine verunglückte nennen, aber man könnte sich irren. — Eine schöne Aussicht hat man bald, aber nicht leicht wieder in der Welt ist ein Triglav zu finden. Die Art seiner Besteigung, die eigenthümliche Bildung dieses höchsten Punctes der südlichen Kalkalpen, diese furcht, baren Mauern, in denen er aufragt, diese dünne Wand, in die er ausläuft, und von der man glauben sollte, sie halte nicht einen energischen Sturmangriff aus, diese Abgründe, über denen man hängt, und an denen man vorüber zieht, das Spiel und die Gestaltungen der auf- und niederwogenden Nebel, der Kampf, den es kostet, die Lust, ihn bestanden zu haben, — all dieses ist in sich so entzückend und be— 1!)8 — lohnend und gewaltig aufregend, daß ich Keinem rächen will, de,» die Zeit nicht gönnt, gutes Wetter abzuwarten, sich durch schlechtes von der Besteigung dieses wunderbaren Berges abhalten zu lassen. Wenn er nichts anders davon hat, so hat er doch ihn selbst kennen gelernt, und eine großartige Erfahrung und Naturanschauung in seinen Busen aufgenommen." Aber die weit ausgebreitete Fernsicht von der Zinne des Triglav gewährt unstreitig einen noch höhern Genus;, denn es dürfte eben auch nicht leicht wieder in der Welt eine solche Fernsicht zu finden seyn, wie sie Franz Edler v. Rosthorn in der „Wiener Zeitschrift" von 1828 so reizend und ausführlich beschreibt. Von Rosthorn's Schilderung seiner Ersteigung des Triglav von Mitterdorf aus, ist von jener des Herrn v.Hermannsthal an manchen Stellen wesentlich verschieden, und in jeder Beziehung so interessant und belehrend, daß ich nicht umhin kann, auch ihm vom Fuße bis zum Scheitel des Berges, in den Hauptmomenten der Ascension zu folgen. „ M i t Jubel begrüßten wir," sagt v. Nosthorn, „den Morgen des 1?. Juli, denn er verhieß uns die ersehnte Erfüllung unserer Erwartung. Frühzeitig brachen wir von Feistritz auf, begleitet von den frommen Wünschen unserer Gastwirthe, zu dieser gefahrvollen Reise auf den Niesen in der südlichen Kalkalpenkette. Mitterdorf war der gemeinschaftliche Sammelplatz der Gesellschaft, welche aus sechs Reisenden, zwei ganz vertrauten Führern, und fünf andern muthigcn Landleuten bestand. Mit Stöcken, Steigeisen und allen Requisiten versehen, welche eine solche Alpenwanderung erfordert, verfolgten wir anfänglich eine ziemlich gute Bergstraße, die bis zu den Eisengruben des Freiherrn v. Zois führt, und gelangten nach einer zweistündigen Wanderung auf eine Alpenwiese, die den Namen Vovlinnxa trägt, wo wir zum ersten Male Halt machten, um uns durch einige Erfrischungen von den Beschwerden der drückenden Hitze zu laben. Von da zog sich der Weg sanft aufwärts über Alpenwiesen, bis wir einen Wald am südlichen AbHange des Berges'Uolli erreichten, der uns einen ziemlich schlechten, an einigen Abgründen vorüberführenden, sonst aber gefahrlosen Fußsteig vorzeichnete, dessen Rand häufig mit überhängendem Grase bewachsen ist, das den Unerfahrnen leicht zu gefahrbringenden Fehltritten verleiten kann. Nun mußten wir eine tro— 199 — ckene Felsenschlucht durchsetzen, um dann in der beginnenden Krummholz- Region stark bergan zu lenken. Vom angestrengten Steigen ziemlich ermüdet, kamen uns einige Hütten, in welchen Schafvieh gehalten wird, als Nuhepunct sehr willkommen, von welchen wir einer herrlichen Aussicht gegen den von der c8avix,3, (Wocheiner Saoe) durchströmten romantischen Wocheiner See genossen. Neu gestärkt, setzten wir jedoch bald unsern Weg fort, der uns über Felsen führte, die hie und da mit Krummholz und einzelnem verkrüppelten Hochholze bewachsen waren, bis wir endlich gegen Abend die KniusKg, plllniu«, (Pferde-Alpe) erreichten, ein einförmiges Kessclthal, aus steilen, oft senkrecht kahlen Felsenmassen gebildet, die aus weißem Alpenkalke bestehen und häufig zackige und zerrissene Formen zeigen. Hier erheben sich gegen Osten der 2iKIim»r und völlig gegen Westen der luisek«;! verk) Vlßvo und die L a l i a - N a « ^ gegen Süden der X<Mr und <8t«I) und gegen Norden steigen der kleine und große Triglav senkrecht empor. Nur weniges Gehölz und meist nur Krummholz findet sich in diesem Thale, v ? o l 6 genannt, dessen Grund mit feuchter schwarzer Dammerde bedeckt ist, und zehn kleine niedere Alpenhütten birgt, die uns als Nachtherberge begrüßten. — Schon um halb drei Uhr Morgens machten wir uns wieder auf, nahmen etwas Weniges von geistigen Getränken zu uns, die auf solchen Alpenreisen zuverlässig die zweckmäßigsten sind, und schlugen unsern Weg nach der rechten Seite des Thales westwärts ein, wo wir immer bergansteigend, ungefähr noch eine Stunde Spuren eines Fußsteiges verfolgten. Auf diesem Pfade ist in der Dunkelheit der noch kaum begonnenen Dämmerung Vorsicht zu empfehlen, um sich vor Ausgleiten und Herabfallen über Wände zu verwahren. Bald wandten wir uns nördlich, der Weg wurde immer steiler, und theils über Gerolle und Schutt, theils über Steinplatten kletternd, wo schon alles Krummholz verschwunden ist, und sich nur wenige Alpenpflanzen vom kargen vegetabilischen Leben zeigen, gelangten wir an einzelne alte Schneefelder, die uns den ferner«, immer steiler werdenden Weg bezeichneten. Hier nimmt das Gerolle und lose Gestein mit jedem Schritte zu, und macht durch die lockern, unter dem Fußtritte hinwcgrollenden Steintrümmer das Steigen sehr beschwerlich und ermüdend. Häufig wechselt dieses Gerolle mit Steinplatten und großen Schneefcl— 2U0 — dem, welche letztere dem Wanderer auf diesem beschwerlichen Pfade höchst willkommen sind, da sie gleichsam als Ruhepunct dienen und das Steigen erleichtern, indem die alte, fest gefrorne Decke dem Einsinken des Fußtrittes widerstrebt, und zugleich Kühlung darbietet. Wir setzten unsere Wanderung, immernoch steil bergan, gegen Norden fort, bis wir endlich an die senkrechten himmelanstrebenden Wände des kleinen und großen Triglav gelangten. An dieser Stelle scheint es, alles Weiterschreiten habe sein Ende erreicht; denn nur eine Felsenspalte, eine enge, mit Schnee und losem Gestein angefüllte Kluft ist es, die sich gegen Nordost zieht, und durch welche man sich auf sehr steilem Pfade beinahe durchzwängen muß, um auf eine kleine Einsattelung des Gebirgrückens zu gelangen, die den ferner« Weg zum Gipfel des Triglav verzeichnet und, der Ähnlichkeit der Form wegen, das Thor des Triglav genannt wird. Sowohl gegen Osten als Westen ist diese Stelle durch senkrecht sich emporhebende Wände geschlossen, und nur gegen Norden, wo sie sich öffnet, ist dem Auge freie Aussicht gestattet, und ungehindert schweift der Blick über das zu den Füßen ausgebreitete Kärnten. Dieser beschwerliche Weg, vom Ende des vorhin erwähnten Fußsteiges angefangen, wo man beginnt sich nördlich zuwenden, biszumThore, ist es, von welchem schon Hacquet erzählt, daß die losen, springenden Steine die Wanderung sehr gefährlich machen, und wirklich fielen Stücke von den vielen abspringenden Steinen dreien unserer Gesellschaft dicht am Kopfe vorüber. Einen lieblichen Genuß gewährt auf diesem bedenklichen Wege das Zwerg-Vergißmeinnicht ^N^08c»ti8 nnu» V i l l . ) , welches mit seiner großen azurnen Vlume auch dem Nichtbotaniker auffällt, von Hacquet in Oesterreich hier zuerst beobachtet, und als N^osoti« tkl'zlovsnsi« beschrieben und abgebildet wurde. Diese schöne und seltene Pflanze kommt vorzüglich am Wege bis zum Thore vor, und wurde bis jetzt nur noch am Hoch-Golling in Steiermark, und einigen Alpen Tirols gefunden. Wir waren nun genöthiget an der westlichen senkrechten Wand aus Steinen und Felsentrümmern eine Art Treppe zu erbauen, um mitHülfe derselben einige hoch gelegene Vorsprünge mit den Händen erfassen zu können, und kletterten auf allen Vieren, einer hinter dem andern, auf dem Rücken dieser Wand. Doch bald kamen wir auf bessern Weg, indem wir uns gegen Süden wandten; es währte aber — 201 — nicht, lange, denn in kurzer Zeit gelangten wir wieder dicht an eine senkrechte Wand, wo wir überhängenden Felsen wegen, gegen die Tiefe hinausgebückt, hinüberschreiten mußten. Kaum war diese schwierige Stelle überstanden, als uns eine Zweite noch weit schwierigere entgegenschaute. Ein wilder Abgrund, eine schauerliche Steinkluft war es, die wir übersetzen sollten. Aber das sich immer mehr nähernde Ziel erlaubte kein ernstliches Untersuchen, und muthig setzten wir darüber weg, bevor uns das Abwiegen der Gefahr stutzen machte. Solcher, nur für den geübten Alpensteigcr besiegbarer Stellen folgten noch mehrere, und nach fünfhalbstündigem mühevollem Klettern waren wir auf dem Gipfel des kleinen Triglav ^w»Ii l i i ^ w v ) . In der That muß man den Weg bis Hieher beschwerlich und gefahrvoll nennen; er erfordert Schwindellosigkeit, kaltes Blut und vielen Kraftaufwand. Das Beschwerlichste jedoch stand jetzt erst zu erwarten. Wir gelangten einige Schritte abwärts, und wandten uns der Länge nach gegen Südwest, als wir bald an eine 12 bis 13 Zoll breite, von beiden Seiten durch senkrechte Abgründe gebildete Schneide kamen, die wir übersetzen mußten, was eben so beschwerlich, als gefährlich ist. Doch auch hierzu waren wir schnell entschlossen. Das ganz verwitterte, zerklüftete Gestein, welches diese Schneide bildet, erhöhte noch die Schwierigkeiten, die diese Stelle dem Wanderer darbietet, denn es stellt nicht nur eine sehr rauhe unebene Oberstäche entgegen, sondern hat auch den Nachthtil, daß es durchaus keinen sichern Anhaltspunkt gewährt, indem es so locker und mürbe ist, daß es häufig, während man sich an demselben festzuhalten wähnt, unter der Hand bricht. Wir zogen das Kriechen über diese Schneide dem sogenannten Reiten vor, theils > wegen der größeren Schnelligkeit und mindern Beschwerden, theils wegen des Vortheils, den diese Lage des Körpers gewährt, indem man hiedurch die Augen dem Boden näher bringt, und dadurch weit weniger von einem Schwindelanfalle zu befürchten hat.« „Dieser Weg hält zum Glück nur 13—20Klafternin derLänge; der Bergrücken, in welchem sich diese Schneide verbreitet, währt nur kurze Zeit, denn bald nimmt er wieder an Breite ab, und verliert sich in eine ähnliche, gleichfalls aus losem Gestein gebildete Schneide von 12 bis 13 Zoll in der Breite, welche zur schlechtesten und gefährlichsten Stelle der ganzen Wanderung führt. Die erwähnte Stelle ist eine sich — 202 — plötzlich entgegenstellende, beinahe senkrechte Wand, welche von dieser schmalen Schneide aus erklettert werden muß. Langsam und vorsichtig und nur auf die Stelle blickend, die der Fuß berührt, richtet man sich auf dieser Schneide auf, und sucht, mit Händen und Füßen an die Felsvorsprünge dieser Wand sich klammernd, aUmählig sich empor zu heben und die obere Flache derselben zu gewinnen. Aber nur wenige Tritte höher, und man hat den breiten Rücken derselben erreicht, der dem muthigen Besteig« in w.nigen Minuten auf den Gipfel des großen Triglau ^velki l ' l ' i z l a v ) ) das Ziel seiner Bestrebungen, stellt. Der Gipfel des großen Triglav, der 2 bis 3 Klafter in der Breite und 42 bis 4 5 Klafter in der Länge hält, bildet einen schmalen, stark converen Rücken, der sich von Nordost gegen Südwest zieht, und ringsum mit fürchterlichen Abgründen umgeben ist. Dieser Rücken bietet wieder zwei Erhabenheiten dar, von denen die nordöstliche die höchste ist, und auf welcher sich ein aus Steinen zusammengesetztes Quadrat befindet, worauf die Pyramide Bosio's stand. Im Mittelpunkte dieses Quadrates zeigt sich ein Stein, in welchem, nebst einem Kreuze, der Name Bosio eingemeißelt ist. Dieser Theil des Gipfels ist zum Theil schneelos und mit losen Kalktrümmern bedeckt, während der andere, etwas mindere, durch einen Sattel mit diesem verbundene, ganz mit gefrornem Schnee überdeckt ist, aus welchem Bosio's stählerne Wetterstange ragte. Sie war noch vollkommen glänzend, ohne Spur einer Oxydation, und nur nach Nord unter einem rechten Winkel gebogen, zerbrach aber, als unsere Führer sie gerade biegen wollten. Weder in oryttognostischer, noch in geognostischer Hinsicht bietet der Gipfel des Triglav eine Merkwürdigkeit dar, desto mehr aber kann der Geologe von dieser Stelle aus Betrachtungen anstellen, indem er den Bau der Alpen deutlich übersieht. Das Gestein, aus welchem der Triglav besteht, gehört dem Alpenkalke an, einer Formation, über deren Einreihung selbst die ausgezeichnetsten Geognosten noch sehr im Zweifel sind. Die vielen losen Felskrumen, welche den Gipfel ganz bedecken, scheinen ihren Ursprung mehr von der Zerklüftung zu haben, der dieß so leicht verwitterbare Gestein unterworfen ist, als durch die Einwirkung des Blitzes, der sie sonst häufig zugeschrieben werden; wenigstens fanden wir keine Spur von Zersplitterung, und diese Trümmer vollkommen mit einer blaugrauen Kruste überzogen. Schon vom Thore des Triglav — 203 — angefangen hat alle Spur des animalischen und vegetabilischen Lebens beinahe ihr Ende erreicht, und nur die tiefsten vegetabilischen Firmen traten in der Gestalt einiger Lehnen noch in dieser Höhe auf. Grauer Alpenkalk, wechselnd mit Schnee, ist das einzige, was das Auge in der Wüste erschaut." „Die Alles übertreffende Aussicht zu beschreiben, wäre vergebliche Mühe. Wer wagte dies; von den unzahligen herrlichen Formen Tausender von Bergen! Welch großartiger, auffallender Unterschied des Gebildes primitiver und secundärer Gebirge! Welch differente Vegetations- Verhältnisse übersieht man hier, von der unendlichen Fläche des Meeres bis zu dem erhabenen Kreuze der mit ewigem Eise umgürteten Centralkette der Alpen. Welch, herrliche Farbenpracht, welche Beleuchtung! Weiß, grau, schwarz, blau, gelb, grün und roth, in allen Tönen, dunkel und licht, matter Schimmer und Heller Glanz! Welch unendlicher Horizont eröffnet sich hier dem Auge, von den Bergen des osmanischen Reiches bis zu den Apenninen. Alles will das Auge umfassen, nirgends kann der Blick ruhen, mit Gedankenschnelle eilt er über Alles hinweg; möchte überall verweilen, und wird unwillkührlich wieder weiter gezogen. Selbst die höchste Phantasie sinkt hier tief unter die Wirklichkeit. Alle Beschwerden, selbst die bevorstehenden Gefahren des Rückweges, sind vergessen über das unendliche Bild, über den unbeschreiblichen Eindruck." „Der Triglau, der einzige Gletscher im Herzogthume Kram und der Scheidepunct der carnischen und julischen Alpen, bildet die höchste Kuppe in der südlichen Kalkparallele der Centrall'ette (welche südlich von Uonte-N,08ll zwischen dem I^a^n lli Oomn und dem Ogliothale beginnt, durch Tirol fortzieht, sich am Triglav gabelt, und von hieraus Ausläufer östlich nach Croatien, der Wallachei und Siebenbürgen, und südlich nach Illyrien, Bosnien, Servien und Macedonien sendet). Seine Höhe beträgt, nach den Messungen Hacquet's und Hassel'«, 8294 Pariser Fuß oder io.i»4 Wiener Fuß, und nach Schulz sogar »744 Pariser Fuß; nach jenen Schuckbourgh's hingegen nur »378 Wiener Fuß, nach Hauptmann». Bosio's Messung »o«?Wiener Fuß, und nach den allerneuesten und genauesten Messungen gar nur »038 Wiener Fuß, nachS orrio t's Gebirgskarte aber 10.194 Fuß, endlich nach dem 1'ulilouu enmM'atit äe labauteur äe8 principale» — 204 — Hlontassne» «te. i»»i- l ) . Ve!88al-äili8 1U.U84 Fuß, welche Hohe ihm die bedeutendste Stelle im südlichen Kalkzuge, und namentlich in den julischen Alpen, anweiset, und die, verbunden mit seiner freien Lage, die weite, unendliche Umschau, vielleicht die schönste Fernsicht in der österreichischen Monarchie gewahrt. Seine nächste Umgebung gestaltet sich als ein wild pittoreskes Bild. Ueberall leuchtet Kahlheit und Trockenheit hervor. Vis hinab erschaut das Auge nichts, als pflanzenloses Felsgebilde aufgehäuft, voll von prallichen Zacken, Brüchen, senkrechten Wänden und wüsten Getrümmer, Thäler über Kreuz und Quere, aber ohne alles Leben, kein Gräschen, kein Quell, nichts, gar nichs, als dürres Gestein und nackter Schnee, welche diese leblosen Wüsten in ewigen Ernst kleiden. Man steht hier, wie auf der Zinne eines Thurmes, überall von senkrechten Wänden umgeben. Gegen Norden erblickt man einen Gletscher; gebrochen nach oben, gähnen seine Spalten über 200 Klafter hohe, senkrecht abstürzende Wände herauf, und gegen Südwest zeigen sich eben so fürchterliche Wände, aus deren Fuße der Ursprung des Isonzo sprudelt. Nach Süden erschaut man gleichfalls wildes Gewände, und aus der Tiefe erheben sich die Gipfel der V » b a - N » r i ^ des 2 e l « r und XiKIimal-. Gegen Osten entzieht sich beinahe dem Blicke die Schneide, über welche »vir heraufgeklommen, zu beiden Seiten von furchtbaren Abgründen umgeben. Gegen Westen zieht sich der Kalkalpenzug ununterbrochen bis in's fernste Grau fort; ein ungeheueres, riesenhaftes Gemäuer von 2 bis 4 geographischen Meilen in der Breite, erschreckend durch das Wilde seiner zerrissenen Massen und die fürchterliche Rauhheit seiner gewaltigen, kahlen Felsen. Breite Rücken, gezackt, zerklüftet, wie zerfallene Trümmer von Burgen, Warten und Thürmen, steil senkrecht, überhängend, Einsturz drohend, voll von eckigen Formen und wilden Rissen, geben dem Ganzen ein schauerliches Ansehen, aus dem sich die Phantasie das Mannigfaltigste schaffen kann, nur nicht ein Bild von Ordnung. Ein geistesschwacher, gemüthkranker Mensch müßte bei längerer Betrachtung dieser gleichsam chaotisch hingegossenen Massen beinahe zur Verzweiflung gerathen. Was dieses Gebilde aber hauptsächlich so wild dem Auge darstellt, ist, daß man es, seiner ganzen Länge und Breite nach, von oben, tief unter den Füßen überschaut. Einzelne Kuppen dieses Zuges, als: der Matajor, Manhard, Nabois, — 205 — Peralba, Reiskofel, die Pestwand u. s. w., erheben sich mächtig über ihre Nachbarn und erreichen beinahe die Höhe des Triglav, werden aber doch von diesem Bergriesen gedemüthiget. Je weiter diese Kalkmassen sich nach Tirol hinziehen, desto scheinbar breiter wird das Gebirge, bis es endlich gegen Südwest die Gestalt eines Halbmondes annimmt, aus welchem man deutlich die Berge des Etschthales zwischen Vicenza und Verona, gleichsam in die Ebene hervorgedrängt, erblickt, und in blauer Ferne die Apeninnen. Dieses Alpengebilde begränzt gegen Norden das Gail- und Savethal, und gegen Süden die venetianische Ebene. Welch ein auffallender Contrast eröffnet sich hier dem Blicke zwischen den kahlen Kalkbergen und der reichen Vegetation des herrlichen Italien! Welch^üppiges, herrliches Grün bedeckt dort die Fläche, wie mit Silberfäden durchzogen von Flüssen, unter welchen der Tagliamento der mächtigste ist, und von Hunderten von Ortschaften gleichsam wie mit Blumen übersäet. Sehr deutlich erkennt man Udine, Pordenone und Treviso, doch Venedig entzog sich unserem Blicke, wiewohl man es von hieraus sehen muß, da man von Marcusthurme auch den Triglav erblickt. Südöstlich zeigt sich das ziemlich gebirgige Görz mit vieler" Abwechselung von Bergen und Thälern, aus welchen wir deutlich die Gegenden Wipbach's erkannten. Die Kalkalpen, welche sich von Triglav hier abwärts ziehen, nehmen ein weit niedereres Niveau ein. Flächenartig laufen sie aus einander, und ungehindert sieht man über ihre Höhen in die Thäler, daher zum Theile ihr wellenförmiges Ansehen. Nur südöstlich erhebt sich zur Alpenhöhe der Feistritzer Schneeberg: ausgezeichnet sieht man den Nanos bei Präwald, und sehr deutlich erkennt man denIUlanw-ina^ioie bei Lovrana in Istrien und das Capellen-Gebirge." „Begrenzt ist dies; Bild vom Meere in der Gegend von Venedig, Pirano, Pola und Fiume^das sich mit allen Buchten und Landzungen zeigt, doch nicht wie ein Streifen, sondern eine unendliche Wasserfläche begrenzt dasselbe den Horizont. Gegen Südost und Ost übersieht man ein weites Gebilde von Bergzügen und Flächen aus der südlichen Steiermark und Krain. Ueber Laibach erblickt man das große Savethal und die Gegend von Agram; zur Linken davon das Rekagebirge und den Papak; etwas südlicher Croatien, die Gegend von Carlstadt, und aus den Vergzügen deutlich den Klek, die Piana und Plisseuriza; weiter gegen — 206 — den Horizont hinausgerückt die Berge des türkischen Croatiens, Dalmatiens und Bosniens, doch alles wellig, in's ferne Grau sich verlierend und nicht mehr den Alpencharakter tragend. Nordlich uon Triglav schließt sich ein Kalkzug von West nach Ost mehr an die Centralkette, und scheidet das Gail-, und weiter abwärts auch das Savethal vom Drauthale, und bildet hier zugleich die Grenze zwischen Krain und Kärnten. Dieser Gebirgszug ist bei Weitem niederer, und man sieht von hieraus alle seine Gipfel zu den Füßen, so die Tauke, den Unhold, den Gailberg, die Nllacher Alpe, den Mittagskogel, den ,8tol) die Ortatscha, Pogun- /Aö schiza, Helenix», Koschutta, den Obir, die Petze und endlich den Ursulaberg, von welchem sich nach Osten die Berge noch weit niederer fortziehen. Südlich von diesem Zuge stellt sich ein zweiter, höherer Kalkzug auf, der zwar auch am linken Ufer der Save sich erhebt, nach geognostischen Gründen doch aber zur eigentlichenTriglavkette gerechnet werden muß. Die wichtigern Kuppen darunter sind: die Kotschna, der Grintouz, Starzhizh, die Mastagora, Ostriza, Nadocha und Brana, die fern im Osten, den dreifachen Grenzpunct von Krain, Kärnten und Steiermark bildend, sich noch zu 8083 Wiener Fuß Seehohe erheben, lieber diesen Kalkzügen erblickt man, tief zu den Füßen gesunken, das Central-Schiefergebilde, die Chor- und Saualpe, den Kressenberg, die Sirbize, Kredenze, den Eisenhut, die Kaiserburg, die Fladnitzer und Modringer Alpe, die Gorlitze, das Reitereck, den Nakaspitz u. a.m., durchaus «000 bis ?000 Fuß hoch, von schonen gerundeten Formen, unter sanften Winkeln aufsteigend, grün bis zu den Hohen und Alpen im doppelten Sinne. Zwischen diesem Central-Schiefergebirge und den beiden vorerwähnten Kalkalpenzügen zeigt sich das Drauthal, welches zum Theile durch Diluuialgebilde uon der Klagenfurter Ebene getrennt ist, und in deren Mitte, gleich einem Hügel, der Ulrichsberg. Weiter aufwärts sieht man das Glan- und Gurkthal mit dem Krappfelde, und über dem Schiefergebilde erheben sich zwischen der Mur und der Enns die höheren, aber noch zum Centrale gehörigen Felsen, als: der Hochgolling, die Wildstell, die Sölkcralpen, das Eiskar, dieHohenwart, der Zinken u. s. w. Von der nördlich der Centralkette laufenden Alpenkalkparallele, besonders jenem Theile, welcher sich am linken Ennsufer erhebt, ist wegen der vorwaltenden Höhe der Centralkette von hier aus wenig oder nichts zu sehen. Weiter gegen Nordosten wähnten wirzwarKalte zu — 207 — unterscheiden, sie waren aber so sehr mit Dunst, mehr Höhenrauch als Nebel, umflort, daß wir nur schwache, undeutliche Umrisse erkennen konnten. Wahrscheinlich waren es die Kalkmassen des Hohenschwabs in der Gegend von Maria-Zell. Das erhabendste Bild aber macht von Norden nach Westen, ungefähr 80 Grade des Gesichtskreises einnehmend, das eisumpanzerte Centralgranit-Gneißgebilde, vom Zebedul in Veltlin bis zum Hafnereck in Kärnten. Unvergänglich, in ewiger Pracht starren die Massen, gezahnt, gezackt, übersäet mit Spitzen, Nadeln und Hörnern, weit hinaus über die lebendige Natur in die reinern Lüfte, und senden ihre schlanken, schneeweißen Säulen und Nadeln in's unendliche Blau des Himmels. Aus acht kolossalen Massengebilden unermeßlichen Eises, erheben sich einige dreißig Granitgipfel der höchsten Ordnung empor. Deutlich erkennt man, von Nordost nach West sich wendend, das Hafnereck, den Ankogel, Frammerkogel, Herzog Ernst, Sonnenblick, Hohennarr, Gravatkogel, Grauenkogel, Glockner, Brennkogel, das Wisbachhorn, den Dreiherrnspitz, Heiligensteigkogel, großen Venediger, Schendigernock, Schwarzenstein, Hornspitz, hohen Fraueleberg, Geierspitz, Kreuzspitz, Thalnitzspitz, den hohen Fürst, die Wildspitz, den Similaun, Orteles und Zebedul.« „Erfüllt vom Genüsse, der Jedem von uns bleiben wird, so lange wir leben," sagtv.Nosthorn, „dachten wir endlich an Rückkehr. Bald hatten wir die vorhin geschilderte, gefährlichste aller Stellen erreicht, den senkrechten zur Schneide führenden Fels. Der Führer ließ sich nun, theils auf dem Hintertheile gleitend, theils auf allen Vieren kriechend, mit den Füßen voraus gegen den Nordabgrund herab. I n gleicher Stellung ihm folgend, und ohne die Stelle zu sehen, wohin man die Füße setzen sollte, wurden diese von dem Führer ergriffen, und wechselweise auf Vorsprünge der entsetzlichen Wand gestellt, in die wir die Fußeisen einzutreiben bemühet waren, um ja nicht auszuglitschen, wenn sie allein die Last des Körpers tragen mußten. Dabei klammerten wir uns mit den Händen an die Felsvorsprünge fest an, und ließen den Körper erst dann abwärts, wenn wir des festen und sichern Standes gewiß waren. So half immer Einer dem Andern, und es gelangten Führer und Gefährte wieder auf die Schneide, auf welcher wir uns auf dieselbe Art wieder hinüber arbeiteten, wie ich bereits erzählte. Daß dieser Weg trotz der höchsten Vorsicht und Behutsamkeit nicht ohne Beklom— 306 — menheit gemacht werde, ist eben so wahr, als natürlich. So übersetzten wir auch die zweite Schneide, und nur der überkühne Major v. Maurer äquilibrirte zu unser aller und selbst der Führer Schrecken über selbe in aufrechter Stellung. Als wir auf den Gipfel des kleinen Triglav anlangten, und die größten Gefahren und Beschwerden bereits überstanden hatten, war uns allen schon viel leichter zu Muthe. Wir eilten hinab zum Thore. Um Mittag waren wir wieder in v ? n l e zurück, und so hatten wir denn glücklich jene Wanderung vollbracht, die uns so hohen Genuß bereitet hatte, und außer starker Ermattung der Glieder, verwundeten Händen und zerrissenen Kleidungsstücken, durchaus leine unangenehme Erinnerung zurückließ.'Hier verzehrten wir den Rest unserer Nahrungsmittel und überließen uns durch zwei Stunden der Ruhe. Hierauf traten wir den Weg nach Althammer, einem Hammerwerke des Freiherrn v. Z o i s , an, den ein schlechter Fußsteig durch eine Schlucht bezeichnet, und langten Abends daselbst an." Von Hermannsthal und seine Gefährten blieben nicht länger, als zehn Minuten auf der Hohe des Triglav. Sie machten denselben Rückweg bis zum Thore, dann wurde ein langes Schneefeld ergetzlich abgefahren, ein zweites querüber durchschritten, und ohne Aufenthalt gelangten sie heiter und scherzend schon nach dritthalb Stunden in dein pohs an, ohne der verhängnißvollen Stricke bedürftig gewesen zu seyn. „Nach anderthalb Stunden, um 2 Uhr Nachmittags," erzähltv>Hermannsthal weiter, „setzten wir uns wieder in Bewegung, statt rechts über die KoinsKa planina, woher wir gekommen waren, links über die südlichen Abhänge des U o l l ^ woher die Mitterdorfer Expedition kam. Wer eben vom Triglav herabgestiegen ist, kann an diesen Abhängen nichts Bedenkliches finden. Wir setzten unfern Weg über die mit geräumigen Hütten bedeckten Mitterdorfer Alpen fort, und waren, uns von diesen Alpen, statt links, nach Mitterdorf, rechts nach Althammer wendend, nach einer Wanderung von sechs Stunden von dein zwh« weg, um 8 Uhr Abends wieder auf dem Puncte zurück, von wo wir ausgegangen waren. Die Lust solcher Stunden ist für jeden ein unauflösbares Räthsel, der sie nicht schon um gleichen Preis zu erkaufen so glücklich war." — 209 — Nicht so leichten Kaufes kam Hauptmann Bosio mit seiner Expedition nach dem Triglav davon. Das von Franz Ritter v. I a k o - mini-Holzapfel-Waasen in H ormayr'sArchiv von 1823, Nr. 2Z, 2«, 2? und 28 so lebhaft erzählte, grauenvolle Abenteuer, welches der genannte Hauptmann auf jenem Bergriesen bestand, verdient nach erzählt zu werden. Bosio trat am 4. Juli 1822 um 4 Uhr des Morgens, von Mitterdorf aus, in Triangulirungs-Angelegenheiten die Wanderung nach der Spitze des Triglav an, und zwar in Begleitung des Corporals, I o h . Rothhemmel, des vaterländischen Regimentes Reuß- Plauen, dann zweier Bergbewohner und fünf anderer Bauern, die einige Tage früher auf Bosio's Geheiß auf der Zinne des Triglav eine Triangulirungs-Pyramide und eine Wetterstange aufgestellt hatten^ und die er jetzt als Träger seines Meßinstrumentes, des Theodoliten, seines Zeltes und einiger Lebensmittel verwendete. Die Karavane erreichte, unter Beschwerden und Kämpfen gegen die Stürme des Nordwindes, am 8. Juni um 9 Uhr des Morgens den Zenith des velki l'i'lSlilV) das erhabene Ziel, nach welchem Bosio mit solchem Sehnen, so vielem Bangen und so großen Mühen strebte, wo er in den ersten Momenten so selig sich fühlte, dann aber ein so grauenerregendes Abenteuer bestand. Wir wollen hierüber seine eigenen Worte vernehmen. »Kaum erholt von dem ersten angenehmen Eindrucke, mußte ich die, meine Freude gewaltig niederbeugende Bemerkung machen, daß ein weit hin sich verbreitender Nebel, welcher die Fernen verhüllte, meinen Gesichtskreis nahe begrenzte. Doch gewährten mir mehrere Oeffnungen, durch welche die Nebelwolken getheilt waren, die zum Theile beruhigende Hoffnung, daß sich der Nebel in die Betten der Thäler senken werde, und ich gab so gerne dieser Hoffnung ohne Bedenken Raum; denn sie wird ja, diese ewige Geleiterin des Menschen, wie Schiller sagt, selbst mit dem Greis nicht begraben." „ Ich nahm mir daher vor, bis zu dem ersehnten Augenblicke mich damit zu beschäftigen, den Boden meines Standpunktes näher kennen zu lernen, mich zu meinen physikalischen Beobachtungen vorzubereiten, und zum Theile, in so ferne ihre Natur solche auf dem kleinen Terrain meines Aufenthaltes beschränken ließ, solche sogleich vorzunehmen.« Neisttrlnn. nu« Kroin. i4 — 210 — „Mein Wärmemesser, der mir vor einer Stunde um 8 Uhr Morgens auf dem kleinen Triglav ^mnli ?Viß1»v) bei dem heftigen Nordwinde, der die Luft durchbrauste, 7'/^ Grad unter Null nach Reaumur gezeigt hatte, stand auf dem veIKi ' l r i ß l t iv (der höchsten Spitze) nur auf ?'/g Grad, mittägig gewendet und nur, wenn ich nordwärts an das Ende des Plattet»» kam und das Thermometer auf den Boden auf, setzte, fiel er bis g '/^ Grad hinab. Die Luft wurde aber nach und nach dicker (dichter), und je hoher die Sonne von Osten emporstieg, desto mehr erwärmte sie auch unsere Luftschichten, und ungeachtet der Läuterung derselben hatten wir in kurzer Zeit den Thermometer-Stand i über l), so zwar vorschreitend, daß um die Mittagsstunde schon ein Wärmegrad von 5 ^ vorhanden war, weil gleichsam schwül die erhitzten Steine ihre Wärme im engen Dunstkreise den nächsten Körpern und den Theilen wieder gaben, mit welchen die Luft geschwängert gewesen ist." „Bei diesen Beobachtungen durchschritt ich meinen Kampfplatz zu wiederholten Malen, machte mich mit seinen Verhältnissen und seinen Grenzen so ziemlich vertraut und fand, daß er, wie voraussehlich, einen schmalen Rücken bildend, in der Richtung von Süden gegen Norden einen Flächeninhalt von beiläufig 12 bis 13 Klafter in der Länge, und von abwechselnd 2 bis 3 Klaftern in der Breite inne habe. I n der Mitte ist die Plattform der Kuppe erhöht, folglich nicht wagrecht, und senket sich von beiden Seiten etwas bis zu den Abhangs - Grenzen." „Die ganze Oberfläche des oy«) unter dem Zenith, so wie überhaupt durchaus das Kleid der Kuppe, völlig verwitterter eisenschüssiger Kalkstein, von dessen Eisenhältigkeit ich in der Folge während des kurzen 8ch'nur auf meinem verehrten Triglav die spürsamsten Beweise erhielt, und noch in diesem Augenblicke in der Lage bin, die Proben seiner electrischen Attractions'-Kraft an meinem Körper zu zeigen. Wie in einem Gießbache das Bett des abgerollten, gehäuften Kieses, bedeckt die Kuppe eine aus Felsenbrocken bestehende, beinahe den Namen eines groben Schotters verdienende Steinhülle, auf der man bei j,edem Tritte die Spitzen der, unter dem Fuße hin und wieder gleitenden Felsenstückchen in andere Lagen bringt." „Die Pyramide, die ich wie einen Unbekannten freudig begrüßte, dessen Erblicken ein lange genährter Wunsch war, fand ich nicht auf dem höchsten Puncte in der Mitte der Kuppenfiäche, auf welchem da— 211 — gegen man die Wetterstange angebracht hatte. Da diese Aufstellung meinem Zwecke entgegen war, so bewirkte ich mit Hülfe meiner Gefährten ihre Uebertragung auf den Mittelpunkt, der zugleich die höchste Spitze der Höhe bildet, ließ die Wetterstange südlich in einiger Entfernung von der Pyramide in das Felsengestein bauen, und bereitete die unten ohne Verschalung gelassene Basis der letztern so vor, um unter derselben, senkrecht unter ihrer Spitze, mein Messungsinstrument aufstellen, und von dort aus nach allen Seiten meine Beobachtungen mit dem Theodoliten vornehmen zu können, wozu mir, wiegewohnlich, das Quadrat der Grundstäche der Pyramide mit i ^ Klafter messenden Seitenwänden hinlänglichen Raum darbot. Mein Instrument an der Seite, mein Zelt zur Hilfeleistung gegen Wind und Sonnenstrahlen in Bereitschaft, wollte ich die Erheiterung der fernen Hohen und ihre Entwölkung vom umhüllenden Nebel erwarten, und beschäftigte mich indeß, der bestehenden Ordnung Genüge zu leisten und in einem in der Mitte des inner« Raumes der Pyramide gesenkten Steine die übliche Bezeichnung des Triangulirungs-Signals nebst meinem Namen gls Trigonometer, der solches errichtete, durch Hilfe eines hiezu mitgebrachten Meißels und Steinbohrers, einzugraben." „ M i t diesen, meinem Zwecke angehörigen, mancherlei Beschäftigungen, welche meine Thätigkeit in Anspruch nahmen, war die Mittagsstunde herangeeilt, aber der Nebel hatte sich nicht gelegt, sondern allmählig zum inneren dunklern Gewölke geworden, schien es, als ob sich die übrige, unter uns lebende Welt nach und nach durch stets dichtere Verhüllung von uns trennen, und uns in heiterer Höhe, ohne Rückblick auf unser Erdenwallen, die Ahnung reiner Himmelsnähe genießen lassen wollte.« „Müßig, nach vollendeter Vorbereitung zu meinem Geschäfte, mit stets wechselnden Hoffnungen einer baldigen günstigen Gewährung meiner Wünsche und den immer stärker anpochenden Besorgnissen der Zukunft streitend, überließ ich mich, auf das spitze Felsenbett hingestreckt, dem Wogendrange meiner Gefühle, die, wie Ebbe und Fluth, mein erregtes Blut durchwallten. Das donnerähnliche Abrollen der Steine der losgerissenen Felsenmassen, die sich durch die lange vorbereitete Verwitterung von ihren in Lüften ragenden Puncten befreit, mit einem wild ertönenden Abschiedsgruße in ihr kaltes Grab stürzten, l 4 * l»1l> das krachende Bersten der Eisberge, die in neuen Spaltungen neue Massen für ihre ewige Dauer gestalteten, bereiteten mein von düstern Vorgefühlen tief bewegtes Gemüth in einem schaurigen Dahinstarren für mein nahendes Geschick. Als ich, wie aus bösen Träumen erwachend, um mich blickte, gewahrte ich, daß mich der größte Theil meiner Gefährten, bis auf zwei derselben und meinen treuen Gehilfen, verlassen hatten. So schmerzlich in solchen Momenten die Ueberzeugung ist, daß im Allgemeinen die Selbstliebe der Menschen größer, als ihre Nächstenliebe sey, so bietet doch eben diese die bessere Meinung von den Gesinnungen der Mitmenschen, kränkende Erfahrung für denjenigen, welchem der gütige Schopfer die unendliche Wohlthat einer bessern Bildung der Seele gewährte, wieder einen neuen Bestimmungsgrund dar, die Hilfe nicht in der Gunst anderer, sondern in dem eigenen Bewußtseyn festen Handelns und in dem eigenen Muthe zu suchen." „ Von diesen Empfindungen erweckt, hob ich mich von meinem felsigen Lager, um mit meinen, bis jetzt mir treu gebliebenen Gefährten den Genuß der Gegenwart zu theilen. Bei dem Durchwühlen unserer kleinen luftigen Heimath fanden wir in einer Vertiefung ein gläsernes, sorgsam zugepfropftes Fläschchen, welches die zurückgelassenen Andenken einiger mir vorhergegangenen Erklimmer des Triglav in sich verwahrte." „ Mir waren diese Zettel und ihr Inhalt von so wesentlichem Interesse, daß ich mir solche wörtlich in mein Taschenbuch copirte; der erste derselben enthielt:" »„Bester Leser! Ich war so herzhaft, um auf den Gipfel Triglav zu kommen, thue also das Zedl hier zurück."" ,)))<8ein d i l takn KulÄslion, tu pilwixe nzrj tuKoF oltane, neknr ^» un ne usemi, narvexlii mo^'e velelje ^e n» ^nrnli. ^»»nne» ve««inann, «ÄMn n»^eloni2i, üllii 8. ^u^uli t809."" „Der Zweite:" , .^ »„Nach Hacquet bin ich der dritte, Du Leser witst der vierte seyn, genieße den Augenblick, denn in diesem Lebew erwirbst du ihn nicht mehr. Franz Wilhelm Sieber, Botaniker in Prag, den 22. Juli 18l2."" — 213 — „Der Dritte:" „»Am t. August 1820. Simon Pfeiffer, Cooperator von Mitterdors."" „Unwiderstehlich drang es mich, auch meinen Nachlaß zuzugesellen, durch welchen ich, wie im Ahnungsgefühle der nahenden Ereignisse, meinen Empfindungen durch die beigerückten, mit meinem Namen, und dem Jahrestage meiner Ersteigung versehenen Worte: — „„Elemente—Größe—Menschen—Staub,"" Luft zu machen suchte, das Fläschchen wieder eben so sorgfältig verschloß, und solches in einem großem Steine, in welchen ich ein Loch bohrte, vor dem äußern Eindringen der Elementargewalt, verbarg." „Indessen hatte sich während dieser freundlichen Beschäftigung der Nebel in dem ganzen Umkreise der Thäler immer dichter versammelt. Es war vier Uhr Nachmittag geworden, und das Thermometer zeigte t Grad Wärme nach Reaumur." „ Ein heftiger Nordwind braus'te und ließ uns mächtig fühlen, daß wir noch kein Hausrecht auf dieser Höhe erworben hatten. Schwarze Gewitterwolken zogen kampflustig gegen unsere Wolkenstätte heran, — umhüllten sie von allen Seiten, bargen wechselweise ihr Haupt, und ein dichter Regen fiel, um — nicht wie sonst die Fluren erquickend — uns das Nahen unseres Schicksals zu verkündigen. — Ungewiß des Rückweges, noch von leisen Hoffnungen hingehalten, ohne der nöthigen Hilfe, welche zu meinem Hinabklettern auf dem mir bekannten schrecklichen Pfade und zum Mittragen meines Messungs - Instrumentes und meines sonstigen Geschäftsgebäckes unerläßlich erforderlich war, — mußte ich, beinahe ohne Wahl den Entschluß fassen, im Angesichte des nahen Sturmes, auf dieser Giganten-Spitze eine Nacht zu verweilen. Fünf war es geworden, als ich meine gewiß eben so seltene, als ungesuchte Herberge in dem Innern der Pyramide bereitet hatte, die ich mit den Flügeln meines Zeltes, und mit einem großen Stücke Wachsleinwand zur Bedeckung der obern Oeffnung umhüllte, um mich und meine Gefährten in dieser engen Behausung, die wie ein gethürmtes Grab mitten in den unglücksschwangern Wolken stand, vor den heftigsten Wirkungen des rasenden Windetobens, und des Schneeund Regengestöbers möglichst zu verwahren." — 214 — „ Von meinen Gefährten war in der Zwischenzeit auch der zweite der kurz vorher noch anwesend gewesenen zwei Führer entwichen, folglich nur noch einer derselben, und mein Gehülfe, die treu bei mir ausharrten und entschlossen waren, mein Verhängnis; zu theilen." „Angsterfüllt, horchend nach dem fürchterlichen Gebrause des wüthendsten Orcans, der von allen Seiten gegen die Wände unseres schwankenden Thurmes mit feindlicher Gewalt tobte, hatten wir kaum eine halbe Stunde zugebracht, als das Getone des nahenden Donnerrollens unsere bangende Furcht zur schrecklichsten Gewißheit erhohete. Nichtlange war uns dieser Zustand gegönnt, als allmählig sich mehrende Gewittcrschläge, die drohenden Verlünder unserer jetzt schon peinlichen Lage, den ersten Sieg über unsere Besinnung errangen, und in wenigen Momenten unser düsteres Haus, an der Spitze vom Blitzstrahl getroffen, von feurigen Zacken erleuchtet, die letzten Reste unseres Muthes zernichteten." »Ich stürzte durch die Oeffnung des Zeltes hinaus in die streitende Natur. Finstere Nacht hatte sich um die Zinne des Berges gelagert, nicht wie wir Menschenlinder es gewohnt sind, von oben herab, sondern aus den Abgründen herauf hoben sich mit brausendem, dumpfen Getöse die schwarzen, grauenvollen Gewitterwolken, vom Schlangcnzischen der Blitze erleuchtet, die wie ein Fackeltanz der Furien der Hölle sich durchkreuzten, bald hier in die Wetterstange schlugen, bald dorr die Spitze unseres einzigen Asyls, der Pyramide, berührten und zischend über die eisenschüssigen Steine, welche die ganze Oberfläche bedeckten, ihre hüpfende gräßliche Verbindung hatten," „ Da stand ich auf jener furchtbaren Höhe mitten im feurigen Kampfe des erzürnten Himmels und blickte mit Schauder in den Orcus hinab. Mir blieb keine andere Ueberzeugung, als der gewisse Tod, weil ich es für unmöglich hielt, von den unzähligen electrischen Strahlen, die hier auf kleinem Räume ihren ordnungslosen Wechselverkehr trieben, verschont bleiben zu können. Fort von diesem Platze des Schreckens! war der einzige Gedanke, der mich lebhaft erfüllte. Ich kehrte in die Pyramide zurück und verlangte von meinen Leidensgenossen den augenblicklichen Aufbruch. Doch der einzige treu gebliebene Führer erklärte mir, daß er bei diesem heftigen Sturme, dessen zerstörendes Wüthen geradezu unmöglich machte, auf den Bergrücken, welchen wir zurück zu legen — 215 — hatten, sich zu erhalten, uns nicht hinabgeleiten könne, weil mit diesem Unternehmen der Tod unvermeidlich verbunden seyn würde, der uns vielleicht auf der Höhe für dießmal doch noch verschonen könne.» „Was blieb uns Armen, als entsagende Ergebung in unser schreckliches Geschick? Mit einer Innigkeit, als ob wir ewig an einander gedrückt bleiben wollten, hatten wir uns auf dem Boden der Pyramide gegenseitig umklammert, um vereint den Todesstreich zu empfangen, wenn der Wille des Allmächtigen uns dieß Loos beschieden." „Doch, was sind selbst so heiß gefühlte Entschlüsse des Menschen! Der nächste Augenblick bereitet ihr Grab, und wie in den Lethe gesenkt, führt nicht einmal die Erinnerung an sie zurück. I n solchen Lagen, bei so raschem Eindringen stets verschiedener, und stets kräftiger Bestimmungsgründe erweiset sich das Nichts unseres stolzen Willens, der, wie eine Wetterfahne, sich nach dem Andränge äußerer Verhältnisseunaufhörlich wendet. Kaum hatten wir uns so fest umschlossen, als ein heftiger elcctrischer Schlag uns willenlos aus einander trieb. Mir war die Besinnung nicht geraubt, aber sprachlos saß mein Gehilfe und deutete, wie ein Wahnsinniger, auf den Mund, während ich bei dem steten Leuchten der Blitze an seiner Stirne ein Brandmal der electrischcn Berührung bemerkte. Ich rief den Führer zur Hilfe, doch dieser lag bewußtlos wie erstarrt neben mir. Mit jener Hast, mit jenem Eifer, welchen Menschenliebe und Roth erzeugen, warf ich mich über ihn und suchte ihn durch Reibungen, durch Eingießen des Weines, den ich in meiner Feldstasche hatte, und durch Beschütten mit demselben, wieder in das Leben zurück zu rufen. Es gelang meiner heftigen Bemühung;, er brach in fürchterliche Convulsionen aus, erholte sich jedoch allmählig, während mein Gehilfe nur verwirrte, kaum verständliche Worte ausstoßen konnte. Endlich war auch ihm der Gebrauch der Sprache wiedergekehrt, als ein neuer Schlag uns insgesammt betäubend dahin streckte. Als ich aufblickte, riß ich die Zeltenleinwand rasch hinweg und stürzte, dieß Todeshaus des Verderbens fliehend, zum zweiten Male in den wüthenden Streit der Elemente hinaus. Meine Gefährten folgten mir und, einige Schritte von der Pyramide entfernt, warfen wir uns in eine kleine Felsenvertiefung, von der Zeltellleinwand umhüllt, die das Gräßliche unserer Lage unserem geschlossenen Auge verbergen helfen, und uns doch zum Theile vor dem unbeschreiblichen — 216 — Gestöber der niederstürzenden Regenstuth, des Schnees und Hagels schützen sollte. Keine Stätte war uns vergönnt, denn auch in diesem Felsengrab« fand uns der rächende Blitz, der gleichsam unsere Verwegenheit zu strafen schien. Mich hatte dießmal der Schlag am meisten getroffen, ich war lange besinnungslos, empfand noch eine längere Zeit die empfindlichsten Schmerzen in meinen Gebeinen, ward am Scheitel und an dem linken Backen beträchtlich verbrannt, und soll, wie mir meine Begleiter, als ich wieder zur Besinnung kam, einhellig versicherten, mit convulsivischen Geberden, in ein fürchterliches, wahnsinniges Gebrüll ausgebrochen seyn. Diese Scene hatte unsern treu gebliebenen Führer, der schon sechsmal die Spitze erklommen, und der erste den gegenwärtigen Pfad mit dem Caplan Deschmann aus Aßling ^«5- lenixe) am 8. August 4809 entdeckt haben soll, seine frühere vernünftige Ueberlegung geraubt. Er drang darauf, dieser Hölle zu entfliehen und den Rückweg zu wagen. Aber meine Erschöpfung ließ es mir nicht zu, ihm zu folgen. Ich war entschlossen, mich dem Tode zu weihen, den ich damals für unvermeidlich hielt, und mein edler Gehilfe Rothhemmel, dessen herrliches Gemüth mir die schönsten Gaben der Dankbarkeit und des Seelen-Adels reichte, erklärte mit treuer Liebe, auch im Tode nicht von mir zu lassen." „Auch der letzte Führer wich! — Ohne zu blicken, wohin ihn seine beflügelte Angst treibe, blieben wir in unserem Schreckenlager auf dem Felsen, wie in einem Schwefelpfuhle, in einander verschlungen liegen." „Rastlos tobte die zürnende Natur; die zahllosen Blitze vereinigten sich in ein Feuermeer, das fürchterliche Krachen und Dröhnen des Donners barst an den felsigen Wänden des erbebenden Giebels und war mit seinem tausendfachen Nachhall ein Schreckenston der Zerstörung geworden. Immer steigend schien die Wuth sich selbst zu übertreffen; neue electrische Schläge berührten unsern schon nur halb empfindungsfähigen Körper, und plötzlich, wie der Augenblick der Vernichtung, hatte, sey es ein Werk der Phantasie, sey es Wirklichkeit, die sich durch den phosphorischen Gehalt unserer Glieder erklären lassen könnte, eine Flammenhülle unsere Körper umschlossen, die wir mit lichtgeblendeten Augen von uns abzureißen bemühet waren, aber mit jedem Zuge der Hand, die unsere Kleider berührte, neu lodernd vermehrten." — 317 — „Entsetzen, Betäubung, Todesangst hatten mit unwiderstehlicher Gewalt uns ergriffen. Wir flohen wie brennende Leichname, welche die Windsbraut im rasselnden Sturme vom Opferherde hebt, die Stelle, auf der wir uns befanden, um die nächste wieder zu fliehen. Hinabstürzen wollten wir, und umschlungen begannen wir den Tritt in's Grab, als ein neuer Blitzstrahl den feurigen Abgrund im Lichtmeere vor unserem Blick uns enthüllte, und Schrecken besinnungslos uns am AbHange niederwarf." „Vergebens würde ich mich bemühen^ auch nur entfernt anzugeben, wie lange wir an der äußersten Kante der senkrechten, bodenlosen Tiefe im stumpfen Dahinstarren gelegen haben, und welche Gefühle, welche Gedanken damals in mir lebten! Ich kann nur behaupten, daß unter den Milliarden der Blitze, die, wie ein dichter Regen durch so viele Stunden im eifrigsten Wettkampfe sich überboten, auf einmal durch ein reines Leuchten, wie bei der Entfernung einer Electrisir- Maschine, das Flamenmeer völlig aufgezehrt war und wir unsere Feuerprobe vollendet zu haben schienen.« „Noch einige Blitze, die immer entfernter sich zeigten, noch immer fernes^ Rollen des Donners, der, wie ein böser, von göttlicherHand besiegter Geist, noch im Scheiden den dräuenden Abschiedsgruß seines unterdrückten Zornes wiederholt, und gereinigt von Allem, was vor wenigen Minuten noch Schreckliches den Wolkensitz beherrschte, trat freundlich lächelnd der Mond am azurnen Sternenhimmel hervor, und goß sanfte Labung in unser krankes Gemüth, das durch den erlittenen Sturm erschüttert, noch nicht fähig war, den süßen, rettenden Wechsel unseres Geschickes zu ertragen." „Doch zähle ich diesen Moment unter die seligsten meines Lebens, und nie wird die Stunde der Mitternacht von dem Uebertritte des 5. zu dem ß. Juli des Jahres 1822 aus meiner Erinnerung scheiden." „Allmählig legte sich auch der Sturm unserer Seele, doch blieben wir auf unserer Stelle und erst um 3 Uhr Morgens wagten wir es zu versuchen, ob es uns gegönnt sey, die Freiheit unseres Handelns auf der Giebelfläche zu benützen." „Wir mußten rückwärts kriechen, um aufstehen zu können, weil unsere Beine halb in den Abgrund hinabhingen. Glücklich erhoben wir uns von diesem mehrstündigen Schreckenslager und blickten von der — 21« — Zinne des Berges mit dankbar heiligem Gefühle zu dem Schöpfer empor. Ein heiterer Morgen hatte sich entfaltet, Aurora grüßte uns mit wonnigem Verkünden aus den reinen Fernen, die den Horizont umkreisten, weithin schaute mein Auge in das endlose All und wie Tropfen perlenden Thaues erquickte, beseligte, stärkte mein niedergebeugtes Gemüth der Genuß dieses Götteranblickes auf solcher Höhe.« »Doch, keine Freude ist rein dem Menschen beschieden. Während ich Hand in Hand mit meinem Gehilfen mich in dem Entzücken der Gegenwart labte, war meine Pyramide das Haus des Todes. Ich nahete mich ihr, um mein Messungsinstrument aufzustellen, und welch Entsetzen ergriff mich, als der zuletzt mir gebliebene Führer, vom Blitzstrahl getödtet, erkaltet, in einer sitzenden Stellung in dem I n nern der Pyramide lehnte. Ich eile hinweg über diese Scene, die mich in dem Tiefsten meiner Seele erschütterte, und dankend blicke ich noch jetzt gegen den Himmel, dessen göttliches Walten mich noch frühe genug aus dem hölzernen Räume lenkte, welchen ich nun, bei unbefangenem Wirken der Vernunft, als die während eines Gewitters gefährlichste Stelle erkenne, die wir auf dem ganzen Giebel hätten finden können." „Ich suchte, von dem Anblicke des Leichnames abgewendet, meine physikalischen Beobachtungen vorzunehmen. Ich maß zwei Höhen, nämlich die Berge U i »<I,8»L und Natlljnr, und in Folge dieser Messung mit dem Theodoliten, habe ich die Seehöhe des v<Mi IrizlliV) nämlich der höchsten Spitze des Triglav, auf gllß? Wiener Fuß berechnet. Lange bemühet« ich mich, meine Beobachtungen fortzusetzen, aber die körperlichen und moralischen Leiden der jüngsten Nacht, das Entbehren aller physischen Stärkungsmittel und die traurige Katastrophe meiner Unternehmung, welche die unglückselige Veranlassung des Todes eines armen Menschen geworden war, hatten meine körperlichen Kräfte so erschöpft, daß ich kraftlos niedersank, mich unfähig fühlte, irgend ein Geschäft mit der nö'thigen Unbefangenheit und Ruhe zu bewirken, und mich genöthigt sah, mein Meßinstrument, das sowohl äußerlich, als auch an der Wasserwage mehrere Merkmale des Blitzstrahles an sich trägt, wieder zu verwahren." „ Um 8 Uhr Früh kamen sechs, am verflossenen Tage entwichene Leute wieder hinauf, und ich schreibe diese Hilfe wesentlich dem Um— 219 — stände zu, daß der letzte meiner Flüchtlinge die übrigen, die in den Alpenhütten, in den Pferd-Alpen, das Gewitter abwarteten, von dem Rückbleiben eines ihrer Genossen benachrichtigte." »Mit welchen Empfindungen ich nun den Rückweg zurücklegte, und welche Stimmung unter meinen Führern herrschte, die den Leichnam, in mein Zelt gewickelt, in seine Heimat zurück trugen, bedarf wohl meiner Erklärung nicht, und ich kann diese Erzählung einer Begebenheit, die mir ewig unvergeßlich bleiben wird, nur mit der Bemerkung schließen, daß ich denjenigen, welcher an dem Schrecklichen, was ich überstand, zu zweifeln geneigt seyn sollte, an Wieland's Blanchard verweisen und ihn ersuchen müsse, im nächsten Sommer eine Gewitternacht auf der Zinne des Triglav zuzubringen." Hauptmann Bosio's Mißgeschick war für nachfolgende Triglav- Besteiger wohl zur Warnung, aber nicht eben abschreckend; denn es wurde jener himmelanstrebende Vergkoloß seit dem I . 1822 häufiger erstiegen, als vordem. Die erste bekannte Ersteigung des Triglav fand im I . 1778 durch den Wundarzt Lorenz Willonitzer von Althammer, .in Begleitung des Gemsenjägers Rosizh und der Bergleute Matthäus Koß von ^ßrek», und Lucas Koroschez von 6 o - riulell«. Statt. Sie stiegen, wie Prof. Richter nach den M i t t e i lungen des Freiherrn Sigmund Zois berichtet, den 24. August t??8 bis zu den Alpenhütten in Kein pohe. Den 25. August brachten sie zu, den bequemsten Weg nach der Höhe, genannt 8eloni p l » l (grüner Platz), ausfindig zu machen, und untersuchten zu dem Ende drei Theile des Berges. Den 26. darauf, bei Tages Anbruch, schritten sie von bklo zwli«) Anfangs links (westlich), dann, fast in einer diagonalen Richtung von Südwest nach Nordost, innerhalb fünf Stunden nach dem genannten grünen Platze. Dort will der Wundarzt Willonitzer die Fläche von Laibach und das Thal von Noilirana gesehen haben. Er schrieb dem Baron Sigmund Zois, es sey fürchterlich, dort oben in die schauderuolle Tiefe hinabzublicken. Der alte Schnee erschien ihm völlig grün; auch bemerkte er eine Quelle mit großem Geräusch daraus hervorstürzen. Von dem grünen Platze kamen die Steiger längs der Schneide des Bergrückens Xreäerx«, in einer aufsteigenden westlichen Richtung bis unter den letzten Kopf des Triglav, in etwas mehr als einer guten Stunde. Der Weg dahin soll an manchen Stellen — 220 — nur zwei Schuh breit seyn und aus zertrümmerten Felsenstücken bestehen. Unter dem letzten Kopfe des Triglav angelangt, fingen W i l l o - nitzer's Begleiter an, zaghaft zu werden. Bis auf den Gipfel des Kopfes rechneten sie noch Dreiviertel Stunden. Dennoch faßten sie sich ein Herz und erkletterten längs der Schneide des nordlichen Randes den höchsten Punct des Triglav. Das Wetter war ihnen günstig, heiter, ohne Wind und die Kälte erträglich. Willonitzer fand den Platz auf dem Gipfel so groß, daß etwa SO Personen darauf stehen könnten, aber keine Spur, daß iemals Menschen vor ihm oben gewesen wären. Die Gesellschaft hielt sich beiläufig zwei Stunden auf dem Gipfel auf, und grub die Namen: Joseph N . , Baron Sigmund Zois, Balthasar Hacquet, Joseph Stephantschitsch, Lorenz Willonitzer, Christian Novak, Stephan Raschitsch, Matthäus Koß, Lucas Koroschez, auf zwei Felsen ein. Hierauf keilten sie Hammer und Stemmeisen neben einem Spalt der Felsen ein, und kehrten noch am selben Tage bis in ihre Heimat zurück. Im Herabsteigen wurde der Weg bezeichnet, um ihn nächstes Jahr desto leichter zu finden. Das folgende Jahr i??g erhielt besagter Willonitzer von Baron Sigmund Zois den Auftrag, den Prof. Hacquet bei der Besteigung des Triglav zu begleiten, und zu dem Ende die schon das erste Mal gebrauchten Gefährten mit zu nehmen. Prof. Hacquet war den t . August i?79 nach Feistritz in der Wocheingekommen. Den 2. daraufmachte sich die Gesellschaft, bestehend aus Hacquet, Willonitzer und Matthäus Koß, um ? Uhr früh auf den Weg, und gelangte den 8. August Nachmittag an die überhangende Wand unter dem letzten Gipfel des Bergkopfes, wo die gefährliche Stelle anfängt. Der erschöpfte und entkräftete Professor erklärte, daß ihm ganz schwindlich sey, und daß er nicht weiter könne. Ohnehin sey jener Platz zur Höhemessung des Triglav geeignet genug und der Unterschied von dort bis auf den Gipfel nicht so bedeutend. Somit war Hacquet nicht auf, sondern an dem höchsten Kopfe des Triglav, als er die Höhe desselben maß. Diese letztere, meinte er gegen Willonitzer, laufe nach seinen Instrumenten mit der, von Floriantschitsch angegebenen, ziemlich, auf Eins hinaus. Nach ungefähr einer halben Stunde trat man - , 0^ den Rückmarsch nach dein p«Ijo an. Erst am 4. August kam die Gesellschaft von hier nach Feistritz zurück. Im 1.17 81 kam der Mineraloge und Practikant bei der Münzund Bergkammer, Graf v. Wrbna, bis nach belo pnlje, um die nächsten Anhohen zu messen, ohne sich auf die Besteigung des Triglav- Gipfels einzulassen, wozu das Wetter nicht günstig war. Eben dieser GrafHtieg auch zum Wasserfalle, sah eine Gemse wenige Lachter über der Cascade weiden, und schwamm im Rückwege neben einem schlechten Kahne quer über den See. ^ Im 1.1784 (nach andern Berichten 1783) stieg Hacquet über Althammer, ravn« pohe^ lioziitw'/H, Ziem«, 1'oiiix nach bei« palj«) und so fort Tags darauf über die ?roäi auf den kleinen Triglao und nicht weiter. Denselben Weg machte er 1786 (nach verläßlichen Nachrichten 1788, den 23. Juli), und zwar von dein zwhe nach dem mitternächtlichen Rande bis an die seigere Wand des Gipfels, die er aber doch nicht überwältigen konnte. ^nno 1790, im Juli, stieg der Oberhutmann Schervonilmit demalten Koß und dem Fischer Nazni bis auf den höchsten Gipfel des Triglav. Er fand die von Willonitzer eingegrabenen Buchstaben und schlug einige Kupferkreuzer in die Spalte der Steinwand zum Denkzeichen ein. I n demselben Jahre bezog auch der O. N. (Oberst Nagel?) eine Hütte in bela p<ch'6) den 16. August, und blieb 14 Tage in der Gegend. Am 4. August i?92 war Baron Zois im Ilerma-Thale und v r . Host in dein pnho. Den 28. August aber wagte Primus N., ein Gemsenjäger, im Dienste des Grafen Vincenz Thurn zu Radmannsdorf, etwas bisher Ungewöhnliches. Er war nämlich die Wette eingegangen, den Gipfel öes Triglav in der Dämmerung zu besteigen, ein Bund Stroh nebst einigen Holzrinden mit hinauf zu nehmen, und oben Feuer anzuzünden. Und er gewann die Wette. I n Feistritz sah das ganze Gewerken-Personale zwischen 8 und 8 Uhr Abends das Feuersignal am Gipfel des Berges, und wie sich der Jäger über den steilen Rand herab leuchtete, worüber man ihm denn auch ein schriftliches Zeugniß ausstellte. Dieser kühne Steiger hat sich in der Folge an einer minder gefährlichen Stelle durch einen unglücklichen Fall erschla— 222 — gen. I n eben diesem Jahre, und zwar den 11. September, machte der Oberhutmann Schervonik seinen zweiten Gang nach dem Gipfel des Triglav, und zwar in Gesellschaft der beiden Koß, des altern und des jünger«, und zweier Bergknappen von lsmiuflie. ^uuo 1?9Z, am 14. und i s . August, bestieg Prof. Vodnik, damals noch Pfarrer in LloriulKe, in Gesellschaft des Grafen Franz v.Hohenwart, des rühmlich bekannten Kanzelredners vr.Pilchak und Steigers Kost, den Triglav; er kam jedoch nicht bis an die höchste Spitze. (Doch er mag selbst erzählen): »Am 14. August kamen wir von Koprivnik aus in neun Stunden nach lielo ziol^e. Am 15. nahmen wir den Weg über Hterillii^k zwischen (dem) lie^um-Thale und Triglav auf die mit ihm zusammenhängende Schneide IQ e<Ie> xn. Von dieser Höhe übersahen wir den lxnlso <ii t r i e z t e , das Tiroler und Schweizer Gebirge. I n Kram sah man den Kahlenberg zwischen den Wässern, die Save, das Laibacher Feld, den Krimm und den Schneeberg mit freiem Auge. Um 11 Uhr begaben wir uns von der gegen Veldes gerichteteten Seite des Triglav.« Das Jahr, in dem die Gebrüder Jacob und Johann Deschmann, als Capläne von Mitterdorf, den Gipfel des Triglav, und zwar jeder für sich, bestiegen haben, ist nicht verzeichnet; doch ist es sicher, daß sie noch vor dem berühmten Reisenden Dr. Sieber oben gewesen. Wenigstens hat Letzterer die Flaschen, mit einem Zettel darin, gefunden, welche Jene oben gelassen. Der Eine soll bei dieser Gelegenheit auch den Hut verloren haben. Eben so wenig ist bekannt, in welchem Jahre eigentlich die Gebrüder Mo oro mit ihren Freunden von Klagenfurt auf dem Triglav gewesen sind. Wahrscheinlich geschah es, als die Mo oro's noch die Wollenspinnerei in der Wochein hatten und daselbst ein eigenes Haus unterhielten. Am 21. September 1808 erstieg V a lentin Stanig (5 29. April 184? als Canonicus und Schulen- Oberaufseher in Görz) diesen Berggiganten, und machte dort der Erste barometrische Beobachtungen, v r . Sieber war 1812, den 22. Juli, auf der höchsten Spitze. Einen neuen Weg für die Besteigung des Triglav wählte Baron C a r l Zois (1819), einen Weg, der für Reisende, welche von der Würzen herkommen, recht erwünscht seyn muß, denn er führt von der Hauptstraße über Nnilii»nll ziemlich gerade in das Iierm»-Thal, — 223 — und von hier aus stieg besagter Baron, von dem Jäger im i l e r i n » - Thale geleitet, bis zur Schneide der Kernig von da über den Sattel nach der Schneide des Bergrückens Lreiler«,», bis unter den letzten Kopf des Triglav, aber nicht hinauf. Der Weg von der Landstraße bei ÄlniNrnnll bis auf den Sattel soll in 7 Stunden zu machen, und. von da bis auf die Spitze des Triglav sollen 5 andere Stunden erforderlich seyn, was aber von den Kräften des Steigers abhängt. Dieser neue Weg von der Nordseite her, bis auf die Spitze des höchsten Triglav- Gipfels vorzudringen, wurde auch 1818 von den Akademikern Jacob Jahn, Joseph Poklukar. Barth. Tratnik und Mathias Polz sammt einem gewissen Lorenz Polda, eingeschlagen. Diese gingen am 3. September besagten Jahres von Obergörjach über lierni/,» und dann immer an der Rothwein ^Naänmia) aufwärts durch das obere Rothweiner Thal bis zur Wohnung des Jägers Georg Sima. Hier übernachteten sie und stiegen des folgenden Tages durch das schmale lierma-Thal zu den Alpenhütten, lpndnll lißl'ma und 8S0i-naXerin»(eine Viertel Stunde von der letztern ist eine sehr gute Quelle) bis zum zweiten Gipfel, oder eigentlich bis unter den letzten Kopf des Triglav. Weiter wagten sie sich nicht. Es war 3 Uhr Nachmittag, und sie hatten demnach den Weg, ohne sonderliche Eile und Anstrengung, selbst die sich vergönnte Rast mit eingerechnet, in 8 Stunden gemacht. I m I . 1820den i.August, kamderMitterdorferCaplanSimon Pfeiffer bis auf denkleinen Triglav,, seine Begleiter aber, Urban Hodnik und noch ein anderer aus Kopriunik, bis auf den Gipfel des großen Triglav, wo sie einen klafterhohen Schnee fanden. Nun kam Hauptmann Bosio mit seiner oben erzählten unglücklichen Expedition an die Reihe, und nach ihm am 10. August 1824 der Pfarrer Carl Scherovitz von Sairach, dann am 18. Juli 1828 der Hofrath Käferstein aus Halle bei Leipzig, und der Caplan IohannSchemua von Mitterdorf; hieraufFranzv.Rosthorn mit dem Major Maurer, endlich Franz v. Hermannsthal mit dem Freiherrn Anton Zois, dann mit dem Gubernial-Concipisten Carl Steinbock und mit dem jungen Theologen Leopold Thanhauser. Rosthorn's und Hermannsthal's gediegene Referate hierüber lasen wir «ben in hieher gehörigen Auszügen. Steinbock war am — 224 — 13. August 1832 zum zweiten Male auf dem Triglav, und zwar in Gesellschaft des Berggerichts-Actuars Mar. Gritzner, des Gubernial- Concepts-Practikanten Carl Ritter v. Gold, und des Gubernial- Präsidial-Kanzellisten Georg Nevozitek; letzterer gab hierüber in Nr. 15 bis 18 des „ I l l y r . Blattes" von 1843 einen interessanten Bericht. I n demselben Jahre, den 23. August, stand Leopold Kiener, Magazineur der Zuckerraffinerie Vonier et I?er«oli aus Laibach, mit dem Bindermeister Johann Martschi tsch aus Feistrih, auf der Spitze des Triglav, wo Kien er seinen Namen und die Worte zurückließ: „Nur dem Kühnen ist das Schicksal günstig, aber den Feigen verfolgt es." Ein Wahrwort, welches schon die alten Lateiner kannten: ^uä»o«8 turtuna MVÄt) timiäusyuß i-epellit! vl-.Michael Tuschet erstieg diesen Gletscher am IS. Juli 1833 mit Dr. Raimund Melzer und mit dem Cameral-Verwaltungs- Concepts - Practikanten Vincenz Seunig, und gab darüber im „ I l l y r . Blatte" Nr. 4? und 4» von 1833 eine lesenswerthe Relation; der Magister der Pharmacie und Custos des krainischen Landes-Museums, Heinrich Freyer, aber war der letzte bekannte Ersteiger des Triglav, den er von Nniüran» aus erkletterte. Er gab hierüber im Beiblatte Nr^ 2^der^allgem. bot. Zeitlmg.".von 1838.einen, in botanischer Beziehung sehr interessanten Bericht; er fing am Gipfel des Gletschers eine Fliege, die er, laut Museal-Berichten vom 1.1838, S. 18, in das Landes - Museum ablieferte. Es ist auffallend, daß der Name Terglou oder Triglav bei Valvasor nicht vorkommt, und daß dieser Topograph die lierm«, den höchsten Berg in Krain nennt, während man heut zu Tage mit diesem Namen ein Vorgebirge des'Triglav bezeichnet, und doch ist der Triglav gewiß so alt, als dieWelt. Floriantschitsch gibt dagegen in seiner, im I . i?44 erschienenen Karte von Krain, nebst der Ivermn auch den Triglav genau an, und sagt: Klon«. I'er^lnu t?»ruioli»e aIti88imu8eu^u8vertex perz>enäielllÄii3ltitu<iiue supra Knri- L«nteiuI^bÄoeu8eillI399 Kexoz»eäi8l'Ä,^8i6U8ibu8 a88ulßit. Denjenigen, welche Lust haben, den Triglav zu ersteigen, gibt v. Rosthorn folgenden beachtenswerthen Fingerzeig: „Vor Allem ist die Jahreszeit zu berücksichtigen, und in dieser Beziehung sind die Monate Juli und August, besonders zur Zeit des — 235 — Vollmondes zu empfehlen. Am ersten Tage soll man von Feistritz bis v ? u l e gehen, daselbst um 11 oder 12 Uhr in der Nacht aufbrechen, um schon bei anbrechendem Tage über dem Thore zu seyn, und zeitlich Morgens den Gipfel zu erreichen; denn in den Alpen ist es eine große Seltenheit, wenn sich gegen Mittag ihre Kuppen nicht in Nebel hüllen, selbst bei'm schönsten und heitersten Wetter. Bei gutem Schritte und die Zeit abgerechnet, die man mit Sammeln, Beobachten, Ausruhen und mancherlei Genüssen in dieser herrlichen Region zubringt, braucht man von Feistritz bis Mitterdorf 1 Stunde, von da bis HKanx» 2 Stunden, bis zu den Schafhütten 2 Stunden, bis v ? o l o 2 Stunden, bis zum großen Schneefelde 2 Stunden-, bis zum Thore i Stunde, bis zum kleinen Gipfel i ' / , Stunde und bis zum großen Gipfel ^ Stunde, in Allem also, bei l2 Stunden. Zurück geht es schneller, bis zum kleinen Gipfel in '/z Stunde, .bis zum Thore i Stunde, bis zum Schneefelde in '/. Stunde, bis vVole in 2 Stunden, bis Althammer in 5 Stunden, bis Feistritz in i Stunde, zusammen also beiläufig in l o Stunden. Die Führer sind vorzügliche, vorsichtige, höchst verläßliche und billige Menschen. Ich möchte sie unter sehr vielen Leuten dieser Art, die ich auf meinen Reisen kennen zu lernen Gelegenheit hatte, obenan stellen, denn es ist jedem Reisenden bekannt, wie oft diese Leute ihren Herrn gerade in dem Augenblicke verlassen oder durch ungeheuere Anforderungen zu bevortheilen suchen, wo er ihrer Hilfe am meisten bedarf Unsere Führer, die ich Jedermann auf dieser Wanderung empfehlen kann, waren Anton Koß von ^ei-eka, der auch Bosio's Führer war, und Mathias Kuraschütz, dessen Bruder bei Bosio's Ersteigung vom Blitze erschlagen wurde. Unter den Trägern nenne ich Johann Arch von Feistritz und Joseph Scheft von Mitterdorf, als gleichfalls sehr verläßliche und mit dem Wege wohl vertraute Leute. Als Bekleidung empfehle ich einen kurzen Ueberrock von Tuch oder vom englischen Leder, mit Leinwand ausgefüttert. Dieser Stoff ist fester als Tuch, trocknet, wenn er durchnäßt wird, leichter und schneller am Leibe, und ist zugleich brauchbar, sowohl bei Wärme und Kälte. Als Fußbekleidung sind gut gearbeitete Schnürstiefel von Kuhleder mit doppelten Sohlen wohl am zweckmäßigsten, doch müssen sie wohl mit Fett bestrichen und die Sohlen mit tüchtigen, doch nicht allzu vielen Nägeln beschlagen seyn, 25 Stück in einer Sohle reichen vollkommen hin. Sie ersetzen gewissermassen die Neiseennn. nu« Kr»ln. ll 5 — 226 — Steigeisen und machen sie sogar entbehrlich. Ueberhaupt sind Steigeisen nur in den Gletschern mit Vortheil anzuwenden, und die sechssiacheligen Tiroler und Salzburger Steigeisen allen übrigen vorzuziehen, doch macht sie ihr Gewicht nach mehrstündigem Gebrauche dem Ungewohnten zur lästigen Bürde. Auch die langen, dicken Alpenstocke sind dem Triglav-Ersteiger entbehrlich, und ein fester Stachelstock gewöhnlicher Art vollkommen zureichend, zumal da man ihn bei'm Thore ohnehin zurücklassen muß, um die Hände zum Klettern frei zu haben. Die langen, dicken Alpenstöcke, dienen gleichfalls nur in Gletschern, wo man sie theils zum Uebersetzen über Eisklüfte, theils zum Abrutschen oder sogenannten Abfahren über Schnee, und Eisfelder gebraucht. Flore und grüne Augengläser finden bei Ersteigung des Triglav ebenfalls keine Anwendung, ein Hut mit breitem Rande genügt.. Unsere Augen litten auch hiebet nicht das Geringste, und nur ein schwaches Zucken in der Gesichtshaut war die Folge der Einwirkung der Luft in jenen hohen Regionen. Als Getränke ist auf Alpenreisen Nhum, Kirschengeist oder Slivowitz, mit Zucker versetzt, als stärkend und kühlend, wohl das Erquickendste, selbst wenn auch nur der Mund damit befeuchtet wird. Wein und Wasser, einzeln oder gemischt, erregen nur Schweiß und vermehren den Durst; auch sind diese Getränke im warmen Zustande übel zu genießen und erfordern einen weit größern Vorrath, um nicht in empfindlichen Mangel zu versetzen. Und somit," schließt v.Nosthorn, „wünsche ich Jedem, der den Triglav zu besteigen Lust hat, günstige Witterung, frohen Muth und beharrliche Ausdauer. Der herrliche Alpengenuß wird dann gewiß nicht fehlen!" —, Wer sich diesen Hochgenuß versagen muß, den fordert Graf Franzv. Hohenwartim „ I l l y r . Blatte« Nr. 3Z von 183? auf, sich mindestens einen annähernden Genuß durch Anschauung des Triglav und seiner Nachbarn, Ajiuir und Steiner, am Fuße derselben zu verschaffen, gleich wie sich Graf Hohenwart dessen noch am Abende seines Lebens und bei allen seinen körperlichen Mühseligkeiten erfreute. Er berichtet hierüber am angeführten Orte wörtlich: „Dieses Jahr, den 8. August, fuhr ich in Gesellschaft verehrter Freunde und Freundinnen von Laibach nachOberkrain ab Den 12. August in Nnisti »n», eine Stunde ob Aßling, bei früher Morgenstunde angelangt, standen die einspännigen Wägen ^KripLe) der dortigen Insassen bereit, um — 227 — unsere Gesellschaft aufzunehmen. Wir fuhren vier Stunden in das Vorgebirge hinein, und langten um 12 Uhr Mittags bei den Kohlenhütten in Hrnt» an. Wir befanden uns hier unmittelbar an dem kahlen Fuße des Triglav, des Steiner und des 2imir. Ein wahrlich erhabener Anblick, diese Kolosse von der Basis bis zur Spitze bewundern zu können. Kein Wölkchen trübte die Ansicht, man glaubt sich auf die Alpe selbst versetzt, und ist von diesen umschlossen, ohne den Wagen verlassen zu haben. Ein beseeligendes Gefühl bemeisterte sich der ganzen Gesellschaft, ohne Anstrengung den höchsten Bergspitzen unserer Alpen so nahe zu stehen und sie vom Fuße bis zum Scheitel übersehen zu können. Einen derlei Anblick kann man sich gewöhnlich nur nach zehn- bis vierzehnstündigem angestrengten Klettern verschaffen, und hier erreicht man ihn zu Wagen. Wir berührten mit unfern Händen den ewigen Schnee, wir erfrischten damit unsere Getränke aus der krystallklaren Quelle ViNer^ll. Eine unfern liegende Hütte der Hirten bietet erfrischende Ziegenmilch und Schotten ^ l l i u t a ) zur Labung dar. Wir sahen die drei verabredeten Wahrzeichen, die rothe Spur der drei Steine, welche Frey er den 10. August bei Ersteigung des Triglav, von der höchsten Spitze desselben, über den grünen Schnee (das ewige Eis), welches in einer großen Lagerung unter der Spitze des Berges geschichtet ist, herabrollte, von der eisenfärbigen Erde gefärbt. Wir sahen den steilen, kaum zu erkletternden Steiner, welchen Freyer voriges Jahr erstieg; wir sahen den gespitzten Aimir ein Dreieck um uns bilden, welche alle unsere Hände berühren konnten." „ Wir berauschten uns eine Stunde lang an diesem herrlichen Anblick, als der Wind anfing, Wolken von der ^a^a^Iier^» über den Steiner zu wälzen; wir traten fröhlichen Muthes den Rückweg an und langten nach achtstündiger Abwesenheit in HloiNran» an, wo ein frugales Mahl uns erquickte, nach welchem wir nach Würzen in's Nachtlager fuhren." Man kann sonach diesen, in seiner Art einzigen Ausflug von Laibach ohne alle Anstrengung in drei Tagen machen. Auf dem ersten Drittel des Weges sieht man den Wasserfall periLliniS) der Jene, welche den Wasserfall der <8avi2» noch nicht gesehen haben, ergehen wird, weil das Wasser über die halbe Höhe des Falles in Staub aufgelöset sich erhebt, und in den Sonnenstrahlen ein buntes 15* — 228 — Farbenspiel bildet. — Die Fahrt nach U r a t a ist romantisch schauerlich, da es schöne Berg- und Waldparthien gibt, und weil man an gähen Abstürzen und unter schauerlichen, wagrecht gespannten Felsen fahren muß, auch die Unebenheiten der Straße selbst den Körper tüchtig schütteln, somit das Gemüth des Besuchers fortan in Anspruch genommen wird. Will man jedoch bedenken, daß die Pferde, welche die Reisenden ziehen, das ganze Jahr hindurch, wenigstens dreimal die Woche, diesen Weg machen, und daß nur ein Führer bei 4 bis e Fuhren sich befindet, somit diesen Weg sich selbst überlassen, ohne alle üble Folgen betreten, bei den Reisenden aber jedes Pferd seinen Führer hat, so schwindet vollends jede kleinliche Furcht, und man kann sich getrost den herrlichen Eindrücken, welche)diese unbeschreiblich schönen und erhabenen Scenen auf das Gemüch machen, hingeben und sie in vollen Zügen genießen. Ausflug nach Stein und Machbarschaft. Nerlass' der Städte dumpf Gefängniß, Wirf der Natur dich an die Brust; Dort löst sich irdische Bebrü'ngniß I n ungetrübter Himmelslust. Die Wände, die den Blick beschränken, Verengen Herz und Sinn zugleich; Frei kannst du fühlen, frei nur denken I n Gottes schrankenlosem Reich. Ebersberg. , , ^ 5 s gehört mit zu den Vorzügen der Hauptstadt Krain's," sagt Prof. Richter, „daß man sich in wenigen Stunden vom flachen Lande in die lieblichsten Alpenthäler versetzen, und somit seine schlappen Nerven durch Alpenluft und Alpenwasser erfrischen kann." Wem es möglich ist, wenn auch nur auf Stunden der Monotonie der Stadt zu entfliehen, thut daher Unrecht, wenn er sich daselbst einkerkert, und die Augenblicke der Erholung nicht zu Ausflügen von Laibach aus in die romantischen Thäler der nahen Alpen, wenn nicht auf die Alpen selbst, benützt. Die Pfingstfeiertage von 1842 waren zu einem solchen Ausfluge, zum Besuche zweier Jugendfreunde, bestimmt. Das schönste Sommerwetter begünstigte diese Excursion. So düster und unfreundlich die Thalschlucht von Podpetsch gegen Trojana und Steiermark ist, so freundlich und reizend ist dagegen die Ebene gegen Stein von Laibach aus, mit den üppigen Fruchtfeldern zu beiden Seiten der herrlichen Commercial- dann Bezirksstrasie, in welche man bei dem Dorfe I'orsaiN) wo 1813 der französische General B elotti mit 900 Mann gefangen wurde, einbiegt, im Hintergrunde die majestätischen Steiner- Alpen, in deren Mitte das von dem Grafen v. C i l l i erbaute Kirchlein St^Primus magisch das Auge fesselt. Man vassirt Manns— 330 — bürg, ein reinliches Dorf, dessen Bewohner den Wohlstand ihrer eigenen Bewerbsamleit und der Nähe der Hauptstadt, wo sie ihre Producte absetzen, zu verdanken haben. Der Inhaber der vereinten Güter zu Mannsburg, der sich durch Fleiß und Industrie zu beträchtlichem Meichthum empor schwang, geht mit seinem Beispiele den Dorfinsassen voran. „Das Gebiet der Feistritz/ schrieb Prof. Richter ( „ I l l y r. Blatt" Nr. 44, von 4818), „ist eine der schönsten Parthien im Lande. Rechts und links gefällige Ruhepuncte für das Auge, als: Klein-Gallenberg, Kreutz, bietet diese Fläche dem Wanderer ein freundliches Gesicht entgegen, das mit den ernsten Steiner-Alpen im Hintergrunde anzieht und fesselt. Es waren kaum zwei Stunden verflossen, als wir in das nette Gebirgs-Städtchen Stein einfuhren. Ein für Gebirgsleben empfängliches Gemüth wird hier angenehm überrascht. Von dem Schallenberge aus übersieht man in diesem Winkel der Erde eine kleine Welt, darin sich Alles im Kleinen wieder findet, was die Welt sonst im Großen vorzeigt, und wo das Gemüth unwillkührlich die großen Capitel vom menschlichen Thun und Treiben in den Jahrhunderten wiederholt. Ein Kessel, den die Feistritz ausgehöhlt, ehe sie sich in die Ebene die Bahn brach, ringsum von schönen Bergen eingeschlossen, wo freundliche Gotteshäuser neben Burgruinen auf das Treiben im Städtchen herabsehen, in der Ferne das Feistritzer Thal, das sich in die Kalkgebirge hineinwindet, St. Primus, Münkendorf in geringer Entfernung, dieß alles auf ein Mal vor dem Blicke entfaltet, versetzt die Phantasie in die angenehmste Thätigleit. Man sieht in Gedanken die ersten Bewohner dieser Gegend auf den höhern, vom Wasser freien Puncten ansiedeln; man sieht Dynasten unersteigliche Zwingburgen erbauen, dräuend dem Schwachen im Thale; man sieht, wie das fromme Mittelalter Kirchen und Klöster stiftet, und dadurch seinen Glauben an den beurkundet, der da in majestätischen Gewittern über Berg und Thal daherschreitet; man sieht die Gemeinden sich vergrößern, erweitern und durch Emsigkeit sich bis zu städtischen Freiheiten und bescheidener Wohlhabenheit empor arbeiten; kurz, man sieht den ganzen Gang des hiesigen Menschenlebens in den Jahrhunderten von der Viehzucht zum Ackerbaue, von und mit diesen beiden zu städtischen Gewerben im Gehorsame gegen die Mächtigen auf den Bergen, im — 231 — Glauben an den Allmächtigen über den Bergen; man sieht auch den Austausch und Eintausch der Erzeugnisse zwischen dieser kleinen und der großen Welt und preiset die Vorsehung, die Alles so gefügt und gelenkt zum Guten." Das freundliche Städtchen Stein, das zu wiederholten Malen vom Feuer verheert wurde, sich aber immer wieder wie ein Phönir aus der Asche erhob, hat drei Vorstädte: Schutt, Graben und Neumarkt, und war einst, den Zeitverhältnissen nach, ein bedeutender Handclsort, und bei den Einfällen der Türken ein !i,ßfu»iuw des benachbarten landsässigcn Adels: denn das Bollwerk der Kleinveste, die Vorhut zu Steinbüchel und der Thurm auf dem Schallenberge schützten das Städtchen vorn, während die Alpen den Rücken deckten. I n den Ruinen der Kleinveste stehen auf einem Räume von 5 bis « Klafter, angeblich seit dem dreizehnten Jahrhunderte, die drei Capellen über einander, aus denen sich der Zweck ihrer derartigen Erbauung nicht wohl erklären läßt. Kein Stein, kein Denkmal gibt darüber Aufschluß. Ober der Eingangsthür steht ein Deutsch-Ordenskreuz und die Jahreszahl i ? 4 l . Hier soll einst ein Götzentempel, eine Art Orakel, bestanden haben. Heidenthum und Aberglauben scheinen vormals da zu Hause gewesen zu seyn, denn abgesehen von diesem Götzendienste und den Mysterien eines Orakels, lebte noch zu Valvasor's Zeiten die Sage von einem wunderbaren See, der das ganze Land bei Stein eingenommen haben soll, dann von einem heidnischen Fräulein, welches durch drei Küsse von einem keuschen Jünglinge erlöst werden wollte, wegen mißglückter Erlösungsversuchc aber in eine Wassernymphe verwandelt wurde, deren Abbildung und Andenken in das Stadtwappen von Stein übergegangen sey. Daß ein Theil der Gegend von Stein meist unter Wasser gestanden haben mag, dgfür sprechen mehrere Merkmale. Die Pfarrkirche, einst zur Diöcese von Aquileja (Aglar) gehörig und die Grabstätte der Lamberge, verwahrt einige Monumente, und ein Stein an der linken Wand nächst dem Hochaltare sagt, daß die Kirche vom Pfarrer M a r i m i l i a n Rasp, der 1742 starb, neu erbaut wurde. Die Franziskaner-Kirche wurde von den Herren Thurn und Hohenwart gestiftet. Stein hatte in seiner alten Verfassung einen inner« und einen äußern Rath; erster« bestand aus 12 Rathsherren und dem Stadt5I. 1 richter, letzterer aber aus 40 Bürgern; 24 Bürger bildeten die Gemeinde. Die alte Veste Oberstein, seit 4670 Ruine, wurde von dem Grafen v. Ortenburg erbaut, von Hans v. Gallenberg aber, wegen Theilnahme am Aufstande Erzherzog Albert's V I . wider Kaiser Friedrich, verwirkt. Merkwürdig ist ein einstmaliges Urbarsrecht der Herrschaft Oberstein, daß nämlich, so lange ihr Getreidekasten offen stand, Niemand in der Stadt Stein Getreide feil bieten durfte. Derlei Erinnerungen an Handelszwang oder Privilegien findet man in der Geschichte des krainischen Mittelalters häufig. Zu Oberstein auf der Kleinveste hatten eine lange Zeit die Herzoge aus Kärnten, und um 1444 Kaiser Friedrich die Residenz, was der gesunden Luft zuzuschreiben seyn möchte; denn in dieser Beziehung war Stein von jeher renommirt, so zwar, daß, als 4599 in vielen Orten von Krain, und insbesondere zu Laibach die Pest wüthete, wovon Stein verschont blieb, die Amts- und Gerichtskanzleien und die ordentliche ( Ä e ) Post von Laibach dahin verlegt wurden. Es scheint, daß damals der Postcurs über Stein und durch das Tuchheiner Thal nach Steiermark ging, und zwar auf derselben Route, auf welcher schon 478? die Ausfuhr rung einer neuen Verbindungsstraße zwischen Krain und Steiermark ausgesprochen, aber erst 4822 durch die thätige Mitwirkung der Insassen des Bezirkes Münkendorf, und eines großen Theiles des Bezirkes Egg bei Podpetsch, mit dem höchst unbedeutenden Geldaufwand « von 48»Z st. 33 kr. und der Verwendung von 30.898 Handund 9794 Fuhr-Robottage in einer Länge von 44.500 Klaftern zu Stande gebracht wurde. Das freundliche Tuchheiner Thal, westlich mit Kärnten, östlich am Flusse Velin, mit Steiermark, mit Franz im Cillier Kreise, verbunden, zählt in seinem engen Räume zwischen himmelanstrebenden Bergen,,54 Ortschaften mit beiläufig 4000 Einwohnern, und ist mit den fruchtbarsten Thälern der Schweiz vergleichbar, da der Ertrag,der Felder den Bedarf der Bewohner weit übersteigt. Vom äußerst freundlich gelegenen, die Stadt und Gegend beherrschenden Schlosse Steinbüchel aus, welches 4550 Georg v. Lamberg um! ^ l s , b«u ßi-6 und bei bewaffnetem Widerstände der Bürger von Stein, unter dem Schutze der Landesregierung erbaute, machten wir einen überaus angenehmen Spaziergang zur Lo— 233 — calie Theinitz, wo ich einen Jugend- und Schulgefährten als Pfarrer begrüßte. Ein sehr angenehmer Spaziergang von Stein aus ist nach Münkendorf, jetzt ein Eigenthum des Freiherr« v. A p f a l t e r n , vormals ein von dem Grafen v. Gallenberg 1300 gestiftetes, vomKaiftr Joseph aber aufgehobenes Frauenkloster der Clarifserinen, dessen Revenuen dem Studienfonde einverleibt wurden. Wo man sich hinwenden' mag in diesem lieblichen Thale, überall athmet man die erquickendste Bergluft, und die reizendsten Landschaftsparthien entzücken Auge und Herz. Wenn Triest, wenn Venedig, wenn Wien oder eine andere große' Stadt solch ein Eldorado von Naturschätzen nahe hätte, wie besucht wäre es von Freunden der schönen Natur, während jetzt kaum ein Paar Familien aus Laibach oder Triest in den heißen Sommertagen allda Luft und Kühlung suchen. Den Freunden von Alpenparthien winkt hier die schöne Kreutzeralpe zu einer Ercursion freundlich entgegen. Sie schließt sich in nordwestlicher Richtung an die Gebirgskette der norischen Alpen an, und ist vom Dorfe Zirklach oder 6ra<i aus, durch das Felsenthal IteKg, und über Sittichdorf dem Meierhofe Vischniz zu, zu ersteigen. Schon am Meierhofe, in dieser mäßigen Höhe, lohnt den Wanderer eine entzückende Aussicht über zahlreiche Kirchen, Dörfer, Straßen, Flüsse und niedere Berge des Laibacher Kreises, bis über die Hauptstadt hinaus. Am Saume des Vorgebirges führt der Pfad zur Lorenzi-Kirche, und dann durch schattige Buchenhaine bis zu den gastfreundlichen Hirten auf der Vischnizer- Alpe. Gelabt mit Milch, Schotten oder Butter und Brot, wird die Wanderung von da auf immer steiler werdendem Felsenwege bis zur Alpenhütte der Herrschaft Kreutz fortgesetzt, von wo aus man auf steinigem Fußsteige neben üppigen Alpentriften und durch dichtes Krummholzgestrüppe zum Gipfel der Kreutzeralpe gelangt, wo der Busen freier athmet, und in einer Höhe von beiläufig 7000 Wiener Fuß über der Meeresstäche, dem Auge eine weit ausgebreitete Fernsicht von mehr als 100 Quadratmeilen längs der Gebirgskette am Savestrome herab, gegen das Uskoken-Gebirge und nach den Bergen von Auersperg, Sonnegg und Freudenthal, dann gegen Idria und Görz an den jütischen Alpen, endlich zum giganten Triglav, zum Loibl und Storschitz, zur Kotschna, Brana und Steiner-Alpe sich öffnet. Auf dieser Alpe, eine Viertel Stunde von der oben genannten Alpenhütte entfernt, ist — 234 — die Knochenhöhle NuKriLk, in welcher sich eine große Menge urweltlicher Thierlnochen, II,8U8 spolaeu«) vorfindet. Ein Ungenannter gab uns im „ I l l y r . Blatte" Nr. l 8 und lu von t838 den Leitfaden zu einer Alpenwanderung oder Unterhaltungsreise durch drei Herzogtümer (Kram, Steiermark und Kärnten) in drei Tagen. Lassen Sie uns, meine verehrten Leser! diese, wenn auch etwas beschwerliche Lustparthie nach den Alpen im Geiste mitmachen. „Man geht," sagt unser Mentor, „aufMünkenoorfzu, unter der Herrschaft die Fahrstraße fort, hört links die gewaltigen Eisenhämmer Katzenberg's dröhnen, merkt sich wohl dew erhabenen Stand derKirche S t . Primus, wirft rechts im Vorbeifahren dem Hofe Sdusch einen freundlichen Blick zu, und gelangt bald darauf der Kirche von Streine gegenüber, wo man von der Bequemlichkeit des Führens Abschied nehmen muß. Mit einem schmalen Wagen könnte man zwar auf einem holperigen Wege im ^Kerua-Thale unter St. Primus noch fünf Viertel Stunden des Weges schlecht fahren oder bequem reiten, wenn man in Stein Reitpferde bekommen hat, die man bergauf noch am besten brauchen könnte. Auch stehen in ÄlLi'n» drei Stück von geduldigen Langohren zu Gebote, wenn man rechtzeitig die gehörige Vorsorge für alles Nöthige getroffen hat. Man geräth hiebet in der Ebene an das geschlossene Ende des Alierua-Thales; zwischen den Behausungen des, vul^o I u r z h i k benamseten Landmannes schlägt man den Schluchtenweg links über den Bergrücken des I'oclvollmlßll, ein, und erreicht in einer Stunde dessen Höhe und zugleich die Grenze zwischen Steiermark und Kram, nachdem man früher durch einen kleinen Wasserfall und durch manchen Blick in das zurückgelegte Thal angenehm angeregt worden ist." „Hier genießt man einer sehr schönen Fernsicht nach der am heutigen Tage etwas frühe verlassenen Hauptstadt und ihrer Umgebung, als: Leopoldsruh, Unterthurn und die Kirche ober Rosenbach, und gesteht gerne, daß man diesen Genuß sich mit wenig Anstrengung erkauft hat. Zwei Behausungen stehen hier nahe beisammen; ihre Besitzer sind beide mit dem Vulgar-Namen Rak bezeichnet; der erstere steht am krainischen Boden, ist Unterthan von Lustthal, der zweite auf steierischem Grunde, unterthänig nach Oberburg. Nun betritt man die Steiermark und zwar von einer Seite, wohin die Schriftsteller — 235 — und Sänger nicht mit Unrecht die untersteirische Schweiz zu versetzen beliebten. Von dem Grenzpuncte geht es nun in's jenseitige Thal gäher abwärts, als man krainischerseits hinan gekommen ist. Man hat die Aussicht in ein beiderseitig, von hohen Bergspitzen umschlossenes Thal. Nach einer Stunde Weges erreicht man die Filialkirche des heil. Antonius, in der Pfarre Leutsch, krainisch I^ULka. Bei dem Meßner, dem steierischen ^ui'LliiK) gleichsam als Antipoden des krainischen, werden gute Forellen in verschiedener Zubereitung das Gericht liefern, welches hier am sichersten zu bekommen ist und am schnellsten aufgetischt seyn wird. Weiter hat man nur einen Weg nach dem Thale vorwärts längs des Leutschthales, dem Dorfe Leutsch zu. Das Thal ist von verschiedener Breite, hie und dort mit weiten Wiesengründen auf den Anhöhen, und großen Getreidefeldern, in der Tiefe üppig prangend. Die hiesigen Grundbesitzer ernähren viel Vieh, erfechsen schonen Hafer in Menge, auch Korn und Weizen. Bis Leutsch hat. man noch zwei Stunden zu gehen; man wandelt noch immer nur in den Vorhallen. Da man heute seine Kräfte nicht zu sehr anstrengen, sondern für die nächsten zwei Tage vorbehalten und sich nur im Gehen eingeübt haben will, so wird in Leutsch,Rast gemacht." »,Mit früher Morgensonne setzt man am zweiten Tage die Reise fort. Leutsch liegt am Zusammenflüsse des Leutschbaches mit dem Flußche «, welches den Wanderern von nun an zum Wegweiser dienen soll. So wie sie aus dem Dorfe kommen, werden sie bei einer Mühle das linke Ufer desselben gewinnen, und an demselben entlang hinauf durch die heiligen Pforten und Hallen des reinsten Vergnügens ein- und hindurch ziehen. Man geht nicht lange vorwärts, als man in Folge der Weisung am linken Ufer die Reise fortzusetzen in Verlegenheit geräth; denn hier fließt das Wasser an einem senkrechten, ziemlich hohen Felsen so scharf vorbei, daß eine Fortsetzung der Reise unmöglich erscheint. Bei näherem Betrachten des Felsens wird man aber eingehauener Stufen gewahr,, auf welchen man hinanklimmt und einen überraschenden Anblick gewinnt. Hier steht man an der Schwelle zur romantischen Bergparthie, die man aber mit dem Auge noch vergebens sucht; denn dieses kennt sich jetzt weniger als vorher, so geschlossen und an einander gerückt erscheinen dem staunenden Wanderer die über seinem Haupte hoch hinaus ragenden Gebirgsspitzen. Diesen Pfad — 236 — verfolgend, kommt man bald näher an das Flußufer herab, und findet sich dann hoher darüber gestellt, bis man auf eine Stelle gelangt, die sich durch die merkwürdigste Natureigenthümlichkeit auszeichnet, und den Fuß des hochentzückten Wanderers auf längere Zeit zu fesseln» und seine Phantasie mit den mannigfaltigsten Nachbildungen in Felsengestalten zu täuschen bestimmt ist. Der sich hier zeigende Felsenpaß, ein zweites Thermopylä, befindet sich an einem senkrechten AbHange der gewaltig majestätischen HaäuK») über dem Wasserspiegel bei dreißig Klafter hoch, und von der jenseitigen senkrechten Seitenwand auf zehn Klafter entfernt. Die Stelle wird mit dem Namen Nadel H i ^ I a ) wegen Ähnlichkeit bezeichnet, welche die Felsenspalte, durch die man passirt, mit der Gestalt einer Nadel in Wirklichkeit hat, denn die Spalte stellt von vorn in einiger Ferne eine Nadel mit natürlichem Oehre vor; sie ist über 2 Klafter hoch, 3 Fuß breit und bei 6 Fuß lang. Nach innen ist der Felsengrund noch tiefer eingesunken, daher führt eine klafterlange, mit Geländer versehene Brücke zum weiterstehenden Vorsprunge. Die hierauf in der Felsenwand eingemauerte Inschrift deutet an die frühere Anwesenheit'des Landeschefs. Der Fußpfad führt nun gähe r abwärts zum Ufer; nach einer kleinen Strecke setzt man über einen hohen, angenehm schaukelnden, mit doppeltem Geländer versehenen sichern und festen Wassersteg auf das rechte Ufer. San heißt das rauschende Flüßchen, welches uns, wenn wir seiner Wassernymphe schärfer in das blaue Auge blicken, mit den Silberwellen angenehm erfreut. Jetzt wandelt man einen breiten und meist ebenen Weg; das Kahle und Eckige in der Naturbildung geht am Wege mehr und mehr in das Grüne und Belaubte und in das Flachabgerundete über, aber rechts und links ragen in der Höhe die entblößten Vergspitzen in die Wolken und erlauben dem Wanderer nur einen freien Blick zum Himmel. Von der Nadel geht man so eine Stunde vorwärts, bis man an Menschenwohnungen vorbei kömmt. Hier werden die Wanderer erfahren, was man ihnen bisher noch vorenthalten hat, daß sie sich in dem Dorfs und in der Gemeinde Sulzbach oder in der untersteierischen Schweiz befinden. Sie werden sich Anfangs nicht genug wundern können, daß Menschen in einer so abgeschlossenen Weltgegend sich niedergelassen und angesiedelt haben. Die Pfarre Sulzbach zählt über 600 Menschen. Sie beschäftigen sich mit der Vieh— 337 — zucht, Jagd, dem Holzschlage und Ackerbaue. I h r Feld, bestellen sie auf eine eigene Art, einmal im Jahre. Für alle Naturbedürfnisse wird in jeder Hauswirthschaft gesorgt. So verfertigt man Leinwand und Lodentuch, Strümpfe und Holzschuhe zu Hause, und nährt sich kräftig von der einfachsten Kost. Der einzige Luxus-Artikel ist der Wein, den die Hauswirthe sich und ihren Knechten an Sonntagen, wenn sie die Kirchenandacht verrichtet haben, vergönnen und kosten lassen. Dieser wird auf dem nämlichen einzigen Wege, den die Wanderer von Leutsch hergekommen sind, doch meist nach dem Flußbette und nach dessen linkem oder rechtem Ufer in der Tiefe zu Wagen eingeführt. Reitend kommt man daher von Leutsch nach Sulzbach ganz in der Ebene, opfert aber dabei manchen interessanten höhern Standpunct. Hier pflegt man den von Stein mitgenommenen Wegweiser zu verabschieden und einen andern zu nehmen, der mit den Wegen und Bergen und den Eigenthümlichleiten dieser abgeschlossenen Welt besser vertraut ist. Längs des breiten Fußes der Oulliov» wandelt man am Ufer der San aus dem Dorfe hinaus, und gelangt bald in einen Engpaß, welcher nur für die San bestimmt zu seyn scheint, so daß man nur mit Kunst bald rechts,, bald links einen schmalen Fußsteig gebahnt hat, auf dem man vorwärts kömmt. Ueber zwölf hochstehende, solid gebaute Stege, damit sie von den oft anschwellenden Wogen des stürmischen Flußgottes nicht erreicht und zertrümmert werden, passirt man auf dieser wildromantischen Strecke eine Stunde weit, indem man nur die schroffen Felsenwände und Pyramiden ehrfurchtsvoll anstaunet, und zwischen denselben oft nichts als den Himmel erblickt. Auf diesen Felsenburgen wohnen auf weiten Triften und Felsenstrecken die Grundbesitzer mit zahlreichen Herden; nach ihnen werden denn auch die Felsenspitzen benannt, als LnIIer- .luv«, PLLli ete. Endlich aber erweitert sich das Thal zuerst in der Höhe, später auch in der Tiefe, und man geräth auf eine weite, grüne Aue, die sowohl mit der vorhergehenden Beengung, als mit den über dieselbe hin zu erblickenden kahlen und mit perennirendem Schnee bedeckten Felsenmassen grell genug contrastirt. Unter diesen ist links vor dem Betrachtenden die OKrixa mit ihren zwei Spitzen, weiter die Lad», als die von der krainischen Seite der Rechten des Beschauers entsprechende Spitze des Sattels, weiter hin die Vertiefung des Sattels selbst wahrzunehmen. Am andern Ende der Aue erblickt man ein — 238 — wohlbestelltes Bauern- und Wirtschaftsgebäude, dessen Besitzer zu. gleich Eigentümer der ganzen grünen Umgebung ist. Er heißt darum auch Logar nach dem Vulgär-Namen. Westlich von Logar erhebt sich ein bewaldeter Berg, KoinlKi verk genannt, an dessen Fuße unter einem Felsenstücke eine frische Quelle hervorsprudelt, welche bald zu einem sanft rieselnden Bächlein wird und San heißt. Einige ver. setzen darum Hieher ihren Ursprung. Eine halbe Stunde weiter steht der letzte Schweizer Bauernhof, über den hinaus man einen dichten Wald betritt, in dessen dunkeln Schatten man anderthalb Stunden sich zu ergehen hat, bis man wieder in das Offene gelangt. Nun geht der Weg mühsam durch gewaltige Steintrümmer noch eine halbe Stunde weiter vorwärts, bis eine steile Bergwand des ermüdeten Wanderers Schritte hemmt. Hier hat man den Anblick des herrlichen Wasserfalles, der hier mehrere Klafter hoch eiskalt, oft nur mehr als Staubregen herabstürzt und sich wieder zur Quelle sammelt. Nur einige Klafter weit stießt das Wasser fort, dann versinkt es unter Stein und Gerolle. Da, wie früher bemerkt wurde, bei dem Bauernhause Logar's in gleicher Richtung eine Quelle hervorsprudelt, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß dieß nur ein und dasselbe Wasser sey. Der Wasserfall stürzt von einem AbHange der Hink», der Königin aller Alpenspitzen, herunter. Hieher wäre darum der Ursprung der San allem Anscheine nach richtig zu versetzen. An die Ainll» schließt sich westsüdwärts die Lr»nM als zweite Spitze des Sattels. Ueber den K M verb gelangt man nach Kärnten und kann dann über Bad Vellach und den Seeberg nach dem Kankerthale gelangen. An der Mündung des interessanten Kankerthales kann man zu Tupalitsch leicht Pferde bekommen und in wenigen Stunden in Laibach eintreffen." Eine minder beschwerliche und nähere Parthie von Stein aus ist zur Fürstentafel und zum Ursprünge der Feistritz. Der warm fühlende Naturfreund, Prof. Richter, nahm diese Parthie vor, und berichtete darüber im .Laibacher Wochenblatte" Nr. 44 von 18<8 Folgendes: „Tags darauf wallfahrteten wir zur sogenannten Fürstentafel smi«» für/iova) und zur Quelle der Feistritz, die etwa drei Stünden von Münkendorf, in der Nähe des Berges 6rinwv«,) aus mehreren Quellen entspringt. Diese Fürstentafel ist ein ovaler Stein, 24 Zoll lang, HZ Zoll breit, ie Zoll dick, mit der Inschrift: — 239 — ^uno 1564. Die 29. ^ p r i l i» 000. und liegt auf einenr etwas freien Platze, wo die Feistritz eben aus einer furchtbaren Felsenspalte hervorstürzt, eine Bahn, die sie sich in den Jahrhunderten selbst gebrochen. Es gewährt einen wildromantischen Anblick, wenn man diesen Bergstrom, in einer Tiefe von 30 Klaftern, sich tobend und brausend von Abhang zu Abhang herabstürzen und durchwinden sieht, und man erstaunt, wenn man bedenkt, daß dieses Wasser kaum eine Viertelstunde von seinem Ursprünge einen Felsenrücken von mehreren hundert Klaftern so durchspalten mußte, um freien Lauf in's Thal zu bekommen. Hier also hat der Erzherzog Carl, nachdem er Tags vorher zu Laibach, wie noch der auf dem Rathhause sich befindende Huldigungssessel beweiset, die Huldigung angenommen, (1364) wahrscheinlich auf einer Gemsenjagd Mittag gehalten, und demnach dem Orte historische Merkwürdigkeit gegeben." „Hier ist es aber auch, wo thörichte Schatzgräber jederzeit durch Wünschelruthen und allerhand geheimnißvolle Künste Schätze zu heben gesucht haben. Andere historische Monumente wurden bis jetzt noch nicht aufgefunden, es seye denn die Gräber auf einer Alpe links der Feistritz, welche hier unter dem Namen der wilden Gräber lHeidengräber) bekannt sind. Was zu dieser Benennung den Anlaß gegeben: ob heimliche Protestanten, oder vor den Türken flüchtige Thalbewohner dort begraben liegen, konnte nicht erhoben werden." Von dort, vom Ursprünge der Feistritz aus, muß der Hrintavk der höchste Punct der Steiner-Alpen, 4347 Wiener Klafter oder 8085 Fuß über der Meeresfläche, erstiegen werden, wer diesem Bergriesen von dieser Seite beikommen und sich den Hochgenuß, der oben den Wanderer erwartet, verschaffen will. Der Gubernial-Präsidial- Kanzellist Nepozitek schildert jenen Hochgenuß, dessen er sich am 12. August 4838 erfreute, im „ I l l y r . Blatte« Nr. 8S von 4842 auf so anziehende Weise, daß man darüber die Mühen, die damit verbunden sind, übersieht. Doch hören wir den Erzähler selbst. »Mit meinem — 240 — Freunde K. kam ich gestern von Laibach über das zwischen Bergen eingeklemmte Städtchen Stein, durch die wilde malerische Thalschlucht des Feistritzbaches, am Ursprünge desselben, an. Nach einigen Stunden Ruhe in der Sägemeister-Hütte, begannen wir, unter Führung des mit Erfrischungen wohl beladenen Holzarbeiters Anton H i l l ar die Ersteigung in der Richtung nach dem höchsten Gipfel der Alpe, den 6rintov». Es war 8 Uhr Morgens, Mond und Sterne leuchteten hell, und eine frische belebende Gebirgsluft schwellte die Brust. Während einer Stunde zogen wir in einem dichten, mit kleinen freien, von blühenden Heracleen duftenden Grasplätzen abwechselndem Walde, durch welchen das Morgenlicht magisch flimmerte, sachte aufwärts, und gelangten an das trockene Bett eines Bergstromes, in welchem man, dcrhart an beiden Seiten dichtes Gebüsch und starrende Bergwände das Umgehen hindern, von Stein zu Stein mühevoll emporklettern muß. Stunde und Stunde verrinnet, endlos scheint der beschwerliche, wilde Pfad, über den sonst brausende Wässer stürzen. Die Sonne war aufgegangen; man zeigt einen tiefen Gebirgseinschnitt, wo hinaus es geht; er scheint nicht fern, leicht durchstiegt das Auge den Raum, indeß Fuß und Hände in wechselweiser Hilfeleistung erst nach mehrstündigen Anstrengungen sich hinschleppen. Man steht an einem sogenannten Sattel zwischen der Kan^lina Km-.i und einem Ausläufer des tlrintov»^ welcher rechts höch^n die Luft ragt; dieser Sattel scheidet die Voralpe NnKriL» vom LlriutovL. Eine gefällige Aussicht in das jenseitige Kankerthal lohnt einstweilen für die bestandene Arbeit; der Blick rückwärts fällt in den düster« Schlund, aus welchem man heraufgekrochem kam. Kalk ist die Vodenbildung ohne Ausnahme, und selbst die tiefen Einrisse des Feistritzbaches decken kein anderes Gestein auf. An seltenern Pflanzen fand mein Freund, ein eifriger Jünger Florens, außer den gewöhnlichen unserer Alpen, — unter welchen mich Laien das lUiaäoäeiM'UN, die 8lleue a>, N^08«ti8 u., immer so lieblich ansprechen, da sie durch ihre lebhaften Farben das Auge ergehen, — nur die Oam- MnuIaAo^sii und 8»xifiaKÄ npbilla. — Nach einer kurzen Rast setzten wir uns wieder in Bewegung, es war acht Uhr. Einen zackigen Rücken hinan, der südwärts schroff abstürzt, ging es langsam und behutsam weiter. Um die sanfteste, einzig ersteigbare Absenkung des — 241 — 6rmtnv»zu gewinnen, mußte man eine schneegefüllte Thalung passiren, und diese zu erreichen, einen gähen Felsenabhang auf einer schmalen Leiste überschreiten. Es geschah. Hier verrieth uns fallendes Gerolle die Anwesenheit von Gemsen, und wirklich ward uns das seltene Vergnügen, zwei derselben in flüchtigen Sprüngen die Einthalung quer hin und zurück eilen zu sehen, wo sie dann über einer Hohe verschwanden. Mein rüstiger Genosse drang nun rascher vor, ermüdet und von der Heisien Sonne, deren Strahlen auf dem nun ganz kahlen Gestein glühend zurückströmten, gequält, folgte ich langsam dem Führer; öfter sank ich nieder, um das laut schlagende Herz zu stillen und den Durst mit Schnee zu beschwichtigen. Endlich, endlich erreichte ich die Spitze, auf welcher mich K. schon seit einer Stunde erwartete. Es war Mittag geworden. Die vorhergegangene schlaflose Nacht, die ungewöhnliche Anstrengung und die Hitze hatten mich erschöpft; ich warf mich auf den Steinen nieder und schlummerte, indeß eine wohlthätige Hand meinen Mantel auf den Alpenstöcken zum Schutze gegen die stechende Sonne über mich ausspannte." »Als ich die Augen aufschlug, streifte mein Blick vom schwarzblauen Himmel nordlich bis zum bleichen Horizont nieder, welchen im weiten Halbkreise die norischen Alpen begrenzten. Welch ein Anblick! Wie damals vom Triglav, der in voller Reinheit nahe zur Linken alle Höhen überragt, trübte kein Wölkchen die Aussicht. Der Glockner, im frischen Andenken vom jüngsten Besuch, der Watzmann, der Thor- und Dachstein treten über alleAlpenzüge mächtig hervor; das Gewühle der steiermärkischen und kärntnerischen Alpen liegt zu unseren Füßen. Ich erhob mich, um den Süden zu erforschen, der Höhenrauch aber trübte die Gegenden; nur der Schneeberg und der Nanos Innerkrain's ließen sich in matten Umrissen ausnehmen. M i t dem Fernrohre das Land in einer immer engern Spirale umkreisend, durchlief der Blick die heimatlichen Thäler, und traf endlich auf den Standpunct selbst. Westlich die wildzerspaltene X o ^ n » , östlich zunächst die 8outta, dann weiter die Vinn» und Oünix», zeigen in reißender Verwitterung ein schreckhaftes Bild der Zerstörung; tiefe Risse, Bergbrüche, schauerliche Schlünde gähnen umher und drohen die Verwegenen hinabzuziehen. Man tritt scheu zurück. Nun erst nahm ich den engen Raum der Spitze wahr, auf der ich mich befand; es sind nur einige Schritte Neis«rinn. au» Krnin. 16 - l ^ i , ein Windstoß wirft dich hinunter; doch nur leise Lüftchen umspielten uns kühlend und trieben zerstäubte Wolkenschleier um uns her, die von den Schneefeldern aufflogen und höher sich zertheilten. Beruhigt kann man sich den Betrachtungen überlassen, zu welchen ungewöhnliche Momente im Leben stets aufregen, und hat das Auge die Gegenstände um sich her sattsam beschaut, dann wendet sich der Blick auch gern nach Innen. Da gedenke ich immer des Ausspruchs unseres verehrten' v. Ve st in seinen Mittheilungen über das kärntnerische Hochland: „Der Mensch soll das Hochgebirge, das Meer, diese erhabenen Naturbilder, gesehen haben; er soll Zeuge gewesen seyn von dem Eintritte seines Mitbruders in die Welt, und von dem Scheiden aus derselben— gewiß, solche Scenen müssen entscheidend auf die Gestaltung des Charakters wirken, denn es bedarf solch mächtiger Erschütterungen, bis dieß kleine schwache Wesen in Demuth die Hand auf das Herz legt, und das unselige Hemmniß der Veredlung, die Eitelkeit, abstreift.« Da sieht man nur noch zwei Richtungen: unter sich das Grab, ober sich Gott, — und all das nichtige Treiben, in welchem wir das kurze Daseyn so unwürdig verbringen, erscheinet fahl und ekel. Wohl mit Unrecht tadelt man daher ähnliche, wenn auch zuweilen mit Gefahren verbundene Alpenreisen, in soweit sie nicht zu wissenschaftlichen Zwecken gemacht werden. Mag immerhin der Physiker, der Mineraloge, der Botaniker in diesen, außer dem gewöhnlichen Bereiche unserer Thätigkeit liegenden Höhen seine Beobachtungen mit Nutzen anstellen; die Kräftigung des Körpers durch eine lebhafte, dauernde Bewegung bei'm Genuße dieser reinen Luft sey auch andern vergönnt, und die Erhebung der Seele im Beschauen einer großartigen Natur, die Bereicherung unserer Phantasie mit seltenen, prachtvollen Bildern, so Wenigen zugänglich, — mögen jene Vortheile wohl aufwiegen, ich möchte sagen, überwiegen, welche die vielleicht einseitige Verfolgung einer Wissenschaft gewähret; denn der Adel, die Heiligung unseres Geistes, unseres besten Theiles, ist dem Nutzen jener Bestrebungen vorzuziehen, die gewöhnlich nur den behaglichen Genuß eines vorübergehenden Daseyns bezielen, äußerst selten aber phylosophischen Forschern zum Stufengange einer höhern Entwicklung und Erkenntnis; dienen, obgleich sie es können und sollen. Man kann daher empfänglichen Gemüthern derlei Wanderungen dringend empfehlen; dieß thut auch — 343 — jener gefeierte Mann, dessen Wort mich zu vorstehenden Betrachtungen leitete. Dem das schätzbare Geschenk eines rüstigen Korperbaues zu Theil ward, der steige also immerhin die Alpenfirsten hinan, und erfreue sich an ihren herrlichen Blumen, auch ohne sie zu zerfahren und in Herbarien einzupressen; schaue die abenteuerlichen Felsgebilde, ohne sie zu beHämmern, genieße die bezaubernde Fernsicht, auch ohne mit zahllosen Mettern und Instrumenten-Messungen Beobachtungen anzustellen; begegne aber den meistens übertrieben geschilderten Gefahren mit Besonnenheit, er wird sich für die Mühewaltung reich belohnt fühlen und sich für spätere Tage eine reizende Erinnerung begründen." — „Wir verweilten drei heitere Stunden auf der luftigen Stelle. Allmählig streckten sich Schatten in die Tiefen und mahnten zur Heimkehr. Mit dem Gefühle von Wehmuth, mit welchem man von Jemanden ohne Hoffnung des Wiedersehens scheidet, traten wir den Rückweg an. Dieß ist immer die schlimmere Aufgabe bei Alpenreisen. Abgesehen davon, daß man einen Theil der Kraft beim Aufgange zugesetzt hat, ermüdet das Absteigen auch mehr durch den schweren Stoß auf die Füße, bei ungewissen Tritten, und der Uebergang aus der frischen, stärkenden Höhenluft in die Schwüle der Thäler. Indessen ging es bis zum Sattel gut; auch war uns die Abfahrt über eine Schneelähne, welche auf eine höchst komische Weise allen Dreien mißlang, eine sehr ergetzliche Episode dieser Unternehmung und gab viel zu lachen. Aber der weitere Weg die Wasserrisse hinab, in welchen wir theils auf losem Gerolle abrutschten, theils von Felsblock zu Felsblock uns niederließen, war kaum mehr zu besiegen. Wir rathen daher Nachfolgern, den llt-intnvL vom Kankerthale aus zu ersteigen, von da kann es in kürzerer Zeit und bequemer geschehen. Spät Abends kamen wir äußerst ermüdet nach Feistritz zurück, und die gastliche Hütte des wackern Sägemüllers Urschitz nahm uns abermals freundlich auf." 46* Wallfahrt nach St. Iudoeus bei Krainburg. Es erklimmt der Anwohner der Berge Gern die luftigen Höh'n, wo er all dem niedrigen Treiben, Drängen und Sorgen der Erd' entrückt, des Himmels Gefilden Näher, so frei und selig sich fühlt! Wo das sehnende Herz ihm Höher im Busen schwillt, wenn er jetzt des wölbenden Aethers Dunklere Bläue staunt, jetzt in den schwindligen Abgrund Starrt, mit Thrä'nen im Blick des Waldstromes silberne Fluthen Eilen sieht und des schnell entfliehenden Lebens gedenkt. Lad. Pyrker. in längst gethanes Versprechen führte mich am schönsten Lenzabende einem Kreise geliebter Freunde dem Städtchen Krainburg zu. Der Vollmond schwebte hoch über mir, als ich dieser ehemaligen Residenz der Herzoge von Krain näher und über die lange Savebrücke hinüber fuhr, und mancherlei.Erinnerungen aus der vaterländischen Geschichte stiegen vor meiner Seele empor; ich sah mein Vaterland von Nomaden und Hirtenvölkern bewohnt, sah die Römer wacker an seiner Cultur arbeiten, sah aber auch die zarten Keime der Veredlung von durchziehenden Barbarm schonungslos in den Staub getreten, und fühlte endlich Habsburg's mächtige Sonne in den letzten Jahrhunderten ihre wohlthätigen Strahlen immer mehr und mehr über meine Heimat verbreiten, und sie standen nicht minder vor meinem Geiste die Glaubenshelden, im eifrigen Streben nach Einheit der Glaubenslehre, und die wackern Kämpfer für Fürst und Vaterland; in ihnen lebte der Lucanische Wahlspruch: Nee 8il)i, seä tot« Z^nitum 8« ereäere nmn6a." — G — 245 — Den Tag nach der Ankunft in Krainburg traten wir am frühen Morgen, mit Speise und Trank zu einem frugalen Mittagsmahle versehen, unsere Wallfahrt nach dem Iudociberge an. Nun gehörte ich ganz der Gegenwart, meinen lieben Freunden und den Reizen der Natur, die sich uns auf dem Wege zum Tempel der Andacht auf der Zinne des Berges in solcher Fülle darboten, daß Worte das vergebens zu malen suchen würden, was Auge, Herz und Geist kaum fassen konnten; die Anmuth des schönsten Lenzmorgens, der Wechsel der vielfältigen Landschaftsparthien, von jubelnden Hirten, grasenden Herden und entzückenden Gesängen der Nachtigall, Alpenlerche und anderer befiederter Meistersänger belebt. Wir wanderten am romantisch gelegenen Gütchen Schrottenthurn, welches einen angenehmen Sommeraufenthalt bietet, vorüber. Schon in mäßiger Höhe des zurückzulegenden Berges öffnete sich unsern Blicken eine überaus entzückende Aussicht in das schöne, üppige Flachland des Zeierfeldes über Wiesen, Felder und Haine, Dörfer und »Kirchen, bis zum Kahlenberge mit seinem schönen Kirchlein und der Burgruine Flödnig, bis zur schneebedeckten Scheidewand zwischen Kram und Kärnten zur Linken und rechts zum Olim'F hinüber, in dessen Vergkirche die krainischen Landespatrone Hermagoras und Fortunatus verehrt werden. Diesen Hochgenuß mit empfänglichen Seelen theilend, ward der zwei Stunden lange, selbst für Frauen und Kinder eben nicht zu beschwerliche Weg zur heiligen Stätte, fast wie ein gewöhnlicher Spaziergang zurückgelegt, und uns erquickte oben zunächst ein Labetrunk aus der frischen Iudoci-Quelle unter der Kirche. Die Höhe des Berges beträgt 443 Wiener Klafter oder genau 2««a Fuß über der Meeresfläche. In einem ascetischen Büchlein^ welches l760 in Laibach erschien, betitelt: „Leben und Gutthaten des Heiligen I u d o c i , eines Sohnes des Königs in Britannien, der von Menge frommer Christen in OberCrain, in der S t . M a r t i n s - P f a r r , auf dem sogenannten Iudocusberg, mit Erfolg vielfältiger Gnaden, andächtigverehrtwird," heißt es: „ Die Andacht, so alldorten gepflogen wird, ist eines uralten Herkommens, und scheinet von undenklichen Zeiten an, wegen daselbst häuffig ertheilten Gnaden berühmet gewesen zu seyn; weilen nicht nur in denen IalMSchrifften, und alten Verrichtungs-Registern gedachter S t . Martins-Pfarr, weit — 246 — mehrer Gottes-Dienst, durch Predigen, und H.H. Meß-Opfcr, für jene des H. Iudocus, als für andere einverleibte Kirchen aufgezeichnet zufünden; sondern auch die gesamte Pfarr-Gemeinde, alle Jahr einmahl, aus schon vorlängst eingeführter Gewohnheit (dero Anfang nicht kann bestimmet werden) diesen Berg, und die Kirche des H. I u docus zu besuchen pfleget; anbey der einfältige Bauersmann, zu Folge des alt-hergebrachten vätterlichen Unterrichts, solche Wallfahrt, als eine nothwendige Schuldigkeit anstehet; in Meinung: daß jener, welcher diese durch seine Lebens-Zeit niemahlen vorgenommen, solche zur Büß, nach dem Tode verrichten müße." Auch sagt das erwähnte Büchlein, daß im I . l?3l dortselbst mit Genehmigung Clemens X I I . eine Bruderschaft gegründet wurde, welche bis 1?60 über 180.000 Mitglieder zählte, und daß die Bergkirche dreimal erneuert und vergrößert worden sey. Die derzeitige Kirche, deren Alter sich erweislich von 1800 her datirt, ist nach neuerem Style erbaut und hat nächst daran ein Kloster, welches vormals sieben Geistliche und ein Director bewohnten, nun aber als Wohnung des Pfarrers und als Pilgerhospitium dient. Die hiesige große Glocke, welche aus dem Metalle einer bei Navarin eroberten Kanone verfertiget wurde, hat folgende, auf diesen Umstand sich beziehende Inschrift: ,MuH !>r<M He u^jäen !iil v <I»u inoi'H», Kn lurlllliHo ItrÄ^eltvo v NellkÄi Konsl,»! He Xkvai-I»; 6^ Kupi ramllr, ß^ 8a,u»,»«», v »vn» ixelije, <31»lim «äej Ii05l>Ho «il>»ll i« lveliz»», ^os!,l» l i n . " Unser erster Gang war in das Gotteshaus, wo uns der Herr Bergpfarrer die heil. Messe mit Salbung las, während wir Wallfahrter das in seiner Einfachheit erhebende Meßlied: „ W i r werfen uns darnieder," anstimmten, und ein Fräulein aus unserer Gesellschaft den Choralgesang mit der Orgel begleitete. Der Hochwürdige war über die Solennität des vollbrachten Gottesdienstes so erfreut, daß er unsere Bitte, um Theilnahme an den ferneren Freuden dieses Tages,' nicht ausschlug. Nicht Andacht bloß, auch der Wunsch', einen schönen Frühlingsmorgen im Freundeskreise und in den Armen der verjüngten Natur angenehm zu verleben, hatte uns Hieher gefühtts'äber Andacht, reine Anbetung des Allerschaffenden war es, was hier meine Seele — 247 — fühlte. I n solchen Momenten wird es begreiflich, warum unsere Vordem die Gotteshäuser an solchen Stellen zu erbauen liebten.- Die Erde wird Himmel, Nur auf den Höhen, wo sie still und verborgen, wie er. Dr. Weißenbach. Den führt nichts zur Erlenntniß Gottes, der auch hier einen weisen Lenker der unzähligen Welten und Wesen über und unter uns verkennt, den die Anschauung der herrlichen Natur nicht allgewaltig ergreift und zur Bewunderung und Anbetung hinreißt. O Lust, vom Berg zu schauen Weit über Wald und Strom, Hoch über sich den blauen. Tief klaren Himmelsdom! Jos. Freih. v. Eichendorff. Wohl einen erhabenen Anblick gewährt die schneebedeckte Alpenkette zwischen den Nachbarländern Kram und Kärnten, aber viel enK zückender noch ist die Aussicht hinab längs der Save, die sich durch grüne Auen und Haine, an üppigen Kornfeldern und friedlichen Dörfern vorüber, tief in das Land windet und zwischen den Bergen Unterkrain's verliert. Unzählige Kirchlein zeugen von dem frommen Geiste des Mittelalters * ) , und wo das Auge sich hinwenden mag, sprechen Gottes Allmacht und Güte an die fühlende Brust. Dort unten am Fusie des Berges zwischen Krainburg zieht sich das, in den altern und neueren Geographien sogenannte grösite Dorf in Kram, Feichting mit Namen, während es aber eigentlich eilf verschiedene und nah an einander liegende Ortschaften sind. Nicht zu übersehen ist dort an einem andern AbHange, beinahe in der Mitte des Gebirgszuges, die durch einen mächtigen Thurm bezeichnete und häufig besuchte Wallfahrtskirche unserer lieben Frau zu Ehrengruben, nennwürdig, weil einst allda die Mördergrube einer gefährlichen Räuberhorde war. An der in altdeutschem Style erbauten Kirche sind vier aus Stein gehauene Köpfe sichtbar, wovon der eine den Kopf des Räuberhaupt- ') Kram zahlt bei einem Mchenraume von i ? ^ " / ^ , Quadratmeilcn 1345 Kirchen. — 248 — mannes, der zweite den seines Bruders, der dritte den Kopf seiner Mutter und der vierte den seines Bullenbeißers vorstellen soll. Merkwürdiger als dieß ist ein in dieser Kirche hängender, urweltlicher fossiler Thierknochen, welchen der Volksglaube die Rippen eines heidnischen Riesen- Fräuleins seyn läßt, das mit einem Fuße auf dem Margarethenberge bei Krainburg, mit dem andern aber auf dem Kahlenberge stand. Am Ende war diese Riesin eine Zwillingsschwester jenes Riesen, dessen 4 Schuh 8 Zoll lange Rippe in der Pfarrkirche im Markte Innichen im Pusterthale hängt, und der nach der dortigen Volkssage bei'm Kirchenbaue (4213) die aus einem Steine gehauene Säule vom Steinbruche aus Sexten nach Innichen getragen haben soll. Scherz bei Seite! Zoologen dürften sich jedenfalls veranlaßt finden, die Kirche zu Ehrengruben, des dort zu sehenden pgleotlieriums wegen, aufzusuchen; sie können dieselbe nicht verfehlen, denn sie ist von Außen durch einen, vom Fuß bis zum Dache der Kirche reichenden heil. Christoph in altdeutscher Tracht, der einen riesenmäßigen Baum als Spazierstockchen in seiner Rechten hält, und über die zu seinen Füßen einher schwimmenden Meerfräulein und bemasteten Meerschiffe hinweg schreitet, hinreichend bezeichnet. Den Historiker werden die vielen Autographen, die an der äußern Wand der Kirche und an einer nicht ferne davon stehenden Bildsäule zu sehen sind, und die bis zum I . 1493 zurückreichen, interessiren; sie deuten auf das Alter dieser Wallfahrtskirche^ die unter Kaiser Friedrich I V . oder Ernest dem Eisernen erbaut worden seyn mag, und auf die Handelsleute, welche in frühern Jahrhunderten hier vorüber zogen, denn die Handelsstraße aus Italien ging damals überGörz und Heidenschaft durch den Birnbaumer Wald nach Schwarzenberg, und durch die Thäler von Sairach und Polland nach Lack und Krainburg dem Kankerthale und Kärnten zu. Die Gegend war damals nicht so freundlich und mit Häusern besäet, als heut zu Tage; ein großer, Feichtinger-Zeierer Wald erstreckte sich über die Berge und Ebenen, und hier hauste jenes Räubergesindel, welches die durchziehenden Handelsleute anfiel und ausraubte, bis Erich, Bischof von Freisingen und Inhaber der Herrschaft Lack, (1283) die Gegend mit Einwanderern aus dem Pusterthale bevölkerte, und die Dörfer: Feichting, Zeiering, Dörfern u^ s. wl^entstanden. Hierauf verlor sich zwar das Raubgesindel; es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, daß aus demselben — 249 — die krainischen Zigeuner, NoKonakKi) als deren würdige Descendenten, entstanden, welche noch in unfern Tagen eine Landplage des schönen Oberlandes waren. Dieses Bettler-Gesindel, 70 bis 80 Köpfe stark, zog heimatlos durch die Wälder Oberkrain's vom Bezirk zu Bezirk, schlief des Sommers in dieser oder jener Dreschtenne oder Schupfen der Bauern, verschaffte sich des Winters in abseitigen Wirthshäusern, bei armen Kaischlern und Inwohnern Unterkunft, und bettelte nicht eigentlich, sondern erpreßte vielmehr mit Fluchen und Drohungen den Unterhalt, ohne jedoch zu rauben oder auch nur als Diebsgesindel angesehen werden zu wollen. Seit Errichtung der Gemeindewache und seit der Deportirung der gefährlichsten Häupter dieser Banden in auswärtige Zwangsarbeitshäuser, ist das Land durch sie nicht mehr beunruhigt, und der arbeitsame Oberkrainer genießt im Frieden die Früchte seines Schweißes und die harmlosen Freuden seiner Erholungstage. Der Oberkrainer ist an Sitten, Tracht, Fleiß und kräftigem Körperbaue seinen Vätern noch ähnlich, er hält fast mit Hartnäckigkeit an alten Gebräuchen und Gewohnheiten, ist jedoch dabei cordial und fröhlich, und das junge Volk sucht gern den Tanz, wo er gestattet ist. „ Es ist ein schönes Land," sagt der gemüthliche Alpenwanderer Nepozitek*), „es ist ein schönes Land, das Oberland Krain's mit seinen prächtigen Alpenzügen, seinen wilden, malerischen Thälern. Unwillkührlich fühlt man sich dahin gezogen, und kann sich nicht sättigen im Beschauen seiner abwechselnd reizenden und großartigen Landschaften. Wer aber selbst in einem Alpenlande geboren ist, befreundet sich um so lieber mit einer Länderei, deren Formen ihn an eine andere Zeit, voll Erinnerungen des heimatlichen Lebens, mahnen, wie denn dem Alpensohne nur wohl in seinen Bergen ist; von ihnen scheidend, zieht ihn nicht selten ein tödtliches Heimweh zurück. — Da stehen sie nun in einer langen Reihe mannigfaltiger Gestaltungen die krainisch-kärntnerischen Gebirge in immer neuer Schönheit. Aus dunkel bewaldeten Vordergründen erheben sie sich in durchfurchten Massen bis zur Schneelinie, und noch hoher ragen ihre Zinnen in zackigen Ausschnitten und Pyramiden, meist schneebedeckt, oft prächtig vom Morgenroth gefärbt, beleuchtet vom Abendscheine, reizend umflort von Nebelschleiern, und ' ) Illyr. Blatt Nr. 15 von 184? — 25N — wechselnde Wolkengebilde schweben über sie hin; ganz tief im Hintergründe aber schwingt sich der Gipfel des Triglav, mehr als 8000 Fuß hoch über alle Höhen empor, doch erst, wenn man sich in seiner Nachbarschaft auf einem Berge befindet, z. B . am Zarzer-, am Wurzenberge, zeigt er sich in seiner ganzen Ueberlegenheit, so wie eigene Größe erst befähigt, die Größe anderer zu würdigen.« Wie wahr und getreu malt Adolph Schaubach in seinem Reisehandbuche: „D^e deuischenAlpen," die Naturwunder unseres Vaterlandes, indem er sagt: „Du tritt'st aus den Klüften des Hochgebirges hinaus in eine freie Gegend, deine Augen suchen die julischen Alpen, du glaubst ihre eigensinnigen, hoch in Lüfte aufragenden Zackengipfel vielleicht in Nebel gehüllt; denn du hast so viel Abenteuerliches von ihnen gehört und in Geographien gelesen, daß du sehr gespannt auf ihren Anblick bist. Doch der Himmel ist klar; du ersteigst eine Höhe, um sie zu suchen; die grauen, schneegefurchten Hörner des Triglav stehen klar vor dir, dort aber, wo von ihm an jene merkwürdige Alpenwelt beginnen soll, senkt sich das Gebirge so plötzlich zu flacheren Höhen, daß du fast die Ebene vor dir zu haben glaubst, aus welcher nur vereinzelte Köpfe auftauchen. Fragst du vielleicht einen ortskundigen Gefährten nach den julischen Alpen, so zeigt er dir jene flachen, blauen, looo Fuß über die Umgebungen allmählig aufsteigenden Höhen. Du eilst über die weite grüne Fläche mit ungläubigen Blicken noch immer in der Hoffnung, die julischen Alpen zu entdecken, neben dir fluthet ein klarer blauer Fluß, von Fahrzeugen belebt. Du näherst dich dem Höhenzuge und suchst nun, wie vorhin die Alpengipfel, das Thal vergebens, aus welchen der Fluß hervorwallen muß. Neugierig verfolgst du den Fluß aufwärts, und wirst bald darauf durch ein großes, blaugrün fluchendes Becken überrascht, das unmittelbar aus dem Schooße der Unterwelt unter einer Felsenwand hervortitt. Nachdem du dich gesättigt an der klaren hervorquellenden, mächtigen Fluth, ersteigst du die Höhe. Bist du schon im Kalkgebirge gewesen, so kennst du auch die Eigenthümlichkeit solcher Abhänge: spärliches Grün von Kalktrümmern überschüttet, hie und da ein graues Felsenriff, besonders oben am Rande. Bist du vielleicht schon von Trient über das höhere Kalkgebirge nach Arco im Sarcathal gewandert, das in derselben südlichen Breite liegt und dergleichen Bildung angehört, so — 35l — fällt dir freilich ein grosser Unterschied auf, dort in Tirol südliche Fülle, hier statt der Kastanienwälder und Olivenhaine nordisches Nadelholz bei geringerer Höhe. Das Nadelholz erscheint nicht üppig, sondern verkrüppelt. Hie und da ragt auf der nun erreichten Höhe ein Klippenzug auf, der zu einem höhern Gipfel emporzieht. Nach einiger Zeit senkt sich der Weg und du gelangst in ein breites Wiesenthal, ebenfalls von einem blauen Flusse durchrauscht. Felsenthore laden zum Eingang in die Unterwelt, bewacht von Burgen, als ob hier eine Zollstation zwischen Erde und Hölle wäre. Du trittst hinein in dieses Heiligthum der Geisterwelt; Stockwerk über Stockwerk liegen hier, wie dort oben auf den Hochalpen, die verschiedenen Becken, jedoch nicht vom blauen Himmel überwölbt, sondern von nächtlichen Felsendecken überspannt und in nächtliches Dunkel gehüllt; mit ernstem unheimlichem Rauschen entstürzt der Wafserüberstuß der ober« Becken zu einem tiefern; du wandelst neben einem finster« gähnenden Abgrund hin, der um so fürchterlicher erscheint, als du sein in Nacht gehülltes Ende nicht sehen kannst. Doch Alles ist durch die Kunst zugänglich gemacht; Brücken führen über die kalten Fluchen, Geländer schützen gegen wahre, oft nur vermeintliche Abgründe, Treppen bringen aus höheren in tiefere Räume. Die klaren nächtlichen Fluchen haben auch ihre eigene Schöpfung, ihre Thierwelt, die nur in dem lichtlosen Dunkel leben kann. Freudig begrüßest du wieder das wärmende Sonnenlicht der Oberwelt, um deine Wanderung im Thale fortzusetzen an der Seite des Flusses, der eben vor deinen Augen in jene unterirdischen Grotten sich warf. Er wallt dir ruhig entgegen, doch bald stehst du am Ende des Thales; eine Bergwand schließt es, und du siehst hier wieder den Fluß aus dem Schooße der Unterwelt hervorbrechen. Eine wohlgebaute Straße ersteigt in einigen Windungen die Höhe, doch bald darauf senkt sich dein Weg wieder zu einer Mulde, und du erblickst wieder eine neue Landschaft, einen See. Du hast schon manche Seen in unseren Alpen gesehen; aber wie Alles hier wunderbar erscheint durch plötzliches Hervortreten und Verschwinden, so ist auch dieser See ein Stück aus der Zauberwelt dieser Gegend. Schön der Anblick dieser Gegend: die eigensinnig vereinzelt auftretenden Berge, die vielen Buchten und Vorsprünge, die sonderbaren Gestalten haben schon etwas Märchenhaftes; die I'at«, mol^aii» scheint dir — 352 — dieses Bild vorzuzaubern. Hast du vielleicht nun selbst schon die übertriebenen Schilderungen der Vorzeit gelesen, so bist du im Stande, die Menschen, die hier am See wohnen, vielleicht auch für Zauberer und Hexenmeister zu halten. Hast du dir den Seespiegel recht genau der Merkwürdigkeit wegen aufgenommen, mit allen seinen Buchten und Vorgebirgen und kommst auf deiner Rückreise vielleicht wieder Hieher; du setzest dich auf derselben Stelle nieder, um deine Arbeit nochmals durchzusehen, dann staunst du freilich; und so lächerlich dir vorher die Mährchen vorkamen, die dir dein Gnom mittheilte, so siehst du jetzt deinen vorigen Führer mit verdächtigen Blicken an, du trauest deinen Augen nicht; Alles hat sich verändert; hier ist eine Bucht, wo vorher keine war, und dort ein Vorsprung, den du nicht eingetragen hast. Kömmst du vielleicht zum dritten Male her, so ist deine Zeichnung wieder falsch und in unheimlicher Angst packst du deine Sachen zusammen, eilst davon und glaubst Alles, was dir die Leute sagen.« Dieses Alles, und Alles was ich je in meinem Vaterlande gesehen hatte, stand dort auf dem Iudociberge, an heiliger Stätte, vor den Augen meiner Seele, und ich schrieb mit unnennbarem Gefühle nachfolgende Zeilen in mein Portefeuille, als wäre es der letzte Scheidegruß an's Vaterland: Sey mir gegrüßt von diesen steilen Höhen, Mein vielgeliebtes, theures Vaterland! Bon Reizen, die vor meinem Geiste stehen, Ist meine treue Seele lustentbrannt. — Ich seh' auf Alpenblumen Gemsen gehen, Wo der Triglav hinstrebt zum Himmelsranb, Und wo des Südens mild're Lüftchen wehen, Dort prangt des Wundersees Zirknitz Strand. Ich seh' im Geist? her Töplitz Balsamquelle, UndIdria's umtropfte Silberhöhle, Und deiner Grotten stilles Heiligthum; Ich seh' auf uns'rer Alpen grünen Rücken Die heimatlichen Herden mit Entzücken, Ich sehe Gottes Segen rings herum! Sr. Majestät, Friedrich Augusts von Sachsen, botanische Reisen in Krmn. Jedem Freisinnigen, nach Licht, Wahrheit und Selbstanschauung dürstenden Manne wurde das Reisen, vom Weltgeiste selbst, zum Hauptelemente angewiesen. Matthisson. s war bereits beider Rückkehr S r . Maj. des Königes F r i e drich A u g u st von Sachsen aus Toscana der einladenden I'Ior» Krain's an ihren vorzüglichsten Fundorten ein Besuch zugedacht, allein Se. Maj. langten am 22. Juli 183? mit einer kleinen Suite und im strengsten Incognito unter dem Namen eines Grafen v. Hohenstein unpäßlich in Laibach an, und mußten bis 13. August gedachten Jahres in ärztlicher Behandlung und als Reconvalescent hier verweilen, wo am 8. desselben Monates auch Ihre Majestät, die Königin, mit Gefolge eintrafen. Ihre Majestäten verließen Laibach mit reichlicher Beschenkung der Armen dieser Stadt, dem k. k. Professor der practischen Medicin und der medicinischen Klinik in Laibach, Dr. I o h . Zhuber, verliehen aber Se. Maj. der König „ in Anerkennung der Allerhö'chstdenselben bei der in Laibach erlittenen schweren Krankheit, mit eben so ausgezeichneter Einsicht, als rühmlichsten Eifer geleisteten ärztlichen Pflege," wie es in dem betreffenden Decrete vom 6. September 1837 wörtlich heißt, das Ritterkreuz des königl. sächsischen Civil-Verdienst- Ordens. Am 13. Mai 1838 wurde Laibach zum zweiten Male die Auszeichnung zu Theil, Se. Maj., den König Friedrich August von Sachsen, in seinen Mauern aufzunehmen. Der Besuch kam nicht unverhofft, denn Se. Maj. wurden hier von Ihrem Consul in Triest G — 254 — Ritter S a r t o r i o erwartet. Graf Richard v. Blogay hatte an den Custos des Landes-Museums, Heinrich Frey er, einige Exemplare der am 20. Mai t83? vom Grafen auf dem Lorenziberge bei Billichgratz entdeckten, und von Freyer nach ihm V»plme LInA»^iMk (Seidelbast) benannten Pflanze eingeschickt, um dieselben, falls Se. Maj., der erhabene Priester der l ' I u r l l , das Museum besuchen sollte, vorzuweisen. Se. Maj. hatten Se. Excellenz, den Herrn Obersthofmeister Grafen v. M i n l v i t z , dann den Adjutanten »ll» 8>iitk^ Oberst Baron v. Mandelslohe, und den Leibarzt V i ' , v. Amon im Gefolge, und stiegen im Gasthofe zur Stadt Wien ab. Sie besuchten noch an demselben Tage den Schloßberg, um die schöne Aussicht zu genießen, und dann das Landes-Museum, wo Sr. Maj. die genannte, selbst von den großen Botanikern Reiche nbach und Koch als neu anerkannte Pflanze Vnpllne VInza^ÄN» vom Custos Freyer präsentirt wurde. Nebst mehr andern Seltenheiten der reichen I ' w i l l Krain's kam auch die I'eäieulnl-i'8 »eaulis, die eben bei Stoschze an der Save, eine halbe Stunde außer Laibach, in schönster Blüthe stand, zur Sprache. Se. Maj. äußerten durch den Obersten Baronv. Mandelsloheden Wunsch, den Custos Freyer nach 7 Uhr des Abends bei sich zusehen, wo sich derselbe mit einigen botanischen Schätzen einfand, und es beschlossen Se. Maj. am nächsten Morgen die seltene Blume ?6llicul»ri8 am Fundorte selbst eigenhändig zu pflücken; Sie fuhren sofort am nächsten Morgen um halb 6 Uhr in Begleitung des Custos Freyer den schönen majestätischen Steiner Alpen, an denen Se. Maj. ein Wohlgefallen fanden, gegen Stoschze zu. Die gesuchte Pflanze, welche Freyer vier Tage früher ganz verschlossen fand, stand jetzt, gleichsam des hohen Besuches sich freuend, in voller Blüthe da, und Se. Maj. brachen einige der, schönsten Exemplare für I h r eigenes Herbarium. Schade, daß die eingelegten Vlüthen im trockenen Zustande ihr liebliches Roth gänzlich verlieren. Bei der Rückfahrt von Stoschze erkundigten sich Se. Maj. bei dem Custos Frey er um die Entfernung des Fundortes der Da^Kne VInKil^ÄNli von Laibach, und da diese nicht ganz 4 Stunden, nämlich 2 Stunden bis Billichgratz und etwa i ' / ^ Stunde bis zum Fundorte am Lorenziberge beträgt, beschlossen Se. Maj. sich dahin zu — 356 — begeben, um die schöne, weißgelbblühende vaplme L1«K»^«na I're^er (Blagny'scher Seidelbast), welche bis dahin in der botanischen Welt ganz fremd war, am Stamme zu sehen und eigenhändig zu sammeln. Die Abfahrt von Laibach geschah gleich nach der Rückkehr von Stoschze, und zwar in zweien Vierspännern. I n dem ersten fuhr der Custos Frey er mit dem, Consul S a r t o r i o , und im zweiten mit Sr. Maj. dem König der Oberst Baron v. Mandelslohe; — Se. Excellenz, der Obersthofmeister Graf v. M i n l - vitz und der Leibarzt Dr. v. Am on nahmen den Weg auf der Poststraße nach Oberlaibach. Auf dem Seitenwege nach Billichgratz und in Billichgratz selbst machte das Erscheinen vierspänniger Wägen mit Postillonen und der Schall der Posthörner, die in dieser Gegend nie gesehen oder gehört wurden, bei dem Landvolke viel Aufsehen. Der Inhaber der Herrschaft Billichgratz, Richard Graf v. Blagay, war bei dem unerwarteten Einfahren der beiden Hofwägen in den Schloßhof nicht minder überrascht. Billichgratz ist von Laibach, wie gesagt, zwei Stunden entfernt, und liegt in einer freundlichen Ebene am AbHange eines Berges, wo noch einige Fragmente der alten, 4511 durch Erdbeben zerstörten Burg Billichgratz zu sehen sind; das dermalige Schloß erhielt 1S83 seine gegenwärtige Gestalt. Eine halbe Stunde von Billichgratz steht die sogenannte Hoftirche St. Petri zu Duor, deren Erbauung von 1525 bis 1563 währte, und die mit ihrem Getäfel an der Decke ein Denkmal der Baukunst des Mittelalters ist. Die Fahrt nach Billichgratz über Dobrova am Gradaschzabache zwischen Bergen hin, bietet manchen angenehmen Wechsel der Landschaft dar; unser« hohen botanischen Reisenden erfreute am Wege Helednrii8 laxu» und die liebliche NmpKaloäes vern». Die Ankunft in Billichgratz fand um 9 Uhr Statt, und nach kurzem Aufenthalte daselbst, während welchem Se. Maj. ein Frühstück im Schlosse einzunehmen geruhten, wurde der Lorenziberg bestiegen, der 25«o Schuh über der Meeresfiäche erhaben ist, und auf dessen Höhe die Filialkirche St. Lorenz steht. Im nördlichen Walde der Anhöhe, welche Se. Maj. mit Gefolge um 11 Uhr erstiegen hatten, erblickten Dieselben die bis jetzt nur hier vorkommende schöne vaplmk MassÄ^an», die auf so hohen Besuch wohl stolz seyn mag, und die seit dem im Volke die Königsblume, L>a^ - 258 ^ liev» ro^lill heißt; so ehrt und verewigt der Krainer das Andenken an die auszeichnende Anwesenheit des hohen, gekrönten Naturfreundes. Auf dem Wege vom Schlosse bis zur Anhöhe fanden Se. Maj. viele botanischen Kostbarkeiten, als: klergnium iue»rimtuui) 6 e - nist» triljueti'Ä) Oitisus 8upinu8 pur^uieu8^ ?rimul» »eauli», Omj>ualoä«8 veru«^ Ull^Ku« dneniuM) H^Iiulü ur8inum^ N u - z,1i»ibia »M)s6lllui<le8) eillmoliell, 6ulei8^ Ulle^uetill V i ) i - z»»eti8) vulmanmm nss.) 8oopo1ia ati «poiäe8 u. a. m. Die I'Ioi n, des Lorenziberges, den man in einer Stunde umgehen kann, zählt bis jetzt 35«. bekannte Pflanzenarten; reicher dürfte kaum ein ähnlicher Fleck des Erdbodens seyn. Se. Maj. waren der erste Botaniker, der dievaplme L I a - KÄ^iMÄ nach ihrer Entdeckung am Stamme sah. Dieselben empfahlen dem Grafen die möglichste Schonung und, Beschützung jener botanischen Seltenheit, allein, der gemeine Mann legt" derselben seit dem hohen Besuche eine allgemeine Heilkraft bei, und dieser Glaube droht der Pflanze mit gänzlicher Ausrottung, da besonders die Weiber ganze Bündel davon nach Hause schleppen, um die Universal-Medicin stets vorräthig zu haben. Die traurige Erfährung, daß ein Bauer, der einen Absud dieser Pflanze imUebermasie genoß, unter heftigen Schmerzen und Brennen im Innern, verschied, dürfte den lebensgefährlichen Wahn bannen. Nach der Rückkehr von dem, mit den seltensten Pflanzen reich besetzten Lorenziberge, der im vollen Maße geeignet ist, Botaniker anzuziehen und zu fesseln, hielten Se. Maj. im Schlosse Billichgratz Diner, zu welchem Allerhöchstdieselben den,Schloßinhaber Grafen v. Blagay nebst Gemahlin, dann den Obersten Baron v. Mandels». lohe, den Consul Ritter S a r t o r i o und den Custos Freycr beizuziehen geruhten. Se. Maj., der erhabene König und Naturfreund, waren über die vormittägige Excursion hoch erfreut, und besuchten nach aufgehobener Mittagstafel die Pflanze 8»xifr»S» Pßtrgea, die im Thalgrunde jenseits des Schlosses am Gradaschzabache in'Felsen ihr Beet hat/ allwo das scharfe und geübte Auge des Monarchen bald das einzige, eben blühende Exemplar erblickte,, welches kein Anderer, des Gefolges noch erschaut hatte. — 257 — Wen die Götter auserwü'hlt Und bevorzugt schon hiernieben, Wem dieß große Loos beschicken, Dem nie Götter Beistand fehlt; Ob er sich dem Throne weiht. Ob er forscht in Thalesgründen, Er wirb stets ein Blümchen finden, Das den Glücklichen erfreut. Um i Uhr Nachmittag wurde der Gegend von Billichgratz Lebewohl gesagt; der Graf v. B l a g a y verewigte aber die Anwesenheit des hohen Gastes und erhabenen Naturfreundes mit einem Denkmale am Fuße des Lorenziberges, wo der Fußsteig beginnt. Das Monument, eine Pyramide (Obelisk), ist von inländischem grauen, zu Gleinitz gebrochenen Marmor, beträgt in der ganzen Höhe 13 Schuh, und mißt im Postamente 4 Schuh im Diameter. Der zweite Aufsatz sin der Hohe 3 Schuh) enthält in vergoldeter Schrift auf einer viereckigen Platte von schwarzem, bei Hölzeneg gebrochenen Marmor: Nicu^KDIIZ cONN8 HN8MI L I ^ K ^V I.0OI V0HNN1I8 ?. Auf diesem zweiten Aufsatze ruht der stumpfgespitzte Obelisk aus einem Stücke, ? Schuh hoch, im Pedal 3, oben 1 Schuh im Diameter. I n einer ovalen Platte von schwarzem Marmor ist die vergoldete Aufschrift: r k I V I L . IDII8. Z I ^ I VINI. 1^118^0 DUN 8NKNNI88IMII8 8 ^ X 0 N I ^ N NNX I ' N I V N I U c i ^ ^1161181178 ^176. O^N8. ^ v r i M8 r i ^ A I ^ U ^. v . 5NNVNÜ ciI8?0VN. NII8NI I^»^0NIV8I8 N N c o t t N I l ^ N N0V4U Neiseerinn. au« Kr«ln. i? — 35» ^- L 0 ^ N I 0 N 8 ^ N 0 l iN ^V0^V ^»1101^1180^^8 Muccoxxxviii. Se. Maj. der König setzten Ihre Reise von Billichgratz über Holzeneg und Oberlaibach nach Idria fort, wo Dieselben bei Abenddämmerung eintrafen, weil auf dem Wege dahin zeitweise botanisirt wurde. Das Schloß Holzeneg, welches auf einem anmuthigen Berglein liegt, wurde in der zweiten Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts erbaut, und vertritt die Stelle des ehemaligen sogenannten Baumkircher Thurmes, welcher nach Hinrichtung seines Besitzers Andreas Baumkircher, des verirrten Helden von Wiener Neustadt, auf Kaiser Friedrich's Befehl in Schutt gelegt wurde, und seit dem als Ruine dort im Walde mahnend steht. Da Holzeneg von dem Besitzer Grafen Vlagay seltener und nur auf kurze Zeit bewohnt, und folglich auch minder sorgfältig conservirt wird, so bot es keinen Anlaß zum Aufenthalte, wohl aber schenkten Se. Maj. dem Steinbruche bei Holzeneg, wo schöner schwarzer und rother Marmor bricht, Ihre Aufmerksamkeit. Se.Maj. der König entließen den Grafen B lag ay und denCustos Freyer zu Oberlaibach, diese überraschten aber Allerhöchstdieselben in Idria, wohin sie voraus gefahren waren, mit ihrer unvermutheten Anwesenheit. Freper, ein geborner Zdrianer, traf allda alle Vorbereitungen zur beabsichtigten botanischen Ercursion in den sogenannten Strug, welche am 45. Mai mit dem frühesten Statt finden sollte, was jedoch das eingetretene Regenwetter vereitelte. Se. Maj. befuhren demnach vorerst die Quecksilber-Grube und besuchten dann die Wäschereien, die Schlemm- und Pochwerke, die Brennhütte, die Zinnober- Fabrik und die eben aufgestellte Dampfmaschine zur Herausschaffung des in die Grube eingedrungenen Wassers. Se. Maj. ließen sich sodann von dem noch immer ungünstigen Wetter nicht abhalten, die l'iimul» e»!-ninliea an der Iderzä nächst dem Catarakte liubila. 259 — und jenseits am wilden See personlich aufzusuchen, wohin Dieselben nur der Custos Fr ey er zu begleiten die Ehre hatte. Auf dem beschwerlichen, an manchen Stellen selbst gefährlichen Wege dahin erblickte Sr. Maj. geübtes Auge von der Ferne bei -dem Felsen per äebeli l'Kali eine Olel«8 naHen«, die weder von S c o p o l i noch von Hacquet, noch von einem andern Botaniker in der Gegend von Idria je bemerkt worden war. Ober Rotea unter dem Rinnwerke, in Felsenritzen am Flusie, waren bereits Blüthenansätze der ?iimul» e»lnioIil?H nebst der Valeriana saxatili« und Lßlliäm8tium Meüelii vorhanden, allein die erste, vollkommen entfaltete ?rimula- Blüthe war abermals dem Auge des erhabenen Gönners und Beförderers der 8oikutia »nialillis vorbehalten; am jenseitigen Uferfelsen standen bereits deren mehrere entwickelt da. Als Se. Maj. eben mit Freyer im Begriffe waren, die Felsen zu übersteigen, um in den Kessel des wilden Sees zu gelangen, stieß Ferjantschitsch, k. k. Apotheken-Laborant in Idria, zu ihnen, und übernahm die gesammelten Pflanzen. Eine Fläche ober dem Felsen war von der Heuie^ »oealli» t l a v ^ die zur Blüthenzeit so herrlich anzuschauen ist, ganz überdeckt. An der steilen Felsenwand führt ein Fußsteig zur Secschlucht, wo sich bei fünfzig Pflanzen-Seltenheiten dem Auge zeigen, weßhalb Dr. Sieber diese Schlucht, so wie den Strug botanische Gärten nannte. Dort in der sehenswerthen, wildromantischen Seeschlucht sprachen Se. Maj. der König den Wunsch aus: „Wäre doch Reichend ach hier, in solcher Wildniß so herrliche Sachen und so üppig zu sehen!" Jetzt kam der Oberst Baron v. Mandels lohe nach und erstieg die Felsen zum See. Im Halbkreise von hohen Felsenwänden eingeschlossen, und jenseits vom Gerolle, Gehölz und wildem Gestrüppe bekränzt, hat der tiefe und enge Kessel ein düsteres Aussehen, und das angeblich aus dem Wipbacher Thale zustießende Wasser des Sees eine schwarzgrüne Farbe, weßhalb er auch schwarzer See genannt wird. Se.Maj. der König geruhten den wilden See höchsteigenhändig in I h r ReiseportefAlille zu zeichnen. Am Rückwege von diesem See an der Wasserschleuße Ilnbila vorüber besuchten Se. Maj. den Pflanzenreichen Strugwald und erklärten: »Die Idrianer sind um diesen schönen Spaziergang zu beneiden." Se. Maj. drangen eine halbe Stunde weit, biszum Ileväel) 17* — 260 — als zweitem Fundorte der Oampmiul» p^i-amid»!!») und allenthalben entzückte den naturliebenden Monarchen eine überreiche I'lnr» im üppigsten Grün und vollsten Leben; Se. Maj. kehrten um halb 3 Uhr Nachmittags höchst befriedigt von der botanischen Ercursion nach Idria zurück. Nachmittags heiterte sich der Himmel aus, und Sc. Maj. fuhren nach 4 Uhr, nach aufgehobener Mittagstafel in Begleitung des Obersten Baron v. Mandelslohe und des k. k. Apotheken-Laboranten, Ferjantschitsch, nach Unter-Ibria bis zu VeliKejne, und schritten dann auf dem Fußsteige gegen Leuäovi v ß l l i , den Ielenkberg botanisirend, hinan. Die rauhe Witterung hatte in diesem Frühjahre die Vegetation im Allgemeinen um t4 Tage verspätet, und im Kendischen Felsen hatte die ?rimu!a veuu8t», vor Frost Schaden gelitten, Sr. Maj. war es aber dennoch geglückt, an einem Felsen ein Exemplar dieser Frühblume, die Ferjantschitsch 1822 entdeckt und außer ihm und Freyer noch Niemand am Orte gesammelt hatte, in schönster Blüthe zu finden; es ist dieses wiederholte Glück offenbar mehr als Zufall, es ist jenes freundliche Geschick, mit welchem die Gottheit einzelne Auserwählte, sey es welche Richtung menschlicher Bestrebungen sie immer nehmen, vor andern Sterblichen begünstigt. Se. Maj. geruhten dem Custos Freyer in Idria eine sehr schön gearbeitete, blauemaillirte goldene Dose zustellen zu lassen, und setzten mit dem Ausspruche der Zufriedenheit über die Resultate der wissenschaftlichen Forschungen in Idria und Umgegend, die Reise über Triest nach Dalmatien fort. — Gibt's eine Verherrlichung, glänzender noch als diese: Einen Fürsten zu schau'n, zu welchem die Berge noch reden, Welchen der Wald hmemruft in sein schattiges Dunkel, Dem entgegen ein jeglicher Baum ausstrecket die Aeste, Zu umarmen den Freund, dem jegliche Blume an's Herz spricht! vr. Weißenbach. Und zum dritten Male wurde Krain mit dem ehrenvollen Besuche Sr. Maj. des Königes Friedrich August von Sachsen ausgezeichnet. Custos Freyer erhielt mit einem Schreiben des Hofrathes — 261 — Dr. Reichenbach, ä<!o. Dresden l » . Juni 1841, die Mittheilung, daß Se. Maj. wieder und zwar über den Loibl nach Krain zu kommen beabsichten, um die Wochein, die »Iiei'un, z>0l-N) den Wasserfall der c8»vi2«, und den Triglav am Fuße zu besuchen. Ein zweites Schreiben des genannten Hofrathes vom ?. Juli 184t, welches Freyer auf einer botanischen Excursion am i g . gedachten Monates zu Neumarktl empfing, gab diesem den Wink, daß es S r . Maj. sehr angenehm wäre, den Custos Freyer zu Ottock, wo Se. Maj. zwischen 2». und 81. Juli eintreffen würden, zu finden. Dieser Wink war dem genannten Custos ein Befehl, und er fand mit dem Grafen Blagay, den er von der bevorstehenden hohen Ankunft in Kenntniß setzte, am 2?. Juli um halb ? Uhr des Abends in Ottock sich ein, aber sieh da! Se. M.aj. waren schon seit vierthalb Stunden dort, und ließen den Custos Frey er im Augenblicke seiner Ankunft durch den Major v. Engel zu sich berufen, um die Dispositionen behufs der beabsichteten botanischen Wanderung in Oberlrain, zu treffen. Se. Maj. entschieden sich zunächst zu einem Besuche der sogenannten Uraw. Das Wetter war ungünstig, die Abendrothe entzündete jedoch einen Hoffnungsstrahl auf bessere Witterung für den kommenden Tag. Der Morgen des 28. Juli kam, der Himmel erheiterte sich und Se. Maj. brachen um 6 Uhr früh gegen Aßling (Dorf und Poststation gegen Villach) auf. Freyer hatte die Ehre, Sr. Maj. zur Seite im Wagen zu sitzen, Graf Blagay fuhr mit dem Major v. Engel. Von Aßling aus gingen Se. Maj. mit Freyer eine bedeutende Strecke den Wägen zu Fuß voraus, und hatten hie Freude, einen noch so spät blühenden O^tisu» purpurens zu erschauen und zu pflücken. Freyer gab sich vergeblich die Mühe, ein zweites Exemplar zu finden. Vor dem Einsteigen wurde noch Milium e»riu»ww und Oeriatull» »l'vensi» gesammelt. Nächst ^ l o i l i i l l n a , am Fuße der HleslillKI», nickte am Wege ^strantia «»rmulica in großer Anzahl Sr. Maj. entgegen. I n Noiiil'ÄNÄ wurden einspännige Wägen, da nur mit diesen oder zu Pferd hier fortzukommen ist, bestiegen. Die Sonne lachte dem hohen Wanderer heiter am Wege zum l'eiix,KniK entgegen. Der ?e,-i2,linill, ist ein schöner und sehenswerther Wasserfall, den man nach einer Stunde Fahrt von NoiNi-aull) durch einen, von den Koho «2 lenbrennern ziemlich gelichteten Wald dem Triglav zu, erreicht, und der rechts vom Wege ab sichtbar ist. Er stürzt von einer überhängenden Felsenwand, hoch oben durch einen Felsen getheilt, in zwei schäumenden, schneeweißen Strahlen überaus malerisch und bogenförmig in einen Kesselt herab; wer sich so gesunder Athemwerkzeuge erfreut, daß sie den heftigen Luftstrom auszuhalten vermögen, kann den Strahl am Kessel umgehen. Bei der Anwesenheit Sr. Maj. des Königs fiel der ?6ri2limK) wegen Mangel an Wasser, leider nur in einem Strahle, folglich minder schön herab. Unfern des Wasserfalles ( v pvl- i2N.nill0Vwu Kl»U2!i) lag knapp am Wege ein, aus der Höhe herab gestürzter Kalkfelsen mit ^mwonitsn^ Nurioiten, Oaräiteil) Venus-Muscheln und I'un^iten. Von ?6l'i2liniK weg gelangt man zu einer schauerlichen Stelle, wo eine Nagelfiur-Felsendecke, über zwei Klafter horizontal über den Weg, den man neben einem Abgrunde dahin fährt, hinausragt; je näher dem Hrat»-Thale, desto romantischer wird die Gegend. Aimir und Vater Triglav stellen in großartiger Pracht sich dar, und am Ende des Thales erhebt sich ihr Nachbar Steiner mit seinen kahlen Wänden. Ein überraschenderes Tableau vom himmelanstrebenden Bergen dürfte in der That nicht leicht irgendwo zu finden seyn. Se. Maj., wiewohl mit den erhabensten Gebirgsscenen vertraut, erklärten dennoch, daß Ihre Erwartungen hier weit übertroffen wurden, und zeichneten, auf einem Felsblocke sitzend, die Ansicht des Triglav in Ihr Portefeuille. Triglav und Steiner bilden daselbst einen Engpaß, durch den man nach "lrenta in Friaul hinüber gelangen kann, und 'deßhalb ist diese Schlucht das Thor ^Urata) genannt. Diese romantische Schlucht, die so leicht zu Wagen und zu Pferd erreicht werden kann, verdient mehr gekannt zu seyn, und von Freunden großartiger Naturscenen häufiger besucht zu werden. Lengenfeld liegt nachSuppan i l 2 » Schuh über der Meeresfläche. Die Einspänner blieben bei den Köhlerhütten, und Se. Maj. gingen mit dem Major v. Engel und Frey er zu Fuß und unablässig botanisirend bis zum Ursprünge der Nmliran«r Feistritz am Fuße des Triglav; dort zeichneten Allerhöchstdieselben abermals eine Ansicht dieses erhaben-schönen Bergkolosses. Se. Maj. ließen sich ein Glas der so rein perlenden und eiskalten Feistritz am Ursprünge reichen; wohl — 263 ^- bekomme jedem Naturfreunde ein solcher Labetrunk, ein zweifaches ?r«8it rufe ich aber den Hohen zu, die nach dem Beispiele Sr. Maj. des Königs von Sachsen die Wissenschaften pflegen und ehren. Vom Ursprünge der Feistritz traten Se. Maj. den Rückweg an, auf welchem die, nächst am Wege im Wasser blühende, blaßrothe niedliche 8ilene puäiliunäa^ und die oben genannten Versteinerungen mitgenommen wurden. Bei der Rückkehr nach Nloiliran» zeichneten Se. Maj. an einem Fenster desobern Stockwerkes desWirthshauses (bei'm Schmerzwirth) den Triglav nochmals in's Portefeuille. Se. Maj. hielten zu Aßling Mittagstafel, nach deren Aufhebung der Weg gegen Beides eingeschlagen wurde. Welch ein Wechsel der Landschaft vom Wilderhabenen in das lieblich Romantische! Am Fuße des Schlosses Veldes ließen Se. Maj. halten und bestiegen mit dem Custos Frey er den Berg zum Schlosse, wo Allerhöchstdieselben im Hinansteigen die I'Iora nicht unbeachtet ließen und die für Kram ganz neue Pflanze trkrllnium 6ivm-io»tum entdeckten. Se. Maj. zeichneten die Ansicht des Schlosses in Ihre Reisemappe, besahen hierauf das Innere des Schlosses und waren über die entzückende Aussicht vom Schlosse herab in die paradiesische Landschaft sichtbar erfreut. Se. Maj. nahmen zu Seebach im Gasthause ?etriM ihr Nachtquartier, wo man alles aufbot, um den hohen Reisenden bestmöglich und nach Gebühr, zu bewirthen. Tags darauf, nämlich am 29. Juli um 3 Uhr des Morgens, wurde in die Wochein aufgebrochen; Graf Blagay hatte die Ehre, im Wagen Sr. Maj. zu fahren, Custos Frey er fuhr mit dem Major v. Engel, ein dritter Wagen nahm das Reisegepäck auf. I n Feistritz besahen Se. Maj. das Baron Zois'sche Gewerkhaus, wo der Hochofen eben angestochen wurde, und die glühendrothe Masse hervor quoll. Hierauf ging es nach S t . Johann am Wocheiner See, allwo Se. Maj. um halb ^ Uhr mit Pöller-Salven, die hundertfach in den Bergen wiederhallten, empfangen würden. Die Fahrt über den See war wegen des widrigen Windes beschwerlich und so sehr verzögert, daß sie zwei Stunden, nämlich bis halb i Uhr Nachmittag, währte. Auf dem Wege vom See bis zur <8avi?H wurde eine reiche Ausbeute an botanischen Schätzen gemacht, und daher der Ursprung der clsavix» erst um 2 Uhr erreicht. Der Himmel hüllte sich allmählig in düstere Wolken, die sich — 264 — in Regen ergossen, ehe noch Se. Maj. nach einiger Labung mit kalter Küche und Trank das Plätzchen am Monumente verließen. Ein ungeladener Gast, der sich hier eingefunden hatte, und bei Imbiß und Gläschen seiner Zunge freien Lauf ließ, trug, wenn auch nicht zur Bereicherung der Kenntnisse, so doch zur Erlustigung der Gesellschaft bei. Ungeachtet des ungünstigen Wetters machten sich Se. Maj. der Konig, in Begleitung des Custos Freyer, zur Ersteigung der liamna-Alpe an die Felsenwand am Viehwege auf; die Vegetation bot keinen Lohn, wohl aber entschädigte Se.Maj. der Ueberblick von der Hohe der steilen Felsenwand, an derem Rande Allerhöchstdieselben lange standen, ohne vom Schwindel ergriffen zu werden, was nicht Jedem gelingen mochte. Das Herabsteigen war, da der Boden vom Regen schlüpfrig wurde, noch beschwerlicher und gefahrvoller, als das Emporklettern. Freyer fing einen Oolubkr Ievi8 lebend, auf den ihn Se. Maj. aufmerksam machte, und der in einer Blechbüchse und im Weingeiste zur Erinnerung an die c8»vi2Ä nach Dresden hinüber wanderte. Se. Maj. zeichneten von einem günstigen Puncte aus den Wocheiner See und dann ging es zum See hinab, wo Graf Blagay, Major v. Engel und die Begleiter und Schiffleute zur Ueberfahrt über den See harrten; Pöller-Salven brachten Er. Maj. bei der Rückfahrt ein Lebewohl dar. Der naturliebende Monarch hielt im Baron Zois'schen Gewerkhause zu Feistritz Nachtlager. Am nächsten Morgen war der Himmel düster umwölkt, und der Regen drohte jetzt und jetzt ig Strömen sich zu ergießen, aNein Se. Maj. der König ließen sich dadurch nicht abhalten, in Begleitung Ihres Adjutanten all» 8uite Major v. Engel, dann des Custos Freyer, eines LeiblakaieS und einiger Träger die »Kern» perli zu ersteigen; den Grafen Blagay entließen Se. Maj. huldvoll zu Feistritz, der sofort seine Rückreise nach Billichgratz antrat. Die Lkerna zierK ist der östliche Zweig des Gebirgszuges der julischen Alpen, welcher dieWasserscheide zwischen der Wocheiner Save und dem Selzacherbache bildet, und hat seinen Namen xliern» pk,-N (schwarze Erde) von dem sehr dunklen Thonschiefer, der dünngeschichtet auf seiner Höhe liegt. Die Höhe der 2,Kerua per/i beträgt »70 Wiener Klafter über der Meeresfläche. Der Steigweg bis zu den Alpenhütten 8» xkerno 3«ru ist ziemlich gut, er wurde bis ? Uhr des Morgens zurückgelegt, aber dort — 265 — ereilte die Gebirg^wanderer der vorausgesehene Regen. Ein Trunk frischer, vortrefflicher Milch, und dann ging es munter- der xliei-ug, porli zu, als ob das schönste Wetter die Excursion begünstigte und es auf ebenem Wege ginge, während doch Kalksteintrümmer das Gehen erschwerten. Freyer kroch mit einem Träger in die Felsenklüfte hinein, fand jedoch nichts Merkwürdigeres, als ?e<1ioul»ri8 Naeyuetii, während Se. Maj. der König bis zur Felsenwand unweit des Sattels, wo Nast gemacht wurde und Frey er Dieselben einholte, unter andern 6eutmuÄ Inte», Milium eaininlieum^ Orni'tlw»»Ium z^reuaionm in schönster Blüthe gefunden und eingesammelt hatten. Unweit des Sattels oder Uebergonges erfreute Se. Maj. der Fund einer t?»mpanula Ao^sii) die hier sehr selten vorkömmt. Se. Maj. der König erklärten, daß diese Alpe in botanischer Beziehung die reichhaltigste sey, die Sie je betreten hätten, und Frey er erbat sich die hohe Genehmigung, das schöne Blümchen OampÄNuI», To^sii zur Erinnerung an den hohen Besuch dieser Alpe und des Fundortes jenes Blümchens, 8»xi» X«^8Ü^ ! > . , taufen zu dürfen. Die herrliche Aussicht von der Höhe der xberna perK war durch dichten Nebel gesperrt; Nebel und Sturmwind erschwerten den Uebergang über den Sattel hinab tolmeinerseits über den steilen Wiesenabhang naä 8t«»'- » l i i l M ^ welcher ob Mangel der Steigeisen, äußerst beschwerlich war; manches zierliche Stadtherrlein hätte da Muth und Haltung, Arme und Beine verloren. Die Führer kannten sich, wegen des dichten Nebels in der Gegend nicht mehr aus, Freyer aber fand den Weg zu einem ihm bekannten Heubehälter, auf welchen nun losgegangen wurde. Mäher, die sich vor dem Negen dahin geflüchtet hatten, zeigten unseren Alpenwanderern den nächsten Weg nach l'näbei'ä». Unter der Hütte (Heubehälter) eröffnete sich die Aussicht in das enge Tolmeiner Thal und an den jenseitigen I'oi'esen-Berg. Se. Maj. botanisirten unablässig am Wege, ungeachtet des wieder eingetretenen Regenwetters; welchen Hochgenuß hätte sich der naturkündige Monarch bei schönem Wetter in dieser, an botanischen Schätzen überreichen Alpenwelt zu verschaffen gewußt! Und wieder führten die Führer die Naturforscher irre, bis endlich über Stock und Stein bei Gewitterregen und unter Pöller-Salven nach zehnstündigem Marsche das Dorf?»äkerä«, erreicht wurd'e. Se. Maj. übernachtete» hier im gastlichen Pfarrhofe bei — 366 — dem Pfarrer Salamanti, und setzten Tags darauf mit dem Frühesten Ihre Reise im Görzer Gebiete über Woltschach, Charfreut und Flitsch nach Tarvis fort, wo Dieselben um 10 Uhr Nachts eintrafen. I n Flitsch, wo die beiden Botaniker, M u t i u s Joseph Tommasini, Magistrats-Präses und k. k. Gubernialrath zu Triest, und Dr. Sandtner, ausübender Arzt, den gekrönten Jünger der lieblichen I'Ior» auf küstenländischem Boden bewillkommten, entließen Se. Maj. den Custos Freyer und behändigten demselben eine kostbare goldene Cylinder-Sackuhr nebst Kette, „als Beweis Ihres Wohlwollens und Ihrer Zufriedenheit." Es muß jedem Patrioten warm um's Herz werden, sein Vaterland von einem, in jeder Beziehung so hoch stehenden Naturfreunde auf solche Weise gewürdigt zu sehen, und wenn die Naturmerlwürdigkeiten dieses Landes und seine reizenden Thäler und Berge selbst einen so erhabenen Monarchen zum zweiten und dritten Male anzulocken, und auch andere fürstliche Häupter und hohe gelehrte Naturfreunde anzuziehen und zu interessieren vermochten, wie sollte der Sohn des Vaterlandes dasselbe nicht lieben und preisen? Des Felswllld's Land, der Heidenstäche, Land des Gebirg's, der Seen, der Bäche, Land meiner Barer! Menschenhand Kann lösen nie das zarte Band, Das knüpft an deiner Flüsse Strand! Wenn auf die wohlbekannten Scenen Mein Auge blickt mit weichem Sehnen, Bedenkend, wie es ist, wie's war; So scheinet es mir offenbar. Daß noch, wenn mir sonst nichts geblieben, Mich deine Thäler, Berge «eben. Walter Scott. Inhalt. Laibach und seine Umgebungen; Umriß der Geschichte Krain's. Seite 1. Der Schloßberg; Landespatrone, Skizze der Geschichte von Krain; Landeswappen; Lage von Laibach; der Name Laibach; Hauser» und Einwohnerzahl; Gössen, Plätze, öffentliche Denkmale; Kirchen; öffentliche Gebäude und Behörden; die vorzüglicheren Privatgebäude; Jahr« und Wochenmärkte; Kaffeh- und Gasthäuser; Bildungsanstalten; Humanitätsanstalten; wissenschaftliche und Kunstvereine; Buchdruckereien, Buch- und Kunsthandlungen; Fabriken; Belustigungsorte, Spaziergänge und Umgebung. A u s f l u g nach I n n e r k r a i n . Seite 4 l . Oberlaibach, Loitsch, Planina; die Schlittler; Grotte und Burgruine Kleinhä'usel; Schloß Haasberg; Grotte St. Canzian; der Zirknitzer See; Adelsberg und seine Grotte; der Karst; Burg Lueg; das Wipbacher T h a l ; der Nanos, die Bora, die Mischen Alpen; die Magdalenen-Grotte bei Adelsberg und der Olm; Idria. Reise durch Unterkrain. Seite 92. Salloch, Osterberg, Lustthal, Poganik; Littai, Sava; Renkou, der PrußnikerCanal, weißer Schwall; Mittale Wasserfall; Steindrucken; Eisenbahn- Trace von hier bis Laibach; Ratschach, Weichselstein, Savenstein, Taritschenborf (Ruckenstein) und Neustein; Gurkfeld, Vihre, Xevioäunum; Ießenitz, Mokritz; der Gurkfluß, Munkendorf, das Uskoken-Gebirge, Sichelbürg; der Gurkfelber und St. Baitholomäer Boden; archäologische Fundorte; Landstraß, ehemalige Cistercienser-Abtei Maria-Brunn; St. Bartholomä und Pleterjach; Neustadtl und Umgebung, Wördl, Lueg, Poganiz, Rupertshof, Maichau, Graben, Forst und Stauden; Bad Töplitz; Einöd und Hof; die Eisgrotte im Hornwalde; Hopfendach, Treffen, Sittich, Weixelburg. Lustreise nach Nuersperg, dann ReifniH und Gottschee. Seite 123. Auersperg, Achaziberg; Gottschee und Burgruine Friedrichstein; die Grotte bei Gottschee; Reifnitz und sein Hexenprozeß; der Bilchfang; Ortenegg; Obergurr, Ursprung des Gurkstusses, Seisenberg. Eine Ferienreise nach Oberkrain. Seite 143. Schischka, St. Veit, Kahlenberg; Zwischenwässern und Görtschach; Bischoflack, Strasische, Krainburg; Neumarktl und der Loibl; Radmannsdorf; Obergörjach; Veldes^; Rothweiner Wasserfall, Sebenje; Stein und Katzenstein, Vigaun, St. Peter; Wallenburg; die Wochein; Wasserfall bei Neuming; Feistritz, die slwrua peiü; der Wocheiner See; Ursprung der Saue, <l5avl2a-Wasserfall, die acht Seen des Felsenthales; Althammer und Mitterdorf; Burg Beides. Ersteigung des Triglav. Seite i9l. Ersteigung von Althammer, Mitterdorf und Moistrana aus; Hauptmann B o s i o ' s Abenteuer auf dem Triglav; sämmtliche bekannte Ersteigungen seit 1778; das Vorgebirge l l r » ! » ; Steiner und Zemir; der reri^imiK Wasserfall. Ausflug nach Stein und Nachbarschaft. Seite 229. Das Gebiet der Feistritz; Stadt S t e i n ; das Tucheiner Thal, Schloß Steinbüchel, Münkendorf; die Kreuzeralpe und die Knochenhöhle Mokriza; Alpenwanderung durch drei Herzogthiimer innerhalb drei Tagen; Ursprung der Feistritz; der l^riuluvs. Wallfahrt nach S t . Iudocus. Seite 244. Kloster und Kirche am St. Iudociberge; das größte Dorf in Krain; Unsere liebe Frau zu Ehrengruben; die krainischen Zigeuner NoKona2>>i. S«. Majestät, des Königs Friedrich August von Sachsen, botanische Neisen in Krain. Seite 253. Erste Anwesenheit Sr. Maj. in Laibach; zweite Anwesenheit und Ausflug nach Stoschze; Fahrt nach Billichgratz und Ersteigung des Lorcnziberges; Hölzeneg; Besuch ber Bergstadt Idria und Botanisirung in ihrer Nähe, der Strug, der Catarakt Iloliil», der wilde See; dritte Anwesenheit in Krain; Aßling; Besuch der NrlNH, ?eri«!,nik Wasserfall, Lengenfeld, Moistraner Feistritz, Neides, Wochein, Wocheiner See, <8»,vi2», die Üamnll-Alpe; Er° steigung der 2!>ern», nerll und Uebergang in das Görzer Gebiet. Seite 2, Zeile 31, lese P e t e c h i e NvHatt^>etechen. i 5 ^ , ^ ^ c^z^ > '.' 3' , 3,^ ,',' I V, statt II.' „ 45, „ 32, „ 4754, statt 4725. „ 45, „ 43, „ u n s e r , statt-unserer. „ 43, „ 21, „ B e i n » r d i n , statt Nerardin. „ 24. „ 45, „ 1?oß°n, statt Tagen „ 23, „ 6, „ w eß h a l b , statt weßhblb. „ 21, „ 25, „ seinem, statt ihrem. „ 25, „ 7, die Zahl V bleibt weg. „ 12, „ 41, lese auch w a r e i n s t , statt nun aber ist. „ 17, „ 2ll, „ H e r z o g , statt Erzherzog. „ 65, „ 2», bleibt da» Wort besuchte weg. „ 87, „ 42, lese w e l c h e n , statt welchem. „ 74, „ 20, „ V t « g b e r g , statt Stegber. „ 71, „ 2, „ h i n l äng l i ch st, statt hinlängst. „ 76, „ 21, „ des k. l . f ü n f t e n K ö n i g von S a r d i n i e n H u - s a i e n - R e g i m e n t s . „ 77, ,, 22, „ sei n e i bo t a n i s c h e n S ch atze, statt seinen botanischen Schätzen. „ 77, „ 22, „ der, statt de», „ 91» ,, 31, ,, 31 e in «n »<>, statt !>Iun>en!n. „ 4U1, „ 41, ^!6 und 26, lese M un l e n d o r f , statt Ätünlendorf. „ 44U, „ 4ll, lese I I I , statt IV. „ 441, „ », „ 4 « 3 2 . statt 4822. „ 44«, „ 2», „ wegen der schmackhaften K r e b s e , statt wegen den schmackhaften Krebsen. „" 42?, „ 2U, „ a l l e r h ö c h s t e r , statt allerhöchsten. . „ 428, letzte Zeile, lese 4 2 1 7 , statt 43'»7. „ 431, Zeile 2, lese i n g r o ß e r , statt eine große. „ 457, „ 2, ,, X Ii er« 0K11 i^« c l» o»K« , statt XKeri5i,!!lc!i<>nIi2. 459, 473, 483, 2ll>. 222, », „ F r e u d l o s , statt Freundlos. 49, „ 0 ° n ß r . , statt «üor. 46, „ v o r , statt vom. 23, „ N a c h t h e i l , statt Nachthtil. 7, „ P i n h a t , statt Piechat.